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Sonntag, 23. August 2009

Bericht zum ATB 2009

ATB 2009
Datum: 22.-23. August
Ort: Hertinghausen
Zeit: 20:30 Uhr bis 4:45 Uhr
Grenzgösse: zu Beginn nur an 6m kratzend, nach 2 Uhr 6m5+ / SQM 21,5 M33 blickweise freisichtig 
Wetter: zu Beginn der Nacht noch wechselnd bewölkt, dann cirrig, später klar

Wetterkapriolen und eine gerade so überstandene Erkältung brachten mich dazu, dieses Jahr erst zum Samstag zum ATB zu fahren. Mit an Bord Katrin und.. naja so ein paar Teleskope ;)
Nach etwa 2h Fahrt fanden wir am Platz angekommen schnell unsere Leutchen, Jörn, Jan, Nils, Jonas, Heiko nebst Tochter, Henning nebst Sohn, Franz Jakob, etwas später auch noch Armin. Jörn war leider schon im Aufbruch, war aber auch schon seit Mittwoch dort.

Also erstmal ans Zeltaufbauen, vorher aber die Teleskope und vorsichtshalber noch mal Nässeschutz drüber, es waren ja immerhin noch einige Wolken unterwegs.

 

Nach und nach entwickelte sich in der guten alten "Dobsonalley" eine sehr gemütliche Runde. Ja entschuldigt, der Parallaktiker hinter dem roten Dobson bin ich, den 102/500 musste ich schon mitbringen ;) Katrin der ich meinen treuen 8" f/6 vermachen werde, durfte nun schonmal alles auf Herz und Nieren prüfen und sich mit dem Gerätchen vertraut machen. Auf diesem Foto macht ihn Nils zusammen mit einem 31er Nagler schmackhaft - unlauterer Wettbewerb! :D 

 

 

Heiko hatte schon vor eine paar Tagen zum ATB einen "Zeichenworkshop" bestellt... Also ein solcher war es natürlich nicht, denn ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, dass man beim Zeichnen im Gegensatz zur Fotografie auf sehr vielen, persönlich ganz unterschiedlichen Wegen nach Rom kommen kann. In jedem Fall habe ich einfach mal exemplarisch gezeigt wie ich bei einer Zeichnung vorgehe. Wer wollte konnte auch mitmachen, auch Nils zeigte uns allen seine Zeichenmappe mit erstaunlichen Zeichnungen! Im Praxishandbuch Deepsky bzw. in einer Zeitschrift suchten wir uns ein paar Objekte zum Üben raus, Katrin und ich gingen eine Zeichnung des Californianebels an, Nils an M51 - die Ergebnisse waren toll anzuschauen, natürlich kann man mit solchen Fingerübungen nur bedingt das Zeichnen am Okular üben, ist dann bei Nacht und Rotlicht und dem Wechsel von Okular und Papier doch noch etwas anderes.

 

M51 von Nils Füllenbach

 

California Nebel von Katrin Hage

 

Nach diesem Exkurs warteten wir eigentlich nur noch sehnsüchtig auf die Nacht, noch immer zogen teils dickere Wolkenbänke durch, bei aber ansonsten heissen Sonnenschein. Heiko und Nils bekamen von einem sehr netten Helfer ihre Crayfords optimiert, ich war erstaunt wie leichtgängig und ruckelfrei sie danach funktionierten. 

 

 

Der Platz war am Samstag nicht mehr allzu gefüllt, viele mussten anscheinend leider schon abreisen, schade denn die Nacht war wirklich klasse, so war es zu fortgeschrittener Stunde dann auch ausgesprochen ruhig und dunkel um uns herum, wobei natürlich noch einige andere die Nacht bis zur Dämmerung nutzten.

Zum Abendessen tauschte ich einen meiner beiden Cheeseburger glücklicherweise gegen einen halben Texastopf, ja der mit der leckeren Jagdwurst, die von einigen Anwesenden liebvoll als "überfahrener Hund" identifiziert wurde ;) Geschmeckt hats trotzdem... Unangefochten auf Platz 1 standen aber wohl die selbstgebackenen Muffins von Katrin.

 

Unsere Gerät erwarten das Freiziehen des Himmels und den Sonnenuntergang, wer sich wundert: Die Gegengewichte hab ich nicht vergessen sondern sie läuft genauer ohne - ich weiss: schwarze Magie... Dahinter sieht man den 6" f/5 von Jonas, seiner Rockerbox ist ein echter Blickfang, so durchdacht stabil und sauber bekommt man keine von der Stange, dabei hat er die Rockerbox so professionell gebaut, das man sie durch die saubere Lackierung und das Friktionssystem kaum noch von einer industriell gefertigten unterscheiden kann.

Als die Dämmerung endlich anbrach ging es an die Justage. Die Schrauben meiner Spiegelzelle sorgten mal wieder global für Verzweiflung, aber nach nur einem abgebrochenen Schraubendrehen schafften es Nils, Armin und ich das Ding ordentlich zu justieren, nunja nicht mehr allzulange und der Spiegel wird in einer neuen Zelle sitzen ;)

Die Wolken waren merklich dünner geworden, immer noch zogen aber vereinzelte Wolkenbänke durch. Erstes brauchbares Objekt war, wie sollte es anders sein Jupiter, das Seeing war stellenweise ausgesprochen gut und ich sah zum ersten Mal und sehr viel unübersehbarer als ich dachte den GRF - zugegeben auf unsere Nachbarn halte ich ausgesprochen selten, die Einbuchtung im Wolkenbank war sehr auffällig aber natürlich alles andere als rot....

Ins Sachen Deepsky wurde zunächst eindeutig mit angezogener Handbremse beobachtet, Cirren zogen mal mehr mal weniger dicht über den Himmel und gaben aber immer ausreichend Objekte frei die ausgiebig angefahren wurden, bei mir waren es zunächst die üblichen Verdächtigen in Schwan, Leier und Füchslein. Zwischenzeitlich klemmt ich auch die EOS an den 102/500 und versuchte mein Glück an M31 und M27 - erstaunlicherweise war mir trotz Pi-mal-Daumen-Ausrichtung das Glück hold und es gab drei Schnappschüsse. Bei den Fotos handelt es sich jeweils um Bildausschnitte (ca. 20-25% des kompletten Fotos) die dann noch leicht verkleinert wurden. 

 

NGC 404 - Mirachs Geist - 102/500 Achromat Einzelbild 30s bei ISO 1600 

 

M27 - Hantelnebel - 102/500 Achromat Einzelbild 30s bei ISO 1600 

 

M31 - Andromedagalaxie - 102/500 Achromat Einzelbild 30s bei ISO 1600
Schnell war die Kamera aber wieder aus, denn der Himmel zog nun merklich freier. Es blieb aber zunächst unterdurchschnittlich, die 6mag Grenze wurde allenfalls gestreift nicht aber durchbrochen. Jan hatte von einem Platznachbarn ein 5mm Skywatcher SWA mit 70° Feld geliehen und wir nahmen uns einige Objekte vor um es mit dem 4,9mm Speers, vor allem aber mit dem fast genauso teuren 5mm Planetary zu vergleichen. An M13 fand ich die Unterschiede am geringsten, allein das Speers Waler hatte hier erwartungsgemäß durch Feld und Transmission die Nase leicht vorn. An h+x zeigte das Planetary einen saubereren Rand während das SWA nicht ganz so gut am Rand abbildete (10" f/5), ich für meinen Teil muss aber sagen, dass der Unterschied zwar sichtbar aber nicht weltbewegend war, man könnte also zwischen den beiden Okularen eher den persönlichen Geschmack nach mehr Feld oder aber besserer Schärfe bis zum Rand entscheiden lassen. Sein Geld ist das Okular wohl aber in jedem Fall wert, zumindest in 5mm. Es ist aber vom Gewicht her ein ganz schöner Brocken, hat dafür gleich die Möglichkeit auch als 2" genutzt zu werden. 

Nils zeigte mir nun den langersehnten Kugelsternhaufen Mayall II / G1 in der Andromedagalaxie, sie überraschte mich sehr positiv, denn ich erwartete mehr oder weniger nur ein Sternfünkchen aber sie war eindeutig verwaschen zu sehen und unterschied sich damit sofort von den beiden nahe stehenden Sternen. 

 

Gegen 1 Uhr gab es dann die Nachtabschaltung der umliegenden Örtchen, der Himmel war nicht schlecht, hatte die 6m Marke auch überschritten blieb aber nicht ganz sauber. Trotzdem beobachteten wir mit unseren diversen Gerätschaften...

Ich hatte mir eigentlich nur ein neues Objekt für diese Nacht vorgenommen, NGC 7008 den "Fetus Nebula" im Schwan. Zuerst ging ich gleich mit [OIII] ans Werk und er war relativ schnell aufgefunen und auch in der Übersicht schon neben einem auffälligen Stern zu sehen, schon dort sah man die sehr interessante gebogene Form des PN, bei 150x wurde sie sehr deutlich und sogar Helligkeitsabstufungen waren super zu erkennen. Dann ging mir aber doch das Licht aus. Ich konnte mich zunächst nicht durchringen eine Zeichnung anzufangen.

Die Kamera war beim nächsten Foto leider schon unbemerkt von Tau heimgesucht worden... Der war zwar präsent aber nicht allzu stören,d Okulare und Fangspiegel blieben trocken. 

 

Der Durchbruch kam dann etwa gegen 3 Uhr, das SQM erreichte hier seinen Höchstwert von 21,5mag. Und DAS sah man den Objekten dann auch merklich an! Zum ersten Mal sah ich M33 freiäugig, sie blitzte immer wieder auf was von praktisch allen Anwesenden bestätigt wurde. M31 war im 16"er nur noch als unglaublich zu bezeichnen, die beiden Staubbänder waren nicht nur zu sehen sondern stachen tatsächlich ins Auge, der Supercluster NGC 206 war unübersehbar und sehr auffällig, die Staubbänder begnügten sich aber nicht damit an der meist präsenten Stelle "unten" sondern sehr viel weiter.
M33 war aber der Hingucker der letzen Stunden, schon im 4"er waren drei Spiralarme ansatzweise zu erkennen, im 12" waren sie so deutlich wie (achtung abgedroschene Phrase!) ich sie noch nie gesehen habe, enorm! In Heikos 16"er gesellte sich sogar noch ein vierter Spiralarm dazu. Nils fertigte an Heikos Dobson diese Zeichnung an, die das gesehen wirklich gut trifft.

 

Der so schön detaillierte Fetus PN lies mich nicht los und ich ging nochmal OHNE [OIII] FIlter unter diesem nunmehr richtig guten Himmel ans Werk. Wow! Ohne Filter war nun sogar noch weitaus mehr zu sehen und daher konnte ich auf 300x vergrössern und nahm mir nun doch die Zeit ihn in Ruhe zu zeichnen, diesmal gibt es davon übrigens keine Reinzeichnung sondern ich belasse es bei der die direkt am Okular entstanden ist, sieht man von ein paar nicht ganz runden Sternen hab, glaube ich nicht, dass ich den Anblick bei einer Zeichnung ins Reine noch besser hätte treffen können. Wie ich vor Tagen schon bei Hajüs Bericht und Zeichnung zu diesem Objekt gelesen habe: Es ist definitiv einer der interessantesten PNs (die ich schon besucht habe).

 

Wir waren alle (Nils, Heiko, Katrin, Anke und ich waren um die Uhrzeit die letzten in unserer Reihe die noch an den Teleskopen standen) zu aufgekratzt um schon ins Zelt zu kriechen, vor allem da um 4:27 Uhr endlich mal wieder ein ISS Überflug zu erwarten war. Also genossen wir noch den Himmel. Im Osten kletterte bereits der Orion über den Horizont und läutete den "Winter" ein. M42 ist auf dem ATB immer das "must-have" Objekt auch wenn man natürlich kurz über den Baumkronen noch nichts weiter erwarten darf - beim Blick durch den 16"er war es aber doch schon ein wunderschöner Vorgeschmack auf die kommenden Monate.

