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Donnerstag, 5. Juni 2014

ATM Bericht: Bino Mount

Das 20x80 Triplet habe ich jetzt schon seit gut 8 Monaten aber sehr oft habe ich es noch nicht im Einsatz gehabt. Das liegt vor allem natürlich an der mangelhaften Montagen auf meinem Fotostativ. Bis in moderate Höhen von ca. 35-40° ist das zwar noch praktikabel aber eben weit von perfekt entfernt, höhere Objekte gehen praktisch gar nicht ohne Rückenverrenkungen und das Stativ ist mit dem reinen Fernglasgewicht schon nah an seinen Grenzen, das gute Stück wiegt immerhin 2,5kg.

Binomounts habe ich in meinem beobachterischen Umfeld ja in Form von Michaels traunhafter Umsetzung immer wieder zum Ausprobieren und Anfassen. Ganz so perfekt werde ich es sicher nicht hinbringen, aber praxistauglich aus eigener Hand ist für mich persönlich aber auch befriedigend. Trotzdem habe ich mich in weiten Teilen auf seine Konstruktion und Hinweise orientiert. 

Stand Juni 2013: Die Konstruktion ist in der Betaphase um mir über die grundsätzlichen Dinge klar zu werden.Einige Teile werden nochmals ausgetauscht.

Das klassische Parallelogramm ist mein Vorbild, für die erste Version habe ich schlichte 79 Ct 18x40x2000 Latten benutzt, mir war von vorneherein klar, dass das nur als Prototyp dienen kann, viel zu weich. Trotzdem konnte ich damit schon einen funktionellen Test durchführen und sehen, dass das Prinzip klappt und alles satt im Gleichgewicht ist und auch in jeder Position stehen bleibt.

Die anderen Teile wurden mit M8 Schrauben, selbstsichernden Muttern und 18mm Multiplex hergestellt, zusammen mit dem Multiplexresten aus dem Baumarkt liegen die Kosten damit erstmal unter 20€. Als Fernglasaufnahme dient mir ein Fehlkauf aus dem letzten Jahr: Eine Fotoadaption für Losmandy/Vixen Montierungen. drei M6 Schrauben halten den Fernglasadapter mit einer zentralen großen Rändelschraube. 

Das Gegengewicht stammt von einer Astro3 reicht beim derzeit noch sehr langen Ausleger (Gesamtlänge von Ende zu Ende von 2m!) aus, wird aber durch einen noch kürzer zu bauenden nochmal ergänzt werden müssen.

Die Adaption an mein Dörr Pro 3XL Stativ geschah über die Adapterplatte meiner Barndoor mit Fotogewinde, da lag auch beim ersten Test gleich der erste Schwachpunkt, die winzigen Schräubchen und die geringe Auflageflächen sind für die schwere Konstruktion reichlich unterdimensioniert.  Allerdings hat sich auch schnell gezeigt: Das Stativ ist am Ende, und wöge die Konstruktion nur 1/10 - sie wäre immer noch zu schwach. Das nächstgrößere Fotostativ gibt es nicht unter 200€ was völlig indiskutabel ist, bin ich doch für meine Fotoanwendungen sehr zufrieden damit. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird im nächsten Schritt ein Vermessungsstativ unter die Montierung wandern.

Es bleibt also zunächst "Work in progress"...


Donnerstag, 8. Mai 2014

ATM Bericht: A3 Kartenhalter deluxe

Die A3 Karten (Deepsky Hunter Atlas) haben ja wirklich immense Vorteile aber auch einen Nachteil: Wohin damit? Gut, das selbe Problem hat man eigentlich immer mit Karten, egal ob gebunden, als kleines Buch oder im Ordner, ein Tisch ist naheliegend aber man hat ihn nicht wirklich am Teleskop stehen.

Ideal finde ich die Lösung einiger Sternfreunde, die sich einen Konzertnotenständer (also die mit Holzplatte, nicht die einfachen klappbaren aus Blech) angeschafft haben.

Der Redneck in mir wollte aber die <20€ durch eine kleine Bastelei eingespart sehen.

