Ein großes Problem
auf das man irgendwann stößt wenn man sich abseits des
Messierkatalogs und den hellen NGC Objekten bewegt ist, dass nicht
nur die Positionsdaten sondern auch die Helligkeitsangaben der
Objekte extrem schwanken können.
Während dem
visuellen Beobachter relativ egal sein kann ob sich das Objekt nun
ein paar Bogensekunden weiter östlich oder westlich befindet ist die
Helligkeitsangabe im Vorfeld schon sehr wichtig! Nur so kann man
abschätzen ob das Objekt innerhalb des Leistungsspektrums des
eigenen Geräts in Verbindung mit dem Himmel liegt oder "sinnlos"
ist.
Wie komme ich nun
auf dieses Problem? Bei manchen Vorabrecherchen lasse ich mich
einfach in Sternkartenprogramm (im Moment vor allem CNebulaX) treiben
und versuche hier und da eine nette Einzelgalaxie oder ein Grüppchen
aufzuspüren, anderntags lasse ich mich vielleicht von einem
spannenden Beobachtungsbericht inspirieren. Habe ich nun ein oder
mehrere Objekte die ich beobachten möchte mache ich mich an die
Recherche nach Helligkeiten. Dabei habe sicher nicht nur ich
festgestellt, dass sich hier je nach Quelle stellenweise extreme
Diskrepanzen ergeben. Wem soll man nun "glauben" was ist
"richtig"?
Ein echtes richtig
oder falsch lässt sich bei den Helligkeiten schwer ermitteln, bei
Positionsangaben ist das einfacher. Der Grund liegt in der Art der
Helligkeitsermittlung, der NGC Katalog (korrekt wäre eigentlich
einfach "der NGC" zu sagen denn NGC=New General Catalogue)
wurde 1888 veröffentlicht, später durch den IC I und IC II Katalog
ergänzt und war der letzte große Deepskykatalog, der noch Objekte
ohne Ansehen der Objektklasse aufgestellt wurde, alle nachfolgenden
waren eben Galaxien- (z.B. PGC oder UGC), PN- (z.B. PK) oder
Sternhaufenkataloge (z.B. Berkley, Trumpler). Wie wurden nun die
Helligkeiten natürlich fotografisch vermessen und dies kann man in
verschiedenen Spektren machen. Während der NGC Katalog weitgehend
visuelle Helligkeiten angibt ist das bei anderen Katalogen nicht der
Fall! Bei PGC (Principal General Catalogue) und UGC (Uppsala General
Catalogue) verwenden bei ihrer Helligkeitsangabe Daten die blauen
Platten oder Infrarotaufnahmen, also ein ganz anderes Spektrum als
wir mit dem Auge wahrnehmen, hierbei kommen je nach Objekt aber ganz
andere Helligkeiten heraus. Diese sind bei den zuletzt genannten
allerdings sehr viel genauer, weshalb viele Programme wenn sie auch
über Daten von PGC/UGC verfügen klammheimlich nicht nur die
genaueren Positionsangaben sondern auch die Helligkeiten übernehmen.
Genauso verhält es sich bei Onlinerecherche Diensten wie z.B.
Messier45, Simbad oder auch die DSDB, hier ist allerdings in vielen
Fällen angegeben auf welche Platten sich die Helligkeit bezieht.
Hier mal ein
Beispiel von POSS I (R) und POSS I (B) - natürlich darf man von den
Helligkeitsunterschieden nicht automatisch auf visuelle Unterschiede
schließen, dafür gibt es zu viele Unterschiede bei den Objekten
selber und der Aufnahmetechnik:
Das
ganze mal in Form eines Beispielobjekts:
NGC 1267, eine
schwächere kleine Galaxie in Perseus, die Teil des Galaxienhaufens
Abell 426 ist. Nun kamen mir bei meiner Vorabrecherche (übrigens
auch bei allen anderen Galaxien dieses Haufens, aber 1267 war die
extremste) viele verschiedene Helligkeiten entgegen gepurzelt:
Messier45.com: 13m
SIMBAD: 15m4
Während bei Simbad durch den Eintrag schnell ersichtlich wird, dass es sich hier um eine blaue Aufnahme handelt, muss man bei den anderen Quellen etwas suchen, Jörn machte mich dankenswerter Weise darauf aufmerksam, dass auch dort die Quellen der Helligkeitsbestimmungen zu finden sind: CNebulaX hat sowohl fotografische als auch visuelle Helligkeiten aus dem Katalog übernommen, wählt aber per Default erst einmal nur die fotografischen aus, hier muss ich selber noch forschen wie man das umstellen kann. Messier45 codiert die Quelle in Form des Buchstabens (v,p, b,j). Dr. Steinicke erklärt selbst, dass die Helligkeiten
erheblich differieren können, im RNGC wurden lückenhafte oder
offensichtlich falsche Helligkeitsangaben entweder durch die Sichtung
diverser fotografischer Platten ergänzt und im Fall der visuellen
Helligkeiten werden diese auf Grundlage des Galaxientyps und
Literaturangaben berechnet!
Ein weiterer
Knackpunkt, den man nie unterschätzen darf: Helligkeitsangaben sind
meist nur integrierte Helligkeiten über die gesamte Fläche. Das
heißt bei gleicher Helligkeit wird eine größere Galaxie sehr viel
schwächer aussehen, weil sie Helligkeit auf eine größere Fläche
verteilt, deshalb gibt es auch des Öfteren die zweite Angabe
Flächenhelligkeit (mag/arcmin²). Das kann schon einen guten Hinweis
auf die Beobachtbarkeit geben, wieder ein Beispiel:
Messier 33:
Helligkeit (V) - 5,7mag
Messier 51:
Helligkeit (V) - 8,1mag
Auf den ersten
Blick scheint klar zu sein welche Galaxie einfacher zu sehen ist,
bezieht man jedoch die Fläche der Galaxien mit ein kommt man zu
anderen Ergebnissen:
Messier 33: Größe
70'x40' -> 14m/arcmin²
Messier 51: Größe
11,2'x6,9' -> 12,7m/armin²
Je kleiner die
Galaxien werden, desto eher kann man sich auf die integrierten
Helligkeiten verlassen aber eben auch nicht durch die Bank weg, so
gibt es auch Galaxien, die ein im Verhältnis zum Kern recht großen
und mitunter extrem schwachen Halo besitzen, hier kann man sowohl die
integrierte als auch die Oberflächenhelligkeit nicht uneingeschränkt
heranziehen wenn es auf die Sichtbarkeit ankommt, das helle Zentrum
ist womöglich trotz schwacher Helligkeitsangaben durchaus zu sehen.
Eine Hilfe ist hier sicher immer mal einen Blick auf die Fotos des
DSS zu
werfen.
Auf was soll man
sich nun stützen? Meine ehrliche Meinung ist, dass wenn wir uns in
Grenzbereichen bei der Objektwahl bewegen und wenig bis keine
Berichte von anderen Beobachtern zu finden sind, dann bleibt nichts
anderes übrig sich einfach nach allen Seiten schlau zu machen und
die unterschiedlichen Helligkeiten zu notieren und es dann einfach zu
VERSUCHEN! Oft wird man überrascht, manchmal auch sicher enttäuscht,
aber wer es nicht versucht wird in jedem Fall nichts sehen.
Ich danke Jörn für die zahlreichen Tipps und die tiefer gehende Recherche, die mich den Artikel nochmal an einigen Stellen ergänzen ließen! Siehe auch sein tiefgreifender Artikel zum Thema Flächenhelligkeit im folgenden Anhang.
Quellen und
weiterführende Links:
Digital Sky Survey
SIMBAD
Messier45.com
NASA/IPAC
Extragalactic Database
Revised NGC/IC von
Dr. Wolfgang Steinicke
Wikipedia