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Sonntag, 10. April 2016

BB Frühjahrstreffen Stumpertenrod 2016

Datum:  8-9. April
Ort: Vogelsberg
Zeit: 22:15 Uhr bis 2:30 Uhr
Grenzgröße: ~ 6m4+ 
Zu meiner.... Schande trifft es nicht, eher Trauer, muss ich gestehen, dass seit meinem letzten Aufenthalt im Vogelsberg vor fast genau einem Jahr meine astronomischen Freuden doch arg gedämpft waren, vielleicht noch mit Ausnahme der Beobachtungen in den Alpen im vergangenen Spätsommer sowie der Mondfinsternis. Aber von den Nächten von denen ich eigentlich "lebe" waren durch die Bank weg alle nicht dazu geeignet die Motivation aufrecht zu halten, der Himmel entweder ein gutes Stück von den Durchschnittswerten entfernt, der Wind so stark dass ernsthafte Einschränkungen die Folge waren... ect.

Diese Nacht beim Frühjahrstreffen der Sternwelt Vogelsberg hat mich aber endlich wieder geerdet, begeistert und tief befriedigt. Kurzentschlossen kam meine Tochter mit, so richtig begeistert war ich zunächst nicht, sollten die Nachtemperaturen doch merklich unter die Frostgrenze fallen, außerdem kamen wir erst sehr spät auf die Straße (nach 20 Uhr). Deshalb konnte ich natürlich nach 22 Uhr auch nicht mehr auf den Platz fahren, dank Jan der mich aber schon am Parkplatz hinter der Sternwarte in Empfang nahm war das nötigste Equipment problemlos an den unteren Rand des Platzes getragen und aufgebaut. Wegen dem mich bereits auf den letzten Kilometern im Auto extrem begeisternden Himmel (und wir reden hier von einem eher unspektakulären Frühlingshimmel!) wollte ich nicht viel Zeit mit Knipsen vertrödeln, weshalb man mir ein einziges, schlechtes und nichtssagendes Foto als Stimmungsbild verzeihen möge - es taugt eigentlich nur als Beweis: Die Sonne schien nicht.


Meine Tochter war noch ein kleines Weilchen wach, schon etwas geschwächt von der vorigen Nacht die sie wohl auch mehr wach als schlafend bei einer Freundin verbrachte ;) Aber immerhin sah sie noch alle Mitglieder des Leo-Triplets bevor sie sich in der Sternwarte mit dem Schlafsack in eine Ecke verkrümelte.

Bei Jan gab es im 16er eine weitere tolle Gruppe in Leo auf die Augen:
NGC3686/3684/3681/3691wobei die leztere etwas abseits steht und auch kleiner respektive schwächer ist. Natürlich trotzdem nicht sehr anspruchsvoll im 16er aber dafür umso schöner anzuschauen. Tatsächlich fand ich sie dann auch auf Anhieb im 8er wieder und auch hier waren alle Gruppenmitglieder mit 14mm zu sehen. Zerknirscht muss ich jetzt auch noch zugeben, dass ich meine letzte Beobachtung vor drei Jahren wieder völlig vergessen hatte ;)

Also bringen mir Galaxien nach wie vor das vertraute Kribbeln, dann ab in den Virgohaufen. Ich muss schon gestehen, dass ich etwas Bammel hatte ob alle Strategien und Handgriffe noch reibungslos funktionieren aber ja - als wäre ich letzten Monat zehn mal draußen gewesen.

Also Peilung auf Messier 100 um mich dann über 99 zu 84 und 86, dem Einstieg in die Makarian Chain. Ich halte kurz inne - natürlich ist die Kette ein tolles Highlight des Virgohaufens, aber schon wieder? Nein, ich schaue mich jetzt mal in die andere Richtung um. Zunächst identifiziere ich neben 84 und 86 auch nocht NGC 4402, 4387, 4388 (die ohnehin sehr hell ist) und sogar IC  3303! Weiter geht es Richtung Süden zu einer zumindest auf der Karte sehenswerten Dreiergruppe: NGC 4440, 4436, 4431. Die Karte erschien mir hier zwar in Sachen Ort völlig eindeutig aber der Abstand der Galaxien erschloß sich mir nicht sofort, so dass ich sie zwar sofort sah aber erst noch trennen wollte wo nichts mehr zu trennen war, die Mitglieder stehen schon ein Stückchen auseinander, das kam auf der Karte nicht ganz rüber. Bei Jan im 16er wurde mir das dann klar. Auch eine wunderschöne Gruppe, die den 8"er nicht überfordert hat.

