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Sonntag, 10. April 2016

BB Frühjahrstreffen Stumpertenrod 2016

Datum:  8-9. April
Ort: Vogelsberg
Zeit: 22:15 Uhr bis 2:30 Uhr
Grenzgröße: ~ 6m4+ 
Zu meiner.... Schande trifft es nicht, eher Trauer, muss ich gestehen, dass seit meinem letzten Aufenthalt im Vogelsberg vor fast genau einem Jahr meine astronomischen Freuden doch arg gedämpft waren, vielleicht noch mit Ausnahme der Beobachtungen in den Alpen im vergangenen Spätsommer sowie der Mondfinsternis. Aber von den Nächten von denen ich eigentlich "lebe" waren durch die Bank weg alle nicht dazu geeignet die Motivation aufrecht zu halten, der Himmel entweder ein gutes Stück von den Durchschnittswerten entfernt, der Wind so stark dass ernsthafte Einschränkungen die Folge waren... ect.

Diese Nacht beim Frühjahrstreffen der Sternwelt Vogelsberg hat mich aber endlich wieder geerdet, begeistert und tief befriedigt. Kurzentschlossen kam meine Tochter mit, so richtig begeistert war ich zunächst nicht, sollten die Nachtemperaturen doch merklich unter die Frostgrenze fallen, außerdem kamen wir erst sehr spät auf die Straße (nach 20 Uhr). Deshalb konnte ich natürlich nach 22 Uhr auch nicht mehr auf den Platz fahren, dank Jan der mich aber schon am Parkplatz hinter der Sternwarte in Empfang nahm war das nötigste Equipment problemlos an den unteren Rand des Platzes getragen und aufgebaut. Wegen dem mich bereits auf den letzten Kilometern im Auto extrem begeisternden Himmel (und wir reden hier von einem eher unspektakulären Frühlingshimmel!) wollte ich nicht viel Zeit mit Knipsen vertrödeln, weshalb man mir ein einziges, schlechtes und nichtssagendes Foto als Stimmungsbild verzeihen möge - es taugt eigentlich nur als Beweis: Die Sonne schien nicht.


Meine Tochter war noch ein kleines Weilchen wach, schon etwas geschwächt von der vorigen Nacht die sie wohl auch mehr wach als schlafend bei einer Freundin verbrachte ;) Aber immerhin sah sie noch alle Mitglieder des Leo-Triplets bevor sie sich in der Sternwarte mit dem Schlafsack in eine Ecke verkrümelte.

Bei Jan gab es im 16er eine weitere tolle Gruppe in Leo auf die Augen:
NGC3686/3684/3681/3691wobei die leztere etwas abseits steht und auch kleiner respektive schwächer ist. Natürlich trotzdem nicht sehr anspruchsvoll im 16er aber dafür umso schöner anzuschauen. Tatsächlich fand ich sie dann auch auf Anhieb im 8er wieder und auch hier waren alle Gruppenmitglieder mit 14mm zu sehen. Zerknirscht muss ich jetzt auch noch zugeben, dass ich meine letzte Beobachtung vor drei Jahren wieder völlig vergessen hatte ;)

Also bringen mir Galaxien nach wie vor das vertraute Kribbeln, dann ab in den Virgohaufen. Ich muss schon gestehen, dass ich etwas Bammel hatte ob alle Strategien und Handgriffe noch reibungslos funktionieren aber ja - als wäre ich letzten Monat zehn mal draußen gewesen.

Also Peilung auf Messier 100 um mich dann über 99 zu 84 und 86, dem Einstieg in die Makarian Chain. Ich halte kurz inne - natürlich ist die Kette ein tolles Highlight des Virgohaufens, aber schon wieder? Nein, ich schaue mich jetzt mal in die andere Richtung um. Zunächst identifiziere ich neben 84 und 86 auch nocht NGC 4402, 4387, 4388 (die ohnehin sehr hell ist) und sogar IC  3303! Weiter geht es Richtung Süden zu einer zumindest auf der Karte sehenswerten Dreiergruppe: NGC 4440, 4436, 4431. Die Karte erschien mir hier zwar in Sachen Ort völlig eindeutig aber der Abstand der Galaxien erschloß sich mir nicht sofort, so dass ich sie zwar sofort sah aber erst noch trennen wollte wo nichts mehr zu trennen war, die Mitglieder stehen schon ein Stückchen auseinander, das kam auf der Karte nicht ganz rüber. Bei Jan im 16er wurde mir das dann klar. Auch eine wunderschöne Gruppe, die den 8"er nicht überfordert hat.

Zwischendurch mal ein bisschen die Beine vertreten und bei Basti am Nachbarteleskop einen saftigen M51 beobachten, das wird dann auch noch an den anderen Geräten gemacht - die vielen Knoten in den Spiralarmen sprechen eine klare Sprache: Heute wurde was richtig gemacht am Himmel! Ein Blick in Richtung UMi sagt auch, dass wir hier eine echt transparente Nacht haben, der 6,2er springt einen sofort an und mit etwas Geduld komme ich auf gut 6m4 Grenzgröße, im Zenith mag sie sogar darüber gelegen haben. Allein am Horizont ist etwas Dunst. Es ist schon erstaunlich kalt für Aprik, etwa -3° und die volle Winterkleidung ist am Körper und sorgt für das nötige Durchhaltevermögen.

Die Kette in Virgo beobachte ich natürlich trotzdem noch durch bis M88 die bereits in Coma Berenices liegt. Ich verlängere die Kurve noch über NGC 4516 bis M91. Im Sternbild Coma besuche ich dann noch ein altbekanntes und immerwieder überraschendes Pärchen: Nahe Alpha Coma und damit eigentlich nicht zu übersehen liegen zwei Kugelsternhaufen in einem (Übersichts) Gesichtfeld die unterschiedlicher nicht sei können obwohl sie sogar ähnliche Nummern haben.

M53 ist natürlich ein heller, schön aufzulösender Kugelsternhaufen wie man ihn vielfach aus dem Messierkatalog kennt. Am Gesichtsfeldrand des 24mm Okulars sieht man mit NGC 5053 ein wesentlich schwächerer Vertreter. Zwischen 8m33 und 9m8 mögen auf dem Papier keine gigantischen Unterschiede bestehen aber durch die sehr schwache Konzentration des NGC Haufens ist der Kontrast schon sehr auffällig.

Die Sommermilchstraße erhebt sich langsam im Osten über den Horizontdunst, der aber langsam etwas höher kriecht, sehr zufrieden lehnen wir uns auf den Stühlen zurück und lassen die Ruhe auf uns wirken, nur unterbrochen vom Schnarchen der Zusammengebrochen und dem Surren der Unbelehrbaren. Gegen halb drei mache ich es mir dann doch auf meinem Feldbett bequem (und es ist in der Tat bequem!).

Der Morgen kommt früh mit der natürlich nun ausgeschlafenen Tochter die voller Tatendrang um kurz nach Sieben in die noch eisbedeckte Morgenkälte springt. Nach einem wärmenden Kaffee und einfachen Frühstück kommen die weiteren Protagonisten aus ihren Zelten und Autos und neben etwas Fachsimpelei machen wir uns nochmals auf die Socken um ein wenig die wunderschöne Natur der Umgebung zu genießen. Nach dem Mittagessen machen wir uns dann aber ob der Prognosen und der nach Fahrplan aufziehenden Bewölkung auf den Nachhauseweg. Es war kurz, ja - aber selten hat von Anfang bis Ende alles gepasst und einmal mehr war es der Vogelsberg der mir genau das gegeben hat was ich bei diesem Hobby suche: Tiefe Einblicke in einen beeindruckenden Himmel, nette Gleichgesinnte um mich herum und nah an einer wunderschönen Natur zu sein.

Ans Ende stelle ich noch einige Eindrücke des Frühlingstreffens.







Montag, 20. April 2015

BB Frühjahrstreffen Stumpertenrod 2015

Datum:  17-19. April
Ort: Vogelsberg
Zeit: Freitag 20 Uhr bis 2:30 Uhr Samstag 20 Uhr bis 3:45 Uhr
Grenzgröße: Freitag ca. 6m1 - 6m2 Samstag 21.45 m/arcmin²

Lange darauf hingefiebert - nun endlich komme ich mal wieder von meiner Scholle weg und unter potentiell dunkleren Himmel. Jan hat schon viele Tage vorher sein Lager aufgeschlagen. Schon vormittags kann ich mich loseisen und mache mich auf den Weg, im Gepäck das "große Besteck", Grinsen treibt mir mein neues Auto ins Gesicht, dass sich als ideal für solche Astroexkursionen zeigt, mit ausgebauten Sitzen (was ich mir sogar hätte schenken können), könnte ich sogar auf ein Zelt verzichten und mich bequem direkt hineinbetten.



Das Wetter verspricht nach ein paar richtig warmen, schon fast zu warmen Tagen, wieder deutlich abzukühlen aber auch klar zu werden! Bei meiner Ankunft zur Mittagszeit zeigt sich der Himmel schon durchaus schön mit wilden Wolken und einem herben, straffen Wind... schon fast Sturm. Der Zeltaufbau ist entsprechend anstrengend, allein ohne Jans Hilfe hätte ich keine Chance gehabt und das Zelt einen Kilometer weiter auflesen können. Nach dem Aufbau ging es deshalb erstmal in einen Pulli, Jacke und Mütze - alles würde ich die nächsten 48 Stunden nicht mehr ausziehen.


Der Nachmittag wurde sehr entspannt, dem Sturm geschuldet, über weite Strecken im Wohnwagen verbracht. Objektrecherche für die kommende Nacht stand an. Ich beobachtete schon mal mit dem Finger auf der Karte den Kasten des Großen Bären durch und schrieb mir Helligkeiten aus der Liste - auch mit nur 8" sollte hier unter entsprechendem Himmel einiges zu sehen sein. Nach dem Abendessen (lecker Wurst in netter Gesellschaft), steht die Organisation des "Arbeitsplatzes" an und dann... tja das inzwischen schon wieder laaange Warten auf Dunkelheit. Sowohl Venus als auch Jupiter lassen sich aber schon vor Sonnenuntergang am Himmel entdecken.



Doch bevor es richtig los geht, kann ich mich endlich von den glühenden Kohlen in Form von Jans neuem Dobson befreien! Bisher sah ich nur Bilder und nur das direkte Begrabbeln kann hier Abhilfe schaffen. Mein erster Gedanke beim Ansehen: Sehr sehr hübsch aber viel zu filigran und nackig... Oh wie ich mich täuschte :D Die Konstruktion ist wirklich materialminimalistisch, die erste Berührung belehrt mich eines Besseren - eine stocksteife Konstruktion :O !! Die Bewegungen smooth und völlig ruckelfrei, Ausschwingzeit praktisch inexistent! Allein die Az-Achse ist mir zunächst einen Tick zu leichtgängig, interessanter Weise finde ich aber heraus, dass beim Drehen der Druck dann doch zunimmt, geniale Sache. Diese Art von Spiegel sehe ich nun auch zum ersten Mal Live - eine Sandwichkonstruktion, die schon vom Angucken verspricht erheblich kürzere Auskühlzeiten zu ermöglichen. Zunächst etwas verwirrend aber im Nachgang doch als tauglich und sogar wünschenswert empfunden: Die oberhalb des Hutrings angebrachte Spinne, ebenfalls nur auf den ersten Blick filigran und real ultrastabil. Was die optische Leistungsfähigkeit angeht wird mich die Nacht vielfach (!) zu verzücktem Jauchzen bringen - zwar habe ich schon vielfach durch diverse 16"er mitbeobachtet, aber ohne den Besitzern zu nahe zu treten: Das waren über weite Strecken eher Gürkchen...


Ich wende mich nun doch meiner Karte zu. Leider zeigt sich sehr schnell, dass ich nicht wirklich mitgedachte habe. Meine Ziele stehen nahezu exakt im Zenit, der sich leider mit dem GSO nur sehr hakelig bearbeiten lässt. Trotzdem starte ich zumindest mit den ersten Objekten. Auf der Linie Gamma und Beta UMa findet sich auf 1/3 ein Stern um den die ersten Galaxien aufblitzen. NGC 3738 und NGC 3756 liegen nah beieinander. Beide sind mit 11,2 und 11,5m eher hell aber nun keine strahlenden Gestalten, erstere ist eine interessante kleine Zwerggalaxie und die zweite eine Balkenspirale - Details lassen sich mit 8" erwartungsgemäß nicht ausmachen.

Durch den Stand bedingt, verschiebe ich weiteres Eindringen in den Bärenkorpus und schwenke zu M 109, von dort erkunde ich die naheliegenden Gesichtsfelder und sehe  NGC 3953, die mit 10,8m ein prominentes Objekt ist. In die andere Richtung liegte NGC 4102 die nicht weit zurückbleibt was die Helligkeit angeht, im selben Gesichtsfeld schön gelegen findet sich auch noch NGC 4068, diese irreguläre Galaxie ist dann schon ein anderes Kaliber 12,5m ist natürlich tadellos in Reichweite aber sie war schon sehr oberflächenschwach und vor allem nicht sichtbar konzentriert.

Einige Standards wie M 51, 101, 108, 81, 82, 63 seien der Vollständigkeit halber noch erwähnt, vor allem 51 war für 8" Verhältnisse mal wieder prächtig, kein Raten in Sachen Spiralarmen von Nöten! Weggehauen hat sie mich allerdings dann an Jans 16er: Arme wohin man blickt und von Knoten durchzogen. Ganz ehrlich - wir reden hier von Anblicken, die man mit einfachen Kurzzeitbelichtungen durch ein Teleskop schon nicht mehr fotografisch erfassen kann - herrlich. M 101, da war ich dann richtig baff - hell, groß... und doch immer wieder für eine Enttäuschung gut, hier steht und fällt alles mit dem Himmel, dann noch gepaart mit dem Teleskop war es ein Genuss die Spiralarme nachzuvollziehen, Verdickungen und H-II Regionen zu entdecken... jaaa doch, kann was :D

Hernach versuchte ich mich noch an zwei (bereits bekannten) Päärchen in den Jagdhunden. NGC 4485/4490 alias Arp 269, diese wechselwirkenden Galaxien sind mir immer wieder eine Freude, die große und merklich hellere hat einen Gezeitenschweif der im Ansatz sogar schon im 8"er zu sehen ist, in Richtung dieses Schweifs steht der kleine irreguläre Partner. Etwas weiter in Richtung Cor Caroli findet sich die Paarung NGC 4618/4625. Obwohl beide selben Typs sind und tatsächlich auch räumliche Nachbarn sind, ist 4318 sofort unübersehbar, selbst wenn man per Zufall in das Feld stolpern sollte (10,6), während man 4625 doch etwas Ruhe geben muss, dann ist sie aber ebenfalls kein Problem (12,3), sie ist in jedem Fall merklich kleiner (im infraroten übrigens nicht, da zeigen sich sehr schwache Arme).

Ein absolutes Highlight: Das Draco Trio NGC  5985, 5982, 5981... einfach mal WOW! Im 16er zeigen sich aufgereiht drei Galaxien wie sie unterschiedlicher nicht sein können, dabei keine Funzeln (mit 16") und somit schauen sie eigentlich interessanter aus als beispielsweise das Leotriplet. In der kommenden Nacht werde ich sie auch mit 8" suchen... aber dazu später mehr.

Während des Abends lief übrigens die Kamera dezent platziert und schoss eine Serie des Venus Untergangs.


Nach Mitternacht, war es 1 oder 2 Uhr (?) zog der Himmel plötzlich von Norden her zu, der Wind war bis auf einen leichten Zug hin und wieder zum Sonnenuntergang abgeflaut. Zeit für ein kurzes Aufwärmen in der Sternwarte. Hier hatte ich die Möglichkeit die Spindelgalaxie NGC 4240 durch den 20" Cassegrain zu sehen, durchaus beeindruckend! Ganz ehrlich fand ich sie allerdings später im 16"er nicht wirklich schlechter... Der Himmel zog nach einer viertel Stunde auch wieder frei, lustigerweise waren wir während des Aufziehens gerade mit dem Großen bei Messier 82... die überaus präsenten und detaillierten Dunkelwolken verloren etwas an Kontrast und als wir aufblickten mussten wir doch mal lachen: Ein immer noch detaillierter M 82 durch eine geschlossene Wolkendecke :D

Wir waren bereits vom windigen Tag durchgefroren in die Nacht gestartet - Ausrüstung und (laminierte) Karten bereits mit Reif bedeckt, das Anziehen der Maximalausrüstung - eigentlich für Winternächte konzipiert - retteten uns durch die vielen Stunden aber so mollig warm war uns dann doch nicht mehr ;) Umso schlimmer das Aufwärmen! Ich wurde fast augenblicklich RICHTIG müde... Trotzdem bequemten wir uns noch ein Stündchen an die Geräte bevor wir beschlossen uns für die zweite, mutmaßlich bessere Nacht, etwas schonen und in die Betten kriechen wollten.



Samstag... Ich krieche gegen halb acht aus dem Schlafsack. Die Morgenstimmung auf Teleskoptreffen ist immer wieder schön und einzigartig. Meist halte ich es trotz Müdigkeit und spätem Schlaf nie so wirklich lange aus. Es ist immer noch kalt, der Wind hat wieder aufgefrischt. Alles ist ruhig und die tiefe Sonne wärmt das taugeplagte Teleskop. Erstmal alles Nasse in Richtung Sonne drehen, dann fix unter die Dusche hüpfen und Teile der Menschlichkeit wieder herstellen. Eisreste finden sich immer noch auf den Karten, auch diese werden aber schnell trocken. Ich weiss nicht ob es nur MIR so geht, immer wenn ich auf Treffen bin fällt der durchorganisierte und getaktete Alltag ab - manchmal ist das auch verwirrend... Uhrzeit? Egal... Was mach ich wann? Wird sich zeigen :D Mitunter kann die Ziellosigkeit aber auch anstrengend sein - Das Zeitgefühl geht jedenfalls schnell verloren. Ein rudimentäres Frühstück angereichert durch einen sehr wilkommenen Kaffee von Jan (danke!), normal trinke ich gar keinen aber allein die Wärme hilft doch immens. 


Der Tag verfliegt mit anregenden Gesprächen, Seele baumeln lassen und immer mal wieder Windschutz aufsuchen. Des Nachmittags lasse ich die EOS nochmal rattern und die ziehenden Wolken aufnehmen. Mit dabei auch die beiden Sequenzen von Freitag (nach Westen) und Samstag (nach Süden) Nacht.


Frühjahrstreffen Vogelsberg 2015 from Benny Hartmann on Vimeo.

Vor dem Sonnenuntergang unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang zu einem verboten idyllisch gelegenen Teich/Tümpel in Schlagdistanz. Ein Ort, der im Abendlicht eine herrliche ruhige Stimmung verbreitet. Besonders hier wird mir wieder der Unterschied zu heimischen Gefilden bewusst - das ist auch Land - aber hier wird das Plätschern, Rauschen und Zwitschern doch merklich weniger durch die Geräusche von Bundesstraßen und Flugzeugen überlagert! Herrlich...



Nachdem ich meine Ravioli verdrückt hatte und man sich eigentlich wieder der Objektvorbereitung widmen wollte eine sehr freudige Überraschung: Andreas ist angekommen! Das hat mich wirklich gefreut, dass er es möglich gemacht hat, die Nacht mit uns zu verbringen. Einmal mehr stelle ich die Kamera am Rand des Geländes auf und wir erwarten das Ende der Dämmerung.

Nach subjektiver Ewigkeit lohnt es dann auch in den Deepsky vorzudringen. Ich finde endlich auch mit dem 8"er das Draco Trio, natürlich nicht wirklich mit dem Anblick im 16er zu vergleichen und nicht alle sind gleich einfach, falsch: Einfach ist keine aber einige sind eben knackiger. Interessanter Weise ist die Edgeon NGC 6981 mit unter 13m gar nicht mal die schwerste, NGC 5985 ist die hellste mit ca. 11m8 aber nur auf dem Papier, denn NGC 5981 ist konzentrierter.

Zeit für etwas Coma - ich starte bei Beta-Com und sehe relativ unaufgeregt NGC 5032, einfach ist sie nicht, schon allein dadurch, dass Beta im Gesichtsfeld ist wird das ganze ein Geduldsspiel um die richtige Ausrichtung und die richtige Richtung fürs indirekte Sehen. Irgendetwas unterbricht meine Tour und ich will später wieder ansetzen, werde aber nicht mehr dazu kommen. Als ich wieder am Teleskop bin habe ich wieder die Karte von Draco und UMi vor mir liegen und will mich etwas dort treiben lassen. Ein paar Starhopping Übungen bringen mich schnell von Pherkad am Kasten im kleinen Bären zur Galaxie NGC 5832. Eine "Häkchen" Galaxie in 8" - will heißen: Gesucht, gesehen, identifiziert aber ohne, dass sich hier intensives Beobachten in Details niederschlagen würde ;)


Strichspuren in Richtung Süden - so sieht das also ohne Lichtglocke aus!

Ermutigt durch die gute Orientierung auf der Karte gehe ich zurück ins Feld mit Pherkad uns starte eine längere und etwa anstrengende Hangelpartie von Sternmuster zu Sternmuster, über etliche Gesichtsfelder bis ich ankomme - Ja wo denn? Zwei relativ helle Sterne stehen hier, bei einem ein weiterer schwächerer sowie natürlich viele schwächere Feldsterne. Ich schwenke das Teleskop vielfach hin und her, die einzige Chance die Burschen, die sich hier mutmaßlich verstecken aus ihrer Deckung zu locken. Da! Ein kleiner Fleck nahe des "linken" Sterns! Eine mehrfache Wiederholung und ein Wechsel auf 14mm schließt alles andere aus - sie blitze indirekt immer wieder kurz auf, sehr sehr grenzwertig, niemals dauerhaft haltbar, aber da ist etwas. ich habe die Galaxie IC 1110 vor mir, genaue Helligkeiten finde ich nicht aber sie liegt jenseit von 14m, noch innerhalb der Grenzen dessen was 8" unter Himmel oberhalb von 6mag leisten kann aber eben schon nah an der Grenze und auch anstrengend. Jetzt geht es aber erst an die RICHTIGE Herausforderung in diesem Feld, mit den beiden Sternen ein Dreieck bildend schaue ich mit 30mm auf eine leere Fläche. Nicht ganz leer, einige schwache Feldsterne sind schon da. Ich schwenke mit indirektem Sehen lange über das Feld, immer wieder hin und her. Der Himmelshintergrund scheint mir ungleichmässig, keinerlei konzentrierte Aufhellung wie man das von den üblichen Objekten kennt, bei 14mm wird das noch deutlicher, hier der Himmel dunkel, beim Schwenken wird er etwas (!!!!) heller, dann wieder dunkler. Ich bin doch arg überrascht und freudig erregt. Schnell geht es an den 16er um meine Beobachtung zu verifizieren bevor ich dann noch weitere Beobachter hinzuziehe. Die Stelle ist schnell wieder gefunden und auch hier das selbe Spiel mit 24mm und 14mm. IC 1110 ist hier schon bedeutend einfacher, das zweite Objekt nicht wirklich einfacher, aber völlig reproduzierbar, bei 14mm schon gesichtsfeldfüllend ändert sich die Helligkeit des Himmelshintergrundes. Nun ist es Zeit auch Jan und dann Andreas das Feld zu zeigen und erst einmal selber ihre Schlüsse ziehen zu lassen. Am Ende sind wir uns einige: Da ist eine völlig undefinierte aber ortsfeste Helligkeitsvariation. Dabei handelt es sich um UGC 9749 - Den Ursa Minor Dwarf - eine nahe Zwerggalaxie der lokalen Gruppe, ein Thema was bei mir immer mal wieder hochkommt und wohliges Schauern auslöst, ich erinnere mich da noch an IC 10 in Cassiopeia, die ich sogar mit 5" schon sehen konnte. Bei diesen ultralowsurfacebrightness Objekten kommt es denke ich auch nur zweitrangig auf die Öffnung und viel mehr auf die richtige AP gepaart mit optimaler Transparenz an. Es war für mich ganz klar das Highlight des Abends, des Wochenendes und des bisherigen Jahres! 

Ein solcher Knacki, der körperlich spürbare Erschöpfung (gepaart mit tiefer Befriedigung) hinterlässt muss einfach der Höhepunkt einer Nacht bleiben, deshalb geht zwar weder der Himmel flöten noch meine Motivation aber die verbleibenden zwei Stunden bis etwa viertel vor vier verbringe ich ohne Anspruch auf Heldentaten mit entspannten Gesprächen und Blicken meist durch andere Teleskope. Vollgepackt mit wunderschönen Eindrücken und endlich wieder rückhaltlos davon überzeugt, das schönste Hobby der Welt zu haben geht es dann irgendwann in den Schlafsack :)


Paradies im Nirgendwo

Fazit: Was soll ich da noch schreiben.. ich hoffe und denke es kam rüber, dass ich aufs Äusserte glücklich die Heimreise antrat :)) Die kurze Zeit voll ausgefüllt mir Nichtstun und dann wieder gespannter Betriebsamkeit des Nachts - einfach perfekt. Dazu beigetragen haben einmal mehr die Menschen um mich herum. Das fängt direkt mit Jan an, ohne dessen menschliche und sächliche Infrastruktur das ganze bei Weitem nicht so viel Spaß und Entspannung gebracht hätte, dann natürlich die netten Gesprächspartner des Wochenendes, die ich teils schon kannte teils aber auch neu kennenlernte wie Jan (2) oder Günther und last but not least natürlich der Verein selber, der diese immer wieder eindrücklichen Erlebnisse an ihrem Standort möglich macht.

Montag, 2. Juni 2014

BB vom 30./31.05 Stumpertenrod & ITV


Einen Bericht von einem Teleskoptreffen ist immer schwer anzufangen, am besten chronologisch und mit der Prosa, die eben auch dazugehört ;)

Am Freitag rauschte ich nach Kofferraumtetris mit Nils gegen halb drei in Richtung Stumpertenrod. Als wir ankamen entdeckten wir direkt ein paar bekannte Gesichter - wie immer der Hauptgrund zu solchen Treffen zu fahren - Christian, Jonas, Isabell und Bernd waren schon nah beisammen an ihren Zelten und zum Glück war dahinter auch direkt noch genug Platz für unseren kleinen Palast. Der Platz ist wahnsinnig idyllisch und durch seine Anlage schon so beschaffen, dass keine Wünsche offen bleiben was die Infrastruktur angeht, zu den "alten ITV" Zeiten habe ich ihn ja nie erlebt - heute ist er jedenfalls schlicht genial.

Die Gegend ist jetzt auch nicht wirklich die hässlichste Deutschlands... kleiner Scherz! Wenn der Vogelsberg etwas hat dann wunderschöner Landschaften (leider oft durch Unmengen von Windparks verhunzt), trotzdem fand ich am Abend zusammen mit Jonas, Isabel und Nils eine schöne Kuppe in der Nähe wo mir ein kitschiger aber schöner Fernschuss gelang.


Aber zurück zum Zeltaufbau, zum Glück hatte ich das tags zuvor nochmal im Garten meiner Eltern geprobt, auf dem HUTT hatte ich das Innenzelt falschherum aufgehängt, wie auch immer, war zusammen mit Nils kein Akt und in 10 Minuten erledigt. Jetzt ging es aber los... Wie viele Listchen hab ich gemacht? Wieviel Stunden vor der Abfahrt schon das Auto beladen? Und dann?! Das erste was mir auffiel: Ich habe meinen Topf vergessen! Naja nicht so schlimm, man kann den Eintopf auch direkt aus der Dose essen. Dose... Dosenöffner!! Auch vergessen, naja man hat ja ein scharfes Messer dabei, das geht schon, hauptsache man hat einen vollen Magen wen man in den Schlafsack kriecht... SCHLAFSACK!! :D

Also ich hab ja ein löchriges Hirn, aber zum Zelten ohne Schlafsack hab auch ich noch nicht geschafft. Ich hoffte erst einmal, dass mein neues Feldbett genug Abstand zum kalten Boden schafft und mich die Decke über die Nacht rettet, aber dazu später mehr.

Nach dem Aufbau begann der gemütliche Teil, es war wunderschön die Truppe wieder vereint zu sehen. So nach inzwischen doch schon etlichen Jahren ist das immer etwas wie "nach Hause kommen" wenn wir um die Teleskope sitzen :) Das nächste Bild zeigt einen kleinen Vergleich der anwesenden Großferngläser, mein 20x80 Triplet, Christians 10.5x70 Marine und das 20x80 Bresser von Jonas/Isabell (wem gehörts nochmal?). Das Marine ist einfach von der Abbildung nochmals merklich überlegen, da ich nicht ganz so häufig zweiäugig unterwegs bin, bleibe ich aber einstweilen zufrieden mit meinem Glas.


Zum Abendessen gab es den berühmt, berüchtigten Texastopf mit dem "besten Fleisch der Welt" ^^.  Hier musste ich mir schon wieder etwas leihen, danke für den Löffel den ich natürlich auch nicht mit hatte, ohne Jonas und Isabell hätte ich schlürfen müssen. Nun wurde es Zeit auf ein Gerät, auf das ich mich schon besonders gefreut hatte, weil ich ja der Fertigstellung entgegengefiebert habe und dank Christian immer auf dem neuesten Stand war. Sein 270mm Newton stand in Rekordzeit vor mir aufgebaut, ein kleines aber feines Detail ist die schlicht als genial zu bezeichnende Montage des Rigels! Ich verrate das mal nicht, in seinem ATM-Bericht sieht man es auf den letzten Bildern schon wenn auch nicht im Detail - ich hab es so jedenfalls noch nicht gesehen und eigentlich gibt es keinen Grund immer über keinen Platz für den Peiler an dünnen Hüten zu meckern. Mechanisch ist schon noch Verbesserungsbedarf, aber das hat man ja fast immer bei gerade "fertig gewordenen" Selbstbauprojekten, alles ist im Fluss ;) Optisch versägte der Spiegel an diversen Objekten im Laufe der Nacht jedenfalls alles was an vergleichbar großer Optik um ihn herumstand!


Ein weiterer Besucher gesellte sich in "unsere" Ecke, Martin - Oh Mann schon der zweite innerhalb weniger Wochen dem ich eine dicke (!) Entschuldigung schuldig bin, weil seine Mailanfrage zu schnell im Ordner nach unten wanderte :( Und das tut mir besonders leid, einen so netten Mitbeobachter hätte ich also schon seit einigen Neumondphasen neben mir stehen haben können! Also großes Sorry Martin, es hat mich sehr gefreut dich persönlich kennenzulernen. Das gab mir auch die Möglichkeit einen 14" Spacewalk näher anzuschauen, anzufassen und vor allem durchzuschauen. Und mein postiver Eindruck setzt sich einfach weiter fort: Aussen zwar an einigen Stelle etwas "pfui" was die Verarbeitung angeht (nicht was die Passgenauigkeit angeht, lediglich das Finish!) aber große Begeisterung was Stabilität, Bewegung und optische Qualität angeht. Den 14"er durfte ich sogar später nutzen um eine Kometenzeichnung von Pannstarrs den wir gemeinsam beobachteten anzufertigen, wahnsinn was der große Spiegel hier zeigte, wenn der Komet auch in Ferngläsern schon gut zu sehen war und durch das große Feld auch stellenweise noch leichter in seiner Ausdehnung zu erfassen war.


Das Wetter sollte ja in der ersten Nacht noch nicht mehr als ein paar Lücken hergeben und zu Sonnenuntergang (mit einer beeindruckenden Lichtsäule über der Sonne) war der Himmel komplett und nachhaltig verzirrt.


Jetzt brach doch noch die Nacht herein und zumindest die hellsten Sterne sowie Jupiter (tief im Westen), Mars (hoch im Süden) und Saturn (halbhoch im Osten) waren zu sehen. Was jetzt in der weiteren Nacht geschah war wirklich erstaunlich, aus der intransparenten Himmelssuppe schälte sich nach Ende der Dämmerung nach Mitternacht ein unglaublicher Himmel heraus! Und mit unglaublich meine ich nicht einen typischen 6m+ Himmel wie wir ihn in guten Nächten bei uns daheim erreichen sondern wie sich später herausstellte einen Minimum 6m5 Himmel wie ich ihn seit etlichen Jahren nicht mehr gesehen habe (glaube das letzte Mal auf einem ATB). Zu später Stunde erreichte Nils SQM-L reproduzierbar 21,6mag und ein 6m4 Stern war ebenfalls wiederholbar in UMi von mehreren Beobachtern zu sehen, im Zenit galt also 6m5+

Da ich erst die vermeintlich "bessere" Nacht vom Samstag für vorbereitete Touren nutzen wollte (ich könnt mich jetzt noch ärgern) fanden vor allem Standards den Weg ins Auge, aber hey - was solls. Was leider schnell klar wurde: Die Lagerung von Nils Spiegel hat eine doch erstaunlich wahrnehmbare Staubschicht hinterlassen, Christians 10,4" liess den 10er arg stehen und selbst mein 8er brachte vielfach das besser Bild - das sollte aber am nächsten Tag behoben werden. Der Komet Panstarrs C/2012 K1 beschäftigte uns richtig lange. Im 20x80 war er schnell aufgefunden und offenbarte bei lange Beobachtung eine erstaunliche Schweiflänge und eine große Koma. Der Schweif war vor allem deshalb interessant, weil er in einem Teil relativ einfach im zweiten nur noch durch Fieldsweeeping zu verfolgen war. Hier durfte ich dann zum Glück einen längeren Blick durch Martins 14er werfen und so entstand eine Rohzeichnung des Kometen und seiner Bestandteile, die wir dann auch gleich am Okular diskutieren konnten.
Wie so oft ist leider die Zeichnung nicht so 100% akkurat geraten :S Vor allem muss man sich nach etwa 50% Schweiflänge (etwas unterhalb der Höhe der beiden Sterne) einen viiiiiel stärkeren Helligkeitseinbruch vorstellen, hier war direkt nichts mehr zu machen. Bedenkt man ab er das Feld des Okulars war ich überrascht wie groß der beobachtbare Schweif dann doch war.


Weiter Augenöffner war ein knackscharfer M57 in Christians Dobson, wo wir auch nach besonders schwachen Sternchen in unmittelbarer Nähe Ausschau hielten. Eben diese waren dann auch die Grundlage für eine Okularvergleich - ja es nervt langsam, aber alle Kombinationen haben wir eben noch nicht durch ;) Mein altes 7mm Nagler aus Christians Koffer gegen das 6.7mm ES... Durchgeführt haben Nils und ich dann das ganze an meinem 8"er. Ein ständiges Hin- und Herwechseln... wo ist es jetzt besser? Randschärfe, Nebeldarstellung, Einblickverhalten... ich kam auf keinen grünen Zweig, beide leisteten sich hier keine Schnitzer, ich könnte blind in den Sack greifen und hätte so oder so das "richtige" Okular in der Hand. Nils war sich auch nicht sicher einen Unterschied ausmachen zu können, einzig an einem sehr schwachen Stern in der Nähe meinte er eine leichtere Sichtbarkeit im Nagler ausmachen zu können. Ich habe das dann ebenfalls probiert, ich konnte die wechselhafte Sichtbarkeit durchaus bestätigen, meiner Meinung nach aber vor allem durch das Seeing, also in beiden Okus war er mal besser mal schlechter zu sehen, man musste nur lang genug das Seeing arbeiten lassen - Unentschieden.

Nach etlichen weiteren Objekten, wie M51, 13 und ähnlichen machte Nils eine SQM-L Messung, er wiederholte das auch denn 21.6 sind schon ein verdammt guter Wert, ich zumindest kann mich nicht erinnern, selbst in einer Rekordnacht einen solchen Wert an unserem Stammplatz erreicht zu haben. Mit Martins Karkoschka konnten wir dann auch nach ein wenig Einsehen einen 6m4 Stern nahe Polaris ausmachen, mehrfach reproduzierbar von anderen Beobachtern. Zieht man die auf Fotos gut sichtbare Horizontverzirrung mit in die Rechnung, kann man getrost von einem genialen Himmel in Zenitnähe ausgehen - und man sah das den Objekten auch an. Auch auffällig war die bis in tiefste Horizontnähe verfolgbare Milchstraße im Süden und das trotz gut sichtbarer Schleierbewölkung in diesem Bereich. Während wir gerade die Grenzgröße bestimmten raste aus dem Zenit ein fetter Bolide in unsere Blickrichtung, ein vielstimmiger Aufschrei war obligatorisch. Interessant: er war reinweiß, die meisten hellen Brocken die ich bisher sah waren a.) nicht in Zenitnähe und b.) eher grünlich - und vor unseren Augen wurde die Spur "bröckelig" wie ein stottender Motor, wohl Auflösungserscheinungen, allerdings änderte sich da meiner Einschätzung nach nicht die Richtung und es gab auch keine Auffächerung sondern einfach Lücken in der Spur bis er dann verschwand. Die genaue Helligkeit kann ich selbst nicht schätzen, die Landschaft war in jedem Fall erhellt, zwei Besucher die gerade bei uns vorbeikamen sprachen von -7 bis -11m. Wir schätzten ihn eher bei -5 ein, als aber wenig später die fast -4 helle ISS vorbeiflog war klar: Der muss schon MERKLICH heller gewesen sein!


Es war schon direkt nach dem Sonnenuntergang, noch Stunden vor Dämmerungsende feucht, es ist bei mir zwar nichts zugetaut (nur die Okulare mussten mal in die Tasche wandern), aber es war auch recht zugig, sprich kalt - genau weiss ich es nicht, die Temperatur lag glaube etwas unter oder um 5°. Als die ISS durch war und im Osten die Dämmerung langsam sichtbar wurde entschieden wir uns gegen viertel vor drei - auch um sich für die nächste Nacht zu schonen - schafen zu gehen. Brrrr - da hatte ich mich eher nicht drauf gefreut, mangels Schlafsack kroch ich dann mit Mütze, Jacke und Handschuhen unter das dünne Deckchen.

Um viertel vor fünf wachte ich ziemlich bibbernd auf. Nochmal umdrehen - unmöglich :( Also erstmal raus aus der Eishöhle, der Himmel bereits hell auch wenn die Sonne noch nicht aufgegangen war. Wie wärme ich mich jetzt auf? Als erstes wurde mit dem Kocher ein Süppchen warm gemacht, mit der Idee im Hinterkopf sich nochmal ins Auto zu legen hab ich das völlig verantwortungslos auf dem Fahrersitz gemacht... ist aber nix passiert, nach einem schnellen Besuch der Dusche (heisses Wasser!!!) war ich dann doch wieder so weit in Schuss, die Sitze umzuklappen und bei geöffneten Türen ein weiteres  Stündchen zu dösen während die endlich aufgegangene Sonne anfing mich zu wärmen.


Christian war auch schon kurz unterwegs, sonst war alles noch totenstill (sieht man von den 24-Stunden Vögelchen ab, die natürlich ordentlich Gas gaben), also nutzte ich den frühen Morgen schonmal zum Trockenlegen vom Equipment, die Okus waren zwar im Koffer und die Linsen frei aber aussen waren sie doch etwas feucht und so durften sie sich mal alle sonnen ^^


Die Zirren, die am Vorabend noch überall zu sehen waren - einfach weg! Erst nach dem Frühstück bildeten sich wieder die ersten Quellwolken. An dieser Stelle auch von mir noch ein Dank an Bernd für die mobile Ladestation meines Schlaufons ;)


Bevor wir wie geplant in Richtung ITV nach Gedern aufbrachen, machte ich noch eine verhängnisvolle Bekanntschaft mit  einem Herschelkeil an einem 5" LZOS Refraktor... ! Was für unglaubliche Details ! flächendeckende Granulation auf der Sonnenoberfläche, fein aufgelöste Filamente in Umbra und Penumbra und helle, fast weisse gebiete darum (da kenne ich den Fachbegriff leider nicht). Einfach nur wow! Das hat mir noch keine Filtersonne gezeigt, und zwar weder an großen Newtons (Öffnung ist seeingbedingt ohnehin zweitrangig) und an hochwertigen Apos, selbst die fetten 4-5" H-Alpha Kanonen durch die ich am Mittag noch schauen sollte, haben mich derart mitgerissen. Hier bin ich jetzt wirklich etwas aufgewühlt, nach einigen Gesprächen über das Gesehene war der einhellige Tenor: Nein, das liegt wohl nicht zwangsläufig an der hochfarbreinen Optik, denn mit Herschelkeil kann man durch Filter sogar an einem einfachen Achromaten monochromatische und sehr kontrastreiche Bilder warten... Hmmm! Das verliere ich mal nicht aus dem Auge, auch wenns natürlich ein Spezialgebiet ist was ich nicht allzu oft beobachte.