Die ISS kam pünktlich, Katrin und Heiko verfolgten sie mit den Dobsons (8" und 16"), Katrins Freudenschreie dürften noch den ein oder anderen Zeitgenossen wieder geweckt haben :D Beide sahen Module und Solarpanels die laut Heiko orange schimmerten. Ich selbst erhaschte durch den 16er nur noch einen kurzen Blick als sie schon schwächer wurd, aber Sonnensegel waren sogar da noch auszumachen.
Das war ein würdiger Abschluss und mich und ziemlich müde gings dann gegen kurz vor 5 ins Zelt :) 

 

Der Morgen kam schonmal ein bisschen zu früh aber in Zelten schlafe ich halt nicht besonders... Also blieb zwischen 9 und 11 Uhr nur noch mit ziemlich zerquetschter Erscheinung das Equipment und Zelt wieder zu verstauen und mit Nils einen lecker Linsentopf als Frühstückersatz zu schlemmern (danke Heiko und Henning sogar warm!) :D - Dann ab auf die AB und nach Hause... Jetzt ist es schon wieder fast Mitternacht und ich mache mich mal schleunigst ins Bett ;)

Vielen Dank an alle die dabei waren, es hat grossen Spass gemacht und ich denke nächstes Jahr steht ausser Frage wo wir Ende August wieder zu finden sind... 

© 2009 Benny Hartmann

Samstag, 30. August 2008

ATB 2008



Nachdem ich im letzten Jahr das ATB kurzfristig kippen musste ging es diese Jahr endlich hin, wenn auch nur für zwei Nächte von Donnertag bis Samstag. Mit im Gepäck Nils aus dem Hunsrück und natürlich unseren Newtons. Die Hinfahrt gestaltete sich ziemlich problemlos, auch wenn uns die Dauerbewölkung schon nichts gutes für die erste Nacht verhies. Kaum angekommen trafen wir auch gleich auf Günther und kurz darauf Franz und Armin die ihre Zelte schon direkt gegenüber unseres Platzes aufgeschlagen hatten. Das Gelände liegt wirklich genial und bei entsprechenden Bedingungen ist dort ein super Himmel möglich, ein grosses Lob an dir Organisatoren des ATB, die Stimmung ist völlig unabhängig vom Wetter prima gewesen, für den Magen und eventuellen Wetterfrust war dank guter Futterauswahl und reichlich Getränkelager zu günstigen Preisen gesorgt. Den Donnerstag Abend verbrachten wir so beim Erkunden des Geländes und dem Kennenlernen vieler Gesichter hinter den Namen die ich aus den Internetkontakten kenne. Die Hoffnung auf ein Aufreissen war vor allem bei Nils bis spät in die Nacht nicht klein zu bekommen :p Das wurde zwar leider nichts, aber wir verbrachten bis spät in die Nacht vor Franz Rechner um wenigstens virtuell einige interessante Objekte rauszusuchen und zu besprechen (zumindest die schon gesehenen) ... 


Unser Zelt, am ersten Tag noch im Grauen Dunst 

Freitags gings schon zeitig aus dem Zelt, Frühstück und nachdem am Vorabend die Instrumente bei leichtem Nieselregen alle abgedeckt oder eingepackt blieben den ersten richtigen Check. Günther nahm sich viel Zeit und organisierte zwei Concenter Kollimatoren um unsere beiden Newtons mal auf Herz und Nieren zu prüfen, bei mir war nicht viel zu tun, ich bin aber äusserst begeistert von dem Kollimator von Spheretec, man ist viel weniger auf die Genauigkeit des Lasers angewiesen und sieht wirklich sofort was nicht stimmt, bei Nils wurde noch ordentlich geschraubt únd das wurde dann auch durch eine nahezu perfekte Justage belohnt, das sah man auch später am Himmel. Endlich fand ich auch mal die Zeit einige einfache aber wichtige Basteleien zu erledigen, erst baute ich den OAZ aus um das Restshifting endlich wegzubekommen was auch fix ging. Die Skysurferbasis wurde zurecht geschliffen weil er bisher arg fest im Schuh sass und kaum rauszubekommen war... Blöderweise musse ich beim Abziehen so viel Gewalt anweden, dass die Justage danach wieder für die Katz war wie ich später feststellte. 


Günther, Nils und Franz an unseren Geräten

Auf gar keinen Fall hab ich es verpasst mich mal intensiv über das Totaltuning von Günther's 8"er zu informieren, inzwischen ist sogar noch einiges hinzugekommen und das Teil ist wirklich verdammt durchdacht optimiert worden, laut Günther mögen manche Einzelmassnahmen keinen grossen Unterschied ausmachen, alles zusammengenommen bringen aber einen sehr stark sichtbaren Vorsprung vor Geräten von der Stange, davon konnte ich mich in der folgenden Nacht direkt überzeugen! Einiges werde ich sicher auch versuchen bei mir umzusetzen, total begeistert (das war ich zwar auch schon vorher aber seit dieser Nacht endgültig überzeugt) war und bin ich von der Kombination aus grossem Newton und richfieldiger Linse, ein kleiner Schwenk mit dem Kopf und schon wechselt man von der Übersichtsvergrösserung mit massig Feld in den Bereich in dem der Dobson klar dominiert. Nach dem mir Günther sein Gerät und die Umbaumassnahmen ganz genau erklärt und gezeigt hatte, wäre ich am liebsten gleich losgezogen um Material zu besorgen ;) 

Dobtuning Total, nicht nur viel Bastelarbeit sondern auch ein hammerharter Unterschied am Himmel!

Gleich bei der Ankunft machten wir die Bekanntschaft mit Peter der uns ausgiebig von seinen Sonnenbeobachtungen erzählte, ich habe bis dato noch niemanden getroffen der so viele Sonnenfinsternissen live erlebt hat (17!!). Einfach nur fantastisch fand ich auch die schier unglaubliche Ausdauer die er bei der Sonnenbeobachtung im Weisslicht mit inzwischen 44 Jahren ununerbrochener täglicher Sonnenfleckerelativzahlen Zählung beweist, hier kann man schon wirklich nicht mehr von reinem Hobby sprechen, denn seine Daten und Diagramme zur Sonnenfleckenzahl über fast fünf Jahrzehnte sind schon von echtem wissenschaftlichen Wert. Als im Laufe des Freitags der Himmel aufbrach konnten wir auch einen Blick durch sein C5 auf die (leider immer noch fleckenlose) Sonne riskieren, ein schönes Gerät das er seit den Anfängen benutzt.

Peter am C5 bei der Weisslichtsonnenbeobachtung

Im Laufe des Tages wurden die sonnigen Lücken immer grösser und man merkte förmlich wie jeder immer mehr Hoffnung schöpfte, dass die Nacht gut wird und so wurden immer mehr Geräte aufgestellt und fertig gemacht.

Endlich die ersten Wolkenlücken

Franz mit einem speziellen Freund neben einem augenscheinlichen 8" f/8 Planetekiller

Mein erster Blick durch ein PST überhaupt wurde natürlich gleich durch die verwendeten Okulare etwas ausfallend. aber ich war in jedem Fall hellauf begeistert von der wenn auch kleinen Protuberanz und der Oberflächenstruktur der Sonne. 

Das sieht nicht nur schön und teuer aus, das sieht auch richtig geil beim Durchschauen aus ;)
Nils Samstag Morgen an einem anderen PST aber ebenfalls mit Binoansatz 

Nils hatte beim letzten ITV bereits Stefan mit seinem genialen 9" Binodobson kennengelernt und natürlich wollte er dort schnellst möglich hin da sich die beiden damals fürs ATB verabredet hatten, gleich gings ans Aufbauen und Nils packte ordentlich mit an. Das Teil ist unglaublich sauber verarbeitet und bis in die kleinste Ecke mit viel Liebe zum Detail perfektioniert worden, wie Stefan meinte, war das aber auch einen Heidenarbeit, wenn man das Gerät sieht kann es auch gar nicht anders sein :) Nils war die Nacht auch dort und hochgradig begeistert vom Blick durch 2x9", leider war er nach dem ersten Zuziehen des Himmels wieder abgebaut so dass ich selbst nicht durchschauen konnte. 

