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Montag, 6. Februar 2023

BB vom 06.02.2023 - Der Komet C/2022 E3 (ZTF)

Uhrzeit: 22:30-23:00
Ort: Feld bei Taunusstein
Wetter: Klar, -1° C

GG: Vollmond


Der Komet C/2022 E3 (ZTF) nervte mich jetzt schon eine ganze Weile, vor allem wegen seines ja doch sehr guten Standes nahe Polaris vor einigen Tagen - Aber wie so oft: Abends starke Bewölkung und morgens wenn ich aus dem Haus gehen muss blitzeblanker Himmel ;)

Aber heute Abend gab es schon eine so schöne Abendstimmung, dass ich einfach trotz Vollmond nochmal einen Versuch unternehmen musste, auch wenn es mal wieder einer dieser Kometen ist, die im Vorfeld über den Klee gelobt werden und dann nicht der große Knaller werden (und in gewisser Weise ist er als nichtperiodischer Komet ja durchaus etwas besonderes vor allem, da er ja eine erstaunliche Größe um die 5m erreicht hat).



Also ging es nachdem es mich schon fast wieder auf der Couch dahingerafft hat doch nochmals in die Kälte auf ein benachbartes Feld mit freier Sicht nach Westen, da der Komet inzwischen in den Fuhrmann gewandert ist. Trotz Vollmond ein schöner wenn auch nicht besonders sternreicher Nachthimmel, im Süden prangen Orion und Sirius. Mars strahl extrem hell im Stier und darüber findet sich der Fuhrmann mit dem ebenso hellen Capella. Auch die beiden Sterne mit denen der Komet heute Nacht ein fast perfektes Dreieck bildet (Eta und Zeta Aurigae) sind problemlos auszumachen. Der Komet selber bleibt mit bloßem Auge mit einer integrierten Helligkeit von nunmehr noch 5,8m erstmal unsichtbar. Er ist mit ziemlich genau 50 Mio Kilometer immer noch ziemlich erdnah. 


(Quelle: Stellarium)


Mit dem guten alten 10x50 Fernglas ist die Stelle schnell anvisiert und ja da isser... Haut mich jetzt nicht vom Hocker - was sicher anders wäre, wenn der Mond nicht da wäre aber immerhin ist das Kerngebiet recht gut auszumachen, von einem Schweif sehe ich zunächst nichts, mit etwas indirektem Sehen scheint die Koma aber durchaus zu wachsen. Ich muss nicht über den Mond schimpfen, es ist nun einmal so wie es ist ;) Immerhin konnte ich den so hochgehypten Eisklumpen wenigstens einmal selbst in Augenschein nehmen und von der Liste streichen. Er wird nun wohl täglich an Helligkeit verlieren sofern nicht ein noch unvorhergesehener Ausbruch ansteht. War trotzdem schön ein bisschen kalte Luft um die Nase zu bekommen und da das FG ohnehin gerade im Anschlag war habe ich dann gleich noch etwas über die Sternhaufen gesurft wie den Hyaden, den Plejaden aber auch h+x Persei waren noch ganz gut auszumachen, wobei das für mich eher Teleskopobjekte sind. M42 im Orion stand zu nah am Mond und blieb erwartungsgemäß blass.


Sonntag, 19. Juli 2020

BB vom 18.08.2020

Uhrzeit: 23:20 bis 1:00 Uhr
Wetter: Größtenteils klar

GG: Nicht gemessen, knapp unter 6m schätze ich 

Jetzt stellt sich die Frage, ob ich so was monothematisches wie eine Kometenbeobachtung eigentlich Beobachtungsbericht nennen darf ;) Ich mach es einfach mal, der letzte ist ja schon paar Tage her und meine Begeisterung wie der Komet C/2020F3 Neowise sich mir im Fernglas zeigte ist diese Zeilen wert...

Vor ein paar Tagen war ich schon einmal zwischen 2 und 3 Uhr mit mäßigen Erfolg, nee war schon ein Mißerfolg draußen. Wie so oft unvorbereitet und ich habe mir eine schlechte Stelle ausgesucht, hatte kein Fernglas dabei und hab ihn schlußendlich auch nicht gesehen - auch wenn er sich zu Hause dann DOCH auf einem meiner Fotos gezeigt hat.

Nun aber entsprechend vorbereitet stieg ich aus dem Auto und... hätte mir die Vorbereitung auch schenken können :P Strahlt mich das Ding unverschämt hell an, mit einem schon oculus nudis mächtigen Schweif! Die Kamera (ja hab seit etwa einem Jahr eine neue, nachdem mir meine treue EOS vor 3 Jahren den Geist aufgegeben hat) fix aufgestellt und dann erstmal mit dem Fernglas genossen. Bezeichnend, dass es (eher zufällig) auch noch mein ältestes optisches Gerät aus Kindheitstagen war, das 8x40 von meinem Opa :) 

Grandios! Trotz des großen Gesichtsfelds passt der zuerst sichtbare Teil des Kometenschweifs gerade so ins Feld, später kann man sogar noch ein Stück hochschwenken. Die nächste Stunde bin ich kaum noch davon loszueisen, nur ein paar Erinnerungsfotos an diesen doch eher außergewöhnlichen Kometen habe ich natürlich gemacht. Toll zum einen sein Stand ganz nahe bei Talitha (9Uma), zum anderen seine merklich grüne Farbe neben dem weißlichen Stern und zu guter Letzt zeigte sich bei 70mm und 25s Belichtungszeit sogar eine deutliche Teilung des Schweifs... Ich glaube zwar nicht, dass ihn jemand von Euch noch NICHT gesehen hat, falls dem aber doch so sein sollte: Nutzt die nächsten Tage! Seit 87P Holmes hat mich keiner dieser Schneebälle mehr so vom Hocker gehauen ;) 


