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Sonntag, 15. November 2015

Lidl 2015 Bresser 10-30x60 und das SkyLux EL 70/700

Alle Jahre wieder...

Zu Weihnachten kommt so ziemlich jeder Discounter auf die nostalgische Idee - Weihnachten = Teleskopezeit. Und hey, ich finde das per se gar nicht mal so schlecht....

Holen wir mal etwas aus, welche Teleskope so gar nicht gehen habe ich ja in diversen Artikeln dargelegt (Artikel 1, Artikel 2), doch eine rühmliche Ausnahme im weitesten Sinne stellte bist Mitte des vergangenen Jahrzehnts Lidl mit seinem Skylux 70/700 Teleskop dar, welches trotz seiner kleinen Linse schon ein gewissen Kultstatus erreichte. Ab 2006 verkaufte der Discounter leider "nur" noch das ETX 70/350 mit Autostar Goto Montierung, für den dreifachen Preis und dabei außer dem unnötigen technischen Schnickschnack die selbe Öffnung mit kritischem Öffnungsverhältnis.

Nach wenigen Jahren verschwand auch dieses sang- und klanglos aus dem Programm und seit einigen Jahren wurden zur Vorweihnachtszeit die "Auriol" Spektive zusammen mit einem Zoomfernglas verkauft. Das war nun beileibe kein Schrott, aber eben ein Spektiv und kein Teleskop. Die Verarbeitung, insbesondere des Fernglases war unterdurchschnittlich und selbst den günstigen Preis kaum wert.

Dies soll nun kein ausführlicher Erfahrungsbericht sein, sondern eine allgemeine Betrachtung der angebotenen Geräte.

Nun liegt das aktuelle Prospekt von Lidl vor mir und sofort stach mit das Bresser Logo ins Auge! Nostalgische Gefühle waberten in mir hoch, hab ich doch mit Bresser/Meade Ferngläsern der unteren Preisklasse gar keine so schlechten Erfahrungen gemacht, die Verarbeitung war seinen Preisklassenkameraden immer überlegen. Aber nun konkret zu den angebotenen Geräten.

1.) Bresser Zoom-Fernglas 10-30x60 
(19,99€ - auch online)

Leider (!!!) wieder ein Zoom, es ist eine Tragik für alle Kunden, dass möglichst viele Zahlen und Features im Namen wohl für reissenderen Absatz sorgen. Das bessere Produkt bekommt man dadurch leider nicht. Es ist faktisch so, dass Zoomferngläser zwei Probleme haben: a.) Sie sind derart schwer, dass ein freihändiges Beobachten (bei Nacht) praktisch ausgeschlossen ist und b.) Das Gesichtsfeld gegenüber einem Fernglas mit fester Vergrößerung eingeschränkt ist, bzw variabel und ausgerechnet bei der niedrigen Vergrößerung, die das größte Feld böte leider den engsten Tunnelblick der Bandbreite bedingt. Schauen wir uns die Beschreibung an:

"Sehfeld: 51m (bei 1000m Entfernung)"

Das sind knapp unter 3° und relativ wenig. Zum Vergleich - mein 10x50 Bresser bringt 114/1000m das entspricht 6,5° also mehr als doppelt so viel reales Feld. Das scheinbare Gesichtsfeld variiert dabei während des Zoomes, je höher die Vergrößerung wird desto weiter erscheint uns der Einblick während er bei 10-facher Vergrößerung wie der Blick durch eine eingeengte Rolle Papier vorkommt. 

"Vollvergütet blau - hochwertiges BK-7 Glasmaterial"

Immerhin nicht rot möchte man rufen, aber die Bresser Vergütungen können sich wirklich sehen lassen, nichts aufrengendes aber praxisgerecht. BK-7 ist eher einfaches Glasmaterial aber in Zeiten in denen eine Schwemme an Billigstgläser im untersten Segment angeboten wird muss man es in der Tat schon als "Qualitäts"merkmal sehen wenn hier der minimale Anspruch an ein ernsthaftes optisches Instrument erfüllt wird.
"Gewicht: ca. 1.105g" 

Das ist sehr üppig um nicht zu sagen: Fast unmöglich freihändig damit den Sternenhimmel zu betrachten, tagsüber mag das mit aufgelegter Hand noch gehen, ein 10x50 wiegt mehr als 300g weniger. Wie jedes Fernglas hat das Bresser einen Stativadapter unter einer Abdeckung am Steg, das ist eine praktikable Möglichkeit um es dennoch sinnvoll zu verwenden, ich sehe es als Pflicht es mindestens auf ein einfaches Fotostativ zu packen (einen Stativadapter muss man sich wohl oder übel einzeln besorgen, kostet aber auch nicht die Welt).

Der Rest entspricht der üblichen und durchaus ansehnlichen Bresser Qualität - Ich werde mir wohl am 23. November mal ein Exemplar der diesjährigen Serie zur Brust nehmen um weitere Aussagen darüber machen zu können.

Fazit: Ein einfaches, sehr günstiges Zoomfernglas. Würde ich es jemandem empfehlen der noch kein Fernglas hat? Nein - denn die Einschränkungen die man sich mit der Zoomfunktion erkauft sind ziemlich stark: Kein freihändiges Beobachten, eingeschränktes Gesichtsfeld. Kann man damit etwas sehen? Ja selbstverständlich! Am Tage ohnehin, zeigt die höhere Vergrößerung durchaus einige Details, die einem im 10x50 verborgen bleiben, hierzu zählen vor allem Strukturen in offenen Sternhaufen, nebulöse Objekte zwar auch, aber die AP (Austrittspupille) wird dabei unnötig klein. Die Qualität entspricht nicht dem (günstigen) Preis, das darf man durchaus attestieren, es gibt und gab in den letzten Jahren teurere Ferngläser mit schlechterer Verarbeitung.

UPDATE: Ich habe mir das Fernglas zwischenzeitlich doch im Laden mitgenommen...

Die Verarbeitung hat mir auf den ersten Blick durchaus besser gefallen als die des vorjährigen Auriols, genaueres folgt in einem gesonderten Artikel bzw Erfahrungsbericht. Jedoch bleibt zu beachten: Ich habe vier Ferngläser im Laden ausgepackt und mit einem Blick in Richtung Kassenbereich ausprobiert, eines war doch merklich dejustiert (=rechte und linke Linse zeigten nicht mittig ein weit entferntes Objekt, Doppelbilder sind die Folge), eines immerhin leicht und zwei waren in Ordnung wovon ich das subjektiv bessere mitnahm. Bilder, tiefergehende Beobachtungen und auch den Vergleich mit einem anderen Bresser sowie einem anderen 10-30x60 Zoomfernglas was ich hier noch liegen habe folgt bald.

2.) Bresser Refraktor-Teleskop SkyLux "EL 70/700"
(79,99€ - nur online)

Unfassbar! Das Ur-Lidl, Urgestein der Billigteleskope wieder im Handel? Nicht ganz... Zum Einen ist es obwohl es den Weg in das Prospekt gefunden hat, nur online erhältlich, man muss also noch Versandkosten dazurechnen. Zum Anderen ist es nicht exakt die ursprünglich vor zehn Jahren verkaufte Version für damals 69,99€. Im Gegensatz zur alten Version befindet sich hier keine parallaktische Astro3 Montierung unter dem Teleskop, sondern eine Alt-Az Montierung. Zum Vergleich hier ein Foto meines aktuell noch im Besitz befindlichen 70/700 Skylux - hierbei handelt es sich um die alte Version vor 2004 mit dem Alu- statt späterem Stahlrohrstativ und der alten schmaleren Taukappe (sowie weiß lackiert):



Was mich im ersten Moment enttäuscht hat (auch preislich ist eine äquatoriale Montierung eben auch merklich teurer), ist aber eigentlich ein Vorteil - sind parallaktische Montierungen doch bei so einem Gerät eine eher unnötige Verkomplizierung, die gar nicht notwendig sein muss. Leider ist es mir nicht möglich eine belastbare Aussage zur Stabilität exakt dieser Montierung zu machen, in der Regel sind mitgelieferte Montierungen in ALLEN Set-Angeboten die ich je zu Gesicht bekam (und das waren sehr viele) zu schwach, bei den Alt-Az war man immerhin oft im Minimalbereich des Brauchbaren, Wunder darf man nicht erwarten aber mit Abstrichen kann man damit beobachten. 

Was kann man damit beobachten? 

Eine ganze Menge aber man bleibt öffnungsbedingt eingeschränkt. 70mm sind einfach relativ wenig Lichtsammelfläche, so dass man sich hier auf hellere Objekte verlegen muss (zumal man als Einsteiger auch noch den Sehprozess am Teleskop erst lernen muss). Venus zeigt sich als Sichel, der Mond wird mit einer immensen Anzahl an feinen Strukturen aufwarten, Mars kann (muss nicht!) bei einer sehr guten Opposition (Erdnähe, etwa alle zwei Jahre der Fall) und perfekten Bedingungen erste kleine Strukturen wie Polkappe zeigen, Jupiter zeigt seine Monde und die Hauptbänder, Saturn seine Ringe mit Ringteilung, alle anderen Planeten sind nur als winzige Scheibchen zu sehen, Pluto bleibt als zu schwaches Sternchen verborgen. Im Bereich Deepsky Objekte sind viele offene Sternhaufen erreichbar, ebenso helle Nebelobjekte quer übers Jahr verteilt, bei dunklem Himmel gibt es hier sogar einige Paradeobjekte. Verborgen bleiben schwache Deepskyobjekte und suboptimal sind Objekte mit großer Ausdehnunge, denn bei 700mm Brennweite und einem 1,25" Okularauszug erreicht man nur ein maximales Feld von etwa 2° und das auch nur mit einem zusätzlich zu kaufenden 32mm Okular, damit erreicht man dann auch nur 3,2mm AP (Austrittspupille) was ein noch nicht allzuhelles Bild zur Folge hat. Mit dem langbrennweitigsten mitgelieferten Okular (20mm) erreicht man sogar nur weniger als 1,5° und 2mm AP.

Was geht nicht?

Einige der Werbeaussagen gehen definitiv nicht!

"Hochauflösendes, achromatisches 70-mm Objektiv mit 700mm Brennweite und hoher Farbtreue"

Da dies alles Auslegungssache ist, kann man natürlich (!) nicht von Täuschung sprechen jedoch: Die Auflösung definiert sich physikalisch über die Öffnung (7cm), die maximal mögliche wird das Gerät natürlich nicht erreichen, das schaffen nur 70mm Teleskope die bei weit über 500€ beginnen, trotzdem kann sich die Auflösung von Details auf den großen Planeten und entsprechenden Deepskyobjekten durchaus sehen lassen - ein 114mm Spiegel lässt es allerdings bereits merklich stehen. Ja, es handelt sich um ein achromatisches Objektiv nach Art eines "Fraunhofers" von hoher Farbtreue ist man noch ein gutes Stück entfernt aber im Vergleich zum jahrelang verkauften 70/350 ETX ist es mit einem Öffnungsverhältnis von f/10 in der Tat farbärmer. Einen farbigen Saum um helle Objekte wie Mond, Planeten und helle Sterne muss man tolerieren.

"Äquatoriale Profimontierung..."

Druckfehler! Die Montierung ist NICHT äquatorial = Parallaktisch sondern eine alt-azimutale Montierung, die man nicht in einer Achse der Erddrehung nachführen kann. 

"Vergrößerung: 35x-525x"

Oookay, die Lieblingsaussage eines jeden Amateurastronomen: die Vergrößerungsfähigkeit. Der rechnerischen Fähigkeit sind ersteinmal keine Grenzen gesetzt und wird lediglich durch das verfügbare Okular bestimmt. Nach der Rechnung Vergrößerung = Teleskopbrennweit : Okularbrennweite reden wir hier in der Umkehr von Okularen zwischen 20mm und 1,33mm. Ein 1,33mm Okular wird mit Sicherheit NICHT dabei sein, dafür aber ein 4mm Okular zweifelhafter Qualität und eine 3x Barlowlinse zur Brennweitenverlängerung. Selbst wenn wir hier erstklassig Okulare für einen vielfachen Preis des kompletten Pakets vor uns hätten wäre die Vergrößerung die selbe, das Ergebnis allerdings auch: Man sieht NUR Matsch! Denn im Gegensatz zur physikalisch möglichen Vergrößerung gibt es auch noch die Öffnungsbedingte sinnvolle Maximalvergrößerung und die liegt grob bei der doppelten Öffnung in mm, in diesem Fall also 140-fach, zu erreichen mit einem 5mm Okular. Allerdings gilt diese Regel auch wiederum nur für perfekte Optiken, aus eigener Erfahrung möchte man mit dem Skylux nicht allzu merklich über 100-fach vergößern, so dass man mit einem 6-7mm Okular bereits bestens ausgestattet ist. Leider ist neben der 4mm wirklich nur das 20mm Okular im Paket, da letzteres nicht zu gebrauchen ist und man nur durch die Barlow noch eine gewisse Flexibilität bekommt ist es also Pflicht hier mindestens ein weiteres Okular (z.B. ein einfaches, günstiges Plössel für um die 20-30€) anzuschaffen.