Da packt Nils auch gerne mal mit an ;)
Der 9" Bino OWL Doppeldobson von Stefan

Ein weiteres sehr interessantes Teleskop am Platz war dieser 10" f/20 (also 5m Brennweite!) Schiefspiegler, in der kommenden Nacht sollten wir dort nocheinmal vorbeikommen und ich durch eben diesen Exoten das erste Mal den Planeten Uranus beobachten.
250/5000 Schiefspiegler auf CGE

Der Himmel war inzwischen gegen Spätnachmittag Abend, fast vollkommen wolkenlos, lediglich sehr hartnäckiger und auch hochreichender Dunst am Horizont störte. Man merkte förmlich die Spannung, unsere Teleskope trugen wir alle recht nah auf einen Haufen am südlichen Rand des Platzes wo sich dann doch mehr als ein Dutzend Dobsonanhänger mit ein paar eingestreuten Paralaktikern und Franz' SCT drängten. Mit eben diesem gab es noch einige Probleme, die Justage war wohl durch den Transport vollends hinüber und es dauerte eine ganze Weile bis es wieder halbwegs gute Bilder zeigte, zu Beginn der Beobachtungen wurde nochmal am Stern justiert was ein ansehnliches Bild brachte, leider taute die Schmidtplatte relativ schnell zu. 

Unser Zelt mit dem 8" und 10" GSO dahinter (HDRI)
Vor der Dämmerung die letzten Vorbereitungen, ich schraube noch immer an meinem OAZ :)

Gegen 20:30 wird es ernst und Jupiter ist natürlich das erste sichtbare Objekt das beobachtet wird.

Durch den immensen Horizontdunst war der Himmel zunächst sehr unterdurchschnittlich aber im Laufe der Dämmerung gewannen doch die ein oder anderen Objekte mehr an Brillianz und wir waren alle froh nach der letzten bewölkten Nacht überhaupt beobachten zu können. Natürlich wurde zwischendurch auch viel von Gerät zu Gerät gewandert, geplaudert, Okulare getauscht und verglichen. Interessant war der ausgiebige direkte Vergleich des 10mm Speers mit dem 11mm Nagler von Nils, die meisten Objekte bekam ich durch beide zu sehen, das Nagler war keine Welten aber doch bemerkbar besser was die Schärfe und den Kontrast anging. Den Anfang machte Jupiter der zwar schon recht tief stand aber doch schon einiges zeigte, natürlich war er das erste Gestirn was mit der hereinbrechenden Dämmerung mit blossem Auge gesehen werden konnte. Die Mondstellung war sehr interessant, dazu eine kleine Skizze.

Computerskizze

Nun wurde es schrittweise dunkler und die ersten DS Objekte wurden aufs Korn genommen, natürlich noch weiter unter ihren Möglichkeiten, bei der Gelegenheit wurde noch ein Asti an Nils Spiegel festgestellt den er aber wohl inzwischen schon durch Lockern der Spiegelklemmung wegbekommen hat. Wir waren zwar alle froh endlich zum Beobachten zu kommen aber auch nach Dämmerungsende blieb der Himmel eher unterdurchschnittlich bei etwa 5,6mag und enormen Horizontdunst. Gegen 23:30 zog sich dieser immer höher und innerhalb weniger Minuten war der Himmel plötzlich wieder komplett dicht, zwar schienen einige sehr helle Sterne noch durch die Suppe aber ans Beobachten war erstmal nicht mehr zu denken. Leider nahmen das viele zum Anlass die Geräte wieder einzupacken oder gar schlafen zu gehen, denn nach nur einer Stunde riss der Schleier wieder auf und darunter kam ein weitaus besserer Himmel zum Vorschein als zu Beginn der Nacht. Ich habe (bisher) nur die Einschätzung der Leute um mich herum, demokratisch gesehen kamen wir auch 6,1mag in UMi, einige sahen mehr, einige weniger, den 6,1mag Stern im kleinen Wagen konnte ich indirekt aber persönlich sicher halten. Natürlich wurde viel beobachtet und verglichen und nochmehr fachgesimpelt, nun aber zu den Objekten im üblichen Stil aufgelistet:

HER
  • M13 und NGC 6207: M13 war wohl das erste Objekt bei den meisten, im 16"er war es noch in der Dämmerung äusserst mau, in meinem 8"er später bedeutend besser mit Auflösung bis ins Zentrum und feinen Sternketten, nochmals besser im 10"er und 12,5"er. Die nahestehende Galaxie NGC 6207 hab ich mir erstmal ganz frech im 16"er angeschaut und sie danach natürlich auch problemlos bei mir gesehen, immer wieder schön diese beiden so unterschiedlichen Objekte in einem Feld zu sehen (14mm Speers Waler). Auch in Franz' 10" SCT sah M13 wunderbar aus, ebenfalls einen Tacken besser als bei mir im 8"er.
  • M92: Nur mit 20" kurz beobachtet, fantastisch aufgelöst und hell
CYG
  • M29: Einer der eher langweiligen Sternhaufen mit kastiger Form, nurz kurz beobachtet, auch mit dem 10x50 Fernglas.
  • NGC 6960 und NGC 6992: Der Cirruskomplex sah mit 8" sehr beeindruckend aus, um 51 Cygni schlängelt sich der Sturmvogel mit einigen schwachen Filiamenten durch das Gesichtsfeld des 30mm Reese + Baader OIII, noch wesentlich beeindruckender und sehr strukturiert die Knochenhand. Unschlagbar war Cirrus an Günthers Doppelgerät, im 4" f/5 mit Baader OIII und 28mm UWAN beide Nebelteile fantastisch in einem Feld, genau das will ich auch :o) Ein kurzer Schwenk zum OAZ des 8"ers und es kann mit höherer Vergrösserung weitergehen, eine geniale Kombination.
  • NGC 7000 / IC 5067: Ebenfalls in Günthers Spiegel/Linse Kombination beobachtet, besonders beeindruckend im Richfielder denn mit dem kleinen Orion in der Mitte positioniert war der Pelikannebel IC 5067 ebenfalls im Gesichtsfeld zu erkennen und Nordamerika komplett ist unschlagbar.
PER
  • NGC 869/NGC 884: h+x dürfen natürlich in keiner Nacht fehlen, an ihnen bemerkte ich gegen 2:30 Uhr dann auch dass mein Fangspiegel beschlug als sie trotz klarsten Himmel plötzlich auf 2" Niveau einbrachen, zehnminütiges Wärmen mit der Hand brachten wieder eine Stunde Ruhe in Sachen Tau, ein Hoch auf FS-Heizung wie sie einige bei uns hatten ;)
  • M34: Netter konzentrierter Sternhaufen, in der Nähe suchte ich die 10m Gx NGC 1023 auf, dummerweise ohne Erfolg... ein kurzer Schwenk zur genauso hellen NGC 404 sagte mir dass ich wohl einfach daneben lag, denn die war natürlich problemlos zu beobachten.
CAS
  • NGC 457: Ein wunderschöner Sternhaufen, entdeckt von Caroline Herschel und auch als Eulenhaufen und sogar als ET-Haufen bekannt ist, warum soll die grobe Skizze zeigen die ich in mein Notizheft gezeichnet und am Rechner abgepaust habe:
  • M52: Der wirklich schöne offene Sternhaufen M52 wollte ich als Aufsuchhilfe für NGC7635, den Bubblenebel nutzen, den knackte ich aber nicht, wohl auch weil ich ihn kurz vor dem ersten Zuziehen versuchte und so keine Zeit mehr hatte den OIII zum Einsatz zu bringen. Besonders interessant war M52 aber auch wegen des benachbarten:
  • Czernik 43 dieser bedeutend schwächere offene Sternhaufen grenzt fast direkt an M52 an und besitzt eine ähnliche Form und auch Grösse wie M52, nur aus merklich schwächeren Sternen die sich nicht ganz so leicht vom Hintergrund abheben.
AQR