Zugegebenermaßen, das setzt einiges an Grundmaterial was man daheim haben muss vorraus! Darunter ein gutes Fotostativ und eine Skywatcherrohrschelle (Größe egal, aber von Skywatcher muss sie sein, weil die ein Fotogewinde auf einer Seite haben).

Material:

Fotostativ mit Neiger
4,5" Rohrschelle
M5 Schraube + Flügelmutter + 2 Unterlegscheiben
Holzrest

Zur Konstruktion gibt es nicht viel zu sagen, ausser der Schraube wird nix montiert, ich habe die Platte auf etwas über A3 Größe bemaßt, das kann man handhaben wie man will aber zu groß sollte sie wohl nicht werden (Windangriffsfläche).Nach einem ersten Test mit einem dünnen Holzrest, habe ich einen passenden Multiplexrest zurechtgesägt, mit Forstnerbohrer durch vier Bohrungen stark erleichtert und zwei Leisten zur Ablage von Stiften und Zubehör angeleimt. Ein sehr aussagekräftiger Test was die Stabilität angeht konnte ich schon während dem Trocknen durchführen - Richtig starke Sturmböen wehten so ziemlich alles um mich weg - nur das Stativ wackelt nicht mal ;)

Die Konstruktion ist stabil, höhenverstellbar, neigbar und auch von Quer- auf Hochformat drehbar.

Egal ob Buch oder Einzelkarte, Stifte o.ä. jetzt findet endlich alles Platz.

Foto aus der Testphase (dünnes Brettchen), damit man die Befestigung besser sieht:

 
Zum Transport zerlegt



Im Querformat


Im Hochformat


Zeichenmaterial + Karte


Dienstag, 6. Mai 2014

ATM Bericht: Höhenverstellbarer Beobachtungsstuhl

Dieses Thema ist so eine ewige mentale Baustelle bei mir. Anscheinend bin ich doch leidensfähiger oder fauler als ich dachte - vielleicht auch beides...

Mein 15€ Bügelstuhl begleitet mich schon seit vielen Jahren, aber mindestens so oft wie ich ihn dabei habe, lass ich ihn zu Hause stehen, dann muss ich stehen oder mein "Immer-im-Auto-Campingstuhl" kommt zum Einsatz was aber denkbar unbequem ist. Der Bügelstuhl hat über die Jahre allerdings immens viel Rost angesetzt, die Sitzplatte war angebrochen und von höhenverstellbar kann eigentlich keine Rede sein, denn die Frickelei tut man sich Nachts eher nicht an, meist verharrte er in einer mittleren Stellung.

Wie auch immer, heute reifte zwischen Rewe und Baumarkt der Entschluss: Jetzt kaufste dir einfach mal ein paar Latten und gut is!

Wie so ein Stuhl aussehen kann weiss ich zum Glück und so habe ich mich für die einfachste Version entschieden, manchmal kann man sich auch zu Tode planen (habe ich schon des öfteren getan) und nichts passiert, deshalb habe ich sogar auf Berechnungen oder Zeichnungen verzichtet und habe direkt Zollstock und Stichsäge in die Hand genommen.

Aber zunächst die Materialliste, ich habe die Werkstatt meines Vaters geschont und habe sogar die Schrauben lieber selber mitgebracht ;)

2 Stück 2m Latten (unbehandelt, ungeschliffen)
1,5m Gurt
Sortiment Schrauben und Winkel (2,99! Das hätt ich sogar mitgenommen wenn ich nichts gebaut hätte...)
M10x120 Schraube 
2 Unterlegscheiben
M10 Mutter
18mm Leimholzplatte
_________________
11,91 €

Die erste Latte wurde auf 1m halbiert, der zweiten wurden zwei 10cm lange Stücke entnommen und oben und unten zwischen die beiden 1m Stücke geschraubt (später noch mit Blechen verstärkt). Die Leimholzplatte wurde nach Gefühl auf eine angenehme Sitzbreite abgelängt und ebenfalls halbiert. Die beiden Hälften wiederum generös mit verschraubt. Das Konstrukt der nun verbundenen 1m Latten diente als Vorlage für den Ausschnitt in der Sitzfläche, hier hatte ich großes Glück, dass ich praktisch nichts mehr nacharbeiten musste - damit hatte ich eigentlich fest gerechnet!

