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Montag, 6. Februar 2023

BB vom 06.02.2023 - Der Komet C/2022 E3 (ZTF)

Uhrzeit: 22:30-23:00
Ort: Feld bei Taunusstein
Wetter: Klar, -1° C

GG: Vollmond


Der Komet C/2022 E3 (ZTF) nervte mich jetzt schon eine ganze Weile, vor allem wegen seines ja doch sehr guten Standes nahe Polaris vor einigen Tagen - Aber wie so oft: Abends starke Bewölkung und morgens wenn ich aus dem Haus gehen muss blitzeblanker Himmel ;)

Aber heute Abend gab es schon eine so schöne Abendstimmung, dass ich einfach trotz Vollmond nochmal einen Versuch unternehmen musste, auch wenn es mal wieder einer dieser Kometen ist, die im Vorfeld über den Klee gelobt werden und dann nicht der große Knaller werden (und in gewisser Weise ist er als nichtperiodischer Komet ja durchaus etwas besonderes vor allem, da er ja eine erstaunliche Größe um die 5m erreicht hat).



Also ging es nachdem es mich schon fast wieder auf der Couch dahingerafft hat doch nochmals in die Kälte auf ein benachbartes Feld mit freier Sicht nach Westen, da der Komet inzwischen in den Fuhrmann gewandert ist. Trotz Vollmond ein schöner wenn auch nicht besonders sternreicher Nachthimmel, im Süden prangen Orion und Sirius. Mars strahl extrem hell im Stier und darüber findet sich der Fuhrmann mit dem ebenso hellen Capella. Auch die beiden Sterne mit denen der Komet heute Nacht ein fast perfektes Dreieck bildet (Eta und Zeta Aurigae) sind problemlos auszumachen. Der Komet selber bleibt mit bloßem Auge mit einer integrierten Helligkeit von nunmehr noch 5,8m erstmal unsichtbar. Er ist mit ziemlich genau 50 Mio Kilometer immer noch ziemlich erdnah. 


(Quelle: Stellarium)


Mit dem guten alten 10x50 Fernglas ist die Stelle schnell anvisiert und ja da isser... Haut mich jetzt nicht vom Hocker - was sicher anders wäre, wenn der Mond nicht da wäre aber immerhin ist das Kerngebiet recht gut auszumachen, von einem Schweif sehe ich zunächst nichts, mit etwas indirektem Sehen scheint die Koma aber durchaus zu wachsen. Ich muss nicht über den Mond schimpfen, es ist nun einmal so wie es ist ;) Immerhin konnte ich den so hochgehypten Eisklumpen wenigstens einmal selbst in Augenschein nehmen und von der Liste streichen. Er wird nun wohl täglich an Helligkeit verlieren sofern nicht ein noch unvorhergesehener Ausbruch ansteht. War trotzdem schön ein bisschen kalte Luft um die Nase zu bekommen und da das FG ohnehin gerade im Anschlag war habe ich dann gleich noch etwas über die Sternhaufen gesurft wie den Hyaden, den Plejaden aber auch h+x Persei waren noch ganz gut auszumachen, wobei das für mich eher Teleskopobjekte sind. M42 im Orion stand zu nah am Mond und blieb erwartungsgemäß blass.


Sonntag, 19. Juli 2020

BB vom 18.08.2020

Uhrzeit: 23:20 bis 1:00 Uhr
Wetter: Größtenteils klar

GG: Nicht gemessen, knapp unter 6m schätze ich 

Jetzt stellt sich die Frage, ob ich so was monothematisches wie eine Kometenbeobachtung eigentlich Beobachtungsbericht nennen darf ;) Ich mach es einfach mal, der letzte ist ja schon paar Tage her und meine Begeisterung wie der Komet C/2020F3 Neowise sich mir im Fernglas zeigte ist diese Zeilen wert...

Vor ein paar Tagen war ich schon einmal zwischen 2 und 3 Uhr mit mäßigen Erfolg, nee war schon ein Mißerfolg draußen. Wie so oft unvorbereitet und ich habe mir eine schlechte Stelle ausgesucht, hatte kein Fernglas dabei und hab ihn schlußendlich auch nicht gesehen - auch wenn er sich zu Hause dann DOCH auf einem meiner Fotos gezeigt hat.

Nun aber entsprechend vorbereitet stieg ich aus dem Auto und... hätte mir die Vorbereitung auch schenken können :P Strahlt mich das Ding unverschämt hell an, mit einem schon oculus nudis mächtigen Schweif! Die Kamera (ja hab seit etwa einem Jahr eine neue, nachdem mir meine treue EOS vor 3 Jahren den Geist aufgegeben hat) fix aufgestellt und dann erstmal mit dem Fernglas genossen. Bezeichnend, dass es (eher zufällig) auch noch mein ältestes optisches Gerät aus Kindheitstagen war, das 8x40 von meinem Opa :) 

Grandios! Trotz des großen Gesichtsfelds passt der zuerst sichtbare Teil des Kometenschweifs gerade so ins Feld, später kann man sogar noch ein Stück hochschwenken. Die nächste Stunde bin ich kaum noch davon loszueisen, nur ein paar Erinnerungsfotos an diesen doch eher außergewöhnlichen Kometen habe ich natürlich gemacht. Toll zum einen sein Stand ganz nahe bei Talitha (9Uma), zum anderen seine merklich grüne Farbe neben dem weißlichen Stern und zu guter Letzt zeigte sich bei 70mm und 25s Belichtungszeit sogar eine deutliche Teilung des Schweifs... Ich glaube zwar nicht, dass ihn jemand von Euch noch NICHT gesehen hat, falls dem aber doch so sein sollte: Nutzt die nächsten Tage! Seit 87P Holmes hat mich keiner dieser Schneebälle mehr so vom Hocker gehauen ;) 


70mm ISO 3200 25s Sony Alpha 290



18mm ISO 1600 30s Sony Alpha 290



55mm ISO 3200 20s Sony Alpha 290


Montag, 21. Januar 2019

Totale Mondfinsternis 21. Januar 2019

Da ist sie, die erstmal letzte totale Mondfinsternis für die nächsten ZEHN Jahre... Auch wenn ich schon so einige in den vergangenen sagen wir mal 15 Jahren erleben durfte, konnte ich mir diese natürlich schon ehrenhalber nicht durch die Lappen gehen lassen ;)

Zum Vorteil gereichte mir da, dass ich heute Morgen eh um 6:30 das Haus verlassen musste, was lag also näher als den Wecker noch etwas früher zu stellen und den 8" f/6 und das Videoequipment auf den Westbalkon zu packen - bei Minus 13 Grad! 

Es ist immer wieder ein beeindruckendes Schauspiel, konnte einige tolle Blicke durch das Teleskop werfen, fotografisch bin ich mehr oder weniger auf mein Handy beschränkt, aber für einen Schnappschuss oder zwei reichte das auch:



Dazu hatte ich mir nebenher die Videokamera (Panasonic HC-V180) aufgebaut und einfach laufen lassen und immer mal wieder den Mond in den Sucher geholt, dadurch entstand dieses Zeitraffervideo zwischen 5:40 und 6:20 Uhr.



Später - schon unterwegs - konnte ich bei klirrend kaltem und klaren Himmel auch noch den partiellen Rest der Finsternis beobachten - bis zum nächsten Mal, auch wenn es diesmal lang dauert ;)


Sonntag, 19. August 2018

BB vom 18.08.2018

Ort: Idsteiner Land
Uhrzeit: 23:45 bis 3:15
Wetter: zunächst stark verzirrt, später rundum klar, 10° C
GG: ~6m

Eine kleine feine Nacht mit der ích zu Beginn gar nicht gerechnet habe - denn eigentlich sah der Himmel richtig schlecht aus - aber Rainers Prognosen war einmal mehr zu trauen...

Ich war kurz vor ihm da, baute auf und blieb sehr skeptisch ob hier mehr als "Lückenspechteln" möglich wäre, der komplette Himmel war mit dicken, schlauchförmigen Zirren übersäht und ließ nur wenige Areale (wie zum Beispiel um Cassiopeia) durchscheinen. Rainer hatte Dennis mitgebracht, der uns schon einmal im letzten Jahr besucht hatte und ein dankbares Ziel für unser Fachgesimpel war ;) So absolvierte ich mit ihm eine großflächige Tour über den Himmel ausgehend vom Himmelspol über die gesamte Milchstraße hinweg bis zum bereits tiefstehenden Herkules im Westen. 

Mit was fängt man an, wenn man im Bereich Perseus/Cassiopeia startet? Natürlich h+x, den wir Dennis wohl auch schon im letzten Jahr gezeigt hatten und er sich entsprechend daran erinnern konnte. Danach folgten die Haufen NGC 457 und NGC 7789 mit seinem sehr kugeligen Eindruck. Wir wanderten weiter gen Süden und M31 zeigte nicht nur Ansätze des Staubbandes, in Rainers Gerät konnnten wir auch den extragalaktischen Kugelsternhaufen G1 sehen.

Weiter geht es mitten in die Sommermilchstraße, zum Auflockern erstmal den Rocking Horse Cluster NGC 6910. Und wenn schon vor Ort probieren wir trotz nicht ganz optimalen Bedingungen den Cirruskomplex, hier zeigen sich die mit bloßen Auge nicht ganz offensichtlichen Problemchen des heutigen Himmels, gerade vor 1:30 Uhr ziehen immer wieder kaum merklich Schleier über den Himmel und ohne Filter tue ich mich mit 8" schwer während der Sturmvogel (und auch die Knochenhand) mit 12" durchaus geht, auch mit [OIII] bleibt er hinter bessere Nächten etwas zurück zeigt aber durchaus etliche Details, auch Triangluar Wisp klappt - so schlecht wars dann also doch nicht ;)

Es folgen noch M27 und M57, letzteren auch mit höhern Vergrößerungen, sehr sehr nett... Rainer holt Dennis noch den unvermeidlichen M13 nebst Begleitgalaxie ins Okular, dann verabschiedet Dennis sich ob der fortgeschrittenen Stunde.

Rainer und ich bleiben noch anderthalb Stunden am Ball, ich hangele mich noch zu einigen Galaxien in Pegasus, darunter natürlich auch das Paradeobjekt 7331, deren Belgeiter ich aber heute mit 8" nicht ausmachen kann. Rainer ist derweil wieder mit Quasaren beschäftigt, einen davon (wie so oft habe ich die Nummer vergessen) habe ich ebenfalls gesehen und das auch nicht zum ersten Mal, es ist ein alter Bekannter. In seinem 12"er gibt es dazu auch noch eine sehr schöne NGC 891 mit Staubband aufs Auge. Die letzte Viertelstunde - Rainer auf der Suche nach einem weiteren Quasar - döse ich schon in meinem Stühlchen, genießen den Blick hoch in die Milchstraße und nach den quälend warmen Sommerwochen bekomme ich endlich mal wieder eine kühle Nase :D Herrlich! Zu unserem Glück ist es heute völlig windstill, nicht selbstverständlich für diesen Platz.. Wie um meine Gedanken zu bestätigen leuchtet im Osten schon der vollständige Herbsthimmel, mit einem hohen Perseus, den glitzernden Plejaden und auch Auriga und der Stier sind schon vollständig zu sehen - Winter is coming ;)



Mittwoch, 18. Oktober 2017

BB vom 17.10.2017

Ort: Idsteiner Land
Uhrzeit: 22:00 bis 1:18 Uhr
Wetter: Klar
GG: 6m+

Wenn ich etwas wirklich schon lang nicht mehr erlebt habe, dann eine Schönwetterkatastrophe, aber sie ist tatsächlich hier. Am späten Nachmittag war ich auf einer kleinen Wanderung noch mehr als skeptisch ob Andreas Pläne diese Nacht nochmals rauszufahren wirklich eine so gute Idee wären. So schön das atmosphärisch aussah, so wenig Hoffnung machte mir der vercirrte Himmel auf eine lohnende Beobachtungsnacht.



Ohnehin schon etwas abgekämpft von der Querfeldeinwanderung sagte ich Rainer erstmal prophylaktisch ab, Andreas beharrte aber auf seinen Transparenzprognosen und als die beiden dann aufbrachen... eieiei, ich konnte einfach nicht anders und hab den 8er wieder auf die Rückbank geworfen ;)

Was soll ich sagen? Die beste Entscheidung überhaupt! In der Tat hatten sich die Cirren in bestimmten Himmelsarealen so weit verzogen, dass man nicht nur annehmbar beobachten konnte, nein stellenweise toppte der Himmel sogar die Bedingungen von Sonntag was mich sehr erstaunte. Am besten sah man den Effekt im Cirruskomplex, war er vor einigen Tagen noch solala, selbst mit Filter am 12"er so war der Sturmvogel sogar am 8er OHNE Filter sichtbar und die Details mit Filter waren merklich einfacher.

Zu meiner großen Überraschung aber auch Freude wurde es am Platz dann auch wirklich "voll", neben Andreas und Rainer war auch Ralf mit dabei, den ich seit gut zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte und überhaupt war es die erste Gruppenbeobachtung seit viel zu langer Zeit, sehr nostalgisch und es zeigte mir: in der größeren Gruppe ist doch nochmals eine andere Stimmung :) Dadurch dass ich Andreas und Ralf schon länger und extrem lang nicht mehr persönlich getroffen habe war die erste Stunde erstmal mit längst überfälligen Gesprächen gefüllt, danke Jungs - ich habs schon vermisst!