  • Uranus: Zum ersten Mal überhaupt sah ich den entfernten Gasplaneten und das auch eher durch Zufall als Nils, Heiko und ich über den Platz schlenderten und beim 10" Schiefspiegler stehen blieben, der Besitzer lies uns gerne mal einen Blick durch dieses Gerät riskieren, der kämpfte wie wir auch ob der extremen Luftfeuchtigkeit bereits mit Tau, nicht nur am Okular, der Planet zeigte sich aber trotzdem problemlos als leicht grünliche Scheibe, die Vergrösserung habe ich mir leider nicht gemerkt.
AND
  • M31/32/110: In dieser Nacht war nur ein Staubband klar sichtbar, mit dem zweiten tat ich mich zu der Zeit als ich die Gx anschwenkte sehr schwer.
  • NGC 404: Mirachs Geist begeistert immer wieder durch den Kontrast zum hellen Mirach.
TRI
  • M33: Die Dreiecks Galaxie war mitunter sehr gut zu beobachten und zeigte auch schon Ansätze von Struktur, in jedem Fall war die helle HII Region NGX 604 problemlos mit verschiedenen Öffnungen zu beobachten.
TAU
  • M45: Die Plejaden begleiteten uns durch die halbe Nacht, mit blossem Auge und Fernglas immer wieder am schönsten, später bei hohem Stand immer wieder ein toller Blickfang am Himmel und Vorbote des Winters.
  • M1: Der Krebsnebel war detaillos bereits frühzeitig zu beobachten.
GEM
  • M35: schwach und wenig beeindruckend ob des tiefen Standes.
AUR
  • M36/37/38: Auch an diesen Objekten bemerkte ich dass mein Fangspiegel zugetaut war und etwas Handwärme brauchte, später dann bereits wunderschön anzusehen
PEG
  • NGC 7331: Zu späterer Stunde versuchte sich eine Gruppe um Armin an Stephans Quintett im Pegasus, ein arg dunkler Galaxienhaufen, als Aufsuchhilfe dient die wirklich schöne Spindel NGC 7331, mit 8" problemlos und in 12,5" schon richtig beeindruckend, blieb den meisten Stephans Quintett unter ca 6,1mag Himmel verborgen, im 12"er sah jeder Dritte ein schwaches Etwas aufblitzen aber wirklich gut zu halten war auch das nicht, ich selbst sah nichts an der Stelle.
ORI
  • M42: Weniger um etwas zu sehen sondern eher um den Orionnebel auch mal im August beobachtet zu haben schwenkte ich in den Orion, ausser dem Trapez war bei etwa 8° überm Horizont im tiefsten Nebel nur ein schwacher Bereich des Zentrums zu sehen.
Nach dem mein Fangspiegel das zweite Mal zutaute, stellte ich mein Equipment gegen 4 Uhr in Schlafposition und blieb mit den anderen noch an den nichtzugetauten Geräten, der Himmel war nach wie vor gut, nur der Nebel kroch wieder höher, zum Ende hin war der Bodennebel derart stark, dass die nächste Zeltreihe schon kaum noch zu sehen war, trotzdem wurde es 5 Uhr früh, der Orion stand bereits komplett über dem Horizont, ins nasse Zelt.
Da wir leider am nächsten Vormittag bereits frühzeitig die Zelte abbrechen mussten, ging es nach 3 Stunden Schlaf schon wieder aus den Federn und uns blieb noch einige Zeit um noch einmal über den Platz zu schlendern, uns von Bekannten zu verabschieden und noch einige Geräte zu fotografieren. Schick fand ich noch den Tchiboselbstbau von Heiko, einem Bekannten von Nils, da ich ja selbst schon einen Dobson aus dem kleinen Spiegel gebaut hatte fand ich seine Konstruktion schon wesentlich feinfühliger und stabiler in der Bewegung.


Nils am Tchibodobson von Heiko
Ein weiterer schöner 12" Selbstbau
Fred hat keine Stromsorgen :o)

Das Treffen war auch wenn wir es nicht von Anfang bis Ende geniessen konnten einfach fantastisch und hat einen Heidenspass gemacht, im nächsten Jahr bin ich in jedem Fall wieder dabei. Vielen Dank!