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Montag, 4. Juni 2012

Die Wahl des richtigen Beobachtungsplatzes

Das Teleskop steht bereit, die Nacht verspricht klar zu werden, nur wo stellen wir uns auf um das beste aus der Nacht zu machen?

Gerade am Anfang unterschätzt man die Wahl des Beobachtungsplatzes, da ist zum einen der innere Schweinehund, der uns gerne mal auf dem heimischen Balkon oder dem Garten halten möchte. Warum auch nicht? Der Himmel ist ja überall gleich klar... doch das ist eine Fehleinschätzung und wer einmal von einem "optimalen" Platz aus den Himmel genossen hat, der wird das im Normalfall nicht mehr missen wollen, denn jeder schlechtere Standort macht sich durch einen mitunter drastischen Einbruch in den beobachtbaren Details und der Ausschöpfung des Potentials von Teleskop und Himmel negativ bemerkbar.

Die ersten Jahre habe ich selbst in Ortsrandlage einer Kleinstadt von meine Terrasse aus beobachtet, weil ich es einfach nicht besser wusste - das war passée als ich Anschluss an eine Beobachtergruppe gefunden habe und einen dunklen Himmel kennengelernt habe - ohne diesen Vergleich ist man gewillt auch seinen Garten oder seinen Balkon als tauglich einzustufen. Manchmal mag das auch gehen, wenn man beispielsweise aus Zeitgründen einfach nicht rausfahren kann, aber der Spaß fängt erst ausserhalb der Zivilisation an...



Ein paar Bemerkungen vorab, bedingt durch meine Beobachtungsvorlieben und meinen Standort orientiere ich mich im Folgenden an den Anforderungen bei visuellen Deepsky Beobachtungen und in gewisser Weise zielen die Faktoren der Standortwahl auf eine typische Mittelgebirgsgegend, in der ich nun einmal lebe, ab. An der Küste oder in den Alpen ist daher manches sicher nur bedingt zu realisieren bzw. sinnvoll.

Wovon hängen gute Beobachtungsbedingungen ab?

  • Transparenz des Himmels
  • Dunkelheit des Himmels
  • Seeing
Die Reihenfolge habe ich nicht ganz zufällig gewählt, sondern sie stellt meiner persönlichen Einschätzung nach auch die Wichtigkeit der einzelnen Faktoren dar. Der Grund warum ich das vielbeschworene Seeing ans Ende gestellt habe ist, dass auch wenn das Seeing (die Luftunruhe) wirklich schlecht ist, der Deepsky immer noch genug lohnende Ziele bereit hält, die ohne weiteres auch bei niedrigen Vergrösserungen beobachtet werden können. Da man an geeigneten, dunklen Standorten in der Regel von lokalen Seeingproblemkandiaten wie Schornsteinen und großen bebauten Asphaltflächen (starke Wärmeabgabe in der Nacht!) entfernt ist und meist nur mit dem atmosphärischen Seeing der Luftschichten und eventuell noch dem ganz nahen Seeing im Teleskoptubus zu tun hat, gehe ich darauf nicht weiter ein.

Transparenz

Man kann es vereinfacht mit der Durchsichtigkeit der Atmosphäre gleichsetzen, die Bewölkung ist hierbei nur ein Faktor, natürlich kann eine bewölkte Nacht nicht wirklich Freude machen, doch es gibt sogar Nächte die extrem guten Himmel in Wolkenlücken bieten! Ein weiterer Aspekt der Transparenz ist der Dunst, dies kann zum einen Luftfeuchtigkeit in Form von Nebel sein, aber auch feste Teilchen, also Staub, Pollen und der gleichen. Vor allem über stark bevölkerten Gegenden hängt durch die allgegenwärtige Luftverschmutzung regelmäßig Dunstglocken. Je besser die Transparenz desto lohnender unsere Beobachtungen, jeder Dunstschleier beschert uns natürlich weniger Details weil wir das Objekt wie durch einen Vorhang betrachten.

Dunkelheit des Himmels

Eine Maßeinheit für die Helligkeit von flächigen Deepskyobjekten ist mag/arcsec² . Magnituden pro Quadratbogensekunden. Was wir an Mag(nituden) Angaben in Sternkatalogen und Karten oftmals gezeigt bekommen ist die integrierte Gesamthelligkeit, interessanter ist jedoch die Flächenhelligkeit (surface brightness) die in eben jenen mag/arcsec² angegeben wird. Ein Beispiel: Die Oberflächenhelligkeit des berühmten Ringnebels Messier 57 liegt bei 9,3m jene von der nicht minder bekannten Triangulum Galaxie Messier 33 bei gerade mal 14,2mag (wie sehr da doch die integrierte Helligkeit von üppigen 5,7mag täuschen kann!).


(M33 aufgenommen am 30. August 2009 mit einem 4" f/5 Refraktor)
 
Nun hat auch der Himmelshintergrund eine solche Helligkeit - Je geringer (=dunkler) diese Himmelshelligkeit ist, desto besser der Kontrast zur gleichbleibenden Objekthelligkeit und damit die Sichtbarkeit des Objekts oder ihrer Details.

Seit einigen Jahren gibt es ein Gerät zur Messung dieser Himmelshelligkeit in Form des SQM (-L) Sky Quality Meter . Die Himmelshelligkeit ist in Abhängigkeit der Transparenz und der daran gestreuten bzw. reflektierten Aufhellung durch die künstliche Beleuchtung des Nachthimmels durch unsere Zivilisation, stark schwankend. In Großstädten, hat man teils unter 18m in guten Landhimmellagen zwischen 19,5 und 21,5m und an extrem guten Standorten auch noch merklich darüber! Zwar ist auch dieses Gerät mit Vorsicht zu genießen, weil es nicht alle Faktoren ganz der Realität entsprechend gewichten kann (so kann an Himmel mit schlechter Durchsicht aber keinerlei künstlichen Aufhellung als dunkel ausgegeben werden), aber immerhin bietet es eine vergleichsweise objektive Möglichkeit die Himmelsqualität zu messen.

Himmelsaufhellung 2km von einer Kleinstadt und 15km von einer Großstadt entfernt 



Um nochmal den Effekt zu verdeutlichen was ein dunkler Himmelshintergrund bewirkt hier eine kleine Simulation des visuellen Anblicks von M 42 (Orionnebel) jeweils mit 4" Refraktor bei a.) wirklich schlechten Bedingungen innerhalb einer Großstadt, b.) mauen Verhältnissen wie wir sie in Vorstädten antreffen, c.) unter üblichem Landhimmel und d.) unter merklich besserem Ausnahmehimmel wie er nur an wenigen Standorten innerhalb Deutschlands und auch dort nicht immer anzutreffen ist.

Wie immer sind die simulierten Ansichten mit Vorsicht zu geniessen, der visuelle Anblick lässt sich auch mit Fotos schlecht simulieren, sie geben aber einen guten Eindruck dessen wieder was man unter dem jeweiligen Himmel bei voller Adaption und geschultem Auge erwarten kann.

Großstadthimmel

Vorstadthimmel

Normaler Landhimmel

Extrem guter Landhimmel/Gebirgshimmel

Schon dieser Vergleich dürften jedem klar machen, wie lohnend es ist zum Beobachten von Deepsky Objekten einen dunklen Standort aufzusuchen. Doch wo finde ich die maximale Dunkelheit und Transparenz?

Zum einen ist klar: Jeder Kilometer den wir zwischen uns und große Ballungsgebiete bringen schafft einen besseren Himmel. Und auch wenn wir vieleicht schon etwas abseits von Großstädten leben, können einige wenige Kilometer nochmals viel bewirken, denn auch kleine Ortschaften, die in Nächten mit etwas höherer Luftfeuchtigkeit nachts durch Laternen ect. beleuchtet sind können im Okular sichtbare Qualität beim Beobachten kosten. Ich habe das selbst nicht für möglich gehalten, ich lebe etwa 10km Luftlinie von der nächsten größeren Stadt entfernt und gut 25-35km von der Mitte eines Ballungsgebietes, trotzdem haben bereits zwei Kilometer von diesen Leuchten einen meß- und sichtbaren Effekt, weitere zehn Kilometer bieten dann den Himmel unter dem ich in den allermeisten Nächten beobachte.

Wichtige Faktoren bei der Standortwahl

Wir kennen nun unsere Feinde: Beleuchtung, Dunst und Luftverschmutzung. Schon der gesunde Menschenverstand lässt erkennen, dass wir dem nur aus dem Weg gehen können wenn wir uns von Städten und Ballungszentren möglichst weit entfernen, aber ein guter Beobachtungsplatz braucht noch ein paar andere Dinge:

Höhe:

Die Höhe spielt meiner Erfahrung mit diversen Plätzen nach eine nicht zu unterschätzende Rolle, Luftfeuchtigkeit tritt je nach Ausmaß zuerst in Bodennähe auf, der berüchtigte Bodennebel, das kann man bei uns in feuchten Nächten sehr gut beobachten, während wir die ganze Nacht auf unserem gut 500m hohen Hügel gemütlich beobachten, wabert in den Tallagen der Nebel und auf der Heimfahrt fragt man sich wie man bei der Suppe überhaupt beobachten konnte, die Höhe machts... Wer im Flachland wohnt, der hat meist nicht die Chance in sinniger Entfernung eine größere Erhebung zu finden, aber grundsätzlich sind Gewässergebiete zu meiden, Flüße und Seen sind natürlich Verdunster und generieren gerne Bodennebel.

Südsicht:

Vielfach wird darauf hingewiesen, dass man bei der Wahl des Beobachtungsplatzes auf optimale sprich freie Sicht nach Süden achten soll -  warum eigentlich? 

Beim nächtlichen Lauf des Himmels, kulminieren alle nicht-zirkumpolaren Sternbilder (zirkumpolar = nahe am Polarstern stehend und damit immer über dem Horizont) genau im Süden, das heißt sie erreichen dort ihre maximale Höhe über dem Horizont. Je höher ein Objekt steht, desto weniger wird es von den Aufhellungen und Atmosphäreneinflüssen (Dunst ect.) niedrigen Regionen beeinträchtigt. Das mag bei vielen Sternbildern bzw. deren Objekten nicht so ins Gewicht fallen, wenn wir beispielsweise an den Schwan denken, der ja an seinem höchsten Punkt im Zenit direkt über uns zu sehen ist, jedoch je weiter südlich (in Bezug auf den Himmelsäquator) sich ein Sternbild/Objekt befindet, desto geringer seine Höhe selbst am Kulminationspunkt, als Beispiel sei das Sternbild Skorpion mit seinen Sternhaufen genannte, selbst an seiner höchsten Stellung kommt der Kugelsternhaufen Messier 4 nur auf etwas über 13° Höhe (Beobachtungs Breitengrad ~50°), das ist nur wenig mehr als der Handrücken der ausgestreckten Faust!

Sternbild Skorpion - Erstellt mit Stellarium

Zugänglichkeit:

Es mag sich hier und da nicht vermeiden lassen, aber die Zufahrt zum Beobachtungsplatz ist idealerweise auf legalem Wege zu machen. In den allermeisten Fällen wird man zwar nicht erwischt werden, wenn man mal etwas über einen Feldweg fährt, aber wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, sollte man sich entweder einen Platz suchen, der legal zu erreichen ist oder aber man holt sich eine Genehmigung vom zuständigen Amt oder Grundbesitzer ein um Ärger zu vermeiden. Allgemein ist es oft so, dass Sportplätze von kleinen Orten, die fast immer ausserhalb der geschlossener Ortschaften liegen, über öffentliche Wege zu erreichen sind. Auch sollte man nicht vergessen wie die Straße, die ja wegen ihrer Lage in den allermeisten Fällen im Winter nicht geräumt wird, bei Schnee zu befahren ist. 

Entfernung:

Ein wunder Punkt. Bis wohin macht es noch Sinn einen Platz zu wählen? Lebt man in Mitten eines Ballungsgebietes, muss man zwangsläufig eine längere Anfahrt in Kauf nehmen, wo die persönliche Schmerzgrenze liegt, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Ausser dem Spritverbrauch (und der damit einhergehenden miesen Umweltbilanz ;) ) sollte man vor allem bedenken: Eine richtig schöne Beobachtungsnacht kann auch mal länger dauern, vor allem wenn man in Gesellschaft mit anderen Sternfreunden beobachtet. Die Heimfahrt steht aber immer an, egal wie spät es ist und Übermüdung ist ein schlechter Begleiter auf weiten Fahrstrecken! Ich habe es selbst schon des Öfteren erlebt - mein Stammbeobachtungsplatz ist glücklicherweise in etwa 20min zu erreichen, das ist schon fast Luxus, allerdings gibt es in gut 80 Kilometer Entfernung einen Standort, der einen fast unschlagbaren Tophimmel bietet (bieten kann... auch nicht immer). Schon allein die weite Anfahrt "zwingt" einen fast dazu, länger zu bleiben, damit es sich egal wie der Himmel nun auch sein mag, gelohnt hat. Da kann nach etlichen Beobachtungsstunden die lange Heimfahrt schon zum echten Risiko werden - solche Fahrten lieber nur an "besonderen" Tagen mit genug Backup-Schlaf ;)

Gerade wenn man Anschluss an eine lokale Beobachtergruppe findet, lässt es sich aber auch gut einrichten, dass man Fahrgemeinschaften bildet, unerlässlich für die meist immobilen jungen Beobachter.

Reich strukturierte Milchstrasse - ein Indiz für einen guten Standort


Störlicht:

Auch weit Draußen, abseits großer Städte kann man Pech haben und die einzigen zwei Laternen im Umkreis von 10km leuchten einen frech an, das gilt es natürlich zu verhindern (Stichwort Adaption!). Neben der direkten Beleuchtung durch Häuser oder Laternen sollte man auch darauf achten, dass der vorbeifahrende Verkehr nicht dauernd blendet, auch wenn dieser Nachts meist etwas spärlicher ist, kann das schnell nerven wenn man plötzlich von einem Auto in der Kurve seiner Adaption beraubt wird.

Fazit:

Die Masse an Anforderungen an den "optimalen" Platz macht es nicht gerade einfach seinen Platz zu finden, hier und da wird man zwangsläufig Abstriche machen müssen - Es bleibt aber Fakt: Ein dunkler Beobachtungsstandort ist durch nichts zu ersetzen! Auch nicht wie vielfach fälschlich angenommen wird durch ein größeres Teleskop, was man unter sehr gutem Landhimmel mit einem 6" Gerät sehen kann, das kann auch ein 12"er nicht an den Großstadthimmel zaubern. Mitunter werden Schmalband- oder Linienfilter als Lösung angeboten um den Kontrast von ganz bestimmten Objekten auch unter Lichtverschmutzung anzuheben, glaubt mir: Sie sind gut und wichtig aber unter dunklem Himmel brennen diese Objekte erst richtig. Gerade Galaxien mit ihren vielfältigen interessanten Formen sind vor jeder Filternutzung gefeit und brauchen einfach einen möglichst dunklen Himmel.  

Mein Tipp: Sucht Anschluss an bereits bestehende lokale Beobachtergruppen. Zur eigenen Recherche sind die ersten Anlaufstellen Lichtverschmutzungskarten:

An die Karten darf man sich natürlich auch nicht Pixel bzw Kilometergenau halten, hier kann die Realität durchaus abweichen, es bleibt am Ende also nichts anderes übrig als sich bei der Suche nach dem geeigneten Beobachtungsplatz selber auf den Weg zu machen und geeignete Plätze zu erkunden - Es lohnt sich in jedem Fall!




© Benny Hartmann - kommerzielle Nutzung der Fotos/Grafiken ist ausdrücklich untersagt, private Nutzung nach Rücksprache

Freitag, 30. Dezember 2011

Neue und alte Gedanken zum visuellen Einstieg


Im Gegensatz zu vielen Artikeln auf meiner Seite, in denen ich meist im Ungefähren bleibe um eine möglichst breite Masse an Einsteigern anzusprechen und Informationen zu vermitteln, möchte ich mit diesen Zeilen einmal wesentlich konkreter auf eine vermeintlich optimale Möglichkeit eingehen, wie man sein (neu? Wieder?) gewonnenes Interesse an der praktischen Astronomie mit dem Teleskop, starten kann. Ich setze an dieser Stelle einfach mal voraus, dass der geneigte Leser sich bereits etwas schlau gemacht hat was den Aufbau und die Unterschiede von Teleskopen und ihren Kennzahlen angeht – falls nicht und der ein oder andere Fachbegriff oder eine Aussage Staunen oder Ratlosigkeit hervorruft, einfach nochmal einen Abend oder zwei Zeit nehmen und die anderen Einsteigerartikel durchlesen ;)

Bevor es losgeht einige Grundannahmen die ich unterstelle um überhaupt so konkret werden zu können:

  • Starke Interessengewichtung auf rein visuelle Deepskybeobachtung, also galaktische und planetarische Nebel, Sternhaufen (offen wie auch Kugelsternhaufen) und natürlich Galaxien
  • Wille und Möglichkeit einen möglichst dunklen Himmel aufzusuchen, sei es durch einen guten Standort zu Hause im eigenen Garten oder eine kleine Autofahrt von sagen wir mal 15-30min.
  • Ein Einstiegsbudget von Minimum 300€ mit Wille und Möglichkeit im Laufe von etlichen Monaten bis wenige Jahre, nochmal den selben Betrag für den Ausbau der Ausrüstung einzuplanen.
  • Ein beschränktes Budget – Denn wer sich darüber keine Sorgen machen muss, der kann ja entweder gleich das beste nehmen oder nach Trial-and-Error alles mal antesten ;)

Warum diese Annahmen? Ganz einfach, um was die Ausrüstung angeht so ins Detail gehen zu können ohne auf deutsch Murks anzupreisen, die zu einem anderen Anforderungsprofil einfach nicht passen würde! Wer von vorneherein auf Fotografie aus ist, den innerstädtischen Balkon nicht verlassen kann oder will, der muss zwangsläufig andere Kompromisse eingehen und damit auch ein gänzlich anderes Equipment anschaffen. Hier geht es nun aber um eben diese Grundvoraussetzungen, die nicht rein zufällig mit meinem eigenen Werdegang übereinstimmen – worüber könnte ich sonst praxisnäher berichten...

Wichtig ist, trotz aller Konkretisierung, diese Gedanken keinesfalls als „einzig wahren Weg“ oder gar ehernes Gesetz zu halten, dafür sind die subjektiven Vorlieben und Wahrnehmungen einfach zu verschieden, nicht nur im Zweifel sondern in jedem Fall, sollte man jede sich bietende Möglichkeit wahrnehmen um Teleskope, Okulare und sonstiges Equipment im persönlichen Erleben, sei es auf einem oder mehreren Teleskoptreffen oder auch durch Kontaktaufnahme mit lokalen Beobachtern (die es wirklich, glaubt es mir einfach, überall gibt!) auszuprobieren und kennenzulernen.

Der erste Scheideweg der sich bei unseren Betrachtungen in den Weg stellt ist die Frage: Neukauf oder Gebrauchtkauf – einzig die Geduld und der Geldbeutel sind hier die ausschlaggebenden Faktoren. In den nun schon einigen Jahren in denen ich Teleskope jedweder Art gekauft und wieder verkauft habe, waren es im überwiegenden Teil der Fälle gebrauchte Teleskope und Okulare, die ich mir angeschafft habe, das lag einfach an meinem Budget und auch an den immer wieder guten Erfahrungen mit Gebrauchtkäufen bei anderen Sternfreunden. Natürlich waren viele persönlich bekannte dabei, aber auch über Internetforen bin ich bisher noch nie „reingefallen“, wichtig ist vorher nur abzuklären ob die optischen Komponenten einwandfrei sind, da muss man dann das Wagnis eingehen und dem Wort und den vorab zu übersendeten Fotos der Teile vertrauen. Bei insgesamt mehr als ein Dutzend Teleskopen und noch mehr Okularen hatte ich bisher nie das Gefühl ich wäre nicht korrekt über den (durchweg guten) Zustand des Ausrüstungsteils aufgeklärt worden. Wer das Glück hat sich keine größeren Sorgen um den preislichen Abstand zwischen Gebraucht- und Neugeräten zu machen, oder aber nicht den „Mut“ hat ohne Garantie zu kaufen, der kauft sich das Gewünschte eben neu bei einem Händler seiner Wahl (siehe Linkliste). Zu diesem Punkt kann man abschließend sagen, dass wenn man den Gebrauchtmarkt eine Weile beobachtet und die marktüblichen Preise kennenlernt und auch dementsprechend nicht ausufernd mehr für sein Gebrauchtteil bezahlt, dass man prinzipiell alles auch wieder ohne Verlust los wird wenn ein Upgrade ansteht.

Welches Gerät darf es denn nun sein?

Wir erinnern uns nochmal kurz unseres Anforderungsprofils: Deepsky, visuell, transportabel und nicht zu teuer. Man kann es drehen und wenden wie man will, oder die vielfachen Empfehlungen als einseitig abtun: Der 8" f/6 Dobson ist einfach das Teleskop in diesem Bereich mit dem unschlagbar besten Preis/Leistungsverhältnis. 200 mm Öffnung stossen im Bereich Deepsky eine naturgegebene Grenztür auf, ab der eine Unmenge an Objekten erste Details erkennen lassen und insgesamt bereits so viele Objekte prinzipiell beobachtbar werden lassen, dass es für ein ganzes Beobachterleben reichen könnte. Darüber hinaus habe ich nicht nur für mich entschieden, sondern es auch für Dutzende Einsteiger, die wir bei unseren Beobachtungsnächten mitgenommen haben, immer wieder bestätigt gesehen, dass die einfache Dobson Montierung für ~95% derjenigen die sie in die Hand nehmen die intuitivste und am einfachsten zu handhabendste Montierung ist, die es gibt. Dazu kommt natürlich der Fakt, dass eine andere (parallaktische) Montierung auf unser Budget- und Anforderungsprofil einfach nicht mehr zutrifft, das ganze wird bedeutend teurer ohne einen echten Mehrwert zu bringen.

Warum nicht 6“? Warum nicht 10“ oder 12“?

Ein 6“er ist ein tolles Gerät, unbenommen zeigt es ebenfalls erstaunlich viel, an vielen sehr hellen Objekten mag der Einsteiger nicht einmal auf den ersten Blick einen großen Unterschied zu einem 8“er sehen. Es gibt nur mehrere Dinge zu bedenken. Zum ersten gibt es 6“ Geräte in unserem Preisbereich nur in drei gängigen Brennweiten: 150/750 (f/5) und 150/1200 (f/8) sowie noch vergleichsweise neu in 900mm (f/6). Der 150/900 ist zwar vom Grundgedanken her ideal, vereinigt er doch ein gemäßigtes aber nicht zu langsames Öffnungsverhältnis mit einer erschwinglichen und leicht transportablen Öffnung, ich kann sogar ohne Scheu sagen: Das Gerät wurde erst auf vielfachen Wunsch und Anregung von einigen Sternfreunden denen genau diese Nische fehlte entwickelt! Leider wurden bei der Umsetzung einige entscheidende Fehler seitens des Herstellers begangen:
  • Das Teleskop ist als OTA (also ohne jedwede Montierung oder gar der gewünschten Dobsonmontierung (Rockerbox)) mit fast 250€ schon etwas teuer geraten
  • Die Auslegung von Fangspiegel und OAZ sind stark auf die Fotografie ausgerichtet!
  • Bedingt dadurch bringt es ab Werk im visuellen Bereich nicht ganz die Leistung die es eigentlich bringen könnte und sollte.

Das Problem des 6“ f/5 (also mit 750mm Brennweite) ist zum einen der Fakt, dass ein Teleskop mit dem Öffnungsverhältnis von f/5 bereits wesentlich teurere Okulare bedingt um eine optimale Abbildung zu erhalten, dazu auch merklich anfälliger für Dejustage ist, was gerade den noch ungeübten Einsteiger einen relativ hohen Prozentsatz an Abbildungsleistung kosten kann. Zu guter Letzt ist der Einblick selbst wenn es ein 150/750 Teleskop in Dobsonbauweise gäbe, zu niedrig am Boden. In Sachen Einblick liegt der f/8 6 Zöller mit dem 8" f/6 Dobson natürlich gleichauf, ebenso ist er entspannter zu justieren und stellt keine großen Anforderungen an die Okulare, jedoch ist er im Bereich Deepsky durch sein langsames Öffnungsverhältnis etwas gehandicapt, zeigt er doch gerade bei schwachen grossflächigeren Objekten einfach nicht mehr das hellste Bild bei gängigen Okulare/Vergrösserungskombinationen.
Bleiben noch die 10 und 12 zölligen Varianten, beide sind gebraucht schon vergleichsweise günstig zu erwerben, wenn auch etwas teurer als unser 8“ f/6, sie zeigen unbestreitbar mehr (wobei der Unterschied zu 10“ bereits einige Erfahrung voraussetzt um den sicher wahrzunehmen), gerade der 12“er verzeiht aber in Sachen Okulare und Dejustage noch weniger als der 6“er mit gleichem Öffnungsverhältnis, dazu ist das Gewicht und der Transport dann schon sportlich zu sehen – was nicht heißen soll, dass diese Teleskope nicht ihren Preis und ihr Gewicht wert sind ;) Doch bleiben wir bei unseren Grundannahmen, dann bietet uns der 8“ f/6 Dobson vor allem eine ausreichende Öffnung für detaillierte Deepskybeobachtungen sowie ein gemäßigtes Öffnungsverhältnis, dass weder extrem dejustageanfällig ist noch allzu teure Okulare erfordert (was nicht heißen soll, dass sehr gute Okulare nicht dankbar in den OAZ gesteckt werden dürfen um hervorragende Bilder zu zeigen!)

Und welche Marke jetzt?

Die Wahl der Marke ist in meinen Augen eine der untergeordnetsten Entscheidungen überhaupt – Wir reden hier durch die Bank weg von günstigen Einsteigergeräten aus Fernost, ob unter dem Namen GSO, Galaxy (baugleich) oder Skywatcher, hier mag man höchstens noch aus geopolitischen Gründen entscheiden ob das Gerät aus China oder Taiwan kommen soll ;) Jeder Typ hat seine kleinen Eigenheiten, Schwächen aber auch Stärken und sie halten sich eigentlich durchweg die Waage, so dass man keinen echten Fehler begehen kann wenn man sich in der Frage des Herstellers treiben lässt. Gerade beim Gebrauchtkauf kann einem dieses Wissen mehr Möglichkeiten eröffnen. Um es einmal gesagt zu haben: Ich habe/hatte einen GSO und war immer zufrieden damit, wie die anderen Marken auch, gibt es einiges was mit mit wenig Aufwand und Geschick verbessern kann, andere Sternfreunde haben das ebenso erfolgreich mit anderen Herstellern getan.


Was brauche ich noch?

Kein Teleskop funktioniert ohne Okulare, das dürfte jedem Leser an dieser Stelle bereits klar sein. Bei einem Neukauf ist meist nur ein oder auch mal zwei einfache Okulare in 25 oder 20 sowie 10mm Brennweite dabei. Das ist schon einmal was um sich auf das Gerät einzustimmen, aber es reicht leider bei Weitem nicht um auch nur annähernd die Leistung des Teleskops auszuschöpfen und alle gewünschten Objekte optimal zu beobachten. Die Staffelung von Okularen/Brennweiten/Austrittspupillen (Verständnisschwierigkeiten? Schaut noch mal in die jeweiligen Einstiegsartikel) ist ein Thema für sich und mitunter auch von den eigenen Vorlieben abhängig, es hat sich aber herauskristallisiert, dass ein Minimum von vier Brennweiten bewährt hat um zumindest einmal die wichtigsten Vergrößerungen zu erreichen um eine Vielzahl von Objekten in verschiedenen Detailstufen beobachten zu können.

  • Die Übersichts- bzw. Aufsuchvergrößerung: Ob es nun 30, 31, 32 oder 33mm sein sollen/müssen hängt vom Himmel und den eigenen Vorlieben ab, bei f/6 halte ich 32mm für einen guten Wert. Diese Brennweite bietet auch gleich das größte Stolperfallenpotential, denn wirklich gute Okulare in diesem Bereich sind rar gesät und – man verzeihe mir den Ausdruck – schweineteuer!
  • Die „Zwischenvergrösserung“ - 20-25mm ist meist mitgeliefert, kann durchaus bei vielen Objekten schon Details herausarbeiten ohne die Bildhelligkeit drastisch zu reduzieren, würde ich aber zur Aufrüstung mit besseren Okularen relativ weit ans Ende stellen – deshalb hier auch nicht Teil der vier wichtigsten Vergrößerungen.
  • Die Detailvergrösserung: 13-15mm - Hier haben wir eine „magische“ Vergrößerung/Austrittspupillenkombination, viele auch schwächere Objekte zeigen hier richtig viele Details (immer einige nötige Übung im teleskopischen Sehen vorausgesetzt, das dauert einfach etwas!). Auf kaum eine Vergrößerung könnte ich weniger verzichten. Hier sind brauchbare Okulare bereits erschwinglich und auch die wirklich guten kosten kein Monatsgehalt.
  • Die „Auflösungs“vergrößerung: 9-11mm – Ist das Objekt hell genug und/oder bereits relativ klein (planetarische Nebel, Kugelsternhaufen, aber auch Planeten) ist diese Brennweite Pflicht um wichtige, ja elementare Details herauszuarbeiten, viele der helleren Kugelsternhaufen werden hier bereits sehr ordentlich in Einzelsterne aufgelöst.
  • Die „Hoch“vergößerung 5-6mm – Viele Details in Deepskyobjekten verlangen nach solchen Vergrößerungen um Details im Kernbereich darzustellen, natürlich wird das Bild ingesamt hier je nach Objekt schon recht düster und dejustiert sollte das Teleskop auch nicht sein, aber wer nur oberhalb dieser Brennweite arbeitet, wird definitiv einiges verpassen.

Konkret heißt das für unseren 8“ f/6:

  • 35x – 40x
  • 80x – 90x
  • 110x – 130x
  • 200x – 240x

Unterstellen wir an dieser Stelle weiterhin unser nach wie vor beschränktes Budget scheiden die hoch- aber auch die mittelpreisigen Okulare zwischen 100 und 300€ das Stück leider aus, jedoch lohnt es sich im Laufe seines „Astrolebens“ durchaus auch für einen 8“ f/6 auf solche Okulare hinzuarbeiten (Sparwutz lässt grüssen). Also schauen wir uns im unteren Preissegment um, was wir hier für Alternativen finden.

Wie schon angeklungen ist das im Bereich über 30mm schwer oder leicht, je nach dem wie man es betrachtet, in jedem Fall wird es das teuerste unserer beispielhaften Okulare werden, denn 2“ Steckmaß sind hier auf jeden Fall angebracht! Es lohnt hier kaum wesentlich mehr auszugeben als die günstigsten kosten, denn bis sich ein wirklich merklicher Unterschied in der Abbildungsqualität abzeichnet vergehen hunderte Euro...
Hier gibt es eine manchmal etwas verwirrende Menge an Okularen, die sich preislich alle zwischen 70 und 120 Euro bewegen, von den Gesichtsfeldern zwischen 65 und 70°. Viele sind mit dem Zusatz WA für Wideangle versehen. Gebrauchtpreise bewegen sich hier zwischen 40 und 80 Euro. Die Qual der Wahl umgeht man am besten in dem man auf den eingangs erwähnten Treffen oder persönlichen Kontakten zu gut ausgerüsteten Sternfreunden, dies und jenes Okular einfach mal live an- und vor allem durchschaut. Bei Neukauf kann eine freundliche Mail an den Händler seines Vertrauens auch die Möglichkeit ergeben, mehrere solcher Okulare zur Ansicht zu bekommen um dann den persönlichen Favoriten zu behalten – hier sollte aber gerade bei jemandem der noch nie ein Teleskop besessen hat, ein Sternfreund mit Erfahrung hinzugezogen werden.

Für die restlichen drei Okulare könnte man sich für den Einstieg ruhig auf drei Okulare identischer Bauart festlegen. Ich werfe nun einmal Markennamen in den Raum, die alle ähnlicher Machart sind: TSWA, Hyperion, William Optic SWAN, Omegon, Orion Expanse... sie alle sind ähnlich gestrickt wobei es durchaus merkliche Unterschiede vor allem in der Fertigungsqualität gibt, die sich auch im Preis niederschlagen – sie alle sind keine schlechten Okulare für einen 200/1200 – ein Gebrauchtkauf wird gerade bei den etwas besseren dieser Aufzählung dem Neukauf vorzuziehen sein, schon allein wegen der mitunter saftigen Preise. Doch gibt es bei den drei unteren Brennweiten noch eine sehr interessante Alternative: Die so genannten Planetary Okulare – es gibt sie inzwischen auch von verschiedenen Herstellern mit den bereits angesprochenen unterschiedlichen Fertigungsqualitäten und Preisen, jedoch sind sie alle etwas günstiger als die leicht weitwinkligen (65-70°) Verwandten, bringen es aber immer noch auf praxistaugliche 60° Gesichtsfeld. Mit 50-80€ sind auch die Neupreise erschwinglich, gebraucht kann man hier aber durchaus nochmal sparen! Dazu sollte man nie die Möglichkeit eines Messebesuchs außer Acht lassen, auch wenn die Anfahrt zu den großen Astrobörsen mitunter recht lang ist: Ein neues Planetary Okular für 30 Euro das Stück könnte das lohnend erscheinen lassen ;) Das scheinbare Gesichtsfeld ist natürlich eine kleine Einbuße, jedoch hat sich mir und Mitbeobachtern gezeigt, dass diese Okulare trotz ihres geringen Preises eine sehr erstaunliche Schärfe und Transmission haben, die den teureren Weitwinklern überlegen ist. Für mich wären sie (hätte ich nicht im Laufe der Jahre aufgerüstet) nach wie vor das Einstiegsokular schlechthin, mit dem man ohne weiteres auf lange Zeit gut leben kann. Ein spezielles Okular will ich noch erwähnen, zwar liegt es preislich etwas über den Einzelokularen, jedoch handelt es sich um ein Zoomokular der Firma Astrozoom mit durchweg gleichbleibender Abbildungsleistung (was bei Zoomokularen nicht selbsverständlich ist!). Auf Basis eines 7mm Planetaryokulars wird durch einen Zoommechanismus die Brennweite auf den Bereich von 6,9 bis 3,5mm gestreckt – ohne Einbußen der Abbildungsqualität. Dadurch erübrigt sich auf lange Sicht (ich nutze es heute noch, auch an größerem und schnelleren Gerät) alles was unter 10mm Brennweite liegt.

Aber Okulare sind ja nicht alles oder?

Das wichtigste hätten wir nun beisammen aber eines noch fehlt uns für den guten Start ins Beobachterleben. Ein Sucher und gutes Kartenwerk. Vielfach hat sich gezeigt und in der Praxis bewiesen, dass Peilsucher den optischen Suchern durchaus überlegen sind, vor allem dem Einsteiger will das oftmals nicht nur seitenverkehrte sondern auch gleich auf dem Kopf stehende Bild eines optischen/vergrößernden Suchers, nicht recht einleuchten bei der Such nach einem Objekt. Besser sind dafür Peilsucher, die kein Bild des Himmels vergrößern sondern beim Durchblicken lediglich einen Punkt oder Zielkreise an den Himmel projizieren. Gar optimale möchte ich die Kombination aus dem etwas teureren Telrad (mit drei Suchkreisen) und dem Deep Sky Reiseatlas nennen, in diesem sind nämlich eben jene Kreise für jedes Objekt eingezeichnet was das Aufsuchen zu echtem Spaß werden lässt. Wer aber richtig schottisch denken muss, der greift stattdessen zu einem einfachereren Peilsucher wie dem Baader Skysurfer III , der zwar nur einen Punkt an den Himmel projiziert, dafür aber statt 50 nur 30€ kostet... an Stelle des gekauften Kartenwerks können prinzipiell auch gedruckte Karten aus kostenlosen Planetariumsprogrammen (z.B. Cartes du Ciel) dienen oder aber fertige ausgedruckte Karten wie der bekannte TriAtlas, der in verschiedenen Detaillierungen kostenlos zum Download angeboten wird.
Worum niemand, der das Hobby dauerhaft und ernsthaft betreiben will herum kommen wird, ist die Justage am Newtonteleskop – von vielen zu Unrecht gefürchtet, gerade ein f/6 Teleskop lässt sich nach einigen Übungen in weniger als einer Minute fertig für die schönsten Himmelserlebnisse machen. Auch wenn nicht alle Grundjustageschritte (siehe mein Artikel zur Newtonjustage) mit einem Laser vollzogen werden können, würde ich doch nicht auf den Justierlaser verzichten wollen – beim Laser kann Geiz an der falschen Stelle den ganzen Kauf überflüssig machen, zwar gibt es Laser neu schon ab 40€ aber für nur 10€ extra gibt es mechanisch hervorragende Laser von Horst Becker (www.drehen-und-mehr.de) oder Albert Göbel (www.katrin-goebel.de). (Leider hat Göbel die Laserproduktion eingestellt)

Last but not least fehlt es uns noch an einer kleinen aber durchaus beachtenswerten Investition, die so mancher der den Unterschied noch nicht kennt belächeln mag: Eine Rolle (oder auch zwei) schwarze Veloursklebefolie von DC-Fix oder Alkor, gibt es in fast jedem Baumarkt für um die 10€ und bringt sauber in den Tubus verklebt, die nötige Streulichtunterdrückung ins Teleskop. Der Unterschied mit/ohne diese einfache „Tuningmaßnahme“ ist mitunter erstaunlich aber natürlich auch mit vom Standort abhängig, ich würde sie, da es keinen großen finanziellen oder handwerklichen Aufwand bedeutet, jedem wärmstens ans Herz legen! Viele gebrauchte Teleskope wird man bereits mit dieser durchgeführten Tuningmaßnahme angeboten finden.

Alsdann steht nur noch etwas freie Zeit und vor allem ein klarer Himmel zwischen uns und einer wunderschönen Nacht unter den Sternen. Diese solide Grundaustattung kann man (und wird man) natürlich im Laufe der Zeit erweitern und verbessern wollen, hier noch ein schönes Stühlchen zum Beobachten, eine rote Taschenlampe (ob gekauft oder mit Nagellack selbst hergestellt) werden sich bald dazu gesellen und alles weitere ergibt sich einfach, am besten natürlich wenn man das ganze nicht gänzlich auf eigene Faust macht, sondern für Fachsimpeleien, warmen Tee und zusätzliche Motivation noch einen Sternfreund aus der Region findet.

Lass mal schnell rechnen, was da nun am Ende rauskommt!

Gebraucht:
Dobson ca. 200€
Okulare ca. 50€ + ca. 100€ für den Satz Planetarys
Peilsucher: 20-40€
Laser ca. 40€
Kleinkram wie Veloursfolie, Taschenlampe, Stuhl, wasauchimmer... 30€

Summe: 450€ - das muss auch alles nicht auf einen Schlag erworben werden sondern im ersten halben Jahr nach und nach erlegt werden.

Neu:
Dobson: ca. 300€
Okulare ca. 230€
Peilsucher: 30-50€
Laser: 50€
Kleinkram – siehe oben

Summe: 650€ - und hier gilt natürlich das selbe wie beim Gebrauchtkauf – peu a peu ist durchaus möglich...

Fazit: Auch wenn wir uns hier von den oftmals gelesenen „200-300€“ schon etwas entfernt haben, ist das noch erschwinglich, auch für den geschundenen kleinen Geldbeutel, vor allem wenn man bedenkt, dass die Rechnung nicht auf einen Schlag fällig wird! Und im Gegensatz zu so ziemlich jedem „Billigeinsteigerpaket“ haben wir mit dieser Kombination ein Gerät, dass wenn das Astrofieber erhalten bleibt (und die Chancen sind mit diesem Gerät weitaus höher als mit anderen Angeboten!), nicht nur einen mehr als soliden Einstieg ermöglicht sondern durchaus das Potential auf lange Sicht – für mach einen sogar endgültig – den Himmel zu erkunden und trotzdem immer wieder neues zu entdecken und mit steigender Erfahrung wahre Wunder des Deepsky zu bewundern.

Donnerstag, 15. November 2007

Alle Jahre wieder - Das Teleskop unterm Weihnachtsbaum

Insbesondere in der Zeit vor Weihnachten häufen sich in den einschlägigen Astronomie-Foren die Anfragen zu diversen Einsteigerteleskopen, sei es um einem latent astronomieinteressierten Freund oder Verwandten ein Geschenk zu machen oder selber einen Wunschzettel zu schreiben, die Weihnachtszeit ist die Hochzeit des Teleskopverkaufs. Obwohl praktisch die selben Teleskope das ganze Jahr über zu kaufen sind scheint die (Vor)Weihnachtszeit das Interesse noch stärker zu wecken. Jeder dieser Anfrager hat schon mal eine Sache goldrichtig gemacht, nämlich sich in einem Forum anzumelden und erfahrenere Sternfreunde um Rat zu fragen, der überwiegende Grossteil macht dies sicher nicht und vieleicht erreiche ich mit diesem kleinen Artikel wiederum einige dieser Leute. Wenn in diesem Artikel Fachbegriffe fallen, die ich nicht im Text erkläre, dann kann man sie über das Menü links im Astrolexikon nachlesen (falls nicht, wäre ich über eine e-mail dankbar).

(aus aktuellem Anlass erscheint es mir sicherer keine Markennamen zu nennen, privat per e-mail können wir uns sehr gerne darüber austauschen)____________________ und wie sie alle heissen mögen, diese Geräte scheinen zunächst mal viele Interessierte anzuziehen, dies hat auch seinen Grund: Der Preis und die überschwengliche Bewerbung dieser Instrumente. Ich werde im Nachfolgenden auf keine Marke im Speziellen eingehen, aber auf Anfrage bei mir via e-mail gebe ich auch gerne Tipps zu speziellen Angeboten.  Nach Markennamen sollte man kein Teleskop kaufen (zumindest nicht im unteren Preissegment) wobei aber ein Grossteil der oben genannten Marken keinen guten Ruf haben und das nicht zu Unrecht. Doch beginnen wir mit der Bewerbung und was sie wirklich aussagt.

Das "700mm Teleskop"

Oft wird mit solchen Angaben geworben, hier wird aber nur die Brennweite des Teleskops angegeben, eine äusserst sinnlose Art ein Teleskop zu beschreiben, denn es sagt praktisch nichts über die Leistungsfähigkeit aus, denn Brennweiten zwischen 300 und 1500mm sind in sämtlichen Preissegmenten vorhanden - von 15€ bis 15.000€ ;-) 
Wer sich nur minimal mit der Materie auskennt wird bei einer solchen Aussage vieleicht denken die Öffnung (also der Spiegel oder Linsendurchmesser) würde 700mm betragen das wäre dann ein 28" Gerät. das in Deutschland nur sehr selten, und wenn dann nur als Selbstbau, anzutreffen ist, weil dafür bereits eine gehobene Mittelklasselimousine gekauft werden könnte. Wir sehen also die Brennweite ist zwar eine nicht unwichtige Kennzahl eines Teleskops aber keinesfalls ein Qualitätskriterium. Ein anderer Trick ist die übliche Bezeichnung Öffnung/Brennweite (also z.b. 114/900) einfach umzudrehen, auch hier sollte man stutzig werden.

2.250.000 Sterne sichtbar?

Einige Hersteller bewerben ihr Teleskop mit  der theoretisch sichtbaren Menge an Sternen, eine Praktik die sich mir immer noch nicht erschliesst, dieser Wert hängt nämlich in nicht unerheblichen Masse von der (natürlich nicht beeinflussbaren) Himmelsqualität am Beobachtungsstandort ab! So liegen zwischen einem aufgehellten Stadthimmel und einem sehr dunklen Land- oder gar Alpenhimmel drei oder sogar vier Grössenklassen die sich auf die Sichtbarkeit von Sternen und anderen Objekten am Himmel immens auswirken! Berechenbar ist zwar der so genannte Grössenklassengewinn der dann aber mit den tatsächlichen Gegebenheiten am Himmel zusammengebracht werden muss. Auch hier müssen wir also feststellen: Kein Qualitätskriterium.
Teleskop - 600x Vergrösserung
Die Vergrösserung, das wohl beliebteste Werbeargument, vermittelt eine hohe Vergrösserung doch das Gefühl besonders "weit" schauen zu können, ein Qualitätsmerkmal? Nein, im Gegenteil, wer mit Vergrösserungen wirbt hat entweder keinerlei Ahnung davon was er verkauft oder er geht natürlich bewusst davon aus, dass es als besonders hochwertig angesehen wird. Doch die Vergrösserung eines Teleskops ist eine rein physikalische Grösse die keinerlei Aussage über Qualität oder Abbildung macht, praktisch jedes Teleskop kann man mit Vergrösserungen bis sagen wir mal 1000x betreiben. Wie das? Die Vergrösserung berechnet sich durch die Formel Teleskopbrennweite/Okularbrennweite. ein 76/700 Teleskop bringt mit einem 10mm Okular also 70x Vergrösserung. Durch den Einsatz einer sogenannten Barlowlinse die die Teleskopbrennweite künstlich um den Faktor 2, 3 oder gar 4 verlängert lässt sich jede beliebige Vergrösserung erreichen. Beispiel: 76/700 Teleskop + 2x Barlowlinse + 4mm Okular = (700x2)/4 -> 1400/4 = 350x Vergrösserung. Doch was bringt uns das? Rein gar nichts. Denn zum einen sind sehr viele Objekte die wir am Himmel beobachten können bei Weitem nicht so klein wie man sich das oft vorstellt (die Andromedagalaxie beispielsweise ist nicht weniger als sechs (6!) Vollmonddurchmesser gross) und zum Zweiten beschränkt das theoretische Aulösungsvermögen eine Teleskops die maximale sinnvolle Vergrösserung. Bei sehr guten Geräten nimmt man als Faustformel die doppelte Öffnung als Grundlage, bei durchschnittlichen Geräten (von denen sprechen wir hier im Einsteigerbereich) maximal das anderthalbfache der Öffnung. In unsererm Beispiel mit dem 76/700 Teleskop wäre also die maximale sinnvolle Vergrösserung bei 114x erreicht. also etwa mit einem 6mm Okular. Was passiert wenn wir darüber vergrössern? Das Bild zeigt keine weiteren Details sondern wird im Gegenteil immer "matschiger" so dass weniger zu sehen ist als bei kleineren Vergrösserungen. Des Weiteren sind ausser den Planeten unseres Sonnensystems die meisten Objekte die wir beobachten relativ dunkel, je weiter wir vergrössern, desto dunkler erscheint uns das Bild im Okular, die so genannte Austrittspupille wird immer kleiner (Der Begriff Austrittspupille kurz AP wird z.B. hier erklärt). Also können wir die angepriesene Vergrösserung eines Teleskops ruhigen Gewissens als Qualitätsmerkmal ad acta legen.
 
Hochleistungsokulare, Profiteleskope und andere Superlativen

Jedermann sollte misstrauisch werden wenn ihm solche Phrasen bei einem Teleskop zwischen 20 und 200€ begegnen, niemandem würde einfallen bei einem billigen Kleinstwagen die Bewerbung als Oberklasselimousine ernst zu nehmen, bei Teleskopen liegt das mangels Erfahrung mit der Materie meist anders. Die vermeintlichen Hochleistungsokulare oder wie sie auch immer genannt werden sind in sehr vielen Fällen so genannte Huygens Okulare oft auch zu erkennen an dem Buchstaben "H" vor der Brennweite (z.B. H-20). Dieses Okulardesign ist sehr einfach und meist von minderer Qualität, nur soviel: Benannt ist dieses hochaktuelle Hochleistungsokular nach seinem Erfinder Christiaan Huygens der im Jahre 1695 starb ;) Der Vollständigkeit halber: Es gibt auch ausgesprochen gute Exemplare dieses Typs diese sind aber praktisch nicht mehr erhältlich und mit Sicherheit nicht in Verbindung mit einem Massenprodukt. Was ist bitte ein Profiteleskop? Ein Teleskop mit dem professionelle Berufsastronomen arbeiten? Eher nicht, die kosten schon einige Millionen. Ein Teleskop für den semi-professionellen Amateurbereich? Auch hier reden wir von Teleskopen die zumindest einige Tausend Euro kosten. Auch hier gilt: Finger weg wer mit solchen Aussagen wirbt.
150/1400 - 114/1000 - 76/700 - 60/700 - Aldi - Lidl - ebay - Händler - Was denn nun?
Die Zahlen in der Überschrift geben ja wie wir bereits eingangs gelernt haben die Öfnnung und die Brennweite an, welches ist nun das richige? Diese Frage kann man pauschal einfach nicht beantworten, wenn es um einen gelungenen Einstieg geht auf jeden Fall keins der genannten - warum? Beginnen wir mal mit den "dickeren" Geräten, also mit Öffnungen von meist 114mm (4,5") oder gar 150mm (6"). Diese Grössen sind in der Tat gut für den Einstieg mit nicht allzu grossem Budget geeignet, doch nicht in den Brennweiten die oben angegeben sind. Wirft man einen genauen Blick auf die abgebildeten Teleskope sollte man bei einer Sache stutzig werden: Die angegebene Brennweite kann unmöglich mit der ungefähren Baulänge übereinstimmen, denn obwohl 1,40 Meter Brennweite (1400mm) angegeben sind, sehen die Geräte kurz und dick aus. Die Lösung des vermeintlichen Rätsels liegt in der Bauweise dieser Teleskope, der Spiegel hat im Prinzip nur die Brennweite der kürzeren Baulänge aber durch eine Linse im Strahlengang (meist im Okularauszug) wird die Brennweite künstlich verlängert. Das wird aus zwei Gründen gemacht: Ist das Teleskop kurz, kann man es auf eine leichtere (und billigere) Montierung setzen, die ein Teleskop mit einem grossen Hebel nicht sicher tragen würde (aber meist sind die mitgelieferten Montierungen auch mit den kurzen Teleskopen bereits überlastet). Der zweite Grund ist der, dass man die Brennweite verlängert wird weil der Spiegel nur ein so genanter sphärischer Spiegel oder auch Kugelspiegel ist, diese Spiegel sind leichter und billiger zu schleifen haben aber eine schlechte Abbildung wenn das Öffnungsverhältnis (Öffnungsverhältnis = Brennweite/Öffnung - z.b. 700/76 = 9,2 -> f/9,2 - siehe Artikel 'optische Theorie') zu "schnell" ist, also z.B. f/4 oder f/5. Bei "langsameren" Öffnungsverhältnissen wie f/8 oder f/10 fällt dieses Problem nicht mehr weiter auf, deshalb wird durch dir künstliche Verlängerung der Brennweite ein langsameres (man sagt auch kleineres) Öffnungsverhältnis erreicht. Das Ergebnis ist jedoch qualitativ nicht das gleiche wie bei einem Spiegel ohne Korrektorlinse der bereits auf diese tatsächliche Brennweite geschliffen wurde. Um das Unglück komplett zu machen ist die (ab und an nötige) Justage eines solchen Teleskops eine wirklich harte Nuss und für einen Einsteiger nicht zu schaffen - Also FInger weg von solchen so genannten katadioptrischen Teleskopen in diesem Preissegment.

Das unter Dutzenden Marken und Namen angebotene 76/700 Spiegelteleskop gibt es unter anderem jedes Jahr beim Kaffeeröster Tchibo (als Marke TCM), was ihm seinen Spitznamen "Tchibotorpedo" oder einfach nur "Tchibo"  eingebracht hat. Ich konnte das originale TCM Teleskop in der aktuellen Ausführung des letzten Jahres (2006) ausführlich testen, insbesondere auch gegen den Mitbewerber das beliebte "Lidl" Teleskop (Bresser Skylux) 70/700, das mit ähnlichen Rahmendaten allerdings als Linsenteleskop daherkommt. Optisch kann man hier wohl sogar Glück haben (eine Qualitätsstreuung ist auf dem Teleskopmarkt fast immer vorhanden, zumindest in den unteren bis mittleren Preisklassen) und ein durchaus brauchbares Exemplar erwischen das von seiner optischen Leistung her dem 70/700 Linsenteleskop ebenbürtig ist. Das Instrument krankt jedoch an einem anderen Problem, die azimuthale (also einfach nach oben und unten sowie im Kreis schwenkbar) Montierung auf der das Teleskop sitzt ist wackelig und hakelig, Beobachtungsspass mag da nicht recht aufkommen, wenn das Bild im Okular beim fokusieren (scharfstellen) so stark wackelt, dass sich das Bild erst beruhigt wenn das Objekt (z.B. ein Planet) schon wieder aus dem Gesichtsfeld herausgewandert ist, ein sich durch die Erddrehung bewegendes Himmelsobjekt kann somit nur sehr schlecht nachgeführt werden. Bleiben wir kurz beim erwähnten "Lidl" Skylux 70/700, im Preisbereich bis etwa 150€ ist es eigentlich das einzige dass man ruhigen Gewissens empfehlen kann, um die Weihnachtszeit herum wird es für unverschämt günstige 69€ beim Discounter Lidl angeboten (den Rest des Jahres ist es auch erhältlich kostet dann aber meist über 100€). Das Besondere bei diesem Teleskop ist, dass eine parallaktische Montierung mitgeliefert wird, die im Vergleich zu den allermeisten anderen Angeboten in dieser Preisregion tatsächlich das Teleskop halbwegs stabil trägt. Zwar darf man auch bei diesem Teleskop weder von Mechanik noch von der Optik Wunder erwarten aber wenn es partout ein Teleskop des günstigsten Segments sein soll, dann ist das Lidlscope kokurrenzlos.

Und was ist mit den kleineren? Auch Linsenteleskope mit Daten wie 60/700, 60/900 oder gar 50/600 (u.ä.) werden häufig sehr günstig insbesondere bei ebay aber auch zum Beispiel bei Aldi angeboten. Diese Teleskope sind meines Erachtens einfach zu klein um einen schönen Einstieg zu bieten, zwar haben vor 20 oder 30 Jahren viele Amateur Astronomen mit Geräten dieser Öffnungsgrösse angefangen (anfangen müssen) aber heutzutage gibt es doch Alternativen um sich gleich etwas mehr zu gönnen. Wir erinnern uns, sowohl das Auflösungsvermögen (Details) als auch die Lichtsammelleistung eines Teleskops wird über die Öffnung definiert, 50 oder 60mm sind damit eher Grössen für Ferngläser (z.B. 10x50) mit niedrigeren Vergrösserungen. Dazu kommt, dass auch diese meist auf wackeligen Montierungen verkauft werden. Worauf man grundsätzlich achten muss ist, dass der Durchmesser (Steckmass) des Okularauszugs eines Teleskops 1,25" (31.7mm) beträgt, nur so kann man gegebenenfalls andere, bessere Okulare zukaufen und nutzen. Früher waren 1" Okularauszüge Standard, heute ist das aber ein Kriterium ein Teleskop nicht zu kaufen, gibt es doch fast kein brauchbares Zubehör mehr, bei den genannten kleineren Linsenteleskopen trifft man solche 1" Okularauszüge sehr häufig an. 

Als Fazit bleibt nur zu sagen: Es ist nicht alles Gold was glänzt und wer ohne Frust und mit ordentlichem Potential in die Astronomie reinschnuppern will braucht nicht unbedingt viel Geld ausgeben aber Fehlkäufe kann man auch vermeiden. Das beste ist in jedem Fall eine Sternwarte in der Nähe zu suchen, die gerne Neulinge beraten oder sich über eines der Internetforen (siehe meine Links) eine Beoabachtungsgruppe oder auch Einzelbeobachter in der Nähe zu suchen die einem die verschiedenen Geräte live vor Ort zeigen und vor allem auch durchschauen lassen können. Auch würde ich persönlich vom Kauf bei ebay abraten, zwar gibt es zwischen den Hunderten Standardangeboten auch immer mal wieder sehr gute Geräte sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene aber für jemanden der sich dem Hobby zum ersten Mal nähert ist das kaum rauszufinden (nicht einmal über den Preis, ich habe unlängst von einem 76/700 Teleskop gehört, dass durch etwas elektronische Spielerei auf stattliche 300€ kam - zum Vergleich: Für die identische Optik, gebraucht aber erst einige Monate alt und originalverpackt habe ich inkl. Versand keine 10€ bezahlt). Ein Fachhändler (siehe meine Links) ist klar die bessere Alternative, vorsicht auch hier hat fast jeder Händler Teleskope wie die besprochenen im Angebot, aber nun sind wir ja etwas aufgeklärter ;-) Im Übrigen: Viele suchen einen Händler mit Geschäft bei sich in der Nähe, das ist in vielen Fällen nicht zu machen und bevor man zum (meist auch schlecht informierten) Optiker oder ähnlichen geht, lohnt es sich in jedem Fall bei einem oder mehreren der grossen Händler anzufragen, das Versenden klappt eigentlich immer hervorragend und durch die Bestellung übers Internet hat man den rechtlichen Vorteil des unbedingten 14-tägigen Rücktrittsrechts.

Mittwoch, 1. August 2007

Die Top 12 Einsteigerfragen

Die Top 12 Einsteigerfragen - Rund um den Einstieg in die praktische Astronomie
Wann immer man in den einschlägigen Fachforen in den Einsteigerbereich schaut, findet man einige immer wiederkehrende Fragen, einige davon möchte ich aufgreifen und versuchen zu beantworten, gibt es doch eine viel höhere Zahl an Interessierten, die den Weg über ein Forum vieleicht scheuen.


1. Welches Teleskop soll ich mir kaufen?

Die wahrscheinlich brennenste und auch am häufigsten gestellte Frage überhaupt. Leider auch eine Frage die keinesfalls allgemeingültig beantwortet werden kann, zu viele Faktoren spielen hier eine Rolle um eine befriedigende Wahl treffen zu können. Da wäre zunächst einmal das liebe Geld das eine Rolle beim Kauf spielt, immerhin reden wir hier von einer Preisspanne die bei Neugeräten bei etwa 50€ beginnt und nach oben praktisch keine Grenze kennt, es gibt fertige Teleskoplösungen im Amateurbereich (wenn man das noch so nennen will) die weit jenseits der 100.000€ Grenze liegen. Doch auch dann stehen einem noch viele Hürden bei der Teleskopwahl bevor: Wie schwer darf das Teleskop sein? Was will ich primär damit beobachten, eher Mond und Planeten oder auch Nebel und Galaxien? Passt es in mein Auto? Wie teuer werden die weiteren Anschaffung wie z.B. die passende Montierung oder die benötigten Okulare sein? Komme ich mit dieser oder jener Art der Montierung überhaupt zurecht? Soll das Gerät flugreisetauglich sein? Ist das Teleskop auch für Kinder geeignet?  Und, und, und... 

Einige dieser Fragestellungen schliessen sich dann auch noch grundsätzlich aus, denn man muss sich darüber im Klaren sein, dass es das eine Teleskop das alles kann einfach nicht gibt, zu unterschiedlich sind die Anforderungen. Grundsätzlich sollte es nicht zu klein und nicht zu groß sein, denn im einen Extrem sieht man möglicherweise nicht genug um gerade am Anfang bei der Stange zu bleiben, im anderen Fall ist einem Aufbau und Transport nach kurzer Zeit zu beschwerlich und es fängt irgendwann an in der Ecke zu verstauben. Eine alte Weisheit sagt:"Das beste Teleskop ist das, welches am häufigsten benutzt wird." Und das muss nun nicht zwangsläufig das teuerste oder größte sein...

Gibt es nun einen Königsweg das für sich passende Teleskop zu finden? Ja, den gibt es, zunächst gilt es sich mit der Materie vertraut zu machen am besten auf Internetseiten von Hobbyastronomen (siehe auch meine Linkliste), ist man sich nun über oben genannte Fragestellungen einigermaßen klar, dann kann man ruhig den Schritt in ein Internetforum wagen um dort andere Meinungen einzuholen, aber egal wie dort die Diskussion verläuft, auch dieser Schritt bringt den Suchenden nur ein Stück näher ans Ziel, um Enttäuschungen und Fehlkäufe zu vermeiden gibt es meines Erachtens nur einen Weg: Das Instrument muss vor dem Kauf live erlebt und ausprobiert werden. Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht glauben mag, in Deutschland wird nahezu flächendeckend nachts in den Himmel geschaut und Kontakte zu Sternfreunden sind übers Internet meist schnell aufgebaut, die allermeisten sind auch froh wenn sie einem Unerfahrenen ihre Geräte vorführen und Fragen beantworten können, also nur keine Scheu. Auch Vereine in der näheren Umgebung können hier Anlaufstelle sein. Erst wenn man selbst einmal durchs Okular geschaut hat und Hand angelegt hat kann man sich orientieren ob einem die Leistung und Bedienung zusagt.

Ein Gerät, dass einem in den Foren immer wieder begegnen wird es der 8" f/6 Dobson, ein Newton mit 20cm Öffnung und 1200mm Brennweite - man kann also schon von einem großen Teleskop sprechen, das ganze aber nicht wie bei einem üblichen Teleskop wie man es als Unbedarfter kennt auf einem Stativ mit Montierung sondern eingehängt in eine Holzkiste die man drehen kann. Warum wird's so oft empfohlen und taugt es was? Es gibt effektiv kein Teleskop mit einem besseren Preis/Leistungsverhältnis 300€ für 8" sind sehr günstig und was man mit einer solchen Öffnung sieht ist fantastisch und kann für ein ganzes Leben reichen, sowohl an den Planeten aber vor allem auch im Bereich der Nebel und Galaxien. Die Bedienung sollte man vor dem Kauf live testen, nicht jeder kommt damit klar, wobei es ausserordentlich inutitiv zu bedienen ist und die meisten nach wenigen Abenden sehr gut damit klar kommen. Was nicht damit geht: Fotografieren ist nicht möglich - eine automatische Nachführung gibt es erstmal nicht, das ist eigentlich nur im Selbstbau einer sg. EQ Plattform möglich. Eine Alternative die derzeit (April 2009) kurz vor der Markteinführung steht ist ein 6" f/6 150/900 Newton von GSO. Lange haben Sternfreunde die Händler und Hersteller gedrängt so ein Gerät auf den Markt zu bringen, vereint es doch einige Vorteile: Im Gegensatz zu einem 8" f/6 ist es soch ein gutes Stück kleiner und leichter zu transportieren - einige schrecken doch vor dem "großen" 8"er zurück - dadurch ist es auch relativ problemlos parallaktisch zu montieren - das wird beim 8" f/6 zwar auch immer als spätere Alternative angegeben man muss sich aber bewusst sein, dass dann ca. 1000€ an Montierungskosten ins Haus stehen. Auf der anderen Seite ist er gutmütiger (Justage, Anforderung an Okulare) und eher ein Allrounder als der schon vielfach angebotene 150/750 6" f/5.
Was gibt es also noch zu beachten? Ausser den beschriebenen Schritten empfehle ich noch den Artikel "Einsteigerteleskop? Diese lieber nicht" zu lesen, hier gehe ich auf einige Geräte ein, die von Anfang an aus den Möglichkeiten herausfallen sollten, auch wenn immer wieder nach ihnen gefragt wird.
Weiterführende Artikel:


2. Was kann ich mit meinem Teleskop sehen?

Was man mit einem Teleskop sehen kann hängt von einigen Faktoren ab, an erster Stelle sei hier die Öffnung zu nennen, also den Durchmesser der Linse oder des Spiegels. Die Öffnung bestimmt zunächst einmal die Lichtmenge die gesammelt werden kann, was insbesondere bei der Vielzahl von so genannten Deepskyobjekten (Nebeln, Galaxien ect.) wichtig ist, in kleineren Teleskopen erscheinen diese dann sehr viel schwächer oder sind gar überhaupt nicht zu sehen. Des Weiteren bestimmt die Öffnung auch das Auflösungsvermögen, je größer also die Öffnung ist, desto feinere Details können wahrgenommen werden. Dies alles unterliegt dann aber auch der Qualität des Spiegels bzw. der Linse, eine erstklassige Optik kann mehr zeigen als eine grottenschlechte, selbst wenn diese etwas (!) größer ist, häufig wird allerdings auch die Qualität zu sehr in den Vordergrund gestellt, so kann ein erstklassiger 3" Refraktor bei aller Exzellenz nicht annähernd so viel zeigen wie ein durchschnittlicher 8" Spiegel, aber im Rahmen seiner Öffnung zeigt das hochwertige Gerät entscheidend mehr als ein einfaches Modell.
Was kann man nun sehen? Nun die wichtigste Erkentniss die man haben sollte ist die, dass egal welches Instrument man kauft, man wird niemals auch nur annähernd das sehen können wie es auf Astrofotos zu sehen ist, weder Farbe (es gibt einige wenige Ausnahmen) noch die Helligkeit von Objekten kann erreicht werden, weil das menschliche Auge im Gegensatz zu einer Kamera immer nur einen Sekundenbruchteil "belichtet". Trotzdem gibt es Objekte die im Teleskop schöner aussehen können und detailreicher sein können als auf Fotos, weil diese möglicherweise durch lange Belichtungszeiten überstrahlt wurden. Zur Orientierung was man mit welchem Teleskop sehen kann sollten Astrozeichnungen dienen (wie ich auch einige wenige in meiner Galerie habe) , in meinen Links sind einige Seiten von Zeichnern aufgeführt. Nur so kann man zumindest eine Ahnung davon bekommen, was mit unterschiedlichen Teleskopen wahrgenommen werden kann.

3. Soll ich mir ein Linsen- oder ein Spiegelteleskop kaufen?

Für viele ist dies schon fast eine Glaubensfrage und stellt man sie in einem Astronomieforum kann man sich fast sicher sein, dass innerhalb von zwei Stunden eine hitzige Diskussion darum entbrennen wird.
Ursprünglich hatte ich hier einige gängie "Fakten" aufgezählt die jedoch einer intensiven Betrachtung nicht standhalten können, somit bleibt es weiterhin eine Frage der persönlichen Vorliebe, des Anwendungsgebietes und des Geldbeutels ;)

Tatsache ist: Ein Refraktor über 5" ist problematisch - sehr sehr teuer (farbrein also ED oder Vollapo sollte er schon sein von daher vier bis fünfstelliger Eurobetrag), sehr schwer, benötigt eine teure Montierung und zeigt am Ende doch das was seine Öffnung an Auflösungsvermögen physikalisch möglich macht. Unter 5" ist ein Refraktor klar die beste Wahl, im Rahmen der Öffnung zeigt ein Refraktor dann das maximal mögliche (sofern er von guter Qualität und farbrein ist), ist transportabel und meist noch erschwinglich - Newtonteleskop unter 6" sind praktisch nie mit einem Parabolspiegel ausgestattet, diese bilden aber wesentlich besser ab. Über 6" steigen die Newtonpreise im Vergleich zu den Refraktoren nur sehr moderat an und sie sind leichter und kürzer als Refraktoren gleicher Öffnung. Im Gegensatz zu Refraktoren müssen Newtons justiert werden - eine Aufgabe die nach etwas Üben innerhalb von 60s von statten geht.

4. Ich finde/sehe nichts mit meinem Teleskop, warum?

Das Problem dass Einsteiger (auch mich) am häufigsten entnervt ist, dass sie partout nichts finden wollen am Nachthimmel. Vor allem braucht man Geduld, Übung und Erfahrung. Wie finden wir denn nun ein Objekt am Himmel. Planeten verraten sich schnell durch ihre Helligkeit, Nebel und Galaxien hingegen sind meist mit dem bloßen Auge nicht zu sehen wie gehen wir also vor. Zunächst halte ich persönlich es für wichtig mit den wichtigsten Sternbilder vertraut zu machen und sich eine gute Sternkarte zuzulegen, das kann z.B. der auch von mir gerne empfohlene "Atlas für Himmelsbeobachter" von Erich Karkoschka sein, die Bibel der Hobbyastronomen, 250 Objekte sind hier verzeichnet. Ein Planetariumsprogramm mit dem man den Anblick am Himmel simulieren und ausdrucken kann leistet auch hilfreiche Dienste. All diese Punkte habe ich in meinen Artikeln "Wie finde ich Objekte am Himmel?" und "Sternbilder - Orientierung am Himmel" zusammengefasst und verweise zu dieser Frage auf die beiden...

5. Ich möchte ein Teleskop mit Goto, brauche ich das?

Der Wunsch nach einem Goto-Teleskop wird gerne durch die Werbung geweckt, denn damit könne man in Sekundenschnelle alle Objekte zielsicher finden, das ist auch zum Teil richtig. Richtig ist aber auch, dass man die meisten Gototeleskope nicht ohne ein Minimum an Orientierung ausrichten kann. Spielend leicht kann man nach der Einrichtung jedes gewünschte Objekt anfahren lassen und sieht es im Idealfall auch zentriert im Okular. Wo ist jetzt der Hasenfuss an der Geschichte. Nun zum ersten ist es nunmal so, dass man die besten Beobachtungen unter dunklem Himmel machen kann, der liegt erfahrungsgemäß weder auf der Terrasse noch im heimischen Garten, deshalb muss das Teleskop auf ein dunkles Feld transportiert werden, da Gototeleskope aber nur mit Strom funktionieren muss man eine geeignete Stromversorgung mitschleppen die dann auch möglichst die ganze Nacht halten sollte. Nächstes Problem, insbesondere im Einsteigerbereich, die Optiken der Gototeleskope der unteren Preiskategorie sind einfach zu klein, so wird alljährlich ein 70mm Refraktörchen mit Goto verkauft, nun die Objekte mag es ja genau positionieren aber ob der kleinen Öffnung gibts es fast nichts zu sehen. In der Preisklasse der typischen Einsteigerteleskope fliesst in diesem Fall einfach viel zu viel des Kaufpreises in die elektronische Spielerei und zu wenig in die Optik und die Mechanik. Goto hat seine Berechtigung, aber für einen Einsteiger halte ich es für eine überflüssige und zudem teure Spielerei, den Sternhimmel kennenlernen und dann von Hand anzupeilen bringt ihm wesentlich mehr Erfahrung, ich kenne Hobbyastronomen die 20 Jahre lang mit Gototeleskopen beobachtet haben und dann feststellen, dass sie ohne Stromanschluss selbst gängige Objekte nicht auffinden können. Vieleicht mag man sich nach vielen Jahren mal eine Gotomontierung kaufen um sich den Luxus (große Gototeleskope gehen schnell in die Tausende) zu gönnen mal eben schnell ein paar Objekte in schneller Abfolge anzufahren, aber meiner Meinung nach bleibt dabei ein Großteil des Beobachtungsspasses auf der Strecke...

6. Brauche ich eine automatische Nachführung?

Hat man sich für ein Teleskop auf parallaktischer Montierung entschieden, dann stellt sich auch die Frage nach einer motorisierten Nachführung, entweder direkt beim Kauf oder als Zubehörteil. Der Vorteil der parallaktischen Montierung liegt darin, dass bei genauer Ausrichtung auf den Himmelsnordpol (Nahe dem Stern Polaris, dem Polarstern) die Erddrehung welche die Sterne und Objekte durch das Gesichtsfeld wandern lässt, mit der Bewegung in nur einer Achse, der Rektazensionsachse auszugleichen ist. Dies geschieht dann entweder mit einem Knopf an dieser Achse manuell oder durch einen Motor der die Nachführung automatisch übernimmt. Dabei ist es natürlich eine angenehme Sache wenn einem die Arbeit abgenommen wird und man das beobachtete Objekt immer schön zentriert hat. Insbesondere bei hohen Vergrößerungen erleichtert diese automatische Nachführung das Beobachten ungemein. Auch zum langzeitbelichteten Fotografieren ist eine Nachführung nötig, da das Thema Foto sehr komplex ist und eine einfache Montierung und Steuerung kaum ausreicht um sehenswerte Ergebnisse zu erhalten will ich hier nicht näher darauf eingehen, aber einerseits können kurze Belichtungen auch manuell erreicht werden andererseits ist aber selbst bei Webcamaufnahmen mit kürzester Belichtung eine automatische Nachführung eine ungemeine Erleichterung. 

So muss jeder selbst entscheiden ob er das Geld in Nachführmotoren investiert oder nicht. Interessant wird es wohl erst bei Vergrößerungen jenseits von 150x was das ganze bei Kleinstgeräten eher überflüssig macht, da nicht so hoch vergrößert wird.


7. Kann ich auch die Sonne beobachten?

Aber ja, aber nur mit geeigneten Sicherheitsmaßnahmen sonst droht die sofortige Erblindung!!!

Okularsonnenfilter gehören direkt in die Mülltonne. Sie sollen in das Okular geschraubt werden, aber sie halten die immense Wärme der vom Objektiv gebündelten Sonnenstrahlen nur kurze Zeit aus und können dann platzen oder schmelzen! Leider sind sie unverständlicherweise immer noch hin und wieder bei Teleskopangeboten zu finden.

Eine einfache, günstige und sichere Methode die Sonne zu beobachten ist einen Sonnenfilter mit der visuellen Baader AstroSolar Folie herzustellen, ein Din-A4 Blatt kostet etwa 20€. Im Weißlicht kann man so auch mit kleineren Teleskopen schön Sonnenflecken auf der Oberfläche der Sonne beobachten und bei entsprechender Qualität und Bedingungen auch Fackelgebiet sowie die Granulation der Sonne bei hohen Vergrößerungen.
Eine andere Art der Weißlichtbeobachtung ist die Verwendung eines so genannten Herschelkeils der allerdings nur an Refraktoren einsetzbar ist, dabei wird durch Reflektion nur etwa 4% des ankommenden Lichts in Richtung Okular weitergeleitet während 96% der Strahlung verloren gehen.

Eine weitere Möglichkeit die Sonne sicher zu beobachten ist die Sonnenprojektion, dazu wird einfach ein Blatt Papier oder ein Projektionsschirm in etwa 30cm Entfernung vom Okular aufgespannt und das Bild der Sonne darauf projeziert, ganz ungefährlich ist diese Art der Sonnebeobachtung aber auch nicht, da kein Sonnenschutz vor dem Objektiv ist und Unbedarfte so einen Blick durch das Teleskop riskieren könnten.
Eine andere und besonders reizvolle Art die Sonne zu beobachten ist im H-Alpha Licht. Ein H-Alpha Filter bzw. Teleskop lässt nur das Licht in einem sehr schmalen Bereich, dem des ionisierten Wasserstoffs passieren. Die Sonne erscheint im H-Alpha Licht in Rottönen mit vielen feinen Filiamenten auf der Oberfläche und Protuberanzen, die innerhalb weniger Stunden huntertausende Kilometer weit von der Sonnenoberfläche emporschiessen können. H-Alpha Filter sind leider ausgesprochen teuer, einige Tausend Euro muss man für sie auf den Tisch legen, doch gibt es auch fertige Sonnenteleskope welche die H-Alphabeobachtung erlauben. Auch hier liegen die Preise mit einer Ausnahme im vierstelligen Bereich. Für etwas mehr als 600€ bekommt man jedoch das PST von Coronado (Personal Solar Telescope) ein H-Alpha Teleskop mit 40mm Öffnung. Daneben gibt es noch das Ca-K PST, dass die Sonne im lila Licht der Kalzium-K Linie darstellt, sie eignen sich aber vornehmlich für die Fotografie.

8. Wann kann ich Nebel/Planet XY sehen?

Solche Fragen tauchen sehr häufig auf, man sieht ein Foto der Plejaden oder sieht in einer Sternkarte ein besonders schönes Objekt und nun stellt sich die Frage wann kann ich das bewundern? Da sich der Anblick des Himmels von Stunde zu Stunden, von Nacht zu Nacht über das Jahr verändert, können wir nie den ganzen Himmel überblicken, die Hälfte befindet sich jeweils unter dem Horizont, Sterne und Nebel die man im Sommer hoch am Himmel bewundern kann, befinden sich im Sommer unerreichbar am Taghimmel. Deshalb lohnt es sich ein Planetariumsprogramm wie Stellarium oder Cartes du Ciel zu installieren (beides Freeware), damit kann man den jeweils aktuellen Sternhimmel simulieren und schnell herausfinden, wann welches Objekt am besten zu beobachten ist. Auch in diversen Astrozeitschriften gibt es monatliche Sternkarten die die aktuelle Himmelsansicht zeigen.
Auch die Planeten sind nicht dauerhaft zu beobachten sondern nur zu bestimmten Zeiten. Am besten sind die Planeten stets zu ihrer Opposition zu beobachten, also wenn sie der Erde am nächsten stehen, auch dies entnimmt man am besten einem der genannten Programme oder einem Himmelsjahrbuch.

9. Ich möchte Fotos machen, geht das?

Die Astrofotografie interessiert zu Beginn fast jeden Einsteiger. Speziell zu diesem Thema möchte ich auf meinen Artikel "Astrofotografie" verweisen in dem ich auf einige Aspekte eingehe...

Vorab: Es ist ein komplexes und in den allermeisten Fällen auch teures Thema, meiner Meinung nach tut man sich einen Gefallen erstmal visuell mit der Beobachtung einzusteigen und Astrofotografie als etwas anzusehen, dass man später einmal in Angriff nehmen kann wenn man Erfahrungen gesammelt hat.

10. Ich verstehe das ganze Fachchinesisch im Internet kaum...

80/600? 200/1200? f/6? Brennweite? AP? Apo?
Wo auch immer, ob in den Internetforen oder auf Amateurseiten (auch auf meiner) wimmelt es nur so vor Fachbegriffen mit denen man Afangs natürlich nichts anfangen kann, deshalb habe ich ein kleines Astrolexikon erstellt, in dem die wichtigsten Begriffe erläutert werden, das lebt aber auch von der Mithilfe, wann immer Ihr einen Fachbegriff nicht versteht, der nicht in meinem Lexion aufgeführt ist, scheut euch nicht mir eine e-mail zu schreiben.

11. Ich habe mir Teleskop XYZ gekauft, was nun?

Jetzt steht das Teleskop also im Zimmer, das Kind ist in den Brunnen gefallen, entweder weil ihr diesen oder ähnliche Artikel zu spät gefunden und gelesen habt oder weil das Teleskop ein Geschenk war.

Erstmal keine Panik, jedes Teleskop hat seinen Himel heisst es so schön und das ist richtig, man kann natürlich mit einem 76/700 Tchiboskop (billiges Spiegelteleskop von Tchibo/TCM eigentlich von Bresser produziert) keine Astrofotografie betreiben und auch ein 60/900 Refraktor ist keine Deepskykanone, aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten kann man auch mit einfachstem Equipment schon schöne Beobachtungen machen, informiert Euch welche Objekte mit kleiner Öffnung gut zu sehen sind, der Mond ist mit jeder Öffnung ein dankeswertes Objekt, dass viele Details offenbart und auch die Planeten sind in der Regel gut zu beobachten.

Ist man sich der natürlichen Einschränkungen bewusst, dann kann man auch versuchen noch mehr Leistung aus seinem Teleskop herauszuholen. An erster Stelle wären da neue Okulare zu nennen, die mitgelieferten bei Billigteleskopen sind meist völlig unbrauchbar, schafft man mindestens Plösselokulare oder gar günstige Weitwinkelokulare an, die so genannten "Goldkanten" (zu finden auf www.astrookulare.de unter Eigenimporte - ab 29,90€), dann wird man bereits einen deutlichen Unterschied sehen. Vorraussetzung hierfür ist aber, dass das Teleskop über einen 1,25" Okularauszug verfügt, das ist leider auch heute noch nicht selbstverständlich bei sehr billigen Teleskopen

Hat man ein Spiegelteleskop vor sich ist die genaue Justage von großer Wichtigkeit, ein dejustiertes Teleskop zeigt weniger als ein gut justiertes und hier stecken erhebliche Leistungsreserven.

Eine weitere günstige Möglichkeit sein Teleskop etwas zu "tunen" ist das Auskleiden mit schwarzer Veloursfolie (ca. 9€ im Baumarkt), damit wird Streulicht unterdrückt und der Kontrast erhöht.

Im Internet findet man auch jede Menge Tuningtipps zu den gängisten Teleskopen, so zum Beispiel auf www.binoviewer.at zum Lidlteleskop und bei Michael Hahn ein umfangreiches FAQ zum Tchiboskop, das sich auch auf andere Teleskope dieser Art anwenden lässt.

Der beste Hinweis ist aber der, sich beim Kauf des nächsten Teleskops vorher gründlich zu informieren.

12. Wie justiere ich mein Spiegelteleskop?

Mit diesem Thema muss sich früher oder später (eher früher) jeder auseinandersetzen der ein Spiegelteleskop besitzt. Will man die volle Leistungsfähigkeit des Instruments nutzen, dann sollte das Teleskop gut justiert sein, das schreckt den einen oder anderen vieleicht etwas ab, aber Justage ist keine Zauberei und kann von jedem erlernt werden. Hat man den Dreh erstmal raus ist das ganze eine Sache von wenigen Minuten und steht das Teleskop zu Hause muss das auch nicht ständig gemacht werden, nur nach Transporten sollte kurz nachjustiert werden, eine Grundjustage ist in der Regel nur nach einem Zerlegen des Teleskops oder einem langen holprigen Transport notwendig.

Der Grundgedanke des Justierens ist es alle optischen Elemente korrekt zu einander auszurichten, also Fangspiegel und Hauptspiegel. Den eigentlichen Vorgang der Justage will ich hier aus einem Grund nicht beschreiben, es gibt zwei (es gibt natürlich noch mehr) sehr gute Anleitungen von zwei engagierten Hobbyastronomen, deren genaue und verständliche Beschreibung ich höchstens kopieren nicht aber übertreffen könnte. Die Rede ist vom "Godfather of Justage" Uwe Pilz und dem "Justierkönig" Ekkehard Grohs alias Pteng. 

Wichtig ist die Schritte in genau dieser Reihenfolge durchzuexerzieren sonst kann es nichts werden, hat man das Prinzip einmal verstanden geht es einem leicht von der Hand. Welche Hilfsmittel man nun benutzt ist Geschmacks- und Ansichtssache. Es gibt Leute die schwören auf die billigste Lösung einer selbstgebastelten Justier-Filmdose, andere bevorzugen das Cheshire oder einen Laser. Ich selbst habe einen Laserkollimator, eine sehr angenehme Sache aber: Allein mit dem Laser ist eine komplette Justage nicht durchzuführen, das Ausrichten des Fanspiegels zum Okularauszug verlangt nach anderen Hilfsmitteln. Noch sehr neu auf dem Markt aber durchweg postitiv aufgenommen ist ein Justiertool von Spheretec, dem Prinzip der Filmdose ähnlich, Hightech Spezis schwören auf Barlowed Laser, mit dieser Technik habe ich aber noch keine Erfahrungen machen können.