Die Fahrt war doch ein gutes Stück weiter als ich ursprünglich dachte aber es war glaube noch etwas weniger als eine 3/4 Stunde Fahrt. Schon ein bisschen abgekämpft kamen wir zu fünft am Gelände an. Nachdem ich saure 6€ für das Privileg weiteres Geld auf dem Astromarkt ausgeben zu dürfen abgedrückt hatte wanderten wir durch erstaunlich stechende Sonne an Baggerhügeln vorbei in Richtung ITV Bereich und bekamen gerade noch das Ende der Selbstbauprämierung mit. Der Platz war meines (aber nicht nur meines) Empfinden nach merklich leerer als bei meinem letzten Besuch (Händler waren aber massig vertreten), möglicherweise auch dem vielen Regen der letzten Tage geschuldet, jedenfalls war die Stimmung nicht sonderlich ausgelassen, aber seis drum... Von einigen Bekannten die wir unterwegs trafen erfuhren wir auch von dem aggressiven Fuchs, der sich bei Christian (dem ich erfreulicherweise nach einigen Jahren endlich mal wieder über den Weg lief) DURCH das Zelt und IN die Luftmatratze verbissen hat! Huiii, nicht ganz ohne und da jammern die Leute über wilde Wölfe in entlegenen Gegenden Deutschlands die sich praktisch nie blicken lassen :D Neben ein paar netten Blicken durch die aufgereihte H-Alpha Phalanx machte ich geplant einen längeren Stopp am ES Stand um mir endlich mal die Geräte in 10, 12 und 16" in Natura anzuschauen und auch anzufassen. Für den Preis wirklich nicht übel, der 10er war etwas leichtgängig (vielleicht auch nur so aufgebaut für den Stand?), der 12er fast ideal und sanft und der 16er auch sehr tauglich wenn auch durch das schiere Gewicht etwas schwerer zu bewegen. Vor allem beim 10er und 12er konnte ich jetzt auch live die zu großen Schrauben an der FS-Einheit in Augenschein nehmen, beim 16er erschienen sie mir knapp ausserhalb des Strahlengangs... Ein echter Hingucker (auch wenn ich das persönlich als Gag sehe, bzw für Großgeräte in Sternwarten) war das gigantische 3" Okular! Ein unglaublicher Brummer.


Nachdem wir noch zwei, drei Leute getroffen und geplauscht haben, war mir es langsam ernsthaft zu heiss und mein Kopfweh sagte mir: Raus aus der Sonne! Ein kurzer Zwischenstopp wurde noch bei Nils Kloth gemacht, bei dem ich (ebenfalls geplant) eine rote Klemmlampe für den A3 Atlas mitnehmen konnte. Am Auto wars dann auch echt Zeit sich in den Schatten zu verkrümeln, das Gesicht glich dann doch dem des üblichen Mallorca Besuchers aus Großbritannien :D Ich bin dann sogar noch ein paar Minuten im Fahrersitz weggedämmert bevor sich alle unserer Gruppe für die Heimfahrt wieder auf dem Parkplatz einfanden. Fazit zum ITV gibts von mir keins, ich wollte nur kurz drüber und das tat ich ja auch...

Auf dem Heimweg wurden noch die Lebensmittelvorräte aufgefrischt und ab zurück in Richtung Zelt und Grill. Ein ganz wichtiger Bestandteil des Einkaufs bestand aus einem 5 Liter Kanister destilliertem Wasser, das Nils für seinen Spiegel geholt hat. Nachdem er die Spiegelzelle draussen hatte wurde die rituelle Waschung in der Sternwartenküche durchgeführt, er hatte es echt nötig, man beachte man, dass das gespiegelte Hemd eigentlich tiefschwarz sein müsste ;)


Als wir zurückkamen war auch Jörn schon aufgeschlagen und bereits häuslich eingerichtet. Nach 18 Uhr traf dann nachdem wir uns schon in Gedern kurz über den Weg gelaufen sind Jan ein, ohne Zelt aber mit zwei heißersehnten Dingen im Gepäck: Nils bekam Ersatz für seinen vergessenen Telrad, und ich... jaaa einen Schlafsack! Du warst meine Rettung, diese Nacht wurde definitiv NICHT mehr gefroren ^^ Ausser Jan gesellte sich auch noch Matthias zu uns, den ich ja schon von ein oder zwei Beobachtungsnächten her kannte, gemeinsam durften wir dann auch Jonas genialen Grill belagern - du warst wirklich im wahrsten Sinne des Wortes heiß begehrt wenn man bedenkt, dass da sicher Fleisch für zehn Leute drauf landete ;)


Nach dem Essen gab es dann nochmals Zuwachs von Taunusbeobachtern als Armin und Thomas, die ebenfalls auf dem ITV waren zu uns stiessen. Während sich leider der Himmel immer weiter bewölkte gab es also noch genug zu quatschen und zu zeigen, allerdings zogen sich nicht nur die Wolken am Himmel sondern auch die in meinem Kopf langsam dichter :P 



War doch arg wenig Heia, selbst wenn der Himmel noch geworden wäre - was er leider nicht mehr tat - die Nacht hätte eher früh für mich geendet. So war ich dann auch schon recht platt als gegen 1 Uhr die erlösende Aufhebung der "Sitzpflicht" kam :D Auf diese Weise (und in einem warmen Schlafsack) konnte ich mir unglaubliche 8 Stunden Schlaf gönnen, so viel schaffe ich seltenst zu Hause.. 
Da die Nacht erstaunlich trocken blieb und allgemeine Aufbruchsstimmung wohl schon ausbrach bevor ich aus dem Bett kroch, konnte Nils und ich ohne Eile aber zügig das Zelt abbauen ohne es noch trocknen zu müssen und ruckzuck war es zehn und eigentlich schon alles im Auto. Natürlich verabschiedeten wir uns alle noch in aller Ruhe. Die Organisation von Stumpertenrod möchte ich mal ganz ausdrücklich als für meine Ansprüche perfekt loben - extrem unaufdringlich, alles da wo man es erhofft und eine Ausstattung von der man oft nur träumen kann auf vergleichbaren Treffen :) Eine nette Truppe, die ich leider in den kurzen Tagen dort nicht näher kennenlernen konnte, aber ich werde sicher wieder hier her kommen, auch abseits der Treffen.

Zum Schluss - es ist aarg lang geworden, ich merk schon wie meine Haare wachsen - einfach nochmal ein Danke an all die lieben Leute um mich rum, die das Wochenende zu dem gemacht haben was es war :) Bis zum nächsten Mal!



P.S.: Nach ein paar Stunden Schlaf fallen mir sicher noch wichtige Details ein, die ich jetzt kurz vorm Umkippen schlicht vergessen habe ;) 

>>Bericht im ATDS<<