Hiernach wurde wiederum Pi mal Daumen das verbleibenden Lattenstück so gekürzt, dass es als hintere Stütze dienen kann, dabei habe ich das Teil einfach mal zwischen die Latten gesteckt und den mutmasslich tauglichen Winkel eingestellt, den Rest einfach abgeschnitten. Jetzt wurde es etwas tricky, ich hatte keinen so langen Bohrer um alle drei Latten komplett durchbohren zu können, musste also ausmessen, hat glücklicherweise halbwegs hingehauen - hier sollte man aber lieber mehrfach messen, lohnt sich :D

Nach dem Verschrauben wurde das endgültige Reststück nochmals halbiert um als Fuß zu dienen, vielfach verschraubt und mit Winkeln versteift war jetzt schonmal die Zeit zum Probesitzen gekommen: Tadellos, dabei suchte ich auch gleich den richtigen Winkel = Maximalabstand zwischen den beiden Fußteilen und limierte nunmehr mit dem Gurt selbigen. Zum Schluss (Des heutigen Tagespensums) war schonmal der Grobschliff dran, sowie das weitere Verstärken der Sitzfläche mit einigen herumliegenden, kleineren Lattenresten (also auch als saftige Portion ist nun alles bruchsicher).



Fehlt primär noch der Holzschutz, das packte ich heute nicht mehr...

Fazit: Ich hab das Teil nun weder besonders leicht, noch edel noch kompakt gebaut, aber ich wage zu behaupten, dass es im vernünftigen Rahmen kaum noch stabiler werden könnte und auch nicht günstiger zu bauen ist ;) Mal sehen was der erste Praxistest sagt. Habe natürlich schon länger probegesessen und erreiche nun alle Höhen zwischen dem Heritageeinblick (10cm über der Grasnarbe) und einer Höhe wo die Füße kaum noch den Boden berühren, was in etwa dem Zeniteinblick beim 12"er entspricht.

UPDATE Juni 2014: Nachdem mir schon in der ersten Nacht die Platte hinten gerissen ist habe ich mich da noch mal umorientiert. Zum einen ist das Fichtenholz einfach nicht das richtige für die Belastung gewesen, zum anderen habe ich nun keine Sitz mehr, der die Stangen umschließt sondern einen Mittelsteg, das ganze aus 20mm Birke Multiplex. Alle Kanten wurden nochmal rund geschliffen, das sollte ebenfalls die Bruchtendenz minimieren. Ausserdem  ist er durch die herausnehmbare Sitzplatte jetzt wesentlich (!) kompakter zu verstauen. Ein komplettes Teleskoptreffen Wochenende hat er nun gut hinter sich gebracht - und zwar im Dauereinsatz, nicht nur am Teleskop sondern praktisch den ganzen Tag habe ich ihn mit meinem Gewicht belastet ;)

 

Montag, 4. November 2013

ATM Bericht: Ersatzscheiben für den Telrad

Vor einigen Wochen habe ich zum ersten Mal aus Faulheit den Telrad nicht vom Tubus des 8"ers montiert als ich nach einer kurzen Session wieder nach Hause gefahren bin - das Ergebnis: Die Scheibe war weg. Schon früh habe ich sie mit einem kräftigen Zug aus dem Peiler gezogen um sie bei Tau einfach abzuwischen, an und für sich kein Problem solange der Telrad zum Transport abgenommen und in den Koffer gelegt wird.

Ersatz musste also her. Zunächst friemelte ich mir eine Übergangslösung aus Acrylglas, mehr schlecht als recht zugesägt und wie sich die letzten Nächte herausstellte auch nur mit viel Liebe zu gebrauchen, das leichteste Kippeln oder Beugen des Scheibchens machte die Kreise unsichtbar oder liess gar Doppelbilder entstehen. Mir war klar, hier muss wieder eine Glasscheibe eingesetzt werden.

