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Sonntag, 8. Dezember 2013

Die Stunde der Wahrheit - Hypatia im Interferometer

Wie fange ich diesen Bericht an...

WICHTIGES UPDATE (gleich vorweg):

Horia wird sich des Spiegels annehmen und ihn neu parabolisieren!

Am besten von vorne. Im Jahre 2009 bekam ich meinen Galaxy 12" f/5 aus zweiter Hand. Er sollte mir den Sprung von meinem bisherigen 8" f/6 ermöglichen und tat es auch. Aussagen des Vorbesitzers liessen auf einen guten Spiegel hoffen: Vom Meister handselektiert! Okay. Ich bekam den Spiegel fing an zu beobachten. Toll! Der Sprung von 8" zeigte sich in fast jeder Disziplin. Mein Metier ist der Deepsky, hier brachten mich die 12" ernsthaft weiter, schwache Galaxien waren zu sehen die mir sonst verwehrt blieben, Objekte ich schon gut kannte zeigten mehr Details - wunderbar. 


Aber mir fehlte am Planeten mitunter schon mal die Knackigkeit - Egal, das ist das Seeing, das ist die Justage (Wechsel von f/6 auf f/5) und Planeten gucke ich ja ohnehin nicht so häufig. In den ersten Wochen konnte ich sogar zwei Mitbeobachter animieren mit dem Ronchi Okular auf den Spiegel schauen, okay das Seeing war nicht prädestiniert für solch einen Test, aber eklatante Fehler zeigten sich meiner Erinnerung nach nicht. Die altbekannte Streulichtproblematik mit dem versauten Spiegel war von Anfang an vorhanden. Zu Beginn lies ich mich davon aber wenig beeindrucken, zu sichtbar war einfach der Unterschied in Helligkeit und Details im Vergleich zum 8"er - eine Socke wurde mir jahrelang angeraten, damit der Kontrast endlich mal aus dem Keller kommt!

Ein großes Problem habe ich: Um mich herum stehen meist erstklassige Selbstschliff Spiegel von Horia, Ingo, Roland Hermann (und zuletzt noch der 12"er von Christian Busch) - dass sich hier Unterschiede in der Abbildungsleistung ergeben: Geschenkt! Ich habe einen Spiegel von der Stange.

In der letzten Zeit (Leute die meine Berichte regelmässig verfolgen wissen das) machte mich aber vor allem der Blick durch Jans Standard-GSO 10"er sehr missmutig, ich zweifelte oft an meiner Justage, unterstellte dem pollenvernarbten Spiegel heftige Defizite - er bildete einfach immer besser ab, nicht heller, nein das Licht sammelt der 12er ja schon, aber der Kontrast... !

Vor einigen Wochen war der Leidensdruck dann endlich groß genug, Wahrheiten ins Auge zu blicken - ein Abend in dem nicht das Beobachten sondern endlich einmal das direkte Vergleichen im Vordergrund stand - Ich zitere mich einmal selber:

Nein, dieser Spiegel (gemeint ist Hans 12"er von Spacewalk Telecopes) ist kein GSO! ^^ Wunderschöne Sterne und starker Kontrast, und da ist denke ich mit einer Socke noch Platz nach oben! Mein 12er kam da in keiner Disziplin mit, aber dazu später mehr.

Sehr auffällig und für mich mitunter sehr schmerzhaft war aber die Erkenntnis des Abends: Mein Teleskop hat nach wie vor ein herbes Kontrastproblem. Jans 10"er ist hier ganz weit vorne und auch Hans neues Gerät war natürlich besser. Im 10" GSO kann man noch mit Volltubus und perfekter Innenschwärzung argumentieren, beim Spacewalk nicht und sowohl Spiegelbox als auch Hut sind ja ausgekleidet. Es wäre träumerisch zu hoffen, dass das Schwärzen von eins zwei Details und einer Socke mein Problem aus der Welt schaffen wird (wobei ich das nun zeitnah endlich fertig machen werde!), ich muss der Wahrheit ins Auge blicken: es ist mein versiffter Spiegel - wie ich ja schon oft gejammert habe ist der Spiegel angegriffen und nicht zu reinigen
Leute, jeder liebt sein Teleskop, aber manchmal tut man sich doch einen Gefallen wenn man sich intensiver mit den Teleskopen um einen herum beschäftigt...

