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Mittwoch, 18. Oktober 2017

BB vom 17.10.2017

Ort: Idsteiner Land
Uhrzeit: 22:00 bis 1:18 Uhr
Wetter: Klar
GG: 6m+

Wenn ich etwas wirklich schon lang nicht mehr erlebt habe, dann eine Schönwetterkatastrophe, aber sie ist tatsächlich hier. Am späten Nachmittag war ich auf einer kleinen Wanderung noch mehr als skeptisch ob Andreas Pläne diese Nacht nochmals rauszufahren wirklich eine so gute Idee wären. So schön das atmosphärisch aussah, so wenig Hoffnung machte mir der vercirrte Himmel auf eine lohnende Beobachtungsnacht.



Ohnehin schon etwas abgekämpft von der Querfeldeinwanderung sagte ich Rainer erstmal prophylaktisch ab, Andreas beharrte aber auf seinen Transparenzprognosen und als die beiden dann aufbrachen... eieiei, ich konnte einfach nicht anders und hab den 8er wieder auf die Rückbank geworfen ;)

Was soll ich sagen? Die beste Entscheidung überhaupt! In der Tat hatten sich die Cirren in bestimmten Himmelsarealen so weit verzogen, dass man nicht nur annehmbar beobachten konnte, nein stellenweise toppte der Himmel sogar die Bedingungen von Sonntag was mich sehr erstaunte. Am besten sah man den Effekt im Cirruskomplex, war er vor einigen Tagen noch solala, selbst mit Filter am 12"er so war der Sturmvogel sogar am 8er OHNE Filter sichtbar und die Details mit Filter waren merklich einfacher.

Zu meiner großen Überraschung aber auch Freude wurde es am Platz dann auch wirklich "voll", neben Andreas und Rainer war auch Ralf mit dabei, den ich seit gut zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte und überhaupt war es die erste Gruppenbeobachtung seit viel zu langer Zeit, sehr nostalgisch und es zeigte mir: in der größeren Gruppe ist doch nochmals eine andere Stimmung :) Dadurch dass ich Andreas und Ralf schon länger und extrem lang nicht mehr persönlich getroffen habe war die erste Stunde erstmal mit längst überfälligen Gesprächen gefüllt, danke Jungs - ich habs schon vermisst!

Beobachterisch war ich zunächst eher auf ungeplanter Standardrunde, aber es gab dann doch eine Reihe von genialen Objekten, die ich dank Rainer und Andreas vor die Augen bekam, sogar zu eine Zeichnung wurde ich endlich wieder motiviert!



Wir verbrachten an Andreas 12"er eine lange Zeit am Katzemaugennebel NGC 6543. 
Schon bei 8mm war der Zentralstern einfach zu sehen, dazu musste man das Objekt einfach fixieren und der Nebel schaltete Sekundenbruchteile später auf "stumm" und der Stern ploppt hervor, genialer Effekt, ähnlich dem Blinking Planetary. Der Nebel selber hat eine leicht ovale Form, der Helligkeitsunterschied von der Andeutung einer Ringstruktur zum Innenteil ist nicht sehr stark ausgeprägt, was auch das Sichten des Zentralsterns bei indirektem Sehen erschwert, der Kontrast geht durch die Nebelfülle gern mal flöten. Bereits bei der 187-fachen Vergrößerung war zu sehen, dass neben der schlichten Form in einem "spitzen Ende" des Ovals zusätzliche Details immer wieder hervorblitzten, ich kann es am besten als eine leichte halbrunde zweite Ringstruktur bezeichnen, mit einem minimalen Abstand dunklerer Nebelmasse zwischen sich und dem Rest des PN. Darüberhinaus zeigte sich bei langem indirekten Sehen um den offensichtlichen Teil des Nebels eine weitere merklich schwächere Aufhellung, den man als schwachen Halo bezeichnen könnte. Wir wechselten dann zu 6,7mm und am Ende noch höher in den Bereich um 5mm und die Details der Doppelstruktur wurden greifbarer, blieben aber anspruchsvoll. Es gab beim Wechsel vom direkten auf den indirekten Blick reproduzierbar und hochgradig begeisternd (!) immer wieder weitere Details auf der gegenüberliegenden Seite des PN, die Doppelring Struktur trat hier wirklich blickweise für Bruchteile von Sekunden zu Tage, absolut geil! Ich versuchte das Gesehene in einer groben Skizze festzuhalten, so faszinierte mich die Detailvielfalt, die ich so von diesem Objekt noch nicht kannte (oder vergessen hab). Der Nebel ist mir etwas groß geraten für 8mm, gibt eher die Größe bei 6,7mm wieder und der Ausriss an leichtem Grau in Richtung 2 Uhr ist NICHT der gesehen Halo sondern mein Finger der zu sehr schmierte ;) Der Halo war eher kreisrund und näher am PN.


Aber nun raus aus der Milchstraße, es war schon arg spät und mein Gewissen plagte mich weil ich morgens zeitig zur Arbeit musste, aber Rainer insistierte auf eine weitere grenzwertige Quasarbeobachtung :D Uff! Der hatte es mal wirklich in sich, das Hauptproblem war hier, dass sich mir das Feld von der Karte an Rainers Laptop so gar nicht erschloss, selten hab ich so lang gebraucht um die wichtigen Sterne zu identifizieren, aber als das dann nach mehreren Wechseln von Okular zum Rechner und zurück doch gelang, war der Quasar mit dem eingängigen Namen QSO HS 2154+2228 dann wirklich indirekt blickweise auszumachen - Ein Monsterobjekt!! 9,5 Milliarden Jahre altes Licht! Heut bereits mehr als 13 Mrd Lichtjahre von uns entfernt... wir sind verrückt.

Mein Teleskop war zwischenzeitlich schon verstaut, da kam Andreas noch mit dem Sahnehäubchen um die Ecke, Jones 1 den flächenhelligkeitsschwachen PN in Pegasus, ebenfalls schon lang nicht mehr gesehen. Trotz seiner nur geisterhaften Erscheinung war er recht schnell auszumachen, vor allem beim Fieldsweeping war der runde, sehr sehr kontrastarme Fleck gut auszumachen. Das einzige was mir heute verwehrt blieb war Pease 1, der planetarische Nebel innerhalb des Kugelsternhaufens M15, da war die Aufsuchkarte bzw das DSS Foto zu grob um die Identifizierung eindeutig machen zu können.

Fast exakt zur selben Zeit wie am Sonntag verabschiedete ich mich von meinen dunklen Beobachtungsgenossen und fuhr heim... Oh Mann ich hätte mich mit Recht geohrfeigt wenn ich dieses schöne Zusammentreffen hätte sausen lassen, vor allem in der alten Gruppe gemeinsam zu beobachten hat mir sehr gut gefallen und mich etwas wehmütig werden lassen - das muss wieder intensiviert werden, danke Euch allen.

Link zum ATDS

Donnerstag, 5. September 2013

BB vom 04.09.2013

Ort: Laufenselden
Zeit: 21:20 bis 3:00 Uhr
Wetter: wolkenlos, schwankende Transparenz
GG ~6m (zenitnah) SQM-L 21,09 mag/arcsec²

Schon am Vortag liebäugelte ich mit dem Rausfahren, aber die Transparenz sah derart mies aus, dass trotz wolkenlosen Himmels kaum Sterne zu sehen waren, heute sollte sich das doch merklich ändern.

Nachdem ich nur um einen knappen Meter an saftigem Rehgulasch mit Wacholderblättern vorbeigerauscht bin (so knapp wars noch nie!) kam ich an und eine gesellige Runde stellte sich gerade auf die Nacht ein. Matthias, Ronald, Oliver und Stefan waren bereits da, Armin stiess später noch hinzu.

Heute sollte meine "Neuerwerbung" in Form eines Bresser Galaxia 114/900 mal etwa Licht empfangen um zu schauen was der kleine Dackel so kann, optisch war auch wirklich nichts auszusetzen, mit dem 32mm Plössl und dem 10mm RK konnte man schon etliche Standards vernünftig beobachten, ein zum Teil aufgelöster M13 gehörten ebenso dazu, wie M57 und ein paar Sternhaufen. Optisch hatte ich auch nichts anderes erwartet, die Mechanik lässt aber wie erwartet viel Raum für Kritik, extremes Wackeln macht das Fokussieren schon bei 90x zum Geduldsspiel, der OAZ ragt in den Strahlengang, die Justageschrauben werden von viel zu schwachen Federn (nicht) gehalten, die FS-Streben sind daumendick (Hyperbel...) und die Montierung ist so nett sie auch ausschaut etwas schwachbrüstig. All das war mir vorher klar, was auch der Grund für das Gerät war (Einsteiger eben nicht nur die Dobsons zeigen sondern auch das Kontrastprogramm was einen eben so zwischen 100 und 250€ erwartet). Die einzige "Tuningmaßnahme" die ich schon durchführen musste waren zwei Muttern für die Rohrschellen, die liessen sich einfach ohne nicht fest genug zudrehen!



Der Himmel zeigte sich zu Beginn wirklich vielversprechend, leider brach die Transparenz doch soweit ein, dass man es wahrnehmen konnte, insbesondere in Richtung Rhein-Main-Gebiet erhob sich die Lichtglocke durch die siffige Luft bald doppelt so hoch wie ich das eigentlich gewohnt bin, aber sei es drum, der Zenit war mehr als brauchbar. 

Nach dem Testlauf mit dem 4,5"er ging es auf die Suche nach einem schon länger vorbereiteten Objekt. Ich stolperte vor einiger Zeit über ein Amateurfoto und musste das Ding einfach aufnehmen, schon allein weil ich diese Objektklasse noch nie gesehen habe! Vom "Egg-Nebula" liest man mithin auch immer wieder in visuellen Berichten und nach dem Lesen einiger Berichte steht fest: Das Teil ist sogar echt hell! In meinem Triatlas war der Nebel als IV Zw 67 eingetragen ein anderer Name der bei der Recherche hilft ist PK 080-06 1. Es handelt sich hierbei um einen bipolaren protoplanetarischen Nebel, also einen PN der erst vor "kurzem" seine Abstoßungstätigkeit aufgenommen hat. Interessant ist dabei die Tatsache, dass er dadurch noch überhaupt nicht auf Filter anspricht wie ja sonst bei PNs üblich sondern eigentlich ein Reflexionsnebel ist. Mit CNebX hatte ich mir vier Karten in unterschiedlicher Zoomstufe ausgedruckt, jetzt muss ich erwähnen, dass technisch an dem Abend eine Menge schieflief :D Meine Telradbasis schien mir daheim mal wieder unbemerkt vom Hut gefallen zu sein, meine stümperhaften Versuche das Teil ohne Basis mit Tape zu befestigen waren nicht so richtig von Erfolg gekrönt. Mein Hut ist so niedrig, dass der Telrad ohne Basiserhöhung nicht wirklich gerade dazwischen passt. Dadurch war er partout nicht auszurichten weil er zu schepp und labberig befestigt war, aaaaber wurscht, musste ich halt gut 2° rechts-oberhalb des gewünschten Objekts peilen... Lange Rede gar kein Sinn, nach ziemlicher Rührerei und etwas Frust über die nicht tief genug eingestellte Aufsuchkarte habe ich es dann einfach ohne Starhopping sondern durch direktes Anpeilen der Stelle (etwa 1/3 Strecke zwischen 65 Cygni und Gamma Cygni) versucht und die im DSS Foto und der höchstvergrößernden Aufsuchkarte Sternenkonstellation tatsächlich identifizieren können. Der PPN ist dabei sofort auffällig zu sehen wobei er in der Übersichtsvergrößerung nicht ohne weiteres von einem Stern zu unterscheiden ist, aber eine leichte Unschärfe macht den Beobachter doch schnell auf sich aufmerksam. Durch Erhöhen der Vergrößerung wir er dann zu einem wirklich interessanten und gar nicht so schweren Objekt. Der Könnte man ihn bei niedrigeren Vergrößerungen bis etwa 100-fach noch für einen engen Doppelstern halten, ist der bipolare Charackter bei knapp 190-fach schon gut zu erkennen, indirekt verlängeren sich die beiden voneinanderwegstrebenden Teile sichtbar. Wenn ich dann eines nicht mehr allzufernen Tages mit einer EQ-Plattform ausgerüstet sein werde, ist das ein Objekt, dass aufgrund seiner Helligkeit in jedem Fall nochmal mit Vergrößerungen um die 300x beobachtet werden muss. Zum Schluss noch eine Skizze die ich aus dem Gedächtnis angefertigt habe, nicht sonderlich akkurat, soll nur die Lage zu einer recht markanten Sterngruppe in der Nähe zeigen.


An Olivers 14"er konnte ich dann zum ersten Mal einen Blick auf Armins neues Schätzchen, ein Ethos SX mit unglaublichen 110° Gesichtfeld werden, wow - und wenn du denkst es geht nicht mehr, kommen von irgendwo nochmal 10° her :D Schon hochgradig beeindruckend, M15 bei über 300x mit MASSIG Feld aussenrum, ist kein Mist was die da produziert haben und da kommen auch meine Augen an die Grenzen wo ich den Rand noch irgendwie bewusst wahrnehme.

In Olivers Dobson schauten wir uns danach noch Jones 1 und den mir bis dahin unbekannten Abell 2 in Cassiopei an, nicht gerade eine Leuchte, auch mit [OIII] ist indirektes sehen angesagt, aber er liegt hochgradig exponiert in Cas und ist vom Aufsuchen her ein erschreckend leichtes Objekt, werde ich demnächst nochmal mit dem 12er versuchen, sollte auch dort noch gut gehen.



Danach gönnte ich mir noch eine Runde Fernglas auf der Isomatte und schwenkte noch zu diesem und jenem Standardobjekt. War die Milchstraße zu Beginn der Nacht noch umspannend und vor allem im Süden bist zum Horizont (bzw. Baumkronen in 4° Höhe) zu sehen, war inzwischen so viel Siff unterwegs, dass das nur noch bis ~10° möglich war, ein Blick auf die Uhr sagte uns dann auch, dass es höchste Zeit zum Abbau war, mussten doch einige ohnehin mit nur noch drei Stunden Schlaf auskommen. Auch wenn die Nacht wie so oft hinter den Möglichkeiten des Platzes zurückblieb war sie doch entspannend und mit zwei neuen Objekten auch richtig inspirierend. Auf der Heimfahrt war dann der Orion schon komplett über dem Horizont, den hebe ich mir aber noch etwas auf...

Freitag, 30. September 2011

BB vom 30.09.2011

Datum: 30. September 2011
Ort: Taunus
22:15 bis 02:30
GG: fst 6m3 UMi SQM (nicht L): 21.04 mag/arcsec²
ca. 12° klar klar klar 
Nachdem ja nun die ganze Woche mehr oder weniger klaren Himmel geboten hat, war für Freitag Nacht die beste Transparenz der Woche gemeldet, und unsere Erwartungen wurden definitiv NICHT enttäuscht, es wurde die beste Nacht des bisherigen Jahres und die Chancen, dass es die beste bleiben wird, stehen ganz gut ;)
Verabredet war ich eigentlich "nur" mit Andreas und Rainer, der mit seiner Lightbridge das erste Mal zu unserer Beobachtungstruppe stossen wollte - irgendetwas sagte mir aber, dass es da auch so noch den ein oder anderen hinverschlagen würde bei der Vorhersage. Schon auf der Hinfahrt fiel mit der Sternenreichtum in tiefer Horizontnähe gen Westen auf, da war beim letzten Besuch des Platzes vor 5 Tagen bis 30° Höhe fast gar nichts zu sehen gewesen. Nach der letzten Kurve empfing mich bereits eine Phallanx an Autos, Teleskopen und Mannen. Der erste den ich begrüsste machte mir letzte Zweifel zunichte: Oliver, ein über die Jahre wirklich untrüglicher Garant für Ausnahmenächte (da ist mit Sicherheit seiner weiten Anreise geschuldet!). Ausserdem waren noch Andreas, Rainer, Stefan mit seinem neuen 6" Meade und Ingo mit seinem leckeren 8" Selbstschliff/-bau vor Ort.


Die reich strukturierte, wenngleich bereits untergehende Milchstrasse bot schon ein tolles Bild, meine üblichen Stimmungsaufnahmen zu Beginn waren trotz ISO 1600 diesmal (man vergleiche mal mit dem BB vor 5 Tagen) so dunkel, dass kaum was von unserem Krempel zu sehen war ^^


Zu fortgeschrittener Stunde bestimmten wir die Grenzgrösse in Umi auf relativ problemlose 6m3, in Zenitnähe dürften wir durchaus hie und da mal die magischen 6m5 geknackt haben, das ist für diesen Standort schon das obereste Ende der Fahnenstange, man sah es aber (wie immer) auch sehr schön den Objekten im Okular an. Ingo lies mehrfach sein SQM kreisen, bedenkt man, dass es sich nicht um die "engere" L-Variante handelt sind die 21.04 m/arcsec² durchaus nicht übel, wenn sie auch schon an diesem Ort bei SQM-L Messungen überboten wurden. Interessant war der Effekt der wirklich sehr guten Transparenz in Richtung Osten, in fast direkte Blickrichtung von Frankfurt war selbstverständlich auch heute die Aufhellung zu sehen, doch sehr viel schwächer und M42 war dort bereits wenige Grad über dem Horizont, exakt an der Baumgrenze mit blossem Auge sichtbar, in der Megadunstlichtglocke von FFM normalerweise ein Ding der Unmöglichkeit. Positiv kam dazu, dass die Luftfeuchtigkeit wohl (ungemessen) niedriger lag als prognositiziert, ich musst erst nach über drei Stunden das erste Mal die Telradscheibe leicht abwischen, vor einigen Tagen war das bereits nach 15min zu...
Nachdem bei so vielen Leutchen üblicherweise etwas längeren "Einpalaverphase" ging es dann auch an die ersten Objekte. Es wurmte mich - und wohl auch Andreas - dass wir am vergangenen Sonntag Caldwell 5 alias IC342 so extrem grenzwertig wahrnehmen konnten, heute sollte das doch besser gehen, dank Rainer der mir einen Blick auf sein (wirklich vorbildlich mit dicker Folie abgedunkeltes!) Eye&Telescope gewährte war die Galaxie bzw. das Zielgebiet zügig im Okular, ein kurzer Fieldsweep und tatsächlich, hier gab es nun nichts mehr zu raten, noch weit entfernt davon besonders hell zu erscheinen, war die Galaxie ohne weiteres zu identifizieren, erleichternder Weise auch an genau der Stelle an der ich sie am Sonntag mehr vermutet als wirklich gesehen habe :) Heute war definitiv der richtige Himmel Galaxien sämtlicher Art mit höhere Vergrösserung und niedriger AP anzugehen, brachte schon das 22mm LVW einen Fortschritt in Sachen Kontrast, war sie mit 14mm plötzlich auch direkt nicht mehr zu verfehlen.


Danach gab es zur Augenentspannung einen Schwenk auf einen reich strukturierten Cirrusnebel, insbesondere die Knochenhand war in Andreas' 12er mit höherer Vergrösserung ein Genuss mit fotoähnlichen Filamenten und Verwirbelungen! Auch Nordamerika und der Hantelnebel schwenkte ich kurz an aber gab ihnen nicht allzuviel Zeit, denn heute riefen die schönsten Sirenen des Deepsky: Die Galaxien...
NGC 1023 im Perseus war zum wieder warm werden genau das richtige, mit 10m kaum zu übersehen und schön in einer Sternkette gelegen. NGC 404 zeigte ich Stefan, der sie auch gut sah, ich weiss jetzt gar nicht ob er sie danach auch nochmal mit dem 6er angefahren hat, auch da ist sie ja kein Problem. M31.. huiii Es war fast völlig Jacke welche Vergrösserung man hier heute einsetzte: beide Staubbänder respektive die Spiralarme waren über weite Strecken direkt sichtbar und übers Feld zu verfolgen, es gibt nicht allzuviele Nächte (bei mir) wo die Galaxie so nah an fotografische Ergebnisse rankommt. Rainer machte sich sogar - und das wohl erfolgreich - daran, die Galaxie bis zu ihren äussersten Grenzen wie man sie von Fotos kennt noch wahrzunehmen. Da bot es sich natürlich an auch gleich den "Nachbarn" M33 einen Besuch abzustatten, die HII Region war auch ohne Filter sofort ein auffälliger runder Fleck am Ende einer Sternkette die sich Richtung Zentrum zieht, die Spiralarme konnte man über weite Strecken verfolgen und mit 14mm war es eine Riesenfreude die Verdickungen und Knoten in den Armen abzufahren, so im Galaxienfieber war ich schon länger nicht mehr ;)
Andreas hatte aber einen Leckerbissen ganz anderer Art, den ich noch nie versucht habe: Den PN Jones 1 im Pegasus, nachdem er mir die Position erklärt hat (wirklich lohnenswert, da echt nicht schwer zu finden!) schaut ich durch sein Okular und tatsächlich war der PN ohne grössere Schwierigkeiten wahrzunehmen, er ist überraschend gross und zwei sich gegenüberliegnde Stellen des planetaren Nebels sind besonders hell und dementsprechend leicht (mit Filter) zu sehen, indirekt wurde das ganze nochmals deutlicher, nun macht der PN den Eindruck eines "C"s - ich will mich nicht festnageln, dass dieses C wirklich geschlossen war, die schwächste Stelle ist wirklich schwach und das Gehirn setzt ja gerne etwas fort wo man um die Struktur weiss, aber mit einem "C" kann man das Aussehen eben am besten beschreiben ;)
Alsdann ging ich zu meiner alten Hassliebe, Stephans Quintett über, nochmal ein genauer Blick auf Rainers Kartenausschnitt und ab dafür, auch hier zeigte sich eklatant der Unterschied zur letzten Nacht, kaum übersehbar steht der Galaxienknäuel unweit der hellen NGC 7331, nachdem wir am letzten Sonntag noch gerätselt haben ob Jan und ich das selbe Sternen-"T" als Aufsuchhilfe meinten war klar: Ja wir meinten das selbe. Mit Höherer Vergrösserung (107x) wurde das ganze noch wesentlich besser und kontrastreicher, ich glaube es war aber die 214x in Rainers 12" Lightbridge wo ich sie dann auch eindeutig trennen konnte, wenngleich das bei den beiden wirklich NAH zusammenhängenden Galaxien kein Kinderspiel für mich ist. Rainer war überhaupt extrem gut darin, nicht nur Objekte aufzufinden, sondern ihnen auch die passende AP zu verpassen, und da versuchte er sich bei unserem ersten Telefonat vor ein paar Tagen noch als Einsteiger hinzustellen :D An der Stelle muss ich ihm auch mal direkt für das nächste Objekt danken, nicht alltäglich aber er hatte es nach kurzem Kartenstudium sicher im Okular und erstaunlicher Weise war es auch für alle die durchschauten (und alle schauten durch) sofort sichtbar, dank der Karte konnte man den 14m2 "hellen" Quasar KUV 18217+6419 schnell und sicher identifizieren. Mit einer Rotverschiebung von z=0,297 liegen wir hier (je nachdem welche Quelle man befragt gehts auch bis 4) schon jenseits der 3.000.000.000 Lichtjahre Entfernung, es fasziniert mich immer wieder... da war hier auf der Erde gerade die erste Party der Cyanobakterien angesagt, die sich und ihre Enstehung aus der Ursuppe feierten ^^

Hatte ich eigentlich am Abend noch gedacht, wegen meiner Erkältung mach ich heut mal früher Schluss war es doch schon fast 2 Uhr als ich das erste Mal wieder daran dachte... Stefan war auch schon in Aufbruchstimmung, Rainer kaum noch vom Okular wegzubekommen als er noch diverse Objekte beobachtete, die besonders von diesem Himmel profitieren. Ein näheren Blick konnte ich noch auf die wirklich schön Konstruktion von Ingo werfen, der 8"er ist handwerklich wirklich professionell gebaut und das Bewegen des Dobsons über den Himmel macht einfach Spass. Das konnte man von der Lightbridge nur eingeschränkt behaupten, die Abbildung ist zwar definitiv gut aber an der Mechanik lässt sich sicher noch so einiges verbessern, da fühlte ich mich doch ein bissl mit dem Martini verwöhnt.
Eines der letzten Objekte die ich vor dem Zusammenbauen noch beobachtete war NGC 891 in Rainers Lightbridge, fanastisch lang mit kaum zu übersehendem Dunkelband zog sich die Spindelgalaxie in Andromeda durch das Gesichtsfeld. Alsdann machte ich mich wie die anderen auch ans Zusammenbauen, lediglich Rainer und Ingo waren nicht mehr von den Okularen wegzubekommen und ich will gar nicht wissen wie lange sie da noch gestanden haben heute Nacht, aber Recht haben sie! :D
Gegen halb drei fuhr ich los, eine Nacht im Kopf, von der ich durchaus längere Zeit zehren kann, selten sind sie diese Nächte aber sie wiegen auch lange Wolken-/Mondphasen auf wenn man sich ihrer wieder erinnert :)

Ein grosses Danke an alle die dort waren und die ich wieder oder zum ersten Mal "sehen" durfte.


 "6 Mann - 6 Optiken aber mehr als 6mag"