70mm ISO 3200 25s Sony Alpha 290



18mm ISO 1600 30s Sony Alpha 290



55mm ISO 3200 20s Sony Alpha 290


Montag, 21. Januar 2019

Totale Mondfinsternis 21. Januar 2019

Da ist sie, die erstmal letzte totale Mondfinsternis für die nächsten ZEHN Jahre... Auch wenn ich schon so einige in den vergangenen sagen wir mal 15 Jahren erleben durfte, konnte ich mir diese natürlich schon ehrenhalber nicht durch die Lappen gehen lassen ;)

Zum Vorteil gereichte mir da, dass ich heute Morgen eh um 6:30 das Haus verlassen musste, was lag also näher als den Wecker noch etwas früher zu stellen und den 8" f/6 und das Videoequipment auf den Westbalkon zu packen - bei Minus 13 Grad! 

Es ist immer wieder ein beeindruckendes Schauspiel, konnte einige tolle Blicke durch das Teleskop werfen, fotografisch bin ich mehr oder weniger auf mein Handy beschränkt, aber für einen Schnappschuss oder zwei reichte das auch:



Dazu hatte ich mir nebenher die Videokamera (Panasonic HC-V180) aufgebaut und einfach laufen lassen und immer mal wieder den Mond in den Sucher geholt, dadurch entstand dieses Zeitraffervideo zwischen 5:40 und 6:20 Uhr.



Später - schon unterwegs - konnte ich bei klirrend kaltem und klaren Himmel auch noch den partiellen Rest der Finsternis beobachten - bis zum nächsten Mal, auch wenn es diesmal lang dauert ;)


Sonntag, 16. September 2018

1. Astronomische Nacht Heidenrod

15.09.2018
Uhrzeit: 19 Uhr bis Mitternacht
Ort: Segelflugplatz Heidenrod Laufenselden
Wetter: sehr wechselhaft, cirrig, bewölkt mit immer wieder auftauchenden Lücken
GG: Nicht gemessen, in klaren Moment sehr plastische Milchstraße im Zenit, immer wieder gute Stellen nach Osten und Westen

Die ortsansässige Kulturvereinigung kam auf die wirklich lobenswerte Idee einen öffentlichen Beobachtungsabend mit Vorträgen und jeder Menge Einladung an Vereine und Amateurastronomen auf dem Gelände des Laufenselder Segelflugvereins zu veranstalten. Der Platz liegt ganz in der Nähe des Platzes an dem ich jahrelang auch schon beobachtet habe, finde ihn aber durch die Abgrenzung durch ein kleines Wäldchens sogar noch idealer, es gibt praktisch keinerlei Störlicht, natürlich war die Lichtdisziplin bei so einer großen Veranstaltung mit vielen "Zivilisten" sehr ausbaufähig, aber das ist stand ja bei diesem Abend nicht im Vordergrund ;) 

Auf dem Weg dorthin war ich mir noch nicht so sicher ob man überhaupt etwas groß sehen könnte.


Als ich dann aber am Flugplatz ankam waren bereits kleine Teile des Himmels freigezogen und ich war überrascht wie viele Leute schon vor Ort waren! Zu meiner großen Freude war Andreas schon da und auch einige alte Bekannte durfte ich nach ziemlich (zu) langer Zeit mal wieder persönlich sehen und begrüßen, vor allem Horia und Thomas :)

So gab es auch eine große Auswahl an Instrumenten zu bewundern, darunter auch ein paar echte Exoten und tolle Selbstbauideen! Besonders lobend erwähne ich hier mal die selbstgebaute Konstruktion von Herrn Bentz, der mich auch zu diesem Event einlud, der Fantastisches aus (u.a.) Holz gebaut hat um seine Russentonne fototauglich zu bekommen.


Selbst die Klammern für die Akkus sind SELBSTgebaut


Holzsteuerung!


Außer einigen Leuten der Sternwarte Preßberg waren vor allem Mitglieder der Sternwarte Urania aus Wiesbaden vor Ort, samt und sonders sehr sympathische Leute mit tollen Geräten, doch dazu später noch mehr.

Der Abend bot zu Beginn eine echte Rarität - trotz suboptimalem Stand und immer noch reichlich vorhandenen Bewölkung konnten wir den vielen (!) interessierten Besuchern neben dem Mond VIER Planeten präsentieren und zeigen: Venus, Jupiter, Saturn und Mars.

Venus zeigte eine schöne Sichelform, Jupiter war eine Enttäuschung was aber ob des tiefen Standes keinen verwunderte, Saturn war selbstvertsändlich für viele Besucher der Eyecatcher schlechthin, Mars blieb zunächst (!) ein Scheibchen ohne nennenswerte Details, sieht man von einer leichten Phase ab.


Die nächste Zeit waren wirklich viele sehr ausdauernde interessierte Gäste bei mir und es machte so viel Spaß unser Hobby wieder mal ausführlich darzustellen und allerhand Objekte zu zeigen - Das war aber nicht so wirklich einfach, denn die Lücken wechselten schnell und stellenweise mussten wir auch mal einen Sternhaufen durch die Schleierbewölkung hindurch anschauen... Trotzdem gab es viele begeisterte Rufe bei Objekten wie dem Ringnebel, h+x oder auch der Andromedagalaxie vor allem in Verbindung mit den Erklärungen WAS man da nun gerade genau sieht.

Toll fand ich auch, dass so viele mega begeisterte Kinder an den Teleskopen hingen - ich glaube hier und da hat sich nochmal der Weihnachtswunsch geändert ;) 


Zu späterer Stunde wurde auch ein Vortrag gehalten und es gab Frisches vom Grill, leider konnte ich beides wegen der (positiven!) Dauerbelagerung am Teleskop nicht mitnehmen, der Himmel wurde stellenweise auch richtig gut, im Zenit konnte man endlich eine passable Landhimmel-Milchstraße zeigen, beim Thema Sternentode konnte ich einen sehr ansehnlichen Ringnebel zeigen, währen des nebenan den Hantelnebel zu sehen gab und bei Andreas schlussendlich einen sehr sehr schönen Cirrusnebel im 12er. 

Als schon alle Gäste auf dem Heimweg waren und sich auch die Reihe der Astronomen schon merklich gelichtet hatte konnte ich bei meinem Nachbarn von der Urania Sternwarte einen der besten Marsanblicke überhaupt genießen! Dachte nicht, dass das bei dem schlechten Stand überhaupt möglich ist aber in seinem genialen 4" Zeiss ED sah ich einen gestochen scharfen Mars mit Polkappe und blickweise klar zu erkennender großen Syrte! Wow - das wird definitiv in Erinnerung bleiben, man hatte blickweise in Momenten guten Seeings das Gefühl einen fotoähnlichen Anblick auf den Planeten zu erhaschen!

Danach zog es weiter zu und ich begann mit dem Abbau - Diese Veranstaltung kann man als vollen Erfolg bezeichnen und ich hoffe, dass die Veranstalter das nicht das letzte Mal gemacht haben :)

Update: Zwischenzeitlich ist auch ein Artikel im Wiesbadener Kurier erschienen :)

Montag, 16. Oktober 2017

BB vom 15.10.2017

Ort: Idsteiner Land
Uhrzeit: 20:00 bis 1:20 Uhr
Wetter: Klar, leichter Wind, 7-10° C
GG: ~ 6m

Zeit aus der "Sommerpause" zurückzukehren ;) Die alte Daumenregel, nach dem mich das All am lautesten ruft wenn die Blätter wie auch die Temperaturen fallen stimmt wieder ein mal. Außerdem wenn Rainer zur nächtlichen Audienz bittet, wer bin ich mich dem zu verweigern :D Spaß beiseite, wurde echt Zeit und die Freude der Nacht  gab uns einmal mehr recht!

Ich schlug einige Zeit vor Rainer auf und baute zunächst meine Barndoor auf, die ich nun schon seit etlicher Zeit nicht mehr im Einsatz hatte. Am Nachmittag hatte ich mir überlegt wie ich eine alte Schwäche ausmerzen könnte - dadurch dass ich nach wie vor keinen Kugelkopf montiert habe sondern einen alten Fullsize Videoneiger kam die Montierung schon immer hart an ihre Belastungsgrenze selbst nur mit Kitobjektiv rutschte mir die Konstruktion irgendwann von der Kupplung :( Ich entfernte als die Fotoschraube sowohl an der Schnellwechselplatte des Stativs als auch die relativ dünne Aufnahme mit Fotogewinde an der Unterseite der Barndoor und verband die beiden Teil mit der dicken Spax, die normal den Teflonblock auf dem unteren Teil der Barndoor hält - siehe da: plötzlich merklich fester!




Einnordung mit Hilfe des Lasers in der Führungsschiene der Barndoor


Glücklich wurde ich allerdings trotzdem nicht, die Kombination ist nach wie vor nicht fest genug, jede Kameraausrichtung führte zu irgendwelchen Verwindungen die eine saubere Nachführung verhinderten, zusammen mit meiner sprichwörtlichen Unfähigkeit zu Fokussieren führte das zu praktisch 100% Ausschuss :P Wurscht... für ein paar Stimmungsbilder hat es am Ende gereicht aber ohne anderes Material komme ich hier leider nicht weiter, selbst 18mm Aufnahmen lassen sich keine Minute nachführen...



Perseus und Andromeda

Gegen 21 Uhr kam dann Rainer zusammen mit Dennis (bitte melden falls du mit einem N geschrieben wirst ;)) am Platz an und begann mit dem Aufbau. Wir konnten die Zeit nutzen und begannen unsere kleine Einführung in die Astronomie und die Beobachtungsziele, die uns immer wieder in die Dunkelheit ziehen. Macht doch immer wieder Spaß jemanden an das was wir tun und beobachten heranzuführen. So entwickelte sich der Abend zu einem bunten Potpourri an diversen Deepsky Objekten bei denen wir ganz systematisch - größtenteils parallel mit 8 und 12" unser gesamtes beobachtbares Universum besuchten. Von den nächsten Sternnachbarn wie Vega, über Doppelsterne wie Epsilon Lyrae und Albireo, weiter zu nahen und fernen Sternhaufen und weit weit darüber hinaus.


60 Sekunden zum Abschied der Sommermilchstraße

Im Anschluss an die "Augenöffner" wie h+x Persei, die wohl jedem Erstbeobachter begeistern können, wandten wir uns dem traurigeren Kapitel der Sterntode zu. Natürlich in üblicher Manier mit Erklärung welche chemischen und astrophysikalischen Prozesse das Ende der Sterne unterschiedlicher Masse zu Grunde liegen, dabei beobachteten wir neben dem Ring- und dem Hantelnebel natürlich auch den Cirruskomplex, der heute ein wenig schwächelte, die Transparenz war wohl nicht 100%ig in diesem Bereich, trotz [OIII] war er nicht wirklich knallig obschon noch gar nicht so tiefstehend...



Und damit verließen wir auch bereits die Ebene der Milchstraße und begaben uns zu unseren nächsten Satelliten, den Kugelsternhaufen die wir in Form vom absteigenden M13 und M15 im Pegasus vorführten. Ich selbst wäre jetzt im Anschluss natürlich gleich zur Andromeda Galaxie fortgeschritten, die wir auch schon mit bloßem Auge zeigen und sehen konnten - aber Rainer wäre nicht Rainer wenn er sich nicht strikt an die kosmische Reihenfolge halten würde :D Also gabs den ersten Knacki aufs Auge und Rainer führte uns zum einzig sichtbaren extragalaktischen Kugelsternhaufen G1, war gar nicht so schwer wie ich ihn in Erinnerung hatte. Nun waren wir also im Reich der Galaxien angekommen und tasteten uns über diverse Vertreter weiter hinaus, M81 und 82 durften da natürlich nicht fehlen, ich selbst stattete auch nochmal NGC 7331 einen Besuch ab und auch M33 der auch ohne Filter fein seine auffällig HII Region NGC 604 zeigte. 

Als letzten Schritt vor den unausweichlichen Quasaren stellte Rainer eine sehr weit entfernten Galaxie ein, eine recht leuchtschwache Galaxie in einer Entfernung von 750 Mio Lichtjahren, McG 13-12-22 Indirekt war sie wiederholt sicher zu sehen, wahrlich kein Leuchtfeuer.

Nachdem wir uns am Quasar nochmal so richtig die Augen verbogen hatten, kam ich auf die Idee: Jetzt noch ein Komet!! Also mit zugekniffenem Beobachtungsauge doch einen Blick aufs Handy gewagt, aber Vorbereitung sieht anders aus ;) der einzige der mir auffiel war C/2017 O1 ASASSN, zufälligerweise war der Abend auch kurz vor der maximalen "Helligkeit" wenn auch nur (anders als die Vorhersagekurve andeutete) nur 14m. Die Karte die mir vorlag war nicht sonderlich detailliert aber ich sah von Rainer bestätigt an der Stelle eine leichte Nebulosität, allerdings mit erheblichen Sternen im Hintergrund, weswegen ich wohl eher über einen schwachen Sternhaufen gestolpert sein dürfte - gilt als NICHT gesehen.

Dennis war schon länger abgereist als wir uns zum Abschluss noch den Blick auf Uranus und seine Monde (!) gönnten.. Oberon war vergleichsweise einfach zu sehen, ich bekam auch Titania noch zu Gesicht, wenngleich schwerer - schön, den dicken blauen hab ich schon länger nicht mehr gesehen. Die drei näheren Monde blieben unsichtbar waren aber auch ungleich schwächer.


Der Himmelsjäger - Orion

Der Abbau war dann schnell gehalten und eine sehr schöne Nacht ging zu Ende, sehr froh endlich mal wieder draußen gewesen zu sein und vor allem auch Rainer wieder zurück am OAZ begrüßen zu können... oh apropos OAZ - den hatte ich am Nachmittag noch getauscht, der JMI den ich seit 12" Tagen immer montiert hatte zwickte mich schon länger am 8"er - mit keinem einzigen Okular kam ich mehr in den Fokus und ich trauere meinem 1:10 Crayford durchaus hinterher - nun verrichtet wieder der originale Zahntrieb GSO OAZ seinen Dienst und das verflucht gut! Erinnere mich noch daran, dass mir vor vielen Jahren Günther selbigen mit Teflonband überarbeitet hatte - das macht sich nach wie vor bemerkbar, der Unterschied zum Crayford ist verschwindend gering geworden (die Untersetzung fehlt natürlich nach wie vor) aber er war sogar smoother als mein JMI, der aber aufgrund seiner tiefbauenden Art auch weniger für einen GSO von der Stange geeignet ist ;)

Dank der doofen Sperrung der B417 sank ich erst gegen zwo Uhr ins Bett ;)

Link zum ATDS

Sonntag, 30. April 2017

BB vom 29.04.2017

Ort: Östlicher Rheingau-Taunus
Uhrzeit: 21:30 bis 3:00 Uhr
Wetter: Klar aber dunstig, starker Wind, 3°
GG: ~ 5m8

Der Bericht wird ein ein kurzer bleiben, dabei war der Himmel alles andere als schlecht. Aber einmal mehr war ein sehr starker Wind der Showstopper schlechthin, ich erlebte das in ähnlichen Maße erst im vergangenen Jahr. Als inzwischen zum Weichei-Astronom Mutierter fror ich fast vom ersten Moment an ;) Klar... ich habs einmal mehr unterschätzt und auch nicht die richtigen Klamotten am Mann, irgendwann war die dritte Jacke angezogen aber wärmer wurde mir nicht... 




Trotzdem: Jan hat einen frischen Platz aufgetan der sehr schön zu erreichen ist, Kuppenlage mit schöner Rundumsicht und wäre es etwas weniger dunstig gewesen hätten wir in Sachen Himmelsqualität gar nichts zu meckern gehabt. Aber schon die noch eher schwache Mondsichel die sich die ersten zwei Stunden quälend langsam in Richtung Untergang schob zeigte sich, dass er den Himmel doch nachhaltig beeinflußte - ein klares Indiz für einen nicht besonders transparenten Himmel.

Den Widrigkeiten zum Trotz wurde es ein schöner Abend, der seinen Spaß vor allem daraus bezog, dass nach Mitternacht noch ein Gast eintraf und wir seit Langem mal wieder einem noch nicht mit der praktischen Astronomie vertrauten Menschen den Spaß an unserem Hobby und die Schätze des Himmels näher bringen konnten - das hab ich durchaus vermisst merke ich!



Sie zeigte sich auch ausgeprochen begabt was das Beobachten angeht, dass M13, M51 und ein hartgefilterter Cirrus Komplex im 16"er Begeisterungsstürme auslösen war ja durchaus zu erwarten aber mit erstaunlicher Hartnäckigkeit wurden die einzelnen Objekte beobachtet bis sogar Triangular Wisp erkannt und bestaunt wurde.

Mein persönliches "Highlight" war nach langer Zeit mal wieder ein neuer Komet. C/2015 V2 Johnson war dank einer schönen Karte von Jan selbst im Fernglas schnell wenn auch schwach gefunden. Im 8er zeigte sich dann auch bei Mond schon ein eindeutiger Fleck, der später nach Monduntergang und vor allem im Großen Spiegel einen gut sichtbaren Schweif zeigte.


Gegen zwei Uhr konnte ich kaum noch einen Gesichtsmuskel bewegen und ich packte zusammen, verfluchter Wind, blöder Pulli, fehlender Gürtel :D Ich könnte mich über so einiges ärgern - nicht aber, dass ich rausgefahren bin :)



Dienstag, 28. März 2017

BB vom 27.03.2017

Uhrzeit: 21:45 bis 1:45 Uhr
Wetter: Klar, leichter Horizontdunst, 5° frischer Wind
GG: ca. 6m
Ort: Idsteiner Land

Nachdem mich mein "kleines" Cabin-in-the-Woods Projekt fast durchgehend über das vergangene Jahr seit dem Frühjahr auf Trab und in Atem gehalten hat nun seit einigen Wochen weitestgehend abgeschlossen ist konnte ich endlich wieder einmal die Einladung von Rainer zu einem gemeinsamen Beobachtungsabend annehmen - er sollte dann auch viel länger und gehaltvoller werden als wir beide das ursprünglich geplant hatten!

Am altbekannten Platz angekommen schoß ich zunächst ein paar Stimmungsbildchen bis Rainer dann eintraf und wir uns, die wir in den letzten Monaten eigentlich nur telefonisch palavert haben selbiges endlich mal ausgiebig vis-a-vis ausleben und das taten wir dann auch sehr ausführlich :)



Um dem sich verabschiedenden Winter nochmal zu huldigen war so auch mein erstes Objekt der bereits im Sinkflug befindliche Orionnebel, hach ja... ich wage es kaum zu sagen aber es war ein später und doch der ERSTE Blick in dieser Saison oO ... nicht minder schön aber eben auch nicht mehr ganz auf der Höhe... M1 war dann auch nur einen kurzen Stopp wert

Aber es galt nicht nur meine wahren Lieblingsobjekte zu beobachten sondern zunächst sehr kleinlaut zu hoffen, dass ich nicht schon alles vergessen habe ;) Zumindest diese Sorge war aber unbegründet, so wie man nach Jahren jede Straßenecke der Heimat kennt, so werde ich wohl auch nie die Positionen der Ganzlichter des Galaxienparks wirklich vergessen... Startpunkt war der hochstehende M51 der seine majestätische Spirale zeigte, gefolgt vom nur wenig weiter gelegenen Leckerbissen NGC 4490 mit seinem charakteristischen Haken und dem kleinen runden Begleiter.

Bei Rainer schaute ich mir noch M81 in Höchstvergrößerung an und uns dünkte, dass der abzweigende Spiralarm durchaus zu sehen war, aber sah ich schon besser/einfacher. Ich ging stattdessen aber auf die Jagd nach dem Sombrero - landete ich zunächst zielgenau am "Stargate" wer noch nie dort war - unbedingt mal mitnehmen wenn man gerade in der Gegend ist.

M104 zeigte sein extrem scharf begrenztes Staubband und ich konnte reproduzierbar (auch später an Rainers 12er) ein schwaches Glimmen gegenüber der Kernregion auf der anderer Seite des Staubbandes ausmachen.

Alsdann wechselte ich in Coma - nein ich war hellwach, auch nicht selbstverständlich schlief ich doch im letzten Jahr tatsächlich mal mit dem Fernglas auf dem Feld ein :D - und schoss mir zunächst etliche Einzelsterne im Kugelsternhaufen M 53 und natürlich KEINE im extrem schwächeren "Begleiter" NGC 5053, aber das ungleiche Paar ist immer einen Pflichtbesuch wert im Frühjahr.


Apropos Einzelstern... Rainer bemerkte, dass sich der Somme mit Herkules ja auch schon ankündigt, natürlich noch recht tief aber bei dieser Helligkeit darf man da ruhig auch schon hinhalten, sogar die schwache Begleitgalaxie ging bereits, wenn auch weitaus schwieriger als im Sommer wenn sie wenn man weiss wo sie steht kaum zu übersehen ist.

Aber zurück ins Haar der Berenike... die Black Eyed Galaxie M64 kostet mich doch ein paar Sekunden rühren aber konnte sich ob ihrer Helligkeit nicht wirklich verstecken... die charakteristischen Dunkelstrukturen im Inneren waren bereits im 8" gut auszumachen im 12" überdeutlich und ein echter Eyecatcher.

Der Löwe war dann meine nächste Destination, selbstverständlich war hier das namensgebende Triplet mein erstes Ziel, aber danach durfte es etwas knackiger werden und ich begab mich an den Hals des Löwen und hielt Ausschau nach der Hickson 44 Gruppe, hier tat ich mich wirklich nicht ganz so leicht und das schwächste Mitglied blieb mir komischerweise verwehrt, nächstes Mal wieder...

So "langsam" gebot die Vernuft einzupacken, aber die musste dann doch nochmal ein Stündchen zurücktreten, denn ich wollte mir noch an Jupiter die Augen verblitzen ;) ... Wow!! Sehr feine Wolkenstrukturen in den Bändern, die Polregion deutlichst dunkler und das bekannt schöne Spiel der Mond, Io verschwandt dann während der Beobachtung hinter dem Gasriesen, ich hielt ihn zunächst für einen Stern, hatte sich das Licht doch vorher schon abgeschwächt. Das tolle war aber der GRF, der sich in einer Überdeutlichkeit aufdrängte wie ich ihn noch nicht sah! Von Färbung keine Spur, aber das muss nicht am (in den letzten Jahren objektiv entsättigten) Fleck gelegen haben, ich bin ja bekanntermaßen etwas gehandicapt in Sachen astronomisches Farbsehen...

Als Rainer merklich später zum Abschluss ebenfalls nochmals in Richtung Jupiter hielt konnte er ihn ebenfalls erspähen und er war sichtbar weiter gewandert - allerdings empfand ich das Bild im 12er als zu hell, trotz hoher Vergrößerung, der Kontrast war da schwerer herzustellen.

Wie immer wenn man sich auf ein astronomisches Abenteuer mit Rainer einlässt - und ich tue es auch GERADE deshalb immer wieder gern - kommt man nicht umhin den läppischen galaktischen Vorgarten unserer Milchstraße mit lächerlichen Entfernungen von einigen Dutzend Millionen Lichtjahren zu verlassen und sich auf WIRKLICH kosmologische Distanzen und Lichtlaufzeiten einzulassen... So holte er einmal mehr den rekordverdächtigen (18 Milliarden Sonnenmassen!!) Quasar OJ 287 im Sternbild Krebs ins Okular - lustigerweise konnte ich mich plötzlich wieder recht lebhaft an die Nacht erinnern als ich ihn schon einmal in Rainers Gerät sah, die Aufsuchkarte kam mir sofort bekannt vor... Spannend war aber nicht nur das gigantische Alter der Photonen die mich da kitzelten (mein Ur....ur-Großopa war damals gerade dabei sich eine Zellhülle anzueignen vor 3.500.000.000 Jahren) sondern vor allem die Tatsache mit welcher Leichtigkeit wir ihn sehen konnten, sogar DIREKT :o Das sollte eigentlich gar nicht möglich sein, da er mit 15m auch im 12"er kein Scheinwerfer ist, zwar ist seine Variabilität bekannt aber sein 12 Jahreshoch liegt eigentlich bereits hinter ihm, im Vergleich mit einigen Referenzsternen im Feld kamen wir aber auf eine tatsächliche Helligeit die zwischen 13,4 und 14m lag, also möglicherweise ein Helligkeitsausbruch der nicht mit seinem üblichen Rythmus zusammenhängt.

Nach diesem sehr befriedigenden Abschluss trennten sich unsere Wege dann kurz vor zwo und ich fuhr mit dem guten Gefühl nach Hause, das auch lange Pausen weder dem Spaß an der Freude noch den jahrelang eingeübten Handgriffen wirklich etwas anhaben können ;)



Sonntag, 10. April 2016

BB Frühjahrstreffen Stumpertenrod 2016

Datum:  8-9. April
Ort: Vogelsberg
Zeit: 22:15 Uhr bis 2:30 Uhr
Grenzgröße: ~ 6m4+ 
Zu meiner.... Schande trifft es nicht, eher Trauer, muss ich gestehen, dass seit meinem letzten Aufenthalt im Vogelsberg vor fast genau einem Jahr meine astronomischen Freuden doch arg gedämpft waren, vielleicht noch mit Ausnahme der Beobachtungen in den Alpen im vergangenen Spätsommer sowie der Mondfinsternis. Aber von den Nächten von denen ich eigentlich "lebe" waren durch die Bank weg alle nicht dazu geeignet die Motivation aufrecht zu halten, der Himmel entweder ein gutes Stück von den Durchschnittswerten entfernt, der Wind so stark dass ernsthafte Einschränkungen die Folge waren... ect.

Diese Nacht beim Frühjahrstreffen der Sternwelt Vogelsberg hat mich aber endlich wieder geerdet, begeistert und tief befriedigt. Kurzentschlossen kam meine Tochter mit, so richtig begeistert war ich zunächst nicht, sollten die Nachtemperaturen doch merklich unter die Frostgrenze fallen, außerdem kamen wir erst sehr spät auf die Straße (nach 20 Uhr). Deshalb konnte ich natürlich nach 22 Uhr auch nicht mehr auf den Platz fahren, dank Jan der mich aber schon am Parkplatz hinter der Sternwarte in Empfang nahm war das nötigste Equipment problemlos an den unteren Rand des Platzes getragen und aufgebaut. Wegen dem mich bereits auf den letzten Kilometern im Auto extrem begeisternden Himmel (und wir reden hier von einem eher unspektakulären Frühlingshimmel!) wollte ich nicht viel Zeit mit Knipsen vertrödeln, weshalb man mir ein einziges, schlechtes und nichtssagendes Foto als Stimmungsbild verzeihen möge - es taugt eigentlich nur als Beweis: Die Sonne schien nicht.


Meine Tochter war noch ein kleines Weilchen wach, schon etwas geschwächt von der vorigen Nacht die sie wohl auch mehr wach als schlafend bei einer Freundin verbrachte ;) Aber immerhin sah sie noch alle Mitglieder des Leo-Triplets bevor sie sich in der Sternwarte mit dem Schlafsack in eine Ecke verkrümelte.

Bei Jan gab es im 16er eine weitere tolle Gruppe in Leo auf die Augen:
NGC3686/3684/3681/3691wobei die leztere etwas abseits steht und auch kleiner respektive schwächer ist. Natürlich trotzdem nicht sehr anspruchsvoll im 16er aber dafür umso schöner anzuschauen. Tatsächlich fand ich sie dann auch auf Anhieb im 8er wieder und auch hier waren alle Gruppenmitglieder mit 14mm zu sehen. Zerknirscht muss ich jetzt auch noch zugeben, dass ich meine letzte Beobachtung vor drei Jahren wieder völlig vergessen hatte ;)

Also bringen mir Galaxien nach wie vor das vertraute Kribbeln, dann ab in den Virgohaufen. Ich muss schon gestehen, dass ich etwas Bammel hatte ob alle Strategien und Handgriffe noch reibungslos funktionieren aber ja - als wäre ich letzten Monat zehn mal draußen gewesen.

Also Peilung auf Messier 100 um mich dann über 99 zu 84 und 86, dem Einstieg in die Makarian Chain. Ich halte kurz inne - natürlich ist die Kette ein tolles Highlight des Virgohaufens, aber schon wieder? Nein, ich schaue mich jetzt mal in die andere Richtung um. Zunächst identifiziere ich neben 84 und 86 auch nocht NGC 4402, 4387, 4388 (die ohnehin sehr hell ist) und sogar IC  3303! Weiter geht es Richtung Süden zu einer zumindest auf der Karte sehenswerten Dreiergruppe: NGC 4440, 4436, 4431. Die Karte erschien mir hier zwar in Sachen Ort völlig eindeutig aber der Abstand der Galaxien erschloß sich mir nicht sofort, so dass ich sie zwar sofort sah aber erst noch trennen wollte wo nichts mehr zu trennen war, die Mitglieder stehen schon ein Stückchen auseinander, das kam auf der Karte nicht ganz rüber. Bei Jan im 16er wurde mir das dann klar. Auch eine wunderschöne Gruppe, die den 8"er nicht überfordert hat.

Zwischendurch mal ein bisschen die Beine vertreten und bei Basti am Nachbarteleskop einen saftigen M51 beobachten, das wird dann auch noch an den anderen Geräten gemacht - die vielen Knoten in den Spiralarmen sprechen eine klare Sprache: Heute wurde was richtig gemacht am Himmel! Ein Blick in Richtung UMi sagt auch, dass wir hier eine echt transparente Nacht haben, der 6,2er springt einen sofort an und mit etwas Geduld komme ich auf gut 6m4 Grenzgröße, im Zenith mag sie sogar darüber gelegen haben. Allein am Horizont ist etwas Dunst. Es ist schon erstaunlich kalt für Aprik, etwa -3° und die volle Winterkleidung ist am Körper und sorgt für das nötige Durchhaltevermögen.

Die Kette in Virgo beobachte ich natürlich trotzdem noch durch bis M88 die bereits in Coma Berenices liegt. Ich verlängere die Kurve noch über NGC 4516 bis M91. Im Sternbild Coma besuche ich dann noch ein altbekanntes und immerwieder überraschendes Pärchen: Nahe Alpha Coma und damit eigentlich nicht zu übersehen liegen zwei Kugelsternhaufen in einem (Übersichts) Gesichtfeld die unterschiedlicher nicht sei können obwohl sie sogar ähnliche Nummern haben.

M53 ist natürlich ein heller, schön aufzulösender Kugelsternhaufen wie man ihn vielfach aus dem Messierkatalog kennt. Am Gesichtsfeldrand des 24mm Okulars sieht man mit NGC 5053 ein wesentlich schwächerer Vertreter. Zwischen 8m33 und 9m8 mögen auf dem Papier keine gigantischen Unterschiede bestehen aber durch die sehr schwache Konzentration des NGC Haufens ist der Kontrast schon sehr auffällig.

Die Sommermilchstraße erhebt sich langsam im Osten über den Horizontdunst, der aber langsam etwas höher kriecht, sehr zufrieden lehnen wir uns auf den Stühlen zurück und lassen die Ruhe auf uns wirken, nur unterbrochen vom Schnarchen der Zusammengebrochen und dem Surren der Unbelehrbaren. Gegen halb drei mache ich es mir dann doch auf meinem Feldbett bequem (und es ist in der Tat bequem!).

Der Morgen kommt früh mit der natürlich nun ausgeschlafenen Tochter die voller Tatendrang um kurz nach Sieben in die noch eisbedeckte Morgenkälte springt. Nach einem wärmenden Kaffee und einfachen Frühstück kommen die weiteren Protagonisten aus ihren Zelten und Autos und neben etwas Fachsimpelei machen wir uns nochmals auf die Socken um ein wenig die wunderschöne Natur der Umgebung zu genießen. Nach dem Mittagessen machen wir uns dann aber ob der Prognosen und der nach Fahrplan aufziehenden Bewölkung auf den Nachhauseweg. Es war kurz, ja - aber selten hat von Anfang bis Ende alles gepasst und einmal mehr war es der Vogelsberg der mir genau das gegeben hat was ich bei diesem Hobby suche: Tiefe Einblicke in einen beeindruckenden Himmel, nette Gleichgesinnte um mich herum und nah an einer wunderschönen Natur zu sein.

Ans Ende stelle ich noch einige Eindrücke des Frühlingstreffens.







Samstag, 14. November 2015

BB vom 13.11.2015

Ort: Idsteiner Land
Zeit: 22:00 bis 2:00 Uhr
Wetter: kurzzeitig durchziehende Zirren, ansonsten klar, sehr stürmisch
fst: ca. 6m

Einmal mehr verkneife ich mir Hinweise oder auch nur Gedanken an die letzte Nacht, zu schmerzlich - 2015 ist definitiv nicht mein Jahr in astronomischer Hinsicht. Aber egal, Rainer hatte den Wetterdurchblick und so peilten wir an, uns gegen zehn Uhr zu treffen, ich war ein halbes Stündchen früher da als er und parkte diesmal etwas weiter "hinten" und sieh da: Der Platz erfuhr eine immense Aufwertung weil nun zu 100% gewährleistet ist, dass keine entfernten Autos stören könnten. Der Himmel war noch zu 50% leicht verschleiert aber ein herber Wind sorgte für schnelle Veränderungen. Der 8er war schnell aufgestellt und kollimiert (hat echt zugunsten kleinere Geräte zwei Monate im Keller gestanden!).



Der inzwischen ausgewachsene Herbststurm machte sich zwar durch ein gewisses Zittern schon bei mittleren Vergrößerungen bemerkbar, doch eindeutig schlimmer waren die Auswirkungen auf die Augen - in Richtung Süwest/West hatte man egal wie man saß innerhalb kürzester Zeit Tränen in den Augen, ich bin selbst überrascht, dass ich heute Morgen nicht mit einem Zug aufgewacht bin. Maximalen Windschutz konnte ich zwar durch die komplette Wintermontur herstellen aber selbst mit Gesichtsmaske bleiben die Augen naturgemäß frei...

Trotzdem versuchte ich mich erfolgreich an diversen meist bereits bekannten Objekten querbeet über den Himmel. Mit dabei natürlich eine große Zahl an Messier-Evergreens wie 42/43 (mit erstaunlich präsentem Running Man und feinsten Details!), eine leckere M33 , den kleinen Hantelnebel M78 (der später in der Nacht bei Rainer auch den Abschluss bilden sollte), sowie diverse andere. Mit Schrecken sahen wir, wenn auch nicht überraschend, dass um diese Uhrzeit der Herbst bereits im wahrsten Sinne des Wortes auf dem absteigendene Ast ist, trotzdem besuchte ich die im sinken begriffene NGC 7331. Der Galaxiendurst war aber damit bei weitem noch nicht befriedigt und so machte ich einen kurzen Abstecher um das langsam wieder in vernünfte Höhen steigende Paar 81/82 zu suchen. Nicht allerdings um die beiden Leuchten anzustarren sondern primär um mal wieder einigen Begleitern nachzuspüren was mit 3077, 2976 und 2985 auch tadellos gelang.


Der Wind machte mir doch zu schaffen, wahrscheinlich bin ich einfach zum Weichei mutiert aber mein Nicht-Beobachtungsauge kam nicht mehr aus dem Tränen heraus. Also entspannte ich mich in die windabgewandte Richtung und nahm mir nach Langem mal wieder M1 vor und stattete meinem Lieblingshaufen NGC 2169 im Orion einen Besuch ab. Rainer hatte zwischenzeitlich ein sehr interessantes und durchaus knackiges (wen wird es wundern!) Objekt eingestellt: Minkowski 2-55 (oder auch PK 116+08.1), ein PN etwas schwächer als 14m. Ich hatte zunächst OHNE einen Blick auf die Karte durchaus Schwierigkeiten den PN wahrzunehmen, ging er doch nur indirekt, zwar blitzte zweimal etwas auf aber da ich mir nicht sicher sein kann meinen Sehwinkel korrekt einzustellen blieb es dabei. Erst ein Blick auf die Detailkarte brachte mir die Möglichkeit das Auge korrekt zu positionieren und Tatsache, nun war er auch dauerhaft zu halten, mit dem später eingesetzten UHC  war er nochmal etwas einfacher, wobei er bei mir auch da nur blickweise mal direkt auftauchte, indirekt aber nun kein wirkliches Problem mehr war.



Zum Kartenlesen verzogen wir uns mitunter auf die Rückbänke unserer Autos, die Karten wären mir sonst wohl auch einfach weggeflogen. Aber selbst im Auto sitzend merkte man am Wackeln selbigen, dass der Wind nochmal ordentlich zugenommen hatte, zum Glück ist die nähere Umgebung völlig baumfrei! Gegen zwei Uhr bekann ich dann aber doch mit dem Abbau, meine Nacht sollte trotz Wochenende nicht alzuspät enden aber die Nacht war endlich mal wieder von echter Transparenz geprägt und richtig klasse, auch wenn ich mit diversen kleineren Problemchen (Wind, Rücken, suboptimaler Stuhlersatz) zu kämpfen hatte...