Fazit: Ich muss seufzen - das "Lidl" ist ein Stück Nostalgie, der Tubus in seiner 2006er Version hier ist kein überflüssiges Spielzeug wie viele andere Discounterteleskope, aber doch ist es heute ein gewisser Anachronismus. Die Einsteigerklasse hat sich merklich weiter entwickelt, vor allem in Richtung mehr Öffnung und eher auf Spiegelteleskope ausgelegt. Allerdings sind auch die Preise davon gelaufen, für unter 100€ gibt es bis zum heutigen Tage nicht mehr Teleskop fürs Geld. Ein langfristig sinnvolles Weihnachtsgeschenk? Ich möchte eher Nein sagen, natürlich gibt es auch sicher heute noch Menschen, die damit ihre Faszination für das Universum entdecken mögen, aber leidensfähig sollte man sein und sich beim Schenken/kaufen im Klaren sein: Sollte man hier ein Hobby entdecken wird dieses Gerät das nächste Frühjahr, spätestens Sommer, wahrscheinlich nicht mehr im Einsatz sein. Will man wenig Geld versenken um nun auf Teufel-komm-raus den Wunsch nach einem "echten Teleskop" zu erfüllen, behält man im Hinterkopf, ein solches Gerät recht wertstabil bei 30-50€ wieder verkaufen zu können. Sehr schade von Bresser finde ich, dass die Austattung weiter zusammengeschrumpft wurde, früher war wenigstens ein 12mm Okular dabei, die Mondkarte war eine nette gefaltete (heute zum Download!) und sogar eine CD mit Software (Cartes du Ciel) war damals dabei.

Gesamtfazit:

Back to roots - zumindest ein bisschen. Die Marke Bresser macht mir wieder Hoffnung auf die Angebote bei Lidl, zumal ich auch persönlich eine Bressermitarbeiterin kenne und auch den wirklich tollen (ich würde fast sagen: einmaligen) Kundenservice bei dieser in Deutschland ansässigen Firma. Natürlich kommt auch hier schon lange alles aus China aber bricht mal was ab reicht ein Anruf in Rhede und man kann auf Hilfe hoffen, auch wenn man ein günstiges Einsteigergerät hat. Beim Fernglas wünsche ich mir ein Festbrennweiten Fernglas anstelle des Zooms und beim Teleskop zum Einen, dass es wieder im Ladengeschäft verkauft wird um die Versandkosten zu sparen und den Preis noch näher an das ursprüngliche Skylux zu bringen. Wer diesen Artikel NACH dem Kauf liest muss sich nun aber nicht in Grund und Boden ärgern: Ihr habt etwas gekauft was als ersten Schritt in ein schönes Hobby gesehen werden kann, was mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht dabei stehenbleibt - Sollten Fragen zur Bedienung entstehen könnt Ihr mich auch gerne per Email oder Kontaktformular anschreiben.

Donnerstag, 5. Juni 2014

ATM Bericht: Bino Mount

Das 20x80 Triplet habe ich jetzt schon seit gut 8 Monaten aber sehr oft habe ich es noch nicht im Einsatz gehabt. Das liegt vor allem natürlich an der mangelhaften Montagen auf meinem Fotostativ. Bis in moderate Höhen von ca. 35-40° ist das zwar noch praktikabel aber eben weit von perfekt entfernt, höhere Objekte gehen praktisch gar nicht ohne Rückenverrenkungen und das Stativ ist mit dem reinen Fernglasgewicht schon nah an seinen Grenzen, das gute Stück wiegt immerhin 2,5kg.