Beobachterisch war ich zunächst eher auf ungeplanter Standardrunde, aber es gab dann doch eine Reihe von genialen Objekten, die ich dank Rainer und Andreas vor die Augen bekam, sogar zu eine Zeichnung wurde ich endlich wieder motiviert!



Wir verbrachten an Andreas 12"er eine lange Zeit am Katzemaugennebel NGC 6543. 
Schon bei 8mm war der Zentralstern einfach zu sehen, dazu musste man das Objekt einfach fixieren und der Nebel schaltete Sekundenbruchteile später auf "stumm" und der Stern ploppt hervor, genialer Effekt, ähnlich dem Blinking Planetary. Der Nebel selber hat eine leicht ovale Form, der Helligkeitsunterschied von der Andeutung einer Ringstruktur zum Innenteil ist nicht sehr stark ausgeprägt, was auch das Sichten des Zentralsterns bei indirektem Sehen erschwert, der Kontrast geht durch die Nebelfülle gern mal flöten. Bereits bei der 187-fachen Vergrößerung war zu sehen, dass neben der schlichten Form in einem "spitzen Ende" des Ovals zusätzliche Details immer wieder hervorblitzten, ich kann es am besten als eine leichte halbrunde zweite Ringstruktur bezeichnen, mit einem minimalen Abstand dunklerer Nebelmasse zwischen sich und dem Rest des PN. Darüberhinaus zeigte sich bei langem indirekten Sehen um den offensichtlichen Teil des Nebels eine weitere merklich schwächere Aufhellung, den man als schwachen Halo bezeichnen könnte. Wir wechselten dann zu 6,7mm und am Ende noch höher in den Bereich um 5mm und die Details der Doppelstruktur wurden greifbarer, blieben aber anspruchsvoll. Es gab beim Wechsel vom direkten auf den indirekten Blick reproduzierbar und hochgradig begeisternd (!) immer wieder weitere Details auf der gegenüberliegenden Seite des PN, die Doppelring Struktur trat hier wirklich blickweise für Bruchteile von Sekunden zu Tage, absolut geil! Ich versuchte das Gesehene in einer groben Skizze festzuhalten, so faszinierte mich die Detailvielfalt, die ich so von diesem Objekt noch nicht kannte (oder vergessen hab). Der Nebel ist mir etwas groß geraten für 8mm, gibt eher die Größe bei 6,7mm wieder und der Ausriss an leichtem Grau in Richtung 2 Uhr ist NICHT der gesehen Halo sondern mein Finger der zu sehr schmierte ;) Der Halo war eher kreisrund und näher am PN.


Aber nun raus aus der Milchstraße, es war schon arg spät und mein Gewissen plagte mich weil ich morgens zeitig zur Arbeit musste, aber Rainer insistierte auf eine weitere grenzwertige Quasarbeobachtung :D Uff! Der hatte es mal wirklich in sich, das Hauptproblem war hier, dass sich mir das Feld von der Karte an Rainers Laptop so gar nicht erschloss, selten hab ich so lang gebraucht um die wichtigen Sterne zu identifizieren, aber als das dann nach mehreren Wechseln von Okular zum Rechner und zurück doch gelang, war der Quasar mit dem eingängigen Namen QSO HS 2154+2228 dann wirklich indirekt blickweise auszumachen - Ein Monsterobjekt!! 9,5 Milliarden Jahre altes Licht! Heut bereits mehr als 13 Mrd Lichtjahre von uns entfernt... wir sind verrückt.

Mein Teleskop war zwischenzeitlich schon verstaut, da kam Andreas noch mit dem Sahnehäubchen um die Ecke, Jones 1 den flächenhelligkeitsschwachen PN in Pegasus, ebenfalls schon lang nicht mehr gesehen. Trotz seiner nur geisterhaften Erscheinung war er recht schnell auszumachen, vor allem beim Fieldsweeping war der runde, sehr sehr kontrastarme Fleck gut auszumachen. Das einzige was mir heute verwehrt blieb war Pease 1, der planetarische Nebel innerhalb des Kugelsternhaufens M15, da war die Aufsuchkarte bzw das DSS Foto zu grob um die Identifizierung eindeutig machen zu können.

Fast exakt zur selben Zeit wie am Sonntag verabschiedete ich mich von meinen dunklen Beobachtungsgenossen und fuhr heim... Oh Mann ich hätte mich mit Recht geohrfeigt wenn ich dieses schöne Zusammentreffen hätte sausen lassen, vor allem in der alten Gruppe gemeinsam zu beobachten hat mir sehr gut gefallen und mich etwas wehmütig werden lassen - das muss wieder intensiviert werden, danke Euch allen.

Link zum ATDS

Montag, 16. Oktober 2017

BB vom 15.10.2017

Ort: Idsteiner Land
Uhrzeit: 20:00 bis 1:20 Uhr
Wetter: Klar, leichter Wind, 7-10° C
GG: ~ 6m

Zeit aus der "Sommerpause" zurückzukehren ;) Die alte Daumenregel, nach dem mich das All am lautesten ruft wenn die Blätter wie auch die Temperaturen fallen stimmt wieder ein mal. Außerdem wenn Rainer zur nächtlichen Audienz bittet, wer bin ich mich dem zu verweigern :D Spaß beiseite, wurde echt Zeit und die Freude der Nacht  gab uns einmal mehr recht!

Ich schlug einige Zeit vor Rainer auf und baute zunächst meine Barndoor auf, die ich nun schon seit etlicher Zeit nicht mehr im Einsatz hatte. Am Nachmittag hatte ich mir überlegt wie ich eine alte Schwäche ausmerzen könnte - dadurch dass ich nach wie vor keinen Kugelkopf montiert habe sondern einen alten Fullsize Videoneiger kam die Montierung schon immer hart an ihre Belastungsgrenze selbst nur mit Kitobjektiv rutschte mir die Konstruktion irgendwann von der Kupplung :( Ich entfernte als die Fotoschraube sowohl an der Schnellwechselplatte des Stativs als auch die relativ dünne Aufnahme mit Fotogewinde an der Unterseite der Barndoor und verband die beiden Teil mit der dicken Spax, die normal den Teflonblock auf dem unteren Teil der Barndoor hält - siehe da: plötzlich merklich fester!




Einnordung mit Hilfe des Lasers in der Führungsschiene der Barndoor


Glücklich wurde ich allerdings trotzdem nicht, die Kombination ist nach wie vor nicht fest genug, jede Kameraausrichtung führte zu irgendwelchen Verwindungen die eine saubere Nachführung verhinderten, zusammen mit meiner sprichwörtlichen Unfähigkeit zu Fokussieren führte das zu praktisch 100% Ausschuss :P Wurscht... für ein paar Stimmungsbilder hat es am Ende gereicht aber ohne anderes Material komme ich hier leider nicht weiter, selbst 18mm Aufnahmen lassen sich keine Minute nachführen...



Perseus und Andromeda

Gegen 21 Uhr kam dann Rainer zusammen mit Dennis (bitte melden falls du mit einem N geschrieben wirst ;)) am Platz an und begann mit dem Aufbau. Wir konnten die Zeit nutzen und begannen unsere kleine Einführung in die Astronomie und die Beobachtungsziele, die uns immer wieder in die Dunkelheit ziehen. Macht doch immer wieder Spaß jemanden an das was wir tun und beobachten heranzuführen. So entwickelte sich der Abend zu einem bunten Potpourri an diversen Deepsky Objekten bei denen wir ganz systematisch - größtenteils parallel mit 8 und 12" unser gesamtes beobachtbares Universum besuchten. Von den nächsten Sternnachbarn wie Vega, über Doppelsterne wie Epsilon Lyrae und Albireo, weiter zu nahen und fernen Sternhaufen und weit weit darüber hinaus.


60 Sekunden zum Abschied der Sommermilchstraße

Im Anschluss an die "Augenöffner" wie h+x Persei, die wohl jedem Erstbeobachter begeistern können, wandten wir uns dem traurigeren Kapitel der Sterntode zu. Natürlich in üblicher Manier mit Erklärung welche chemischen und astrophysikalischen Prozesse das Ende der Sterne unterschiedlicher Masse zu Grunde liegen, dabei beobachteten wir neben dem Ring- und dem Hantelnebel natürlich auch den Cirruskomplex, der heute ein wenig schwächelte, die Transparenz war wohl nicht 100%ig in diesem Bereich, trotz [OIII] war er nicht wirklich knallig obschon noch gar nicht so tiefstehend...



Und damit verließen wir auch bereits die Ebene der Milchstraße und begaben uns zu unseren nächsten Satelliten, den Kugelsternhaufen die wir in Form vom absteigenden M13 und M15 im Pegasus vorführten. Ich selbst wäre jetzt im Anschluss natürlich gleich zur Andromeda Galaxie fortgeschritten, die wir auch schon mit bloßem Auge zeigen und sehen konnten - aber Rainer wäre nicht Rainer wenn er sich nicht strikt an die kosmische Reihenfolge halten würde :D Also gabs den ersten Knacki aufs Auge und Rainer führte uns zum einzig sichtbaren extragalaktischen Kugelsternhaufen G1, war gar nicht so schwer wie ich ihn in Erinnerung hatte. Nun waren wir also im Reich der Galaxien angekommen und tasteten uns über diverse Vertreter weiter hinaus, M81 und 82 durften da natürlich nicht fehlen, ich selbst stattete auch nochmal NGC 7331 einen Besuch ab und auch M33 der auch ohne Filter fein seine auffällig HII Region NGC 604 zeigte. 

Als letzten Schritt vor den unausweichlichen Quasaren stellte Rainer eine sehr weit entfernten Galaxie ein, eine recht leuchtschwache Galaxie in einer Entfernung von 750 Mio Lichtjahren, McG 13-12-22 Indirekt war sie wiederholt sicher zu sehen, wahrlich kein Leuchtfeuer.

Nachdem wir uns am Quasar nochmal so richtig die Augen verbogen hatten, kam ich auf die Idee: Jetzt noch ein Komet!! Also mit zugekniffenem Beobachtungsauge doch einen Blick aufs Handy gewagt, aber Vorbereitung sieht anders aus ;) der einzige der mir auffiel war C/2017 O1 ASASSN, zufälligerweise war der Abend auch kurz vor der maximalen "Helligkeit" wenn auch nur (anders als die Vorhersagekurve andeutete) nur 14m. Die Karte die mir vorlag war nicht sonderlich detailliert aber ich sah von Rainer bestätigt an der Stelle eine leichte Nebulosität, allerdings mit erheblichen Sternen im Hintergrund, weswegen ich wohl eher über einen schwachen Sternhaufen gestolpert sein dürfte - gilt als NICHT gesehen.

Dennis war schon länger abgereist als wir uns zum Abschluss noch den Blick auf Uranus und seine Monde (!) gönnten.. Oberon war vergleichsweise einfach zu sehen, ich bekam auch Titania noch zu Gesicht, wenngleich schwerer - schön, den dicken blauen hab ich schon länger nicht mehr gesehen. Die drei näheren Monde blieben unsichtbar waren aber auch ungleich schwächer.


Der Himmelsjäger - Orion

Der Abbau war dann schnell gehalten und eine sehr schöne Nacht ging zu Ende, sehr froh endlich mal wieder draußen gewesen zu sein und vor allem auch Rainer wieder zurück am OAZ begrüßen zu können... oh apropos OAZ - den hatte ich am Nachmittag noch getauscht, der JMI den ich seit 12" Tagen immer montiert hatte zwickte mich schon länger am 8"er - mit keinem einzigen Okular kam ich mehr in den Fokus und ich trauere meinem 1:10 Crayford durchaus hinterher - nun verrichtet wieder der originale Zahntrieb GSO OAZ seinen Dienst und das verflucht gut! Erinnere mich noch daran, dass mir vor vielen Jahren Günther selbigen mit Teflonband überarbeitet hatte - das macht sich nach wie vor bemerkbar, der Unterschied zum Crayford ist verschwindend gering geworden (die Untersetzung fehlt natürlich nach wie vor) aber er war sogar smoother als mein JMI, der aber aufgrund seiner tiefbauenden Art auch weniger für einen GSO von der Stange geeignet ist ;)

Dank der doofen Sperrung der B417 sank ich erst gegen zwo Uhr ins Bett ;)

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Dienstag, 28. März 2017

BB vom 27.03.2017

Uhrzeit: 21:45 bis 1:45 Uhr
Wetter: Klar, leichter Horizontdunst, 5° frischer Wind
GG: ca. 6m
Ort: Idsteiner Land

Nachdem mich mein "kleines" Cabin-in-the-Woods Projekt fast durchgehend über das vergangene Jahr seit dem Frühjahr auf Trab und in Atem gehalten hat nun seit einigen Wochen weitestgehend abgeschlossen ist konnte ich endlich wieder einmal die Einladung von Rainer zu einem gemeinsamen Beobachtungsabend annehmen - er sollte dann auch viel länger und gehaltvoller werden als wir beide das ursprünglich geplant hatten!

Am altbekannten Platz angekommen schoß ich zunächst ein paar Stimmungsbildchen bis Rainer dann eintraf und wir uns, die wir in den letzten Monaten eigentlich nur telefonisch palavert haben selbiges endlich mal ausgiebig vis-a-vis ausleben und das taten wir dann auch sehr ausführlich :)



Um dem sich verabschiedenden Winter nochmal zu huldigen war so auch mein erstes Objekt der bereits im Sinkflug befindliche Orionnebel, hach ja... ich wage es kaum zu sagen aber es war ein später und doch der ERSTE Blick in dieser Saison oO ... nicht minder schön aber eben auch nicht mehr ganz auf der Höhe... M1 war dann auch nur einen kurzen Stopp wert

Aber es galt nicht nur meine wahren Lieblingsobjekte zu beobachten sondern zunächst sehr kleinlaut zu hoffen, dass ich nicht schon alles vergessen habe ;) Zumindest diese Sorge war aber unbegründet, so wie man nach Jahren jede Straßenecke der Heimat kennt, so werde ich wohl auch nie die Positionen der Ganzlichter des Galaxienparks wirklich vergessen... Startpunkt war der hochstehende M51 der seine majestätische Spirale zeigte, gefolgt vom nur wenig weiter gelegenen Leckerbissen NGC 4490 mit seinem charakteristischen Haken und dem kleinen runden Begleiter.

Bei Rainer schaute ich mir noch M81 in Höchstvergrößerung an und uns dünkte, dass der abzweigende Spiralarm durchaus zu sehen war, aber sah ich schon besser/einfacher. Ich ging stattdessen aber auf die Jagd nach dem Sombrero - landete ich zunächst zielgenau am "Stargate" wer noch nie dort war - unbedingt mal mitnehmen wenn man gerade in der Gegend ist.

M104 zeigte sein extrem scharf begrenztes Staubband und ich konnte reproduzierbar (auch später an Rainers 12er) ein schwaches Glimmen gegenüber der Kernregion auf der anderer Seite des Staubbandes ausmachen.

Alsdann wechselte ich in Coma - nein ich war hellwach, auch nicht selbstverständlich schlief ich doch im letzten Jahr tatsächlich mal mit dem Fernglas auf dem Feld ein :D - und schoss mir zunächst etliche Einzelsterne im Kugelsternhaufen M 53 und natürlich KEINE im extrem schwächeren "Begleiter" NGC 5053, aber das ungleiche Paar ist immer einen Pflichtbesuch wert im Frühjahr.


Apropos Einzelstern... Rainer bemerkte, dass sich der Somme mit Herkules ja auch schon ankündigt, natürlich noch recht tief aber bei dieser Helligkeit darf man da ruhig auch schon hinhalten, sogar die schwache Begleitgalaxie ging bereits, wenn auch weitaus schwieriger als im Sommer wenn sie wenn man weiss wo sie steht kaum zu übersehen ist.

Aber zurück ins Haar der Berenike... die Black Eyed Galaxie M64 kostet mich doch ein paar Sekunden rühren aber konnte sich ob ihrer Helligkeit nicht wirklich verstecken... die charakteristischen Dunkelstrukturen im Inneren waren bereits im 8" gut auszumachen im 12" überdeutlich und ein echter Eyecatcher.

Der Löwe war dann meine nächste Destination, selbstverständlich war hier das namensgebende Triplet mein erstes Ziel, aber danach durfte es etwas knackiger werden und ich begab mich an den Hals des Löwen und hielt Ausschau nach der Hickson 44 Gruppe, hier tat ich mich wirklich nicht ganz so leicht und das schwächste Mitglied blieb mir komischerweise verwehrt, nächstes Mal wieder...

So "langsam" gebot die Vernuft einzupacken, aber die musste dann doch nochmal ein Stündchen zurücktreten, denn ich wollte mir noch an Jupiter die Augen verblitzen ;) ... Wow!! Sehr feine Wolkenstrukturen in den Bändern, die Polregion deutlichst dunkler und das bekannt schöne Spiel der Mond, Io verschwandt dann während der Beobachtung hinter dem Gasriesen, ich hielt ihn zunächst für einen Stern, hatte sich das Licht doch vorher schon abgeschwächt. Das tolle war aber der GRF, der sich in einer Überdeutlichkeit aufdrängte wie ich ihn noch nicht sah! Von Färbung keine Spur, aber das muss nicht am (in den letzten Jahren objektiv entsättigten) Fleck gelegen haben, ich bin ja bekanntermaßen etwas gehandicapt in Sachen astronomisches Farbsehen...

Als Rainer merklich später zum Abschluss ebenfalls nochmals in Richtung Jupiter hielt konnte er ihn ebenfalls erspähen und er war sichtbar weiter gewandert - allerdings empfand ich das Bild im 12er als zu hell, trotz hoher Vergrößerung, der Kontrast war da schwerer herzustellen.

Wie immer wenn man sich auf ein astronomisches Abenteuer mit Rainer einlässt - und ich tue es auch GERADE deshalb immer wieder gern - kommt man nicht umhin den läppischen galaktischen Vorgarten unserer Milchstraße mit lächerlichen Entfernungen von einigen Dutzend Millionen Lichtjahren zu verlassen und sich auf WIRKLICH kosmologische Distanzen und Lichtlaufzeiten einzulassen... So holte er einmal mehr den rekordverdächtigen (18 Milliarden Sonnenmassen!!) Quasar OJ 287 im Sternbild Krebs ins Okular - lustigerweise konnte ich mich plötzlich wieder recht lebhaft an die Nacht erinnern als ich ihn schon einmal in Rainers Gerät sah, die Aufsuchkarte kam mir sofort bekannt vor... Spannend war aber nicht nur das gigantische Alter der Photonen die mich da kitzelten (mein Ur....ur-Großopa war damals gerade dabei sich eine Zellhülle anzueignen vor 3.500.000.000 Jahren) sondern vor allem die Tatsache mit welcher Leichtigkeit wir ihn sehen konnten, sogar DIREKT :o Das sollte eigentlich gar nicht möglich sein, da er mit 15m auch im 12"er kein Scheinwerfer ist, zwar ist seine Variabilität bekannt aber sein 12 Jahreshoch liegt eigentlich bereits hinter ihm, im Vergleich mit einigen Referenzsternen im Feld kamen wir aber auf eine tatsächliche Helligeit die zwischen 13,4 und 14m lag, also möglicherweise ein Helligkeitsausbruch der nicht mit seinem üblichen Rythmus zusammenhängt.

Nach diesem sehr befriedigenden Abschluss trennten sich unsere Wege dann kurz vor zwo und ich fuhr mit dem guten Gefühl nach Hause, das auch lange Pausen weder dem Spaß an der Freude noch den jahrelang eingeübten Handgriffen wirklich etwas anhaben können ;)



Mittwoch, 7. September 2016

BB vom 06.09.2016

Uhrzeit: 21:30 bis 0:50 Uhr
Wetter: Klar
GG: um die 6m, nicht näher bestimmt
Ort: Idsteiner Land

Ein heftiger Abstand zwischen zwei Beobachtungsberichten, zugegeben ;) Heißt aber nicht, dass ich im Sommer gar nicht mal zu Teleskop und/oder Fernglas gegriffen hätte, erst letzte Woche fand eine ähnliche Nacht ebenfalls zusammen mit Rainer statt, allerdings waren da die Wolken bereits beim Aufbau auf dem Vormarsch. Ansonsten waren meine letzten Monate vor allem durch das Große Projekt "Eigener großer Garten und Bau eines Häuschens dort" geprägt, was mir wenig Zeit und Kraft für große Ausflüge des Nachts ließ... 

Jedenfalls befand ich diese Nacht in Qualität und Umfang als würdig festgehalten zu werden. Ich kam nur wenige Minuten vor Rainer am Platz an und der Himmel zeigte sich schon sehr fein, vergleichsweise wenig Dunst und Horizontaufhellung, der sonst sehr zugige Platz war heute schön windstill. Der 8er war in kürzester Zeit einsatzbereit, kurz verzweifelte ich an der Justage des Telrads bis mir auffiel, dass sich die Basis verschoben hatte. Alsdann ging es an den Versuch herauszufinden ob die Handgriffe noch sitzen, die Augen noch das Wahre sind und ich noch das ein oder andere Objekt finden kann. Ja, alles noch parat, so stellte ich den Abend unter das Motto: Noch einmal in den Sommerhimmel abtauchen und sich auf den Herbsthimmel vorfreuen ;)

Ergo waren eine Vielzahl an Objekten aus beiden Bereichen dabei, darunter ein sehr eindrücklicher Cirruskomplex, der im 24er ES und [OIII] herrliche Strukturen und prägnanten Mittelteil Triangular Wisp zeigte. Das Seeing war darüber hinaus auch sehr gut! Ich konnte beispielsweise M57 mit 4,7mm problemlos vergrößern und auch die schwachen Sternchen standen wie genagelt im PN. 

Bei Rainer war wieder echte Arbeit angesagt: Danke! Dank dir kann ich das Thema "Ex-Planeten" nun auch endlich ad acta legen :D Pluto wird für mittlere Öffnungen ja in den kommenden Jahren (Jahrzehnten!) für nachfolgende Beobachter Generationen immer schwerer zu beobachten und ist auch heute schon mit 14,2m kein einfaches Objekt mehr - auch nicht in 12". So war es auch nur der wirklich guten Karte zu verdanken, dass ich den Zwergplaneten immer wieder aufblitzen sah, eine hohe Vergrößerung war hier sehr förderlich.

Später durfte ich bei ihm auch noch einen schwächlichen Abell PN sehen (leichter als Pluto) und beim Versuch einen Pal Haufen zu sichten kläglich versagen.

Weiter ging es mit meinen gemütlichen Beobachtungen die dagegen Augenkuschler waren. Darunter auch NGC 7331 die ich lange nicht mehr gesehen hatte. Den Galaxienhaufen Abell 262 konnte ich trotz suboptimaler Karte auch finden und sah auch einige Nebelfetzchen im Feld, aber ohne nähere Identifikation mit meiner richtigen Karte blieb es doch etwas unbefriedigend.

Gegen halb Eins ermahnte ich mich zum Abbau um  ein paar Stündchen später wieder halbwegs menschlich aus dem Bett zu torkeln.. Insgesamt war es eine schöne Nacht bei guter Transparenz und angenehmen Temperaturen - Mann bin ich froh, dass der Sommer endlich rum ist!

Sonntag, 10. April 2016

BB Frühjahrstreffen Stumpertenrod 2016

Datum:  8-9. April
Ort: Vogelsberg
Zeit: 22:15 Uhr bis 2:30 Uhr
Grenzgröße: ~ 6m4+ 
Zu meiner.... Schande trifft es nicht, eher Trauer, muss ich gestehen, dass seit meinem letzten Aufenthalt im Vogelsberg vor fast genau einem Jahr meine astronomischen Freuden doch arg gedämpft waren, vielleicht noch mit Ausnahme der Beobachtungen in den Alpen im vergangenen Spätsommer sowie der Mondfinsternis. Aber von den Nächten von denen ich eigentlich "lebe" waren durch die Bank weg alle nicht dazu geeignet die Motivation aufrecht zu halten, der Himmel entweder ein gutes Stück von den Durchschnittswerten entfernt, der Wind so stark dass ernsthafte Einschränkungen die Folge waren... ect.

Diese Nacht beim Frühjahrstreffen der Sternwelt Vogelsberg hat mich aber endlich wieder geerdet, begeistert und tief befriedigt. Kurzentschlossen kam meine Tochter mit, so richtig begeistert war ich zunächst nicht, sollten die Nachtemperaturen doch merklich unter die Frostgrenze fallen, außerdem kamen wir erst sehr spät auf die Straße (nach 20 Uhr). Deshalb konnte ich natürlich nach 22 Uhr auch nicht mehr auf den Platz fahren, dank Jan der mich aber schon am Parkplatz hinter der Sternwarte in Empfang nahm war das nötigste Equipment problemlos an den unteren Rand des Platzes getragen und aufgebaut. Wegen dem mich bereits auf den letzten Kilometern im Auto extrem begeisternden Himmel (und wir reden hier von einem eher unspektakulären Frühlingshimmel!) wollte ich nicht viel Zeit mit Knipsen vertrödeln, weshalb man mir ein einziges, schlechtes und nichtssagendes Foto als Stimmungsbild verzeihen möge - es taugt eigentlich nur als Beweis: Die Sonne schien nicht.


Meine Tochter war noch ein kleines Weilchen wach, schon etwas geschwächt von der vorigen Nacht die sie wohl auch mehr wach als schlafend bei einer Freundin verbrachte ;) Aber immerhin sah sie noch alle Mitglieder des Leo-Triplets bevor sie sich in der Sternwarte mit dem Schlafsack in eine Ecke verkrümelte.

Bei Jan gab es im 16er eine weitere tolle Gruppe in Leo auf die Augen:
NGC3686/3684/3681/3691wobei die leztere etwas abseits steht und auch kleiner respektive schwächer ist. Natürlich trotzdem nicht sehr anspruchsvoll im 16er aber dafür umso schöner anzuschauen. Tatsächlich fand ich sie dann auch auf Anhieb im 8er wieder und auch hier waren alle Gruppenmitglieder mit 14mm zu sehen. Zerknirscht muss ich jetzt auch noch zugeben, dass ich meine letzte Beobachtung vor drei Jahren wieder völlig vergessen hatte ;)

Also bringen mir Galaxien nach wie vor das vertraute Kribbeln, dann ab in den Virgohaufen. Ich muss schon gestehen, dass ich etwas Bammel hatte ob alle Strategien und Handgriffe noch reibungslos funktionieren aber ja - als wäre ich letzten Monat zehn mal draußen gewesen.

Also Peilung auf Messier 100 um mich dann über 99 zu 84 und 86, dem Einstieg in die Makarian Chain. Ich halte kurz inne - natürlich ist die Kette ein tolles Highlight des Virgohaufens, aber schon wieder? Nein, ich schaue mich jetzt mal in die andere Richtung um. Zunächst identifiziere ich neben 84 und 86 auch nocht NGC 4402, 4387, 4388 (die ohnehin sehr hell ist) und sogar IC  3303! Weiter geht es Richtung Süden zu einer zumindest auf der Karte sehenswerten Dreiergruppe: NGC 4440, 4436, 4431. Die Karte erschien mir hier zwar in Sachen Ort völlig eindeutig aber der Abstand der Galaxien erschloß sich mir nicht sofort, so dass ich sie zwar sofort sah aber erst noch trennen wollte wo nichts mehr zu trennen war, die Mitglieder stehen schon ein Stückchen auseinander, das kam auf der Karte nicht ganz rüber. Bei Jan im 16er wurde mir das dann klar. Auch eine wunderschöne Gruppe, die den 8"er nicht überfordert hat.

Zwischendurch mal ein bisschen die Beine vertreten und bei Basti am Nachbarteleskop einen saftigen M51 beobachten, das wird dann auch noch an den anderen Geräten gemacht - die vielen Knoten in den Spiralarmen sprechen eine klare Sprache: Heute wurde was richtig gemacht am Himmel! Ein Blick in Richtung UMi sagt auch, dass wir hier eine echt transparente Nacht haben, der 6,2er springt einen sofort an und mit etwas Geduld komme ich auf gut 6m4 Grenzgröße, im Zenith mag sie sogar darüber gelegen haben. Allein am Horizont ist etwas Dunst. Es ist schon erstaunlich kalt für Aprik, etwa -3° und die volle Winterkleidung ist am Körper und sorgt für das nötige Durchhaltevermögen.

Die Kette in Virgo beobachte ich natürlich trotzdem noch durch bis M88 die bereits in Coma Berenices liegt. Ich verlängere die Kurve noch über NGC 4516 bis M91. Im Sternbild Coma besuche ich dann noch ein altbekanntes und immerwieder überraschendes Pärchen: Nahe Alpha Coma und damit eigentlich nicht zu übersehen liegen zwei Kugelsternhaufen in einem (Übersichts) Gesichtfeld die unterschiedlicher nicht sei können obwohl sie sogar ähnliche Nummern haben.

M53 ist natürlich ein heller, schön aufzulösender Kugelsternhaufen wie man ihn vielfach aus dem Messierkatalog kennt. Am Gesichtsfeldrand des 24mm Okulars sieht man mit NGC 5053 ein wesentlich schwächerer Vertreter. Zwischen 8m33 und 9m8 mögen auf dem Papier keine gigantischen Unterschiede bestehen aber durch die sehr schwache Konzentration des NGC Haufens ist der Kontrast schon sehr auffällig.

Die Sommermilchstraße erhebt sich langsam im Osten über den Horizontdunst, der aber langsam etwas höher kriecht, sehr zufrieden lehnen wir uns auf den Stühlen zurück und lassen die Ruhe auf uns wirken, nur unterbrochen vom Schnarchen der Zusammengebrochen und dem Surren der Unbelehrbaren. Gegen halb drei mache ich es mir dann doch auf meinem Feldbett bequem (und es ist in der Tat bequem!).

Der Morgen kommt früh mit der natürlich nun ausgeschlafenen Tochter die voller Tatendrang um kurz nach Sieben in die noch eisbedeckte Morgenkälte springt. Nach einem wärmenden Kaffee und einfachen Frühstück kommen die weiteren Protagonisten aus ihren Zelten und Autos und neben etwas Fachsimpelei machen wir uns nochmals auf die Socken um ein wenig die wunderschöne Natur der Umgebung zu genießen. Nach dem Mittagessen machen wir uns dann aber ob der Prognosen und der nach Fahrplan aufziehenden Bewölkung auf den Nachhauseweg. Es war kurz, ja - aber selten hat von Anfang bis Ende alles gepasst und einmal mehr war es der Vogelsberg der mir genau das gegeben hat was ich bei diesem Hobby suche: Tiefe Einblicke in einen beeindruckenden Himmel, nette Gleichgesinnte um mich herum und nah an einer wunderschönen Natur zu sein.

Ans Ende stelle ich noch einige Eindrücke des Frühlingstreffens.







Sonntag, 7. Februar 2016

BB vom 06.02.2016

Ort: Idsteiner Land
Zeit: 21:30 bis 0:00 Uhr
Bedingungen: fst ~5,8 im Zenit 6m
Wetter: extrem windig, zum Ende durch- und aufziehende Bewölkung

Mach wir es kurz: Hätte ich am Anfang der Nacht gewusst wie es sich dann am Ende darstellte wäre ich wieder eingestiegen und werde das auch bei nächsten Mal so tun..

Das Problem war weder Feuchtigkeit, noch Kälte, noch Himmelqualität sondern der immens störende Wind - eher Sturm  - der das Beobachten stark einschränkt und zu einer Qual machte. Trocken war es, aushaltbare 5° und der Himmel war schön transparent wenngleich sich am Horizont schon Wolken herumdrückte, die zum Ende dann den Himmel überzogen.



Neben dem Dauerwackeln und Wegdrehen des Dobsons waren die größten Showstopper: tränende, brennende Augen, umfliegende Stühle und die Unmöglichkeit sich mal ein Blatt mit ans Teleskop zu nehmen. Soviel zur Meckerei - die positiven Aspekte waren der bereits erwähnte Himmel der wirklich schöne Ansichten gönnte und der lang erwartete Test des neuen 24mm ES Okulars, das genauso schön abbildete wie ich es in Erinnerung hatte.

Eigentlich wollte ich auch den frisch eingetroffenen BAfK einweihen und testen, doch Papier - insbesondere die Blätter meines Hunter Atlases - war ob des Sturmes eine schlechte Idee.

Sehr schön war der Komet C/2013 Catalina in Rainers 12"er der eine beachtliche Helligkeit zeigte, sofort auszumachen war ein merklich heller, konzentrierter Kernbereich umgeben von einer schwächeren nicht 100%ig kreisförmigen diffusen Koma. Einen Schweif im originären Sinne konnte ich erst nicht ausmachen, zumindest nichts wie ich es von anderen Kometen kenne. Aber reproduzierbar gesellte sich  an die Koma eine sehr breit aufgefächerte Nebulosität. Auffällig dabei war, dass man hier nicht wirklich einen sanft auslaufenden Kontrast zur Koma hatte sondern der Helligkeitsabfall recht stark war, durch Fieldsweeping verfestigte sich der Eindruck und der Teil des Kometen konnte sogar gesehen werden wenn man ins Feld schwenkte ohne die Koma in den Blick zu bekommen.



Alsdann versuchte ich mich an einem PN aus dem BAfK in Taurus NGC 1514 - leider ging das in die Hosen, die Gründe vielfältig, nicht verschweigen will ich auch nachlassende Übung ;) Aber vor allem waren als ich dann endlich im Zielgebiet ankam, eine Wolke darüber gezogen - dahin jede Lust weiterzusuchen...

Bei Rainer schaute ich mir noch einen sehr interessanten Nebel an: Den "Heartnebula" NGC 896 der im [OIII] eine interessante feine Teilung zeigte. Danach begab ich mich nochmals auf eine kleine Galaxientour durch UMa mit einigen Evergreens, M 108, 109, 81, 82, 101... alle noch da, wer hätte gezweifelt, im 24er war 108 zusammen mit dem Eulennebel M 97 in einem Gesichtsfeld.

Als ich die Augen nur mit Mühe noch in den Höhlen halten konnte (der Wind pfiff extrem durchs GSO-Ofenrohr, meine Colaflasche war 50m weit weggeweht worden und die Augen extrem ausgetrocknet) wollte ich noch einen letzten Blick auf Jupiter werfen. Es war einerseits für die Füße weil selbst bei 14mm das Teleskop schon derart wackelte und zitterte, dass es keinen Sinn machte nach tiefergehenden Details Ausschau zu halten, andererseits zeigte sich eine sehr sehr interessante Mondstellung, hier ein Screenshot aus Stellarium:


Io war nur noch sehr sehr knapp vor dem Horizont des Gasriesen und verschwand schlussendlich im Gewaber der Plantenscheibe.

Das Fazit der Nacht habe ich ja am Anfang bereits vorweggenommen und bleibe dabei: So was mache ich nicht mehr mit, die Augen haben sich erst am nächsten Vormittag wieder halbwegs beruhigt, dass ich mir keinen Zug eingefangen habe werte ich als Wunder ;)


Samstag, 14. November 2015

BB vom 13.11.2015

Ort: Idsteiner Land
Zeit: 22:00 bis 2:00 Uhr
Wetter: kurzzeitig durchziehende Zirren, ansonsten klar, sehr stürmisch
fst: ca. 6m

Einmal mehr verkneife ich mir Hinweise oder auch nur Gedanken an die letzte Nacht, zu schmerzlich - 2015 ist definitiv nicht mein Jahr in astronomischer Hinsicht. Aber egal, Rainer hatte den Wetterdurchblick und so peilten wir an, uns gegen zehn Uhr zu treffen, ich war ein halbes Stündchen früher da als er und parkte diesmal etwas weiter "hinten" und sieh da: Der Platz erfuhr eine immense Aufwertung weil nun zu 100% gewährleistet ist, dass keine entfernten Autos stören könnten. Der Himmel war noch zu 50% leicht verschleiert aber ein herber Wind sorgte für schnelle Veränderungen. Der 8er war schnell aufgestellt und kollimiert (hat echt zugunsten kleinere Geräte zwei Monate im Keller gestanden!).



Der inzwischen ausgewachsene Herbststurm machte sich zwar durch ein gewisses Zittern schon bei mittleren Vergrößerungen bemerkbar, doch eindeutig schlimmer waren die Auswirkungen auf die Augen - in Richtung Süwest/West hatte man egal wie man saß innerhalb kürzester Zeit Tränen in den Augen, ich bin selbst überrascht, dass ich heute Morgen nicht mit einem Zug aufgewacht bin. Maximalen Windschutz konnte ich zwar durch die komplette Wintermontur herstellen aber selbst mit Gesichtsmaske bleiben die Augen naturgemäß frei...

Trotzdem versuchte ich mich erfolgreich an diversen meist bereits bekannten Objekten querbeet über den Himmel. Mit dabei natürlich eine große Zahl an Messier-Evergreens wie 42/43 (mit erstaunlich präsentem Running Man und feinsten Details!), eine leckere M33 , den kleinen Hantelnebel M78 (der später in der Nacht bei Rainer auch den Abschluss bilden sollte), sowie diverse andere. Mit Schrecken sahen wir, wenn auch nicht überraschend, dass um diese Uhrzeit der Herbst bereits im wahrsten Sinne des Wortes auf dem absteigendene Ast ist, trotzdem besuchte ich die im sinken begriffene NGC 7331. Der Galaxiendurst war aber damit bei weitem noch nicht befriedigt und so machte ich einen kurzen Abstecher um das langsam wieder in vernünfte Höhen steigende Paar 81/82 zu suchen. Nicht allerdings um die beiden Leuchten anzustarren sondern primär um mal wieder einigen Begleitern nachzuspüren was mit 3077, 2976 und 2985 auch tadellos gelang.


Der Wind machte mir doch zu schaffen, wahrscheinlich bin ich einfach zum Weichei mutiert aber mein Nicht-Beobachtungsauge kam nicht mehr aus dem Tränen heraus. Also entspannte ich mich in die windabgewandte Richtung und nahm mir nach Langem mal wieder M1 vor und stattete meinem Lieblingshaufen NGC 2169 im Orion einen Besuch ab. Rainer hatte zwischenzeitlich ein sehr interessantes und durchaus knackiges (wen wird es wundern!) Objekt eingestellt: Minkowski 2-55 (oder auch PK 116+08.1), ein PN etwas schwächer als 14m. Ich hatte zunächst OHNE einen Blick auf die Karte durchaus Schwierigkeiten den PN wahrzunehmen, ging er doch nur indirekt, zwar blitzte zweimal etwas auf aber da ich mir nicht sicher sein kann meinen Sehwinkel korrekt einzustellen blieb es dabei. Erst ein Blick auf die Detailkarte brachte mir die Möglichkeit das Auge korrekt zu positionieren und Tatsache, nun war er auch dauerhaft zu halten, mit dem später eingesetzten UHC  war er nochmal etwas einfacher, wobei er bei mir auch da nur blickweise mal direkt auftauchte, indirekt aber nun kein wirkliches Problem mehr war.



Zum Kartenlesen verzogen wir uns mitunter auf die Rückbänke unserer Autos, die Karten wären mir sonst wohl auch einfach weggeflogen. Aber selbst im Auto sitzend merkte man am Wackeln selbigen, dass der Wind nochmal ordentlich zugenommen hatte, zum Glück ist die nähere Umgebung völlig baumfrei! Gegen zwei Uhr bekann ich dann aber doch mit dem Abbau, meine Nacht sollte trotz Wochenende nicht alzuspät enden aber die Nacht war endlich mal wieder von echter Transparenz geprägt und richtig klasse, auch wenn ich mit diversen kleineren Problemchen (Wind, Rücken, suboptimaler Stuhlersatz) zu kämpfen hatte...