Die Streulichtunterdrückungsmaßnahmen wurden angegangen um endlich Abhilfe zu schaffen, der Spiegel blieb aber weiter im Fokus - ich erhoffte mir nur minimale Verbesserungen solange die Spiegeloberfläche so mies war. Mein Plan: Eine Neuverspiegelung und endlich Kontrast geniessen! Nun hörte ich bei mir aber hartnäckig  eine Stimme im Hinterkopf "Lass ihn vorher testen, du haust sonst 200€ raus und am Ende ist der Spiegel selber nix!" - Ach, kann doch kaum sein, ich habe doch schon viele schöne Beobachtungen damit machen können, jau die Selbstbauten um mich herum machen bessere Bilder, aber es sind eben Selbstschliffe und die Standardspiegel? Ach, die haben ja nicht das Problem mit der vernarbten Oberfläche.



Vor einigen Wochen fasste ich mir nun aber doch ein Herz und meldete mich bei Horia und schilderte ihm mein Problem und meinen Wunsch nach einer richtigen Spiegelvermessung. Ein Termin Anfang Dezember wurde vereinbart und die Stunde der Wahrheit rückte näher. Was mache ich nun? Ich wartete zunächst auf einen Möglichkeit meine Streulichtschuztmaßnahmen zu testen. Die Nacht die dann dafür herhalten musste war extrem kurz und siffig, ich war mir aber durchaus sicher einen Effekt von der Socke wahrzunehmen. Was mache ich wenn nun herauskommt, dass der Spiegel in seinem jetzigen Zustand nicht der Neuverspiegelung würdig ist? Einen neuen kaufen (respektive auf einen neuen sparen) oder den Alten retuschieren lassen? Ich träumte in den letzten Wochen sogar schon davon :D

Heute Vormitag ging es dann mit dem Spiegel im Kofferraum nach Canossa. Ich kann mich an dieser Stelle bei Horia gar nicht genug bedanken, dass er sich die Zeit und Muse genommen hat auch noch sonntags (!) in der Vorweihnachtszeit den halben Tag für meinen Spiegel und dessen Vermessung zu opfern! Danke!

Der Testaufbau, das Messen und die Auswertung live zu verfolgen war ein Erlebnis für sich, wirklich spannend, die Sorge um das Ergebnis trat hier eindeutig durch die Begeisterung für den akribischen Aufbau und der Durchführung in den Hintergrund. Nach zwei Serien durch das Interferometer tauschte Horia den Messaufbau gegen den Focaulttester aus. Ha, das hat mich gefreut nach so viel Theoriestudium in diese Richtung endlich Live einer Messung beiwohnen zu können. Bis hier hin war die Hoffnung noch nicht geschwunden, dass der Spiegel durchaus noch im Rahmen des Erträglichen liegen würde. Dies verflog leider sehr schnell bei der Sichtung der ersten Fotos am Rechner, noch bevor Horia sie mit OpenFringe verrechnete.

Um an dieser Stelle etwas abzukürzen und den Bogen nicht zu überspannen: Der Spiegel ist abgrundtief schlecht! 0,245 Strehl ... das musste ersteinmal sacken. Es gab minimale Probleme mit der Kameraeinstellung, die zwei Reflexe produzierte (auch die Macken in der Verspiegelung sind hier sicher nicht unschuldig), aber an der grundsätzlichen Form des Spiegels ändert das am Ende nichts mehr. Er ist nach Horias Aussage hoffnungslos unterkorrigiert. Ich mutmaße mal: Heutzutage - dank der tatkräftigen öffentlichen Unterstützung der Spiegelschleif Szene - würde selbst ein Erstschleifer so etwas nicht als beendetes Projekt hinbekommen.

Folgend nun einige Auszüge aus dem I-Gramm (Hier der Download des kompletten Protokolls):
















Und nun?

Klar sind zwei Dinge: Ja, dieser Spiegel muss handselektiert sein, da muss man mal mindestens zwei Jahre Zeit investieren und jeden Spiegel prüfen bevor man so ein schlechtes Exemplar findet! Sorry, aber mir bleibt jetzt nur noch der schwarze Humor! Zweitens: Ich bin froh, dass Horia den Spiegel unter die Lupe genommen hat, nochmals Danke dafür! Und mach dir keine Sorgen, es ist besser die bittere Wahrheit zu kennen als in "vergnüglicher" Unwissenheit über die Abbildung zu jammern und nicht zu wissen woran es nun liegt, in jedem Fall hätte ich ohne die Vermessung vielleicht eine völlig unsinnige Neubelegung vorgenommen und mich hinterher maßlos geärgert!

Was nun mit Hypatia, bzw. ihrem Spiegel weiter geschieht ist noch nicht raus. Definitiv werde ich nicht noch einmal ins "Gurkenlotto" einsteigen und mir einen neuen Spiegel dieser Preisklasse (oder eine darüber) kaufen. Selberschleifen ist noch ein weitentferntes, unrealistisches Ziel. Da auch ein Highend Spiegel derart weit von meinen Möglichkeiten entfernt liegt, fällt dies mittelfristig auch flach. Leider ist es aber auch so, dass ich nicht einfach weitermachen kann - der Spiegel wird bis zur Klärung kein Licht mehr sehen :( Zum Glück habe ich noch meinen 8er der natürlich auch kein bestätigter Superspiegel ist, aber dessen Abbildung mir in all den Jahren niemals solche Fragezeichen auf die Stirn zauberte wie der 12"er... Er wird mir die Zeit bis ich weiss was geschieht problemlos versüssen und kommt endlich mal wieder zu Ehren.

Der spannendste Sonntag seit Erfindung der Wochenenden :D Kein Witz, so niederschmetternd das Ergebnis, so viel habe ich heute gelernt! Nochmals ein großes Danke an Horia.

Zum Ende noch ein paar Eindrücke die ich bei den Testaufbauten fotografieren durfte.






Montag, 11. November 2013

BB vom 10.11.2013

Ort: Bleidenstädter Heide
Uhrzeit: 22-23 Uhr
Wetter: Stark wechselnde Bewölkung, Lückenspechteln bei 3° C

Kein wirklicher BB heute Abend, lediglich ein paar Dinge wollten noch getestet werden. Da ist zum einen die Streulichtsocke, einen Effekt will ich noch nicht als gesichert ansehen, dafür war der Himmel viel zu schlecht, aber subjektiv war ich mit dem Kontrast durchaus zufrieden, immerhin stand der Mond noch merklich am Himmel und ich beobachtete größtenteils durch durchziehende Wolken...


Aufschlussreicher war der erneute Vergleich des 30mm Explore Scientific 70° mit dem APM SWA 32mm 70°. Das 32er ist praktisch schon verkauft und eingetütet, ich wollte sichergehen, beim ersten Test nicht einer mangelhaften Justage aufgesessen zu sein. Aber es bleibt dabei: Beide Okulare geben sich in Abbildungsleistung m.E. gar nichts. Die Transmission war ob der miesen Transparenz am Himmel nicht gescheit zu beurteilen, aber an f/5 sind beide Okulare nicht dazu geeignet eine saubere Abbildung auch nur über 50% des Feldes zu leisten. Die Unterschiede bewegen sich also genau in den Grenzen, die die Brennweite und damit AP und Vergrößerung vermuten lassen. So trauere ich weder dem 32mm SWA hinterher noch mache ich Freudensprünge für das neue ES - Fürs grobe Aufsuchen wenn das nächstkleinere Okular nicht mehr reichen sollte, wird es einfach eine zeitlang noch herhalten müssen.

Das 6.7mm Explore Scientific bestand den zweiten Kurztest, wiederum im Rahmen des Himmels und des Seeings ohne wirkliche Aussagekraft. Jupiter und Mond gingen im starken Seeing unter und entzogen sich damit einer Beurteilung, ein einfacher Sterntest in Zenitnähe zeigte mir aber genau die Sternabbildung die ich bei 220x erwartet habe. Der Einblick ist recht angenehm und das Feld eben die tollen 82°. Besonders fein war an diesem kurzen Abend aber die Liveschalte zu Jan, der parallel zwei andere Okulare gegeneinander testete, aber dazu demnächst mehr wenn ich das mit eigenen Auge sehe ;)

Kurzer Ausflug, aber er wollte ob der neuen Okulare einfach gemacht sein...

Donnerstag, 1. Juli 2010

ATM Bericht 12" f/5 Hypatia

12" f/5 Gitterrohrdobson "Hypatia" 

Ich habe einige Zeit nachgedacht, ob für dieses Gerät ein Selbstbaubericht gerechtfertigt ist, immerhin ist es ein weitestgehend montiertes Martinibausatzgerät und kein wirklicher Selbstbau, aber die langen Wochen die ich gebraucht habe bis zum Firstlight und der ein oder andere Schweisstropfen auf dem Weg zum fertigen Teleskop haben mich dann doch überzeugt.
Im Februar konnte ich mein teilmontiertes Martinigerät persönlich auf dem ATH in Hückelhoven in Empfang nehmen, fantastisch - das Schleppen des Volltubus Galaxy soll nun also bald ein Ende haben. Seit gut vier Monaten liegt er zu diesem Zeitpunkt schon zerlegt im Keller, nur mein 4" Richfieldteleskop rettete mich über den Winter, der aber ohnehin derart schlecht war, dass sich kaum Gelegenheit zur Reue zeigte...


Das Teleskop liegt in seiner Rohform zwischen den bei Dieter Martini angebotenen Bausätzen und den komplett fertigen Geräten. Sowohl der Hut als auch die Spiegel- und Rockerbox sind bereits zusammengebaut/geleimt. Bohrungen für Höhenräder, OAZ u.ä. sind aber noch nicht vorhanden, die Höhenräder und Stangen liegen bei. Der erste Schritt ist natürlich die Vorbehandlung des Holzes, schliesslich soll er am Schluss ja auch ordentlich gegen Nässe geschützt sein und abgerundete Ecken sind ästhetisch auch wünschenswert. So sieht die Spiegelbox (und alle anderen Teile) vor dem ersten Schleifgang aus:

 

In mehreren Schleifgängen (ca. 180/300/800) werden alle Teile schön glatt und rund abgeschliffen, für die Rundungen der Kanten benutze ich einen Schleifklotz (unidealerweise war es eine kleine Tupperdose...). Nach einigen schweisstreibenden Nachmittagen sah es schon erheblich besser aus und vor allem war das Anfassen ein wahrer Genuss 

 

Auf der Suche nach einem geeigneten Lack wurde ich im Baumarkt fündig, es handelt sich dabei um einen "Nanotech" Schutzlack für stark witterungsbeanspruchte Aussenhölzer (z.B. Türläden oder Holzverkleidungen auf der Wetterseite eines Hauses). Was mir sehr daran gefällt: Vor dem Verarbeiten ist der Lack ein Gelee, der sich erst während des Auftragens verflüssigt, Sauerei ist damit weitestgehend zu verhindern. Nach jeweils 24h gibt es eine zweite Schicht - sicher ist sicher. Nach 2 Tagen erkläre ich die Teile für trocken - zunächst mal fühlt sich das ganze im vergleich zum hochglatten Holz sehr enttäuschend an :( Jan schubst mich auf die Technik des Nassschleifens. Mit 1200er Schleifpapier und Wasser geht es jetzt über den Lack und siehe da, nach kurzem Schleifen wird die Oberfläche nicht nur angenehm glatt sondern sogar richtig glänzend :)
 
 

Stangen in der Spiegelbox 

 

Die Stangenklemmung am Hut

 

In ganzer Pracht aber noch ohne OAZ oder Höhenräder... 

Jetzt macht er schon richtig was her - aber ausser für den Wetterschutz und die Ästhetik hat sich bis dato noch nichts getan! Zusammen mit meinem Vater mache ich mich an die Höhenräder. Nach Vorgabe setzen wir 4cm hohe Holzblöcke in die Rockerbox und stellen die Spiegelkiste hinein, nun werden die Höhenräderlöcher gebohrt und montiert, nun lässt er sich zum ersten Mal Schwenken und das tut er auch schon ganz smooth :)

Der OAZ wird genau eingepasst und montiert, jetzt sieht er zusammengebaut schon richtig einsatzbereit aus, mittlerweile ist es April und auch langsam Zeit, dass ich wieder ein einsatzfähiges Teleskop habe, doch hier warten noch einige Stolpersteine! Der Fangspiegel wird mit dem etwas teureren Silikon aus dem Baumarkt auf die FS Halterung geklebt, der Offset ist dabei schon berücksichtigt. Nun bleibt ja eigentlich nur noch die Verpflanzung des Hauptspiegels und dem Beobachten steht nichts mehr im Wege! -.- Weit gefehlt...

Der Galaxyspiegel ist tatsächlich an 9 Punkten mit der Zelle verklebt (!), die ganze Konstruktion ist dazu auch noch derat verwinkelt gebaut, dass man von keiner Seite richtig zwischen Zelle und Spiegel kommt... Radikale Massnahmen müssen her, ein altes Teppichmesser wird erhitzt und tatsächlich, die Klebepunkte strecken die Waffen :) Jetzt bekommt der Spiegel erstmal seine rituelle Waschung mit Spüliwasser und Aq.dest. aber die leider mittlerweile bekannten "Dreckkörner" weichen nicht :( Ich persönlich glaube, es handelt sich um über die Jahre festgebackene Pollen o.ä. Selbst eine sanfte Hand/Spüli Massage und das Einweichen mit Optical Wonder können hier rein gar nichts bewirken. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass eine durschnittlich verschmutzter Spiegel auch gute Leistung bringt und mir als letztes Mittel eines Tages noch die Neubelegung offen steht.
Der nächste Schock lässt nur wenige Tage auf sich warten... Der Spiegel passt beim besten Willen nicht in die Spiegelzelle :O!!! Tatsächlich fehlen hier gut 2mm die ich an einem sehr schweisstreibenden Nachmittag händisch runterschrubbe, bis der Spiegel endlich in sein neues Heim gleiten kann.

 

Der Bösewicht - Die Spiegelzelle

Jetzt aber, da dieses Problem auch noch gelöst ist, will mir kein Grund mehr einfallen nicht gleich loszulegen :) -.- ich bin einfach nicht kreativ genug um mir Probleme wie die folgenden vorzustellen - Auf den allerersten Blick merke ich schon: EXTREME HECKlastigkeit - das ist auf den ersten Blick verwunderlich, kämpfen doch fast alle Selbstbauer mit dem genauen Gegenteil: Einem zu schweren Hut. Nun ist das Gerät (ausser der Spiegelzelle) aber normalerweise für 25mm "Pizza"Spiegel gerechnet, mein elend schwerer 50mm Galaxyspiegel ist einfach zu dick und zieht stark nach unten. Spasseshalber ermittele ich wieviel Gewicht ich am Hut brauchte: Satte 3kg :D Aber das ist natürlich keine Option, die Höhenräder müssen wohl oder übel nochmals versetzt werden - Nun denn das Firstlight soll er aber trotzdem bekommen. Im Garten wird ein weiter entferntes Hausdach angepeilt - Seltsam, keine Chance das mit dem 32mm Okular scharf zu bekommen, ich sehe sogar mit volleingefahrenem OAZ den FS als unscharfen Schatten - okay das ist so ungewöhnlich am Tage nicht und das Dach ist vieleicht einfach zu nah. Mit dem 22mm LVW komme ich ganz knapp in den Fokus, mit dem 14mm Speers natürlich nicht, ist es doch eines der intrafokalkritischsten überhaupt... Später am Abend - das viel zu nahe Hausdach ist längst vergessen - der Mond soll mir nun zeigen wo in Sachen Fokus der Hammer hängt - Lange Gesichter... Keine Chance intrafokal auch mit dem sonst eher extrafokalkritischen LVW ein scharfes Bild zu bekommen - Die Stangen sind entschieden zu lang. In meinem jugendlichen Leichtsinn höre ich mich sagen:"Gut da müssen sicher so 2-3cm runter...

Der Dobson wandert ob dieser ersten Enttäuschung und enormen Zeitmangel für die nächsten Wochen im Bastelraum meines Vaters... Im Juni wird er schon leicht nervös, wie lange denn das Gerät da noch etwa stehen würde - nun ich weiss immer noch nicht wie weit die Stangen runtermüssen aber kann ja so schwer nicht sein, das herauszufinden. Ich entschliesse mich zum Praxistest - Eigentlich wollte ich es am Mond ausprobieren, aber der zeigte sich nie zu den Zeiten, zu denen ich Zeit zum basteln hatte. Nun sind Wolken ja oft auch etwas weiter weg und so mussten eben diese herhalten ;) Der OAZ wurde abgebaut und das Okular einfach so nah an den FS herangeführt bist sich ein scharfes Bild zeigte - Erstaunen!: Die Hülse vom 14mm Speers (als intrafokalkritischstes Okular als Präzedensfall ausgewählt) war komplett im OAZ Brett versenkt! Ein Lineal später wusste ich, das hier fast 90mm Fokusweg fehlen...

Nachdem Jan bereits lange kopfschüttelnd mein mühsames und langsames Problemlösungsverhalten beobachtet und mich auch schon öfter eingeladen hatte mit dem ganzen Krempel einfach bei ihm vorzufahren, belästigte ich ihn kurzer Hand (kann man nach vier Monaten noch von kurz reden?) und fand einen ganzen Nachmittag und Abend Herberge auf dem Jan'schen Gehöft :D Jetzt war der Praktiker am Werk! Nach telefonischer Rücksprache mit Jörn, der bei der Schwerpunktermittlung den letzten Knoten im Gehirn löste, gab es vier schöne neue Löcher für die Höhenräder und die Stangen wurden von Meister Jan persönlich gekürzt... Bei beiden Aufgaben, hat er mit Zollstock, Augemass und auch einer Portion Mut einfach zwei Werte als richtig angesetzt und drauflosgesäbelt.... Bei der Schwerpunktermittlung spendierte er auch noch das fast 1kg schwere 28mm UWAN um sicher zu gehen, dass da auch solche Kavenzmänner nicht zum Kopfnicker werden.

Der erste Test im Hof - Da war sie: Die ERLÖSUNG! :D Der Fokus sitzt perfekt, ich habe nun sogar beim 14mm Speers noch etwas Luft nach Innen und nach Aussen komme ich ebenfalls mit allen Okularen in den Fokus, Hecklastigkeit gehört der Vergangenheit an, und egal welches Okular: Der Dobson bleibt genauso stehen wie er soll - Endlich konnte ich mich in das Gerät wieder verlieben und nach einem kurzen Firstlight am hellen Junihimmel bekam meine "Hypatia" ihre schon vor Monaten angefertigten Edelstahlplakette auf den Hintern :)

 

Erster Fokustest - Die Höhenräder sind noch nicht versetzt

 

Nach allen bestandenen Tests, durfte dann auch das "Typenschild" Platz nehmen

 

Hypatia in ihrer natürlichen Umgebung ;)
Meinen tiefen Respekt vor allen Selbstbauern, die ausser den kleinen Problemchen mit denen ich zu kämpfen hatte, auch noch RICHTIGE Probleme beim Komplettselbstbau haben :D 



Sehr aufschlussreich und humoristisch auch der Baubericht aus Sicht von Jan, ohne den ich das Teil niemals zufriedenstellend zusammengebastelt bekommen hätte ;) 

Höhe Boden bis Oberkante Spiegelbox: 510 mm
Höhe Oberkante Spiegelbox bis Unterkante Hut: 885 mm
Höhe Unterkante Hut bis Oberkante Hut: 225 mm
Gesamthöhe: 1620 mm

Gewicht Rockerbox + Spiegelbox: 16,2 kg
Gewicht Stangen: 0,9 kg
Gewicht Hut ink. Telrad, OAZ, ÜOku: 2,8 kg
Gesamtgewicht: 19,9 kg

ATM Bericht 12" f/5 Hypatia

12" f/5 Gitterrohrdobson "Hypatia" 

Ich habe einige Zeit nachgedacht, ob für dieses Gerät ein Selbstbaubericht gerechtfertigt ist, immerhin ist es ein weitestgehend montiertes Martinibausatzgerät und kein wirklicher Selbstbau, aber die langen Wochen die ich gebraucht habe bis zum Firstlight und der ein oder andere Schweisstropfen auf dem Weg zum fertigen Teleskop haben mich dann doch überzeugt.
Im Februar konnte ich mein teilmontiertes Instrument von Astrooptik Martini persönlich auf dem ATH in Hückelhoven in Empfang nehmen, fantastisch - das Schleppen des Volltubus Galaxy soll nun also bald ein Ende haben. Seit gut vier Monaten liegt er zu diesem Zeitpunkt schon zerlegt im Keller, nur mein 4" Richfieldteleskop rettete mich über den Winter, der aber ohnehin derart schlecht war, dass sich kaum Gelegenheit zur Reue zeigte...


Das Teleskop liegt in seiner Rohform zwischen den bei Dieter Martini angebotenen Bausätzen und den komplett fertigen Geräten. Sowohl der Hut als auch die Spiegel- und Rockerbox sind bereits zusammengebaut/geleimt. Bohrungen für Höhenräder, OAZ u.ä. sind aber noch nicht vorhanden, die Höhenräder und Stangen liegen bei. Der erste Schritt ist natürlich die Vorbehandlung des Holzes, schliesslich soll er am Schluss ja auch ordentlich gegen Nässe geschützt sein und abgerundete Ecken sind ästhetisch auch wünschenswert. So sieht die Spiegelbox (und alle anderen Teile) vor dem ersten Schleifgang aus:

 

In mehreren Schleifgängen (ca. 180/300/800) werden alle Teile schön glatt und rund abgeschliffen, für die Rundungen der Kanten benutze ich einen Schleifklotz (unidealerweise war es eine kleine Tupperdose...). Nach einigen schweisstreibenden Nachmittagen sah es schon erheblich besser aus und vor allem war das Anfassen ein wahrer Genuss 

 

Auf der Suche nach einem geeigneten Lack wurde ich im Baumarkt fündig, es handelt sich dabei um einen "Nanotech" Schutzlack für stark witterungsbeanspruchte Aussenhölzer (z.B. Türläden oder Holzverkleidungen auf der Wetterseite eines Hauses). Was mir sehr daran gefällt: Vor dem Verarbeiten ist der Lack ein Gelee, der sich erst während des Auftragens verflüssigt, Sauerei ist damit weitestgehend zu verhindern. Nach jeweils 24h gibt es eine zweite Schicht - sicher ist sicher. Nach 2 Tagen erkläre ich die Teile für trocken - zunächst mal fühlt sich das ganze im vergleich zum hochglatten Holz sehr enttäuschend an :( Jan schubst mich auf die Technik des Nassschleifens. Mit 1200er Schleifpapier und Wasser geht es jetzt über den Lack und siehe da, nach kurzem Schleifen wird die Oberfläche nicht nur angenehm glatt sondern sogar richtig glänzend :)

 

Stangen in der Spiegelbox 

 

Die Stangenklemmung am Hut

 

In ganzer Pracht aber noch ohne OAZ oder Höhenräder...

Jetzt macht er schon richtig was her - aber ausser für den Wetterschutz und die Ästhetik hat sich bis dato noch nichts getan! Zusammen mit meinem Vater mache ich mich an die Höhenräder. Nach Vorgabe setzen wir 4cm hohe Holzblöcke in die Rockerbox und stellen die Spiegelkiste hinein, nun werden die Höhenräderlöcher gebohrt und montiert, nun lässt er sich zum ersten Mal Schwenken und das tut er auch schon ganz smooth :)

Der OAZ wird genau eingepasst und montiert, jetzt sieht er zusammengebaut schon richtig einsatzbereit aus, mittlerweile ist es April und auch langsam Zeit, dass ich wieder ein einsatzfähiges Teleskop habe, doch hier warten noch einige Stolpersteine! Der Fangspiegel wird mit dem etwas teureren Silikon aus dem Baumarkt auf die FS Halterung geklebt, der Offset ist dabei schon berücksichtigt. Nun bleibt ja eigentlich nur noch die Verpflanzung des Hauptspiegels und dem Beobachten steht nichts mehr im Wege! -.- Weit gefehlt...

Der Galaxyspiegel ist tatsächlich an 9 Punkten mit der Zelle verklebt (!), die ganze Konstruktion ist dazu auch noch derat verwinkelt gebaut, dass man von keiner Seite richtig zwischen Zelle und Spiegel kommt... Radikale Massnahmen müssen her, ein altes Teppichmesser wird erhitzt und tatsächlich, die Klebepunkte strecken die Waffen :) Jetzt bekommt der Spiegel erstmal seine rituelle Waschung mit Spüliwasser und Aq.dest. aber die leider mittlerweile bekannten "Dreckkörner" weichen nicht :( Ich persönlich glaube, es handelt sich um über die Jahre festgebackene Pollen o.ä. Selbst eine sanfte Hand/Spüli Massage und das Einweichen mit Optical Wonder können hier rein gar nichts bewirken. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass eine durschnittlich verschmutzter Spiegel auch gute Leistung bringt und mir als letztes Mittel eines Tages noch die Neubelegung offen steht.
Der nächste Schock lässt nur wenige Tage auf sich warten... Der Spiegel passt beim besten Willen nicht in die Spiegelzelle :O!!! Tatsächlich fehlen hier gut 2mm die ich an einem sehr schweisstreibenden Nachmittag händisch runterschrubbe, bis der Spiegel endlich in sein neues Heim gleiten kann.

 

Der Bösewicht - Die Spiegelzelle

Jetzt aber, da dieses Problem auch noch gelöst ist, will mir kein Grund mehr einfallen nicht gleich loszulegen :) -.- ich bin einfach nicht kreativ genug um mir Probleme wie die folgenden vorzustellen - Auf den allerersten Blick merke ich schon: EXTREME HECKlastigkeit - das ist auf den ersten Blick verwunderlich, kämpfen doch fast alle Selbstbauer mit dem genauen Gegenteil: Einem zu schweren Hut. Nun ist das Gerät (ausser der Spiegelzelle) aber normalerweise für 25mm "Pizza"Spiegel gerechnet, mein elend schwerer 50mm Galaxyspiegel ist einfach zu dick und zieht stark nach unten. Spasseshalber ermittele ich wieviel Gewicht ich am Hut brauchte: Satte 3kg :D Aber das ist natürlich keine Option, die Höhenräder müssen wohl oder übel nochmals versetzt werden - Nun denn das Firstlight soll er aber trotzdem bekommen. Im Garten wird ein weiter entferntes Hausdach angepeilt - Seltsam, keine Chance das mit dem 32mm Okular scharf zu bekommen, ich sehe sogar mit volleingefahrenem OAZ den FS als unscharfen Schatten - okay das ist so ungewöhnlich am Tage nicht und das Dach ist vieleicht einfach zu nah. Mit dem 22mm LVW komme ich ganz knapp in den Fokus, mit dem 14mm Speers natürlich nicht, ist es doch eines der intrafokalkritischsten überhaupt... Später am Abend - das viel zu nahe Hausdach ist längst vergessen - der Mond soll mir nun zeigen wo in Sachen Fokus der Hammer hängt - Lange Gesichter... Keine Chance intrafokal auch mit dem sonst eher extrafokalkritischen LVW ein scharfes Bild zu bekommen - Die Stangen sind entschieden zu lang. In meinem jugendlichen Leichtsinn höre ich mich sagen:"Gut da müssen sicher so 2-3cm runter...

Der Dobson wandert ob dieser ersten Enttäuschung und enormen Zeitmangel für die nächsten Wochen im Bastelraum meines Vaters... Im Juni wird er schon leicht nervös, wie lange denn das Gerät da noch etwa stehen würde - nun ich weiss immer noch nicht wie weit die Stangen runtermüssen aber kann ja so schwer nicht sein, das herauszufinden. Ich entschliesse mich zum Praxistest - Eigentlich wollte ich es am Mond ausprobieren, aber der zeigte sich nie zu den Zeiten, zu denen ich Zeit zum basteln hatte. Nun sind Wolken ja oft auch etwas weiter weg und so mussten eben diese herhalten ;) Der OAZ wurde abgebaut und das Okular einfach so nah an den FS herangeführt bist sich ein scharfes Bild zeigte - Erstaunen!: Die Hülse vom 14mm Speers (als intrafokalkritischstes Okular als Präzedensfall ausgewählt) war komplett im OAZ Brett versenkt! Ein Lineal später wusste ich, das hier fast 90mm Fokusweg fehlen...

Nachdem Jan bereits lange kopfschüttelnd mein mühsames und langsames Problemlösungsverhalten beobachtet und mich auch schon öfter eingeladen hatte mit dem ganzen Krempel einfach bei ihm vorzufahren, belästigte ich ihn kurzer Hand (kann man nach vier Monaten noch von kurz reden?) und fand einen ganzen Nachmittag und Abend Herberge auf dem Jan'schen Gehöft :D Jetzt war der Praktiker am Werk! Nach telefonischer Rücksprache mit Jörn, der bei der Schwerpunktermittlung den letzten Knoten im Gehirn löste, gab es vier schöne neue Löcher für die Höhenräder und die Stangen wurden von Meister Jan persönlich gekürzt... Bei beiden Aufgaben, hat er mit Zollstock, Augemass und auch einer Portion Mut einfach zwei Werte als richtig angesetzt und drauflosgesäbelt.... Bei der Schwerpunktermittlung spendierte er auch noch das fast 1kg schwere 28mm UWAN um sicher zu gehen, dass da auch solche Kavenzmänner nicht zum Kopfnicker werden.

Der erste Test im Hof - Da war sie: Die ERLÖSUNG! :D Der Fokus sitzt perfekt, ich habe nun sogar beim 14mm Speers noch etwas Luft nach Innen und nach Aussen komme ich ebenfalls mit allen Okularen in den Fokus, Hecklastigkeit gehört der Vergangenheit an, und egal welches Okular: Der Dobson bleibt genauso stehen wie er soll - Endlich konnte ich mich in das Gerät wieder verlieben und nach einem kurzen Firstlight am hellen Junihimmel bekam meine "Hypatia" ihre schon vor Monaten angefertigten Edelstahlplakette auf den Hintern :)

 

Erster Fokustest - Die Höhenräder sind noch nicht versetzt

 

Nach allen bestandenen Tests, durfte dann auch das "Typenschild" Platz nehmen

 

Hypatia in ihrer natürlichen Umgebung ;)
Meinen tiefen Respekt vor allen Selbstbauern, die ausser den kleinen Problemchen mit denen ich zu kämpfen hatte, auch noch RICHTIGE Probleme beim Komplettselbstbau haben :D 

UPDATE 11/2013:

Diverse Tuning Maßnahmen zur Streulichtminimierung und Versteifung

© 2009 Benny Hartmann