Zwischendurch mal ein bisschen die Beine vertreten und bei Basti am Nachbarteleskop einen saftigen M51 beobachten, das wird dann auch noch an den anderen Geräten gemacht - die vielen Knoten in den Spiralarmen sprechen eine klare Sprache: Heute wurde was richtig gemacht am Himmel! Ein Blick in Richtung UMi sagt auch, dass wir hier eine echt transparente Nacht haben, der 6,2er springt einen sofort an und mit etwas Geduld komme ich auf gut 6m4 Grenzgröße, im Zenith mag sie sogar darüber gelegen haben. Allein am Horizont ist etwas Dunst. Es ist schon erstaunlich kalt für Aprik, etwa -3° und die volle Winterkleidung ist am Körper und sorgt für das nötige Durchhaltevermögen.

Die Kette in Virgo beobachte ich natürlich trotzdem noch durch bis M88 die bereits in Coma Berenices liegt. Ich verlängere die Kurve noch über NGC 4516 bis M91. Im Sternbild Coma besuche ich dann noch ein altbekanntes und immerwieder überraschendes Pärchen: Nahe Alpha Coma und damit eigentlich nicht zu übersehen liegen zwei Kugelsternhaufen in einem (Übersichts) Gesichtfeld die unterschiedlicher nicht sei können obwohl sie sogar ähnliche Nummern haben.

M53 ist natürlich ein heller, schön aufzulösender Kugelsternhaufen wie man ihn vielfach aus dem Messierkatalog kennt. Am Gesichtsfeldrand des 24mm Okulars sieht man mit NGC 5053 ein wesentlich schwächerer Vertreter. Zwischen 8m33 und 9m8 mögen auf dem Papier keine gigantischen Unterschiede bestehen aber durch die sehr schwache Konzentration des NGC Haufens ist der Kontrast schon sehr auffällig.

Die Sommermilchstraße erhebt sich langsam im Osten über den Horizontdunst, der aber langsam etwas höher kriecht, sehr zufrieden lehnen wir uns auf den Stühlen zurück und lassen die Ruhe auf uns wirken, nur unterbrochen vom Schnarchen der Zusammengebrochen und dem Surren der Unbelehrbaren. Gegen halb drei mache ich es mir dann doch auf meinem Feldbett bequem (und es ist in der Tat bequem!).

Der Morgen kommt früh mit der natürlich nun ausgeschlafenen Tochter die voller Tatendrang um kurz nach Sieben in die noch eisbedeckte Morgenkälte springt. Nach einem wärmenden Kaffee und einfachen Frühstück kommen die weiteren Protagonisten aus ihren Zelten und Autos und neben etwas Fachsimpelei machen wir uns nochmals auf die Socken um ein wenig die wunderschöne Natur der Umgebung zu genießen. Nach dem Mittagessen machen wir uns dann aber ob der Prognosen und der nach Fahrplan aufziehenden Bewölkung auf den Nachhauseweg. Es war kurz, ja - aber selten hat von Anfang bis Ende alles gepasst und einmal mehr war es der Vogelsberg der mir genau das gegeben hat was ich bei diesem Hobby suche: Tiefe Einblicke in einen beeindruckenden Himmel, nette Gleichgesinnte um mich herum und nah an einer wunderschönen Natur zu sein.

Ans Ende stelle ich noch einige Eindrücke des Frühlingstreffens.







Montag, 20. April 2015

BB Frühjahrstreffen Stumpertenrod 2015

Datum:  17-19. April
Ort: Vogelsberg
Zeit: Freitag 20 Uhr bis 2:30 Uhr Samstag 20 Uhr bis 3:45 Uhr
Grenzgröße: Freitag ca. 6m1 - 6m2 Samstag 21.45 m/arcmin²

Lange darauf hingefiebert - nun endlich komme ich mal wieder von meiner Scholle weg und unter potentiell dunkleren Himmel. Jan hat schon viele Tage vorher sein Lager aufgeschlagen. Schon vormittags kann ich mich loseisen und mache mich auf den Weg, im Gepäck das "große Besteck", Grinsen treibt mir mein neues Auto ins Gesicht, dass sich als ideal für solche Astroexkursionen zeigt, mit ausgebauten Sitzen (was ich mir sogar hätte schenken können), könnte ich sogar auf ein Zelt verzichten und mich bequem direkt hineinbetten.



Das Wetter verspricht nach ein paar richtig warmen, schon fast zu warmen Tagen, wieder deutlich abzukühlen aber auch klar zu werden! Bei meiner Ankunft zur Mittagszeit zeigt sich der Himmel schon durchaus schön mit wilden Wolken und einem herben, straffen Wind... schon fast Sturm. Der Zeltaufbau ist entsprechend anstrengend, allein ohne Jans Hilfe hätte ich keine Chance gehabt und das Zelt einen Kilometer weiter auflesen können. Nach dem Aufbau ging es deshalb erstmal in einen Pulli, Jacke und Mütze - alles würde ich die nächsten 48 Stