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Mittwoch, 22. April 2015

BB vom 21.04.2015

Ort: Silent Hill
Zeit: 22:00 bis 1:00 Uhr
Grenzgröße: ca. 5m8, schlechter werdend

Nach dem vergangenen schönen Wochenende sollte der mutmaßlich letzte nutzbare Tag der aktuellen Neumondphase ausgekostet werden. Viertel vor zehn kam ich am Platz an und baute mein Büro auf. 

Kurze Zeit später traf auch Michael ein und machte sich seinerseits an den Aufbau seines nun praktisch fertiggestellten 18"ers :) Eine sehr feine Konstruktion!  Nachdem der Trumm stand durfte ich zum ersten Mal Hand anlegen, ein schönes Gefühl nachdem ich die Entstehung fast hautnah über die vergangenen Monate und Jahre miterleben durfte! Die Bewegung ist stramm aber sehr feinfühlig und genau so wie man sich einen optimal geplanten Dobson vorstellt. Sogar im Zenit ist ein sanftes Nachführen kein Problem. Im Laufe der Nacht schaute ich natürlich auch viele Male durch das Teleskop, durch den leider nur als mies zu bezeichnenden Himmel und einem kleinen Problem mit dem Paracorr konnte der Bolide seine PS leider nicht wirklich von der Leine lassen.. aber 18" sind und bleiben eine Hausnummer ;)


Echtes Beobachten war ohnehin nur im Zenit machbar, die Horizonte waren bis weit über 30° einfach nur hell und siffig, Antares blieb lange Zeit der einzige Stern des Skorpions - enorm schlecht wenn ich daran denke, ihn vor ein paar Tagen komplett, sogar mit Stachel gesehen zu haben. Meine Besuche bei den kürzlich beobachteten Objekten im Drachen blieben entsprechend enttäuschend. War das Trio noch gut zu machen am Samstag, war heute gar nicht daran zu denken. Den schwachen Schimmer einer der Galaxien habe ich mir eingebildet - aber wahrscheinlich auch nur das. Auch weitere Objekte auf meiner Liste blieben unabgehakt... 

Einziges wirklich neues Objekt für mich blieb der 9m1 helle Kugelsternhaufen NGC 5466, der nur einen kleinen Starhop von Messier 3 entfernt liegt. Selbst der war keineswegs ein Objekt für im Vorbeigehenpflücken sondern erforderte  genaues Aufsuchen. In der Übersicht war ein schwacher Nebelfleck zu sehen, als ich bei 8,8mm ankam war der Haufen schon gemottelt und unruhig. Mehr Öffnung und/oder bessere Bedingungen und hier dürften klaglos Einzelsterne rauskommen.

Während ich gerade bei Michael Arp 269 einstellte und von der Übersicht auf 13mm wechselte war der Himmel auf einen Schlag... tja.. im Eimer. Zwar war keine wirkliche Änderung mit dem bloßen Auge zu sehen, aber der Kontrast war endgültig weg, der Hintergrund war sogar trotz starker AP Einschränkung heller als vorher :(

Trotzdem war es ein netter Abend und immerhin ein Abschluss der vergangenen Schönwetterkatastrophe, lang lang ist's her, dass wir überhaupt mal eine solche hatten.

Montag, 20. April 2015

BB Frühjahrstreffen Stumpertenrod 2015

Datum:  17-19. April
Ort: Vogelsberg
Zeit: Freitag 20 Uhr bis 2:30 Uhr Samstag 20 Uhr bis 3:45 Uhr
Grenzgröße: Freitag ca. 6m1 - 6m2 Samstag 21.45 m/arcmin²

Lange darauf hingefiebert - nun endlich komme ich mal wieder von meiner Scholle weg und unter potentiell dunkleren Himmel. Jan hat schon viele Tage vorher sein Lager aufgeschlagen. Schon vormittags kann ich mich loseisen und mache mich auf den Weg, im Gepäck das "große Besteck", Grinsen treibt mir mein neues Auto ins Gesicht, dass sich als ideal für solche Astroexkursionen zeigt, mit ausgebauten Sitzen (was ich mir sogar hätte schenken können), könnte ich sogar auf ein Zelt verzichten und mich bequem direkt hineinbetten.



Das Wetter verspricht nach ein paar richtig warmen, schon fast zu warmen Tagen, wieder deutlich abzukühlen aber auch klar zu werden! Bei meiner Ankunft zur Mittagszeit zeigt sich der Himmel schon durchaus schön mit wilden Wolken und einem herben, straffen Wind... schon fast Sturm. Der Zeltaufbau ist entsprechend anstrengend, allein ohne Jans Hilfe hätte ich keine Chance gehabt und das Zelt einen Kilometer weiter auflesen können. Nach dem Aufbau ging es deshalb erstmal in einen Pulli, Jacke und Mütze - alles würde ich die nächsten 48 Stunden nicht mehr ausziehen.


Der Nachmittag wurde sehr entspannt, dem Sturm geschuldet, über weite Strecken im Wohnwagen verbracht. Objektrecherche für die kommende Nacht stand an. Ich beobachtete schon mal mit dem Finger auf der Karte den Kasten des Großen Bären durch und schrieb mir Helligkeiten aus der Liste - auch mit nur 8" sollte hier unter entsprechendem Himmel einiges zu sehen sein. Nach dem Abendessen (lecker Wurst in netter Gesellschaft), steht die Organisation des "Arbeitsplatzes" an und dann... tja das inzwischen schon wieder laaange Warten auf Dunkelheit. Sowohl Venus als auch Jupiter lassen sich aber schon vor Sonnenuntergang am Himmel entdecken.



Doch bevor es richtig los geht, kann ich mich endlich von den glühenden Kohlen in Form von Jans neuem Dobson befreien! Bisher sah ich nur Bilder und nur das direkte Begrabbeln kann hier Abhilfe schaffen. Mein erster Gedanke beim Ansehen: Sehr sehr hübsch aber viel zu filigran und nackig... Oh wie ich mich täuschte :D Die Konstruktion ist wirklich materialminimalistisch, die erste Berührung belehrt mich eines Besseren - eine stocksteife Konstruktion :O !! Die Bewegungen smooth und völlig ruckelfrei, Ausschwingzeit praktisch inexistent! Allein die Az-Achse ist mir zunächst einen Tick zu leichtgängig, interessanter Weise finde ich aber heraus, dass beim Drehen der Druck dann doch zunimmt, geniale Sache. Diese Art von Spiegel sehe ich nun auch zum ersten Mal Live - eine Sandwichkonstruktion, die schon vom Angucken verspricht erheblich kürzere Auskühlzeiten zu ermöglichen. Zunächst etwas verwirrend aber im Nachgang doch als tauglich und sogar wünschenswert empfunden: Die oberhalb des Hutrings angebrachte Spinne, ebenfalls nur auf den ersten Blick filigran und real ultrastabil. Was die optische Leistungsfähigkeit angeht wird mich die Nacht vielfach (!) zu verzücktem Jauchzen bringen - zwar habe ich schon vielfach durch diverse 16"er mitbeobachtet, aber ohne den Besitzern zu nahe zu treten: Das waren über weite Strecken eher Gürkchen...


Ich wende mich nun doch meiner Karte zu. Leider zeigt sich sehr schnell, dass ich nicht wirklich mitgedachte habe. Meine Ziele stehen nahezu exakt im Zenit, der sich leider mit dem GSO nur sehr hakelig bearbeiten lässt. Trotzdem starte ich zumindest mit den ersten Objekten. Auf der Linie Gamma und Beta UMa findet sich auf 1/3 ein Stern um den die ersten Galaxien aufblitzen. NGC 3738 und NGC 3756 liegen nah beieinander. Beide sind mit 11,2 und 11,5m eher hell aber nun keine strahlenden Gestalten, erstere ist eine interessante kleine Zwerggalaxie und die zweite eine Balkenspirale - Details lassen sich mit 8" erwartungsgemäß nicht ausmachen.

Durch den Stand bedingt, verschiebe ich weiteres Eindringen in den Bärenkorpus und schwenke zu M 109, von dort erkunde ich die naheliegenden Gesichtsfelder und sehe  NGC 3953, die mit 10,8m ein prominentes Objekt ist. In die andere Richtung liegte NGC 4102 die nicht weit zurückbleibt was die Helligkeit angeht, im selben Gesichtsfeld schön gelegen findet sich auch noch NGC 4068, diese irreguläre Galaxie ist dann schon ein anderes Kaliber 12,5m ist natürlich tadellos in Reichweite aber sie war schon sehr oberflächenschwach und vor allem nicht sichtbar konzentriert.

Einige Standards wie M 51, 101, 108, 81, 82, 63 seien der Vollständigkeit halber noch erwähnt, vor allem 51 war für 8" Verhältnisse mal wieder prächtig, kein Raten in Sachen Spiralarmen von Nöten! Weggehauen hat sie mich allerdings dann an Jans 16er: Arme wohin man blickt und von Knoten durchzogen. Ganz ehrlich - wir reden hier von Anblicken, die man mit einfachen Kurzzeitbelichtungen durch ein Teleskop schon nicht mehr fotografisch erfassen kann - herrlich. M 101, da war ich dann richtig baff - hell, groß... und doch immer wieder für eine Enttäuschung gut, hier steht und fällt alles mit dem Himmel, dann noch gepaart mit dem Teleskop war es ein Genuss die Spiralarme nachzuvollziehen, Verdickungen und H-II Regionen zu entdecken... jaaa doch, kann was :D

Hernach versuchte ich mich noch an zwei (bereits bekannten) Päärchen in den Jagdhunden. NGC 4485/4490 alias Arp 269, diese wechselwirkenden Galaxien sind mir immer wieder eine Freude, die große und merklich hellere hat einen Gezeitenschweif der im Ansatz sogar schon im 8"er zu sehen ist, in Richtung dieses Schweifs steht der kleine irreguläre Partner. Etwas weiter in Richtung Cor Caroli findet sich die Paarung NGC 4618/4625. Obwohl beide selben Typs sind und tatsächlich auch räumliche Nachbarn sind, ist 4318 sofort unübersehbar, selbst wenn man per Zufall in das Feld stolpern sollte (10,6), während man 4625 doch etwas Ruhe geben muss, dann ist sie aber ebenfalls kein Problem (12,3), sie ist in jedem Fall merklich kleiner (im infraroten übrigens nicht, da zeigen sich sehr schwache Arme).

Ein absolutes Highlight: Das Draco Trio NGC  5985, 5982, 5981... einfach mal WOW! Im 16er zeigen sich aufgereiht drei Galaxien wie sie unterschiedlicher nicht sein können, dabei keine Funzeln (mit 16") und somit schauen sie eigentlich interessanter aus als beispielsweise das Leotriplet. In der kommenden Nacht werde ich sie auch mit 8" suchen... aber dazu später mehr.

Während des Abends lief übrigens die Kamera dezent platziert und schoss eine Serie des Venus Untergangs.


Nach Mitternacht, war es 1 oder 2 Uhr (?) zog der Himmel plötzlich von Norden her zu, der Wind war bis auf einen leichten Zug hin und wieder zum Sonnenuntergang abgeflaut. Zeit für ein kurzes Aufwärmen in der Sternwarte. Hier hatte ich die Möglichkeit die Spindelgalaxie NGC 4240 durch den 20" Cassegrain zu sehen, durchaus beeindruckend! Ganz ehrlich fand ich sie allerdings später im 16"er nicht wirklich schlechter... Der Himmel zog nach einer viertel Stunde auch wieder frei, lustigerweise waren wir während des Aufziehens gerade mit dem Großen bei Messier 82... die überaus präsenten und detaillierten Dunkelwolken verloren etwas an Kontrast und als wir aufblickten mussten wir doch mal lachen: Ein immer noch detaillierter M 82 durch eine geschlossene Wolkendecke :D

Wir waren bereits vom windigen Tag durchgefroren in die Nacht gestartet - Ausrüstung und (laminierte) Karten bereits mit Reif bedeckt, das Anziehen der Maximalausrüstung - eigentlich für Winternächte konzipiert - retteten uns durch die vielen Stunden aber so mollig warm war uns dann doch nicht mehr ;) Umso schlimmer das Aufwärmen! Ich wurde fast augenblicklich RICHTIG müde... Trotzdem bequemten wir uns noch ein Stündchen an die Geräte bevor wir beschlossen uns für die zweite, mutmaßlich bessere Nacht, etwas schonen und in die Betten kriechen wollten.



Samstag... Ich krieche gegen halb acht aus dem Schlafsack. Die Morgenstimmung auf Teleskoptreffen ist immer wieder schön und einzigartig. Meist halte ich es trotz Müdigkeit und spätem Schlaf nie so wirklich lange aus. Es ist immer noch kalt, der Wind hat wieder aufgefrischt. Alles ist ruhig und die tiefe Sonne wärmt das taugeplagte Teleskop. Erstmal alles Nasse in Richtung Sonne drehen, dann fix unter die Dusche hüpfen und Teile der Menschlichkeit wieder herstellen. Eisreste finden sich immer noch auf den Karten, auch diese werden aber schnell trocken. Ich weiss nicht ob es nur MIR so geht, immer wenn ich auf Treffen bin fällt der durchorganisierte und getaktete Alltag ab - manchmal ist das auch verwirrend... Uhrzeit? Egal... Was mach ich wann? Wird sich zeigen :D Mitunter kann die Ziellosigkeit aber auch anstrengend sein - Das Zeitgefühl geht jedenfalls schnell verloren. Ein rudimentäres Frühstück angereichert durch einen sehr wilkommenen Kaffee von Jan (danke!), normal trinke ich gar keinen aber allein die Wärme hilft doch immens. 


Der Tag verfliegt mit anregenden Gesprächen, Seele baumeln lassen und immer mal wieder Windschutz aufsuchen. Des Nachmittags lasse ich die EOS nochmal rattern und die ziehenden Wolken aufnehmen. Mit dabei auch die beiden Sequenzen von Freitag (nach Westen) und Samstag (nach Süden) Nacht.


Frühjahrstreffen Vogelsberg 2015 from Benny Hartmann on Vimeo.

Vor dem Sonnenuntergang unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang zu einem verboten idyllisch gelegenen Teich/Tümpel in Schlagdistanz. Ein Ort, der im Abendlicht eine herrliche ruhige Stimmung verbreitet. Besonders hier wird mir wieder der Unterschied zu heimischen Gefilden bewusst - das ist auch Land - aber hier wird das Plätschern, Rauschen und Zwitschern doch merklich weniger durch die Geräusche von Bundesstraßen und Flugzeugen überlagert! Herrlich...



Nachdem ich meine Ravioli verdrückt hatte und man sich eigentlich wieder der Objektvorbereitung widmen wollte eine sehr freudige Überraschung: Andreas ist angekommen! Das hat mich wirklich gefreut, dass er es möglich gemacht hat, die Nacht mit uns zu verbringen. Einmal mehr stelle ich die Kamera am Rand des Geländes auf und wir erwarten das Ende der Dämmerung.

Nach subjektiver Ewigkeit lohnt es dann auch in den Deepsky vorzudringen. Ich finde endlich auch mit dem 8"er das Draco Trio, natürlich nicht wirklich mit dem Anblick im 16er zu vergleichen und nicht alle sind gleich einfach, falsch: Einfach ist keine aber einige sind eben knackiger. Interessanter Weise ist die Edgeon NGC 6981 mit unter 13m gar nicht mal die schwerste, NGC 5985 ist die hellste mit ca. 11m8 aber nur auf dem Papier, denn NGC 5981 ist konzentrierter.

Zeit für etwas Coma - ich starte bei Beta-Com und sehe relativ unaufgeregt NGC 5032, einfach ist sie nicht, schon allein dadurch, dass Beta im Gesichtsfeld ist wird das ganze ein Geduldsspiel um die richtige Ausrichtung und die richtige Richtung fürs indirekte Sehen. Irgendetwas unterbricht meine Tour und ich will später wieder ansetzen, werde aber nicht mehr dazu kommen. Als ich wieder am Teleskop bin habe ich wieder die Karte von Draco und UMi vor mir liegen und will mich etwas dort treiben lassen. Ein paar Starhopping Übungen bringen mich schnell von Pherkad am Kasten im kleinen Bären zur Galaxie NGC 5832. Eine "Häkchen" Galaxie in 8" - will heißen: Gesucht, gesehen, identifiziert aber ohne, dass sich hier intensives Beobachten in Details niederschlagen würde ;)


Strichspuren in Richtung Süden - so sieht das also ohne Lichtglocke aus!

Ermutigt durch die gute Orientierung auf der Karte gehe ich zurück ins Feld mit Pherkad uns starte eine längere und etwa anstrengende Hangelpartie von Sternmuster zu Sternmuster, über etliche Gesichtsfelder bis ich ankomme - Ja wo denn? Zwei relativ helle Sterne stehen hier, bei einem ein weiterer schwächerer sowie natürlich viele schwächere Feldsterne. Ich schwenke das Teleskop vielfach hin und her, die einzige Chance die Burschen, die sich hier mutmaßlich verstecken aus ihrer Deckung zu locken. Da! Ein kleiner Fleck nahe des "linken" Sterns! Eine mehrfache Wiederholung und ein Wechsel auf 14mm schließt alles andere aus - sie blitze indirekt immer wieder kurz auf, sehr sehr grenzwertig, niemals dauerhaft haltbar, aber da ist etwas. ich habe die Galaxie IC 1110 vor mir, genaue Helligkeiten finde ich nicht aber sie liegt jenseit von 14m, noch innerhalb der Grenzen dessen was 8" unter Himmel oberhalb von 6mag leisten kann aber eben schon nah an der Grenze und auch anstrengend. Jetzt geht es aber erst an die RICHTIGE Herausforderung in diesem Feld, mit den beiden Sternen ein Dreieck bildend schaue ich mit 30mm auf eine leere Fläche. Nicht ganz leer, einige schwache Feldsterne sind schon da. Ich schwenke mit indirektem Sehen lange über das Feld, immer wieder hin und her. Der Himmelshintergrund scheint mir ungleichmässig, keinerlei konzentrierte Aufhellung wie man das von den üblichen Objekten kennt, bei 14mm wird das noch deutlicher, hier der Himmel dunkel, beim Schwenken wird er etwas (!!!!) heller, dann wieder dunkler. Ich bin doch arg überrascht und freudig erregt. Schnell geht es an den 16er um meine Beobachtung zu verifizieren bevor ich dann noch weitere Beobachter hinzuziehe. Die Stelle ist schnell wieder gefunden und auch hier das selbe Spiel mit 24mm und 14mm. IC 1110 ist hier schon bedeutend einfacher, das zweite Objekt nicht wirklich einfacher, aber völlig reproduzierbar, bei 14mm schon gesichtsfeldfüllend ändert sich die Helligkeit des Himmelshintergrundes. Nun ist es Zeit auch Jan und dann Andreas das Feld zu zeigen und erst einmal selber ihre Schlüsse ziehen zu lassen. Am Ende sind wir uns einige: Da ist eine völlig undefinierte aber ortsfeste Helligkeitsvariation. Dabei handelt es sich um UGC 9749 - Den Ursa Minor Dwarf - eine nahe Zwerggalaxie der lokalen Gruppe, ein Thema was bei mir immer mal wieder hochkommt und wohliges Schauern auslöst, ich erinnere mich da noch an IC 10 in Cassiopeia, die ich sogar mit 5" schon sehen konnte. Bei diesen ultralowsurfacebrightness Objekten kommt es denke ich auch nur zweitrangig auf die Öffnung und viel mehr auf die richtige AP gepaart mit optimaler Transparenz an. Es war für mich ganz klar das Highlight des Abends, des Wochenendes und des bisherigen Jahres! 

Ein solcher Knacki, der körperlich spürbare Erschöpfung (gepaart mit tiefer Befriedigung) hinterlässt muss einfach der Höhepunkt einer Nacht bleiben, deshalb geht zwar weder der Himmel flöten noch meine Motivation aber die verbleibenden zwei Stunden bis etwa viertel vor vier verbringe ich ohne Anspruch auf Heldentaten mit entspannten Gesprächen und Blicken meist durch andere Teleskope. Vollgepackt mit wunderschönen Eindrücken und endlich wieder rückhaltlos davon überzeugt, das schönste Hobby der Welt zu haben geht es dann irgendwann in den Schlafsack :)


Paradies im Nirgendwo

Fazit: Was soll ich da noch schreiben.. ich hoffe und denke es kam rüber, dass ich aufs Äusserte glücklich die Heimreise antrat :)) Die kurze Zeit voll ausgefüllt mir Nichtstun und dann wieder gespannter Betriebsamkeit des Nachts - einfach perfekt. Dazu beigetragen haben einmal mehr die Menschen um mich herum. Das fängt direkt mit Jan an, ohne dessen menschliche und sächliche Infrastruktur das ganze bei Weitem nicht so viel Spaß und Entspannung gebracht hätte, dann natürlich die netten Gesprächspartner des Wochenendes, die ich teils schon kannte teils aber auch neu kennenlernte wie Jan (2) oder Günther und last but not least natürlich der Verein selber, der diese immer wieder eindrücklichen Erlebnisse an ihrem Standort möglich macht.

Montag, 23. Juni 2014

BB vom 21.06.2014

Ort: Idsteiner Land
Uhrzeit: 23:30 bis 2:45 Uhr
Wetter: Klar, leicht siffig in Horizontnähe, außerordentliche Transparenz in höheren Gefilden
GG: fst. 6m1 (UMi)

Der Mittsommerneumond ist bei uns auf 50° zwar auch kein Brüller und vor allem ein kurzes Vergnügen, aber das ist kein Grund nicht rauszufahren, zumal in netter Gesellschaft. Mit Thomas hatte ich mich schon verabredet und Rainer lud uns auf seinen Platz ein, er sah eine brauchbare Dunkelheit zwischen Mitternacht und 2:17 Uhr - und genau so sollte es auch kommen.

Die Nacht war vor allem geprägt durch das weitere Beschnuppern von Thomas neuem 12" Dobson, kleiner Wermutstropfen war und ist der beschädigte Leuchtpunktsucher, der sich nicht gescheit justieren lässt, aber ich konnte doch so ein bissl was finden in dem ich den Fehler versuchte nach Augenmaß auszugleichen. Hier waren dann natürlich vor allem die hellen Vertreter der Nacht unser Ziel, ein sehr früher M31 zählte ebenso dazu wie die Nebel im Großraum Schwan, M57, M27, der Cirruskomplex und der Nordamerikanebel. An den letzten beiden konnte ich Thomas auch den immer wieder augenöffnenden Effekt von einem [OIII] Filter vorführen (Danke Rainer, hatte meinen ja daheim gelassen). Die Detailfülle in diesen Objekten war auch schon ein guter Anhaltspunkt für die Himmelsqualität, die TROTZ kürzester Nacht des Jahres erstaunlich war! H+x waren ebenso noch Teil des Pflichtprogramms und konnten schön als Okularvergleich in Sachen Randschärfe und Feld dienen, die ich Thomas vorführen wollte. Ein Blick auf M 101 und M 51 - ja noch da, aber toll ist anders, die sind nun einfach schon ein bisschen zu tief.



An der Kopflastigkeit muss noch irgendwas gemacht werden, den tiefstehenden Saturn bekamen wir nur mit einem Trick ins Okular, mein Stuhlsitz wurde kurzerhand als Dobson-Stütze umfumktioniert, klappte erstaunlich gut :D Der Spiegel ist wirklich top, noch gänzlich ohne Streuschutz erwartete ich eher flaue Bilder, dem war aber nicht der Fall, natürlich ist da noch Platz nach oben in Sachen Kontrast mit den geeigneten Maßnahmen, aber der Spiegel sorgt hier definitiv nicht für Probleme.

Eine Nacht mit Rainer birgt immer die Hoffnung auf ein oder zwei außergewöhnliche Objekte und auch da wurde ich natürlich nicht enttäuscht ;)
Man muss sich immer vor Augen halten: Sommersonnenwende!

Der 14m1 Quasar PKS 1424+240 ist mit z=0,6 und ca. 7-8 Mrd. Lichtjahren kein Objekt was man der Nacht ohne echte astronomische Dunkelheit zutrauen würde - aber bei etwas über 200-fach war es definitiv nicht das schwerste Objek, dass ich bisher durch Rainers Teleskop sah, dank der gewohnt guten Aufsuchkarte, dauerte es nur wenige Sekunden bis das Energiemonster aus der Vergangenheit zu sehen war.

Nach halb drei war es dann sowohl die Müdigkeit als auch die aufziehende Dämmerung die uns langsam vetrieb, die Nacht war so kurz dann doch nicht und selbst wenn wir nichts gesehen hätten, wäre der Plausch lohnend gewesen ;) Auf der Heimfahrt begleitete mich noch eine wunderschöne Mondsichel tief am Osthorizont.


Samstag, 22. Februar 2014

BB vom 21.02.2014

Ort: "Silent Hill", westlicher Taunus
Zeit: 21:00 bis ca. 0:30 Uhr
Wetter: Zu Beginn völlig klar, danach stark wechselnde Bewölkung

Diese Nacht ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie toll es ist, dass man im Leben nicht alles planen und vorhersehen kann. Am frühen Abend hatte ich so einiges im Kopf, aber nicht, dass ich die Nacht mit den Leuten unterm Himmel verbringen würde. Jan nahm die durchwegen guten Prognosen zum Anlass mir den Mund wässrig zu machen, lange musste ich nicht überlegen, vor allem da er mich durch seine persönliche Abholung (!) von meiner spritmangelinduzierten Mindermobilität entbinden konnte :)

Einen Rundruf wollte ich kurz vor seinem Eintreffen doch noch absetzen, und umso größer war die Vorfreude, als auch Andreas und Rainer mehr oder weniger sofort die Gerätschaften ins Auto trugen und die im doppelten Sinne "Sternfahrt" zu unserem Platz antraten.

Am Platz offenbarte sich ein sehr ansprechender Himmel mit dem immer noch dominierenden Orion im Süden.

Der Coup den Andreas landete (und als Opfer eigentlich jedem Wettergott hätte genügen müssen), darf er selber erzählen ;) Sehr positiv überrascht hat mich einmal mehr die Justagestabilität des alten 8er GSOs, beim letzten Ausgang Anfang des Monats hatte ich den Laser daheim liegen lassen und so wurde er unjustiert genutzt, insgesamt hat er so mehrere Weg vom Balkon in den Keller und zurück, sowie 70km schlechte Land- und Dorfstraßen hinter sich aber ich musste beidseitig kaum eine Zwanzigstel Umdrehung anlegen um knackscharfe Bilder zu bekommen (die mir jetzt da ich das Gerät endlich wieder regelmässig nutze um so stärker den Vergleich zu Hypatia auffallen). Das erste Objekt war, welche Überraschung ein ausgesprochen leckerer Orionnebel, der sich mit dem 14mm ES am schwachen vorderen Ende zusammenlaufend beobachten liess und herrliche Filiamente und Details in den wallenden Nebelmassen offenbarte.

Nach dem letzten bilderlosen BB war die EOS diesmal wieder dabei und mit dem neuen aufgebohrten Batteriepack darunter hoffte ich auf eine Timelapse Serie, die die ganze Nacht festhalten sollte, dazu hätte ich aber neue Akkus bestücken müssen... okay das nächste Mal, so blieb es bei schlappen 33 Einzelbildern, die immerhin einen netten Ansatz von Strichspuraufnahme unserer Gruppe in Richtung Norden zeigt.



Das Seeing war in dieser Nacht definitiv überdurchschnittlich gut, Jupiter konnte ich bis 4,7mm hinunter beobachten (255-fach), ein Mond klebte direkt an der Planetenscheibe (habt ihr herausgefunden ob er vor oder hinter dem Planeten wanderte?) und eine Vielzahl an strukturierten Wolkenbändern war in besonders stillen Momenten überdeutlich. Allerdings war die Blendung selbst bei merklich unter 1mm AP immer noch merklich, weswegen wir den Jupp dann auch Jupp sein liessen und uns wieder dem Deepsky widmeten. Hier ging mein erster Blick natürlich zur SN in M82, im Vergleich zum Monatsbeginn meinte ich bereits einen Rückgang der Helligkeit auszumachen, ganz sicher bin ich mir allerdings nicht, denn zu diesem Zeitpunkt zogen leider auch schon die ersten Wolkenfetzen über den Himmel. Die beschäftigten uns im Folgenden immer mehr, teilweise ging gar nichts mehr. Doch immer wieder zog hier und da mal ein Stückchen frei und es konnte unter Zeitdruck weiter gehen. Rainer war inzwischen auch da und unsere Runde wurde äusserst heiter :D Wenn schon der Himmel uns wieder mal in den Allerwertesten kneift, dann heisst das noch lange nicht, dass wir keinen Spass haben!

Selbst ganz ohne Beobachtungen wäre die Nacht somit nicht vergebens zu werden, gibt doch nix schöneres als Gleichgesinnte die einen amüsanten Outdoor-Stammtisch veranstalten ^^ Ernsthafte Beobachtungen waren dann leider auch immer seltener. Jan sprach aus was wir alle dachten "Die Anzahl sichtbarer Sterne unterschreitet die Zahl der Mitbeobachter, Zeit zum Packen." Entspannt begonnen wir also mit dem Abbau und wie VIEL zu oft bei den letzten Beobachtungen: Kaum war alles im Auto. BUMM. Alles wieder sauber...

Nur Rainer war klug (oder langsam) genug und hatte noch alles aufgebaut, der Mond gönnte ihm hoffentlich noch eine halbe Stunde während wir uns schon auf die Heimfahrt machten. Das End' vom Lied - wenig gesehen aber immerhin mal wieder ETWAS nach diesem "herrlichen Winter" und ein Spass wie seit Wochen nicht mehr gehabt, danke Jungs war mal wieder klasse. Der Bericht kann diesmal dem Abend einfach nicht gerecht werden, die lustige Atmosphäre und Gespräche lassen sich schlecht transportieren und will ich auch gar nicht, die Mitverschwörer wissen ja Bescheid wenns um "spezielle Materiearten", "Alternativnamen für gewisse Himmelsobjekte" und unsere gemeinsame Jahresplanung geht ^^

>>Beschreibung der Nacht? Pretty faint stars, vL nebulosity<<

Montag, 12. August 2013

BB vom 11.08.2013

Ort: Feld bei Taunusstein
Uhrzeit: 23:00 bis 0:30 Uhr
Wetter: Klar, leichten Cirren

Eigentlich war ich mehr als nur müde nach dem HUTT, aber irgendwie wollte ich die Nacht nicht gänzlich vorüberziehen lassen, sind wir doch nach wie vor ganz nah am Perseidenmaximum.

Das Auto war ohnehin noch komplett gepackt, also schnell hoch auf den Acker und mit dem Fernglas in den Stuhl gepflanzt. Ich hatte eine entspannte halbe Stunde mit dem 8x40, aber die Müdigkeit drohte mich doch zu übermannen. Also noch einmal fix die Kamera nach Nordost ausgerichtet und per Auslöser auf Dauerfeuer. Während die EOS ihren monotonen Dienst verrichtete und ich mich im Klappstuhl zurücklehnte war ich auch schon weg! Das ist mir ehrlich gesagt bisher auch noch nicht passiert und eine gute 3/4h schlummerte ich friedlich unterm Sternenzelt. Ein Geräusch (Wildschwein?! Klang so!) weckte mich und ruckzuck war das Minimalequipment wieder im Auto und ich auf dem Weg in das schon lange wartende Bett.

Am Ende kam nicht wirklich etwas bei diesem kurzen Ausflug rum, und ich hätte sicher den Schlaf schon etwas früher haben können und sollen ;)


Mittwoch, 14. November 2012

BB vom 13.11.2012

Ort: irgendein Feld im Idsteiner Land

Zeit: 21:00 bis 1:30 Uhr

Wetter: 0° C klar mit steigender Luftfeuchtigkeit und sinkender Transparenz

Grenzgröße: ~ 5m7

Wie die Faust aufs Auge: Neumond und klarer Himmel und das auch noch im November, nicht ganz selbstverständlich - umso selbstverständlicher jedoch die Tatsache, daß eine solche Nacht nicht ungenutzt verstreichen darf.

Allerdings war ich mir noch nicht sicher wo und in welchem Umfang ich zum Beobachten kommen werde. Die vorige Nacht hielt mich eine böse Magenverstimmung wach und eigentlich hätte ich auch bedenkenlos um 19 Uhr ins Bett gehen können... wenn, ja wenn ich nicht total hippelig war in den Deepsky vorzustoßen. An unserem Stammplatz würden sich wieder einige Beobachter einfinden, aber ich war mit unsicher wie lange ich durchhalten würde und da kam mir gerade Recht, daß Rainer an seinem Plätzchen unweit seines Wohnortes eine eher kurze Nacht anpeilte. Schnell war ausgemacht, daß auch Jan dort aufschlagen würde, auch für ihn ein gutes Stück näher als Laufenselden...

Das Finden war gar nicht so ohne, Rainer parkte gut getarnt und so fuhr ich erst einmal einen Kilometer am Platz vorbei, auf der Rückfahrt lotste Rainer mich aber gut in die richtige Richtung. Noch bevor ich auch nur zur Hälfte adaptiert war, kam ich schon in den Genuß des ersten Objektes des Abends, in Rainers 12"er war ein Quasar zu bestaunen, dank einer hervorragenden Aufsuchkarte und seiner Einweisung blitze deses uralte Licht zweifelsfrei indirekt auf! 

PEGASUS-Quasar:

QSO HS 2154+2228
B 15.2
V(km/s) 203768
z =1.29
B 15.2 m
The light travel time was 8.746 Gyr.
The comoving radial distance, which goes into Hubble's law, is 3982.6 Mpc or 12.989 Gly


Mittlerweile war auch Jan eingetroffen und ich richtete mich erstmal häuslich ein, die (fast) volle Winterausrüstung war mitgeschleppt worden und kam im Laufe der Nacht dann auch zum Einsatz.

Zum Aufwärmen ein schneller Hopp durch Schwan und Cassiopeia, mit Standards wie NGC 6910, M39, h+x, NGC 457  und NGC 7789.

Ein zweiter Quasar, diesmal noch älteres Licht, wartete in Rainers 12"er auf seine Identifizierung, seltsamer Weise war dieser sogar noch etwas einfacher und konnte indirekt dauerhaft gehalten werden, das lag aber mit Sicherheit auch am merklich höheren Stand.

HERKULES-Quasar

QSOJ1719+4804
V(km/s) 187487
z=1.083
B 15.33 m

The light travel time was 8.053 Gyr.
The comoving radial distance, which goes into Hubble's law, is 3518.6 Mpc or 11.476 Gly



Lange Zeit verbrachte ich auch heute wieder im Pegasus bei NGC 7331, mit einer Detailkarte von Rainer identifizierte ich einen Begleiter der Galaxie, jedoch war es alles andere als einfach und die Transparenz brach bereits etwas ein, insgesamt war der Himmel höchst unterschiedlich, während man gen Süden kaum beobachten konnte und auch im Westen der Himmel bis mindestens zur Hälfte Richtung Zenit siffig, war der Norden/Nordosten sehenswert. Rainer verabschiedete sich berufsbedingt schon recht früh gegen 23 Uhr, wir wollten die Nacht aber durchaus noch etwas länger nutzen. Als erstes stand noch ein Test meines neuen 18-55mm Objektivs an, das Jan mir anbetungswürdigerweise für den Gegenwert einer Fastfoodmahlzeit besorgt hatte!


Als dieser Test absolviert war, stellte ich die Kamera ans Auto, richtete sie nach Norden aus und ließ sie leerklackern. Zurück ans Beobachten... Eigentlich wollte ich heute Nacht mindestens eine Zeichnung anfertigen, leider machte mir der extreme Tau da einen Strich durch die Rechnung, ich hatte leider zu dünnens Papier mit... den Rest kann man sich denken. Eine halbe Skizze des Orionnebels kam dennoch dabei rum, leider nicht ganz fertig aber besser als nichts. Seit langer Zeit habe ich mich auch einmal wieder dazu entschieden auf Grundlage der Skizze eine Computerzeichnung, statt einer Bleistiftreinzeichnung anzufertigen...



Ein Besuch beim Flammennebel zeigte auch diesen überraschend gut und mit chrakteristischer Dreiteilung durch die Dunkelnebel. Auch die kosmische 37, NGC 2169 ward ein Pflichtbesuch abgstattet, sollte eigentlich auch gezeichnet werden aber da hatte ich schon nur noch Papiermatsch in den Händen.

M31 überraschte (natürlich auch in bestmöglicher Position am Himmel) mit leicht erkennbaren Armen und Dunkelwolken, M33 zeigte zumindest den Ansatz von Arm und die helle HII Region NGC 604. Jan versuchte sich noch - leider erfolglos - an eine, PN in Taurus, meine Karten konnte da nicht gut helfen, der PN stand gnadenlos am Rand der Karte ohne ausreichend Referenzsterne in unmittelbarer Nähe.

Lohnender war am Ende noch ein Abstecher in UMa! Neben der wunderschönen Kombination aus M97 und M108, waren es vor allem M81/82, die mit feinen Details erfreuten, neben den eigentlich immer sichtbaren Staubstrukturen in der Starburstgalaxie war an M81 der "einfache" der beiden Spiralarme auch sichtbar.

Der zunehmende Tau machte alles klatschnass und auch das Objektiv der Kamera war wie sich herausstelle schon einige Zeit dicht, gut zu sehen am Ende der Zeitrafferaufnahme.

   
 

Timelapse Ursa Major Beobachtungsnacht vom 13.11.2012 from Benny Hartmann on Vimeo.

Also begannen wir zum Glockenschlag halb zwo mit dem Abbau des Equipments. Die Nacht war wegen des Dunstes und der Feuchtigkeit zwar nicht optimal, Spaß hat sie aber allemal gemacht und auch mal wieder einen neuen Standort getestet. Vom Himmel her gar nicht übel, allein die in einiger Entfernung verlaufende Bundesstraße störte durch Fernlichter, hier hilft nur die Autos gnadenlos zur Lichtabschirmung richtig zu parken. Immerhin konnte dieses Nacht die langjährige Novemberstatistik durchaus aufwerten.


"Zwei Quasare und noch mehr Hochnebel" 

Sonntag, 23. Oktober 2011

BB vom 22.10.2011



Datum: 22. Oktober 2011
Ort: Taunus
20:45 bis 02:00
GG: ~ 5m8 - im Zenit 6m
bis -2° C

Mein übersprudelndes Mailfach machte mir schon am frühen Abend klar: Heute wird das keine allzu kleine Runde. Ursprünglich wollte ich erst gegen halb zehn auf dem Platz eintreffen, aber so langsam kann man sich ja wieder an die längeren und früher beginnenden Nächte gewöhnen.
Zum ersten Mal bin ich eine "neue" Strecke gefahren die mir angeblich exakt ein Kilometer Weg sparen soll, das hat wohl auch gestimmt und es waren auch ein paar Minütchen weniger aber die Strecke ist Nachts mit vielen engen Serpentinen nicht mein Fall, als ich an unserem Beobachtungsplatz vorfuhr hatte ich ja schon mit dem ein oder anderen gerechnet der schon fertig ist mit dem Aufbau, aber dass dort schon 9 Autos standen hat mich doch etwas umgehauen, zum ersten Mal hätte es fast Parkplatzprobleme gegeben :D Gut, wir waren am Ende 11 Leute und da mir zwei, drei Namen von Leuten die ich noch nicht dort mithatte entfallen sind verzichte ich heute mal auf die Aufzählung, Ihr wisst ja wer von Euch dabei war ;)

Die durchweg recht dunstige Himmelsqualität des Tages lies nicht allzu viel hoffen, dennoch war es vor allem in Richtung Norden und Westen gar nicht mal so übel, die Anwesenheit von Olliver stand zunächst mal im Kontrast zur Transparenz, die dann aber wie völlig korrekt orakelt nach Mitternacht aber besser wurde. Etwas Schlepperei hatte ich dann noch, weil mein "Stammplatz" nun etliche Autos entfernt lag, glücklicherweise aber war Olliver dessen Auto dort zwischen Horia und Michael stand nur Minimalausrüstung dabei :)
Bis alle begrüsst, das Instrumentarium verbracht und die Kamera für die geplante Langzeitserie in Position gebracht war, war die erste Stunde dann doch auch schon rum. Heute Abend hatte ich wohlweisslich keine Objekte geplant auf meiner List sondern lies mich erstmal durch die scheidende Sommermilchstrasse treiben, nun endlich (wieder) in der Lage sämtliche Okulare den [OIII] aufzupfropfen, war die Knochenhand mit 14mm und denn feinen Fillamenten das erste echte Highlight. Eine ganze Zeit lang war ich mit Ronald im Gespräch, der sein Gerät erst am Vorabend fertig zusammengebaut hatte und nun das erste echte Firstlight auf den 8" Spiegel bekam, die Justage haben wir zusammen nochmal nachgestellt und siehe da: 8" f/6 einfach immer wieder gut :)

Eine kleine Schrecksekunde an Horias 12er mit Maxbright-Bino: Jupiter hat mich von den Socken gehauen - mich! Selten (oder nie?) habe ich den GRF derart plastisch und herausstechend wahrgenommen, richtig klasse! Da die Augen nun eh erstmal verblitzt waren bin ich mal ganz frech die ganze Reihe abgelaufen und hab mir den Vergleich zwischen 4,5" bis 16" auf Jupiter abgeholt, ich muss aber ernsthaft eingestehen: So gut wie im Bino war er dann auch nirgends mehr...

Mit Ronald ging ich später nochmals in Richtung Cirruskomplex um den Effekt des [OIII] zu demonstrieren, da er ihn (wenn ich richtig liege) in diesem Moment das erste Mal überhaupt sah, ging es dann auch tatsächlich nur mit Filter, da der Schwan inzwischen auch schon recht tief stand war das auch nicht anders zu erwarten, da der Kontrast ohnehin stark einbrach. Rainer nutzte die Gunst der Stunde um die vorhandenen Filter der umliegenden Teleskope mal einzusammeln und an seiner Lightbridge in ihren Effekten zu vergleichen. Apropos Filter! Der Selbstbaufilterschieber von Michael ist (wieder mal) eine unglaublich tolle und vorallem saubere handwerkliche Arbeit! Sogar mit Klickstop kann man ihn wunderbar weich bewegen und der Filterwechsel ist noch nur noch eine Fingerbewegung, hat man den Schieber dann mal im Licht in der Hand kann man im ersten Moment kaum glauben, dass man hier kein industriell gefertigtes Produkt in der Hand hält, der Kunststoff ist so sauber bearbeitet als käme er frisch aus der Presse. Auch die aktuellste Version von Michaels Bino Mount Wall-E war beeindruckend, sowohl was die Haptik und Weichheit als auch das Finish angeht (das wohl GEILSTE Gegengewicht was ich je gesehen habe!).

Hier und da machten wir kleine Orientierungstouren über den Himmel um ein paar weniger prominente Sternbilder zu zeigen und auch um ein paar Standardaufsuchtatiken für Messierobjekte zu zeigen. Am eigenen Teleskop blieb ich auf ausgetrampelten Pfaden und M33 zeigte mir, dass die Transparenz heute wirklich keinen Blumentopf gewinnen, Strukturen blieben grösstenteils Mangelware, M31 hingegen zeigte ausser den Staubbändern auch noch sehr auffällig die Sternassoziation NGC 206 innerhalb der Galaxie und Rainer präsentierte uns den extragalaktischen Kugelsternhaufen G1, der schon bei mittelhohen Vegrösserungen eindeutig nicht mehr sternförmig war! Horia war auf der Jagd nach der kleinen Begleitgalaxie von NGC 1023, die Galaxie selber (Arp 135) kenne ich und habe sie auch schon im Rahmen meines Arp-Projekts beobachtet und gezeichnet, die 13m8 schwache NGC 1023A blieb mir aber verborgen, Horia und Thomas widmeten sich später noch am 16"er dem Nachspüren, das einzige was ich sicher wahrnehmen konnte war eine nicht ganz gleichmässige Form beiderseits des Kerns, was ich aber hauptsächlich auf die beiden Sterne "innerhalb" der Galaxie links und rechts vom Kern zurückführte.

Thomas fiel in dieser Nacht auf, dass sich die Anzahl der Flugzeuge durch die neuen Flugrouten hier immens erhöht hat, allzu schlimm fand ich es nun nicht (Geräuschsentwicklung gibts da ja eh kaum so weit vor dem Flughafen) aber für Fotografen sicher ein Punkt, der den Platz etwas unattraktiver machen könnte (hähä!). Um etwa 23:30 Uhr klappte dann auch der letzte Spiegel bei meiner Kamera - Akku leer, immerhin 270 Einzelbilder konnte ich so gewinnen, alle mit der selben Einstellung ISO800 30s f/2,8 28mm. Da ich schon seit geraumer Zeit solche Aufnahmen sammele um eine längeres astronomisches Timelapse (Zeitraffer) Video anzufertigen war das natürlich ein ganz wichtiger Clip den ich mir hier zusammenbastelte. Die Einzelbilder habe ich diesmal nicht bearbeitet sondern nur zurechtgeschnitten. Dank Startrails gibt es aber nicht nur ein Video sondern auch das passende Strichspurbild dazu, da kann man auch schon erahnen wa den Flugverkehr angeht und man hat die gesammelten herumgeschleuderten Photone von 11 Leuten in mehr als 2h auf dem Chip :D




Strichspur-Stack: 270 Einzelbilder - Gesamtbelichtungszeit: 135 min
Das Video wollte ich eigentlich bis zur Fertigstellung meines Gesamtvideos (in vielen Wochen...) unter Verschluss halten, aber ich diesmal haben es zu viele mitbekommen und wollen auch das Ergebnis sehen - allerdings völlig unbearbeitet Rohdaten, mal schauen was ganz am Ende daraus wird.... 



Die ersten brachen die Zelte kurz nach Mitternach ab, war diesmal gar nicht so einfach sich aus dem Pulk herauszumanövrieren. Die Zeit war bei mir inzwischen völlig vergessen, ebenso die Müdigkeit des frühen Abends die mich eigentlich dazu brachte nur bis Mitternacht bleiben zu wollen, aber es gibt wohl kein propateres Gegenmittel als nette Gesellschaft unter einem gestirnten Himmel :) Was natürlich schade ist: In SO einer grossen Runde kann man leider auch in fünf Stunden nicht mit jedem in dem Maße oder überhaupt fachsimpeln wie man sich das wünscht, aber die nächsten Nächte kommen ja - wenn wir auch nie wissen wann - wieder. Die Temperaturen bewegten sich um den Gefrierpunkt und schlussendlich blieb es auch unter 0°, kaum jemand der nicht bereits einen kleinen Eispanzer auf der Ausrüstung und natürlich den Autos hatte. Der Orion war inzwischen auch bereits vollständig über den Osthorizont gekrochen und erlaubte mir einen ersten Blick auf einen frühen M42, der aber trotz fast waagerechter Dobsonausrichtung schon tolle Details zeigte.

Als es schon stark auf die zwei Uhr zuging entschied ich jetzt mit dem Abbau zu beginnen, obwohl ich die anderen nur vorwarnen wollte schlossen sich mir dann auf einmal doch alle an bzw waren bereits beim Abbau, einzig Rainer war noch sichtlich hin und her gerissen zwischen dem Himmel und dem heimischen Bett ;) Doch das zu meinem Glück, denn so kam ich kurz vor der Abfahrt noch in den Genuss der kleinen aber interesssante Edge-on Begleitgalaxie von M77 (die selbst schon Strukturansätze zeigte), NGC 1055 als längliche, nach einer Seite sehr scharf begrenzte Galaxie, leider konnte ich das Glühen "oberhalb" des Staubbandes nicht mehr wahrnehmen.
An alle die dabei waren ein grosses Dankeschön für den schönen Abend :) 





Montag, 18. Mai 2009

BB vom 18.05.2009

Datum 18.Mai 2009
Zeit 21:45 bis 2:15 Uhr
Ort Taunus
Wetter Cirren
Seeing - 
Grenzgröße fst 6m2 wechselnd
Geräte 8" f/6 - 5" f/5

Nach wiedereinmal schier endlosen Wochen Regenzeit tat sich eine lohnende Nacht vor uns auf, zwar war die Transparenz tagsüber sehr gut aber doch waren wir zum Grössten Teil von durchziehenden Cirren geplagt. Nichtsdestotrotz gab es in dieser Nacht fantastische Anblicke in den Teleskopen und der Abend stand ganz im Zeichen des entspannten Genussbeobachtens ohne straffe Programme - ich will hier mal verschweigen dass es daran lag, das wir beide keine Atlanten eingepackt hatten...

 

So gab es auch ein Firstlight für Jans neuen 5 Zoll Richfieldrefraktor, der gerade an den grossflächigen Objekten der späteren Stunde ganz klar punkten konnte, 28mm UWAN + OIII Filter - da wird der Cirruskomplex und der Nordamerika zum echten Genuss. Zum ersten Mal seit Längerem kam mein 8 Zöller wieder zu Ehren, weil ich an diesem Abend nur über einen winzigen Werkstattwagen verfügte, da merkt man erst wie leicht und handlich der eigentlich ist :D Ob des dann in bestimmten Himmelsarealen aber doch sehr guten Himmels war auch damit wirklich sehr viel zu sehen. Im Hintergrund ratterte die Kamera für eine zweistündige Bilderserie, dabei zeigte sich am Ende der Nacht leider, dass mehr als die Hälfte der Aufnahmen durch Tau in die Hose gingen... seis drum


Zu den Standardobjekten gehörten natürlich nochmal einige Galaxien des Frühlinghimmels, wie das Leotriplett und NGC 4565 und die Kugelsternhaufen M13 und M53. Es ging dann aber schnell weiter in Richtung Sommer, NGC 7000 beobachteten wir im Laufe des Abends häufig in unterschiedlichen Höhen, zum Ende hin war er dann auch wirklich so hoch um sagen zu können, es war definitiv der beste des bisherigen Jahres, sehr beeindruckend im Richfielder komplett sichtbar. Der Cirruskomplex erschöpfte sich auch nicht in Sturmvogel und Knochenhand, auch Triangular Wisp war gut zu sehen.

 

Der Skorpion war inzwischen auch schon hoch genug um einen Blick zu riskieren, sowohl M4 als auch M80 waren schnell eingestellt und mit M10 und M12 kamen in Ophiochus noch zwei weitere Kugelsternhaufen dazu. Nun nochmal zu einigen der Arps, die lustiger Weise auch alle im Richfielder sichtbar waren, NGC 4490 und NGC 4485 in den Jagdhunden waren die ersten, gefolgt von 4088 und 4085. Besondern begeistert hat mich die Galaxie NGC 6946 zusammen in einem Feld mit dem offenen Sternhaufen NGC 6939. Der Sternhaufen zeigte sich als aufgelöster Haufen mit vielen feinen, schwachen Sternen und die Galaxie als leicht sichtbare aber oberflächenflache Aufhellung. Auch hier waren beide wieder im 5 Zöller schnell gefunden und sichtbar.


Der Hammer des Abends war für mich aber eindeutig der ISS Überflug - seit Jahren sehe ich sie über uns fliegen aber zum ersten Mal hab ich sie mit dem Dobson aufs Korn genommen, zunächst dachte ich an ein Flugzeug, zumal auch gerade eines in der Nähe lautstark vorbeiflog, doch die unglaubliche Helligkeit sagte mir dass das kein Flugzeug ist, also mit dem 22er LVW vorgehalten und ich bin schier vom Stuhl gefallen - die Raumstation war enorm gut zu sehen und auch problemlos über den Himmel zu verfolgen, besonders auffällig ausser den Modulen selber waren die gleissend hellen Sonnenkollektoren, wow - sogar die Drehung im Verlauf des Überflugs war zu erkennen, also ich weiss was ich nun wohl bei jedem Überflug ins Okular bekommen möchte :D

Es war kalt, um die 4 Grad und ohne die Pulloverspende von Jan wär ich jämmerlich erfroren. Nach 2 Uhr wurden die Cirren doch immer störender, also beschlossen wir abzubauen. Aber nicht ohne nochmal einen sehr tiefen M31 anzupeilen und den Bereich um Cassiopei nochmal mit dem Richfielder zu beackern, bei der Gelegenheit kam auch nochmal der OIII zum Einsatz und der Pacmannebel war schnell sichtbar.