Binomounts habe ich in meinem beobachterischen Umfeld ja in Form von Michaels traunhafter Umsetzung immer wieder zum Ausprobieren und Anfassen. Ganz so perfekt werde ich es sicher nicht hinbringen, aber praxistauglich aus eigener Hand ist für mich persönlich aber auch befriedigend. Trotzdem habe ich mich in weiten Teilen auf seine Konstruktion und Hinweise orientiert. 

Stand Juni 2013: Die Konstruktion ist in der Betaphase um mir über die grundsätzlichen Dinge klar zu werden.Einige Teile werden nochmals ausgetauscht.

Das klassische Parallelogramm ist mein Vorbild, für die erste Version habe ich schlichte 79 Ct 18x40x2000 Latten benutzt, mir war von vorneherein klar, dass das nur als Prototyp dienen kann, viel zu weich. Trotzdem konnte ich damit schon einen funktionellen Test durchführen und sehen, dass das Prinzip klappt und alles satt im Gleichgewicht ist und auch in jeder Position stehen bleibt.

Die anderen Teile wurden mit M8 Schrauben, selbstsichernden Muttern und 18mm Multiplex hergestellt, zusammen mit dem Multiplexresten aus dem Baumarkt liegen die Kosten damit erstmal unter 20€. Als Fernglasaufnahme dient mir ein Fehlkauf aus dem letzten Jahr: Eine Fotoadaption für Losmandy/Vixen Montierungen. drei M6 Schrauben halten den Fernglasadapter mit einer zentralen großen Rändelschraube. 

Das Gegengewicht stammt von einer Astro3 reicht beim derzeit noch sehr langen Ausleger (Gesamtlänge von Ende zu Ende von 2m!) aus, wird aber durch einen noch kürzer zu bauenden nochmal ergänzt werden müssen.

Die Adaption an mein Dörr Pro 3XL Stativ geschah über die Adapterplatte meiner Barndoor mit Fotogewinde, da lag auch beim ersten Test gleich der erste Schwachpunkt, die winzigen Schräubchen und die geringe Auflageflächen sind für die schwere Konstruktion reichlich unterdimensioniert.  Allerdings hat sich auch schnell gezeigt: Das Stativ ist am Ende, und wöge die Konstruktion nur 1/10 - sie wäre immer noch zu schwach. Das nächstgrößere Fotostativ gibt es nicht unter 200€ was völlig indiskutabel ist, bin ich doch für meine Fotoanwendungen sehr zufrieden damit. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird im nächsten Schritt ein Vermessungsstativ unter die Montierung wandern.

Es bleibt also zunächst "Work in progress"...


Dienstag, 12. November 2013

BB vom 12.11.2013

Ort:Bleidenstädter Heide
Uhrzeit: 4:30 bis 5:30
Wetter: Klar, -3° C

Angestachelt vom schönen Kometenbericht von Heiko, klingelte auch bei mir heute der Wecker um 4:15 Uhr. Rein in die Skihosen, Fernglas, Stativ und Kamera geschnappt und ab aufs benachbarte Feld. Der Westhimmel war eine wahre Wonne.


Der Osthimmel hingegen war arg dunstig und naturgemäß durch das Rhein-Main-Gebiet immens aufgehellt. Trotzdem machte ich mich mit frischen Aufsuchkarten von Christian (Dank nochmals!) daran zunächst Komet ISON zu erwischen. Es war wesentlich schwieriger als ich mir das erhofft hatte, der Himmel war einfach zu hell und die Transparenz nicht optimal, aber ich konnte ihn als schwache (!) Aufhellung dann doch noch festnageln, spektakulär ist aber anders, also: Bitte einmal um die Sonne und zwar pronto.


Mehr Hoffnungen hegte ich dementsprechend in Sachen C/2013 R1 Lovejoy. Als ich mit der entsprechenden Karte oberhalb vom Kopf des Löwen schaute, war ich mir sogar sicher ihn schon mit bloßem Auge ausmachen zu können! Der Himmel in dieser Höhe war durchaus als sauber und dunkel zu beschreiben, er müsste dafür inzwischen aber bereits heller als 6m sein, ich will mich da aber nicht definitiv festlegen, der nächsthellere Stern war es definitiv nicht, der steht etwas weiter vom Kopf entfernt und war klar zu sehen, während der Eindruck an der Stelle merklich schwächer war. Im Fernglas zeigte sich der Komet instantan als heller leicht ovaler Nebelfleck umrahmt von einer Anzahl Sternen, hat sich heute Morgen eine sehr ästhetische Stelle ausgesucht. Dank dem Stativ war sogar eine Elongation auszumachen, die der Schweifansatz sein dürfte, Längen kann ich nicht schätzen, er war da :D Bei dem Kometen verbrachte ich einiges an Zeit, dafür, dass ich "nur" mit dem 20x80 unterwegs war ist er als prachtvoll zu bezeichnen! Sollte sich hier die Tage nochmal Wetter ergeben, werde ich auf jeden Fall das Heritage mitnehmen, SO hat ein heller schöner Komet auszusehen, aber ich will ISON (noch) kein Unrecht tun, zu tief...



Das morgendliche Wetter liess etwas die frühlingshafte Milde vermissen, es waren knackige -3° C und ich hatte bereits kratzen dürfen. Als meine Fingerkuppennerven ihr baldiges Versagen ankündigte, ging es wieder zurück ins wohlige Bett um nochmal ein Stündchen zu pennen.

Fazit: Es lohnt sich derzeit wirklich den Morgen richtig früh zu beginnen!

Freitag, 25. Oktober 2013

BB vom 12.-19.10.2013

Uhrzeiten: jeweils zwischen 5 und 6:30 Uhr, manchmal vor Mitternacht
Ort: Platja de Alcudia, Mallorca
Wetter: Klar, GG nicht festgetellt, aber in Richtung Süden geschätzte 5m5, in Richtung Osten übers Meer etwas besser

Eine sehr warme, sommerliche Woche durfte ich im Oktober auf Mallorca verbringen. Sehr angehme Temperaturen von tagsüber 22-28° und Nachtemperaturen zwischen 16 und 18°. Natürlich war das ganze nicht als Astrourlaub konzipiert sondern als Familienerholungsurlaub, aber in letzter Minute wanderte noch das 10x50 Fernglas mit in den Koffer.


Der Mond beherrschte natürlich unweigerlich die erste Nachhälfte, so dass ich nur den Wecker stellen konnte um vor Sonnenaufgang noch einen Blick auf den "Südhimmel" zu erhaschen, natürlich liegt Mallorca nicht sonderlich südlich, aber immerhin habe ich festgestellt, dass auch 11° schon eine Menge ausmachen können!


Canis Major ist in voller Größe ein sehr beeindruckendes Sternbild, während es in unseren Breiten klar von Sirius dominiert wird, ist hier auch der Rest interessant anzuschauen, Puppis ist auch praktisch komplett mit dem Fernglas abzufahren, das einzige Objekt was ich so tief ausmachen konnte war ein vermeintlicher Sternhaufen mit sehr interessanter Form, in der Recherche daheim fand ich heraus, dass dort kein Sternhaufen eingetragen ist, lediglich Mobile Obervatory (das ich natürlich mit hatte) nennt dort ein Sternmuster mit dem passenden Namen "Stinging Scorpion", es war natürlich hoffnungslos im Horizontdunst und muss bei höherem Stand in einem Richfielder einfach fantastisch aussehen.Pyxis war unauffällig und mit bloßem Auge praktisch unsichtbar, die Hauptsterne konnte ich aber im Fernglas sehen. Piscis Australis hingegen war vor Mitternacht auch bei Mond mit Fomalhaut schön anzusehen und im benachbarten Sculptor konnte ich trotz Mond (!!) die Sculpor Galaxie NGC 253 schwach wahrnehmen! Über 20° hoch am Himmel ist sie dort auch schon sicher mit dem Teleskop (ohne Mond) eine Augenweide, während ich sie in unseren Breiten mal mit Ach und Krach bei unter 10° Horizonthöhe mit 8" mal sehen konnte.



Besonders nachhaltig beeindruckt hat mich aber der verflucht hoch stehende Orion! Hier enstand auch morgens gegen halb 6 die einzige Zeichnung des Urlaubs, ich fand es erstaunlich was selbst bei einem so hellen und bekannten Objekt wie M42 der 11° höhere Stand (es waren gute 45° Höhe!) ausmachen können. 


Auch wenn der Urlaub definitiv nicht im Zeichen der Astronomie stand hat mir der gelegentlich kleine Exkurs richtig Spaß und vor allem doch Lust auf den echten Südhimmel gemacht, wenn man den Himmel seiner Heimat kennt, dann ist es schon beeindruckend nach Jahren endlich mal völlig "neue" Sterne und Konstellationen am Himmel zu sehen.



Freitag, 6. September 2013

BB vom 06.09.2013

Ort: Bleidenstädter Heide
Uhrzeit: 22:45 bis 23:25
Wetter: diesig, leicht bewölkt, Zenit frei
GG: ? 5,x

Wirklich rechnete ich nicht mehr den Abend noch nutzen zu können, den ganzen Tag schon hatten sich Wolken von Westen her gebildet und auch die Wetterprognosen prophezeiten eher eine wolkige, gar nasse Nacht. Allerdings kam am Mittag eine neue Optik mit der Post an, das TS 20x80 Triplet Bino ;)

Der Himmel war doch nur leicht bewölkt und ich konnte gar nicht anders als dem Glas wenigstens ein kleines Firstlight zu geben. In drei Minuten war ich auf meinem Feldweg und das Bino wurde geschwind auf das Dörr Stativ gesattelt, hält es doch recht gut, kein übermäßiges wackeln und gutes Schwenken ist möglich, allerdings ist mir schon klar, dass hier mittel- bis kurzfristig eine Binomount zusammengeschustert werden, das ist einfach bequemr, nicht nur vom Schwenken her...

Als Fernglassammler aber eher leidlicher Zweiaugengucker habe ich zwar etliche kleinere Ferngläser zu Hause und nehme auch oft eins mit, aber so richtig den Zugang zum beidäugigen Sehen habe ich noch nicht gefunden, was ich aber durch die 2x80mm gesehen habe, hat mich stellenweise schon umgehauen. Die Gläser wurden vom Vorbesitzer vorzüglich justiert (und eine Anleitung hat er auch noch beigelegt) und das Bild ist klar, hell und scharf. Die 20-fache Vergrößerung gepaart mit 4mm AP zeigen schon enorm viel, prinzipiell ist nur wenig Unterschied zum Heritage bei eben jener Vergrößerung auszumachen, natürlich ist das Bild dort heller, aber was Details heller Objekte angeht - das gibt sich nicht wirklich was, der Vorteil liegt natürlich in der variablen Vergrößerung...




M81/82 waren das erste Objekt des Tests, das Anpeilen ging zunächst solala, aber als ich einfach alle Klemmen gelöst habe und das FG geschwenkt habe als hätte ich es in den bloßen Händen hat es zügig geklappt, noch ein Grund für die Binomount die das wesentlich effizienter umsetzt. h+x waren eine wahre Wonne, Strukturen im Inneneren des Sternhaufens und eine sehr schöne Sternabbildung. M31 litt natürlich unter dem Siff aber mit dem großen Feld genau das richtige Objekt für diese Optik. M13 überrascht mich mit einer im Fernglas ungewöhnlichen Strukturierung, gemottelt und mit seiner charakteristisch ausgreifenden Form. M27 war ebenso als solcher zu erkennen. Der Kleiderbügelhaufen passt hervorragend ins Gesichtsfeld, ebenso wie der tiefstehende M45. Der Eulenhaufen NGC 457 war trotz niedriger Vergrößerung in seiner Form voll erfassbar, das hat mir natürlich auch noch kein Fernglas vorher geleistet.

Vorläufiges Fazit: Mit diesem Teil werde ich noch eine Menge Spaß haben, ein großes Fernglas fehlt mir noch eindeutig in der Sammlung, nun stellt sich nur noch die Frage wann ich Zeit finde einen passenderen Unterbau zu zimmern, doch der (meist) regnerische Herbst steht ja vor der Tür, da sollte das schon klappen ;)