In einer erstaunlich kurzen Bastelei mit einer alten Bilderrahmenscheibe, einem Graviergerät (braucht es nicht aber ich hatte keinen Glasschneider zur Hand, noch nie gebraucht) waren ein paar Ersatzscheiben hergestellt. Von Jan bekam ich noch den Tipp, die vorgeritzte Scheibe über ein Streichholz zu brechen und tatsächlich, ein ziemlich sauberer Bruch! Die Kanten habe ich mit 240er Schleifpapier noch etwas abgerundet um die Verletzungsgefahr auszuschalten. Bei der dritten Scheibe hatte ich dann fast fabrikneues Niveau erreicht und der Telrad ist wieder voll einsatzbereit.


Da ich gerade dran war, erhielt die Basis noch eine Erhöhung aus Holz um der Dauernotlösung mit mehrern Lagen dicken Montageklebestreifen (fällt etwa alle 6 Wochen ab) zu Leibe zu rücken. (die weißen Flecken sind nur Reste von Panzertape, was auch schonmal als Befestigung herhalten musste...)



Fazit: Wie neu und wieder einmal bewahrheitet sich - Man weiss nicht ob man es kann bevor man es nicht ausprobiert hat ;)

Sonntag, 9. Dezember 2012

Modellteleskop die Zweite - Volltubus 8"er in 1:10

Noch während ich am Bau meines Modell-Gitterrohrs zu Gange war, wurde mir klar: Das brauchst du auch noch für den Volltubus Dobson!

Also begann ich schon parallel mit dem Vermessen meines GSOs und dem Erstellen einer Bauskizze. Material ist soweit deckungsgleich mit dem des anderen Modells, allein der Tubus ist aus einem 25mm Alurohr gebaut, der Okularauszug besteht aus einem Stück Dübel und Resten von Modellbaupolysterol.

Auch dieses Mini-Teleskop macht sich ganz toll auf dem Schreibtisch des Spiegelsüchtigen, eine klasse Beschäftigung für verschneite Abende :-D











Donnerstag, 6. Dezember 2012

Großes Teleskop ganz klein... oder umgekehrt?

Wer hat nicht zumindest schon einmal von dem Problem gehört?

Die Teleskope werden immer größer und irgendwann entscheidet die holde Weiblichkeit: Die "Staub"(Licht!)fänger müssen mal mindestens aus Platzgründen die repräsentativen Bereiche der Wohnung verlassen. Doch man will ja auch am Arbeitsplatz die geistige Verbindung zum Lieblingsthema nicht abreissen lassen, was tun? Ein Tchibo neben den Schreibtisch stellen - kommt nicht in Frage!

Alles was man braucht findet man im Bastelköfferchen, Keller und in der Resteabteilung des Baumarkts:

  • 15x15cm 4mm Sperrholzplatte (Restekiste im Baumarkt)
  • 5mm Rundstab (70 Ct)
  • Holzleim
  • Laubsäge
  • Zirkel
  • Bleistift
  • Geodreieck
  • Farben (in meinem Fall vorhandene Revell Farben)
  • schwarzes Bastelpapier
  • 100er/180er Schleifpapier  (90 Ct) 
  • ein paar Stündchen Zeit und Muse
Als Grundlage für den Bauplan dienten die Maße meines 12" f/5 Martini Dobsons, gebaut wurde dann im Maßstab 1:10.





...und das beste Teleskop bringt nichts wenn nicht damit beobachtet werden kann!


Für die oben abgebildeten Playmobilmännchen wäre es jedoch ca. ein 28"er 

Spassige Sache der Bau, vor allem weil er nicht unbedingt schneller von der Hand geht als der Bau eines realen Teleskops! Liegt sicher auch an meiner Grobmotorik bei solch kleinen Teilen mit der Laubsäge aber gelohnt hat es sich durchaus - ein netter Blickfang für den Schreibtisch...




Donnerstag, 29. September 2011

ATM Bericht "Mücke" 70/350 Dobson

TM Projekt 2,8" Minidobs
Beim Kellerentrümpeln kam die vor Jahren georderte Zweitgarnitur eines 70/450 Astromediaspiegels zu Tage, damals hatte ich schon einmal angefangen ein kleines Teleskop daraus zu bauen, leider schmierte mir der Hauptspiegel vor Beendigung der Arbeit ab und war kaputt, zwar bestellte ich mir einige Zeit später nochmal den selben, aber irgendwie war zu diesem Zeitpunkt Luft und Lust raus aus der Sache...
Ich war noch nie sonderlich begabt was handwerkliche Tätigkeiten angeht, sicher auch ein Grund warum ich mich so lange nicht an solche Dinge herangetraut habe, aber ohne Üben wird es auch nie besser ;) Also hab ich in den letzten Jahren immer mal wieder zu Säge und Bohrmaschine gegriffen und drauflosgewerkelt, nicht immer mit sonderlich gutem Erfolg aber irgendwie bleibt doch jedes Mal was hängen - so auch diesmal, Holzreste waren schnell organisiert und sogar Alustangen eines vorangegangenen nie beendeten Projekts waren noch vorhanden. Mit Minimalkontruktionszeichnung machte ich mich über das Holz her, was am Ende herauskam will ich hier mal zeigen, nicht messbar mit Selbstbauten die ich schon so gesehen habe, aber Spass hat es trotzdem gemacht und auch wenn dem Spiegel sicher nicht viel Einsatzmöglichkeiten jenseits von Balkon-Mond-Beobachtungen vergönnt sein werden freue ich mich dem Spiegel ein neues zu Hause gezimmert zu haben :)
Die Einzelteile gestapelt...
So grob soll es mal aussehen...
Der bewährte 1,25" "Lampenfassung-Helical" für 2,50€
Das OAZ-Brett muss noch zurechtgeschnitten werden, der Fangspiegel ist derzeit vom 114/900 geliehen...
Verleimt!
Mit montierten Stangen, die Stangenklemmblöckchen nehme ich diesmal als neuen "Skill" an, gradgenaues Bohren mit der Standbohrmaschine, klappt erstaunlich gut!
Ein schöneres Finish wird ihm demnächst noch verpasst werden...
Ebenso ein Streulichtschutz für den Hut
Die Spiegelbox ist mattschwarz lackiert, wenn mal wieder Veloursreste anfallen wird es nochmal etwas dunkler...
Spiegelzelle extra einfach, zwei Brettchen, drei Federn, drei Schrauben, drei Rändelmuttern...
Warum 8 Stangendesign? Nur aus purer Lustigkeit :) Ein so kleines Ding kommt auch mit einer ordentlichen Stange aus, aber so macht es sich einfach schöner im Wohnzimmerschrank, den Grossen darf ich leider nicht ins Wohnzimmer stellen Glare

Bauzeit: ca. 8h
Gewicht: 1075g

Baukosten:

  • real: 2,50€ für die Lampenfassung der Rest war da (immer gut etwas mehr auf Vorrat zu kaufen Cool
  • theoretisch: ~ 35€ ink. Spiegel


Werkzeug:

  • Stichsäge
  • Handsäge (für die Stangen)
  • (Stand)bohrmaschine
  • Schleifpapier
  • Schraubendreher

Samstag, 30. Juli 2011

ATM Bericht Okularkästchen & drehbarer Stativkoffer




Nach dem ich in den letzten Wochen vergleichsweise viel Holz zerschnippelt habe (vom Vogelhäusschen bis Playmobilranch) wollte ich doch auch astronomisch sinnvoll die Späne fliegen lassen...

Was stört mich beim Beobachten am meisten? Das ist immer ne gute Ausgangsfrage wenn man ans Basteln geht.

Das Wetter? Nicht zu ändern...

Die Öffnung? nö im Moment nicht...

Das Okumanagement? Jaaaa, entweder liegen die Okulare in der Jackentasche und tauen auf, oder aber im Koffer... Der Koffer hingegen liegt entweder rückenunfreundlich tief am Boden oder auf einem umfallträchtigen Hocker...

Aber fangen wir von Vorne an, ich hatte mehr aus Langeweile die Idee meine Multiplexholzreste in schmucke kleine Okukästchen zu verwandeln, nachdem ich so langsam die Stichsäge im Griff habe, war da auch kein grosses Problem, die Kosten hielten sich mit 90 Cent pro Kasten für das Schanier in Grenzen, ein kleiner Magnetverschluss fehlt im Moment noch (danke für diesen Geistesblitz Jan!).


Als mir die Kistchen so nach und nach besser gelangen fiel mein Blick auf die traurigen Reste meiner vor über einem Jahr mal angefangenen Binomount, bis dato nur eine drehbare Holzplatte auf einem ausrangierten EQ1 Stativ...

Etliche Holzspäne später hatte ich mir daraus einen kleinen drehbaren Koffer gebaut, der sich nicht nur drehen und verschliessen lässt, alle Okulare, Filter und Stifte aufnimmt, sondern im zugeklappten Zustand auch als erstaunlich praktische Ablage für meinen Zeichenblock fungiert! Gestern abend mal getestet, ist so stabil, dass man auch mal aus Versehen dagegen stossen kann und immer in Reichweite neben dem Dobson



© 2011 Benny Hartmann

Donnerstag, 1. Juli 2010

ATM Bericht 12" f/5 Hypatia

12" f/5 Gitterrohrdobson "Hypatia

Ich habe einige Zeit nachgedacht, ob für dieses Gerät ein Selbstbaubericht gerechtfertigt ist, immerhin ist es ein weitestgehend montiertes Martinibausatzgerät und kein wirklicher Selbstbau, aber die langen Wochen die ich gebraucht habe bis zum Firstlight und der ein oder andere Schweisstropfen auf dem Weg zum fertigen Teleskop haben mich dann doch überzeugt.
Im Februar konnte ich mein teilmontiertes Martinigerät persönlich auf dem ATH in Hückelhoven in Empfang nehmen, fantastisch - das Schleppen des Volltubus Galaxy soll nun also bald ein Ende haben. Seit gut vier Monaten liegt er zu diesem Zeitpunkt schon zerlegt im Keller, nur mein 4" Richfieldteleskop rettete mich über den Winter, der aber ohnehin derart schlecht war, dass sich kaum Gelegenheit zur Reue zeigte...


Das Teleskop liegt in seiner Rohform zwischen den bei Dieter Martini angebotenen Bausätzen und den komplett fertigen Geräten. Sowohl der Hut als auch die Spiegel- und Rockerbox sind bereits zusammengebaut/geleimt. Bohrungen für Höhenräder, OAZ u.ä. sind aber noch nicht vorhanden, die Höhenräder und Stangen liegen bei. Der erste Schritt ist natürlich die Vorbehandlung des Holzes, schliesslich soll er am Schluss ja auch ordentlich gegen Nässe geschützt sein und abgerundete Ecken sind ästhetisch auch wünschenswert. So sieht die Spiegelbox (und alle anderen Teile) vor dem ersten Schleifgang aus:

 

In mehreren Schleifgängen (ca. 180/300/800) werden alle Teile schön glatt und rund abgeschliffen, für die Rundungen der Kanten benutze ich einen Schleifklotz (unidealerweise war es eine kleine Tupperdose...). Nach einigen schweisstreibenden Nachmittagen sah es schon erheblich besser aus und vor allem war das Anfassen ein wahrer Genuss 

 

Auf der Suche nach einem geeigneten Lack wurde ich im Baumarkt fündig, es handelt sich dabei um einen "Nanotech" Schutzlack für stark witterungsbeanspruchte Aussenhölzer (z.B. Türläden oder Holzverkleidungen auf der Wetterseite eines Hauses). Was mir sehr daran gefällt: Vor dem Verarbeiten ist der Lack ein Gelee, der sich erst während des Auftragens verflüssigt, Sauerei ist damit weitestgehend zu verhindern. Nach jeweils 24h gibt es eine zweite Schicht - sicher ist sicher. Nach 2 Tagen erkläre ich die Teile für trocken - zunächst mal fühlt sich das ganze im vergleich zum hochglatten Holz sehr enttäuschend an :( Jan schubst mich auf die Technik des Nassschleifens. Mit 1200er Schleifpapier und Wasser geht es jetzt über den Lack und siehe da, nach kurzem Schleifen wird die Oberfläche nicht nur angenehm glatt sondern sogar richtig glänzend :)
 
 

Stangen in der Spiegelbox 

 

Die Stangenklemmung am Hut

 

In ganzer Pracht aber noch ohne OAZ oder Höhenräder... 

Jetzt macht er schon richtig was her - aber ausser für den Wetterschutz und die Ästhetik hat sich bis dato noch nichts getan! Zusammen mit meinem Vater mache ich mich an die Höhenräder. Nach Vorgabe setzen wir 4cm hohe Holzblöcke in die Rockerbox und stellen die Spiegelkiste hinein, nun werden die Höhenräderlöcher gebohrt und montiert, nun lässt er sich zum ersten Mal Schwenken und das tut er auch schon ganz smooth :)

Der OAZ wird genau eingepasst und montiert, jetzt sieht er zusammengebaut schon richtig einsatzbereit aus, mittlerweile ist es April und auch langsam Zeit, dass ich wieder ein einsatzfähiges Teleskop habe, doch hier warten noch einige Stolpersteine! Der Fangspiegel wird mit dem etwas teureren Silikon aus dem Baumarkt auf die FS Halterung geklebt, der Offset ist dabei schon berücksichtigt. Nun bleibt ja eigentlich nur noch die Verpflanzung des Hauptspiegels und dem Beobachten steht nichts mehr im Wege! -.- Weit gefehlt...

Der Galaxyspiegel ist tatsächlich an 9 Punkten mit der Zelle verklebt (!), die ganze Konstruktion ist dazu auch noch derat verwinkelt gebaut, dass man von keiner Seite richtig zwischen Zelle und Spiegel kommt... Radikale Massnahmen müssen her, ein altes Teppichmesser wird erhitzt und tatsächlich, die Klebepunkte strecken die Waffen :) Jetzt bekommt der Spiegel erstmal seine rituelle Waschung mit Spüliwasser und Aq.dest. aber die leider mittlerweile bekannten "Dreckkörner" weichen nicht :( Ich persönlich glaube, es handelt sich um über die Jahre festgebackene Pollen o.ä. Selbst eine sanfte Hand/Spüli Massage und das Einweichen mit Optical Wonder können hier rein gar nichts bewirken. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass eine durschnittlich verschmutzter Spiegel auch gute Leistung bringt und mir als letztes Mittel eines Tages noch die Neubelegung offen steht.
Der nächste Schock lässt nur wenige Tage auf sich warten... Der Spiegel passt beim besten Willen nicht in die Spiegelzelle :O!!! Tatsächlich fehlen hier gut 2mm die ich an einem sehr schweisstreibenden Nachmittag händisch runterschrubbe, bis der Spiegel endlich in sein neues Heim gleiten kann.

 

Der Bösewicht - Die Spiegelzelle

Jetzt aber, da dieses Problem auch noch gelöst ist, will mir kein Grund mehr einfallen nicht gleich loszulegen :) -.- ich bin einfach nicht kreativ genug um mir Probleme wie die folgenden vorzustellen - Auf den allerersten Blick merke ich schon: EXTREME HECKlastigkeit - das ist auf den ersten Blick verwunderlich, kämpfen doch fast alle Selbstbauer mit dem genauen Gegenteil: Einem zu schweren Hut. Nun ist das Gerät (ausser der Spiegelzelle) aber normalerweise für 25mm "Pizza"Spiegel gerechnet, mein elend schwerer 50mm Galaxyspiegel ist einfach zu dick und zieht stark nach unten. Spasseshalber ermittele ich wieviel Gewicht ich am Hut brauchte: Satte 3kg :D Aber das ist natürlich keine Option, die Höhenräder müssen wohl oder übel nochmals versetzt werden - Nun denn das Firstlight soll er aber trotzdem bekommen. Im Garten wird ein weiter entferntes Hausdach angepeilt - Seltsam, keine Chance das mit dem 32mm Okular scharf zu bekommen, ich sehe sogar mit volleingefahrenem OAZ den FS als unscharfen Schatten - okay das ist so ungewöhnlich am Tage nicht und das Dach ist vieleicht einfach zu nah. Mit dem 22mm LVW komme ich ganz knapp in den Fokus, mit dem 14mm Speers natürlich nicht, ist es doch eines der intrafokalkritischsten überhaupt... Später am Abend - das viel zu nahe Hausdach ist längst vergessen - der Mond soll mir nun zeigen wo in Sachen Fokus der Hammer hängt - Lange Gesichter... Keine Chance intrafokal auch mit dem sonst eher extrafokalkritischen LVW ein scharfes Bild zu bekommen - Die Stangen sind entschieden zu lang. In meinem jugendlichen Leichtsinn höre ich mich sagen:"Gut da müssen sicher so 2-3cm runter...

Der Dobson wandert ob dieser ersten Enttäuschung und enormen Zeitmangel für die nächsten Wochen im Bastelraum meines Vaters... Im Juni wird er schon leicht nervös, wie lange denn das Gerät da noch etwa stehen würde - nun ich weiss immer noch nicht wie weit die Stangen runtermüssen aber kann ja so schwer nicht sein, das herauszufinden. Ich entschliesse mich zum Praxistest - Eigentlich wollte ich es am Mond ausprobieren, aber der zeigte sich nie zu den Zeiten, zu denen ich Zeit zum basteln hatte. Nun sind Wolken ja oft auch etwas weiter weg und so mussten eben diese herhalten ;) Der OAZ wurde abgebaut und das Okular einfach so nah an den FS herangeführt bist sich ein scharfes Bild zeigte - Erstaunen!: Die Hülse vom 14mm Speers (als intrafokalkritischstes Okular als Präzedensfall ausgewählt) war komplett im OAZ Brett versenkt! Ein Lineal später wusste ich, das hier fast 90mm Fokusweg fehlen...

Nachdem Jan bereits lange kopfschüttelnd mein mühsames und langsames Problemlösungsverhalten beobachtet und mich auch schon öfter eingeladen hatte mit dem ganzen Krempel einfach bei ihm vorzufahren, belästigte ich ihn kurzer Hand (kann man nach vier Monaten noch von kurz reden?) und fand einen ganzen Nachmittag und Abend Herberge auf dem Jan'schen Gehöft :D Jetzt war der Praktiker am Werk! Nach telefonischer Rücksprache mit Jörn, der bei der Schwerpunktermittlung den letzten Knoten im Gehirn löste, gab es vier schöne neue Löcher für die Höhenräder und die Stangen wurden von Meister Jan persönlich gekürzt... Bei beiden Aufgaben, hat er mit Zollstock, Augemass und auch einer Portion Mut einfach zwei Werte als richtig angesetzt und drauflosgesäbelt.... Bei der Schwerpunktermittlung spendierte er auch noch das fast 1kg schwere 28mm UWAN um sicher zu gehen, dass da auch solche Kavenzmänner nicht zum Kopfnicker werden.

Der erste Test im Hof - Da war sie: Die ERLÖSUNG! :D Der Fokus sitzt perfekt, ich habe nun sogar beim 14mm Speers noch etwas Luft nach Innen und nach Aussen komme ich ebenfalls mit allen Okularen in den Fokus, Hecklastigkeit gehört der Vergangenheit an, und egal welches Okular: Der Dobson bleibt genauso stehen wie er soll - Endlich konnte ich mich in das Gerät wieder verlieben und nach einem kurzen Firstlight am hellen Junihimmel bekam meine "Hypatia" ihre schon vor Monaten angefertigten Edelstahlplakette auf den Hintern :)

 

Erster Fokustest - Die Höhenräder sind noch nicht versetzt

 

Nach allen bestandenen Tests, durfte dann auch das "Typenschild" Platz nehmen

 

Hypatia in ihrer natürlichen Umgebung ;)
Meinen tiefen Respekt vor allen Selbstbauern, die ausser den kleinen Problemchen mit denen ich zu kämpfen hatte, auch noch RICHTIGE Probleme beim Komplettselbstbau haben :D 



Sehr aufschlussreich und humoristisch auch der Baubericht aus Sicht von Jan, ohne den ich das Teil niemals zufriedenstellend zusammengebastelt bekommen hätte ;) 

Höhe Boden bis Oberkante Spiegelbox: 510 mm
Höhe Oberkante Spiegelbox bis Unterkante Hut: 885 mm
Höhe Unterkante Hut bis Oberkante Hut: 225 mm
Gesamthöhe: 1620 mm

Gewicht Rockerbox + Spiegelbox: 16,2 kg
Gewicht Stangen: 0,9 kg
Gewicht Hut ink. Telrad, OAZ, ÜOku: 2,8 kg
Gesamtgewicht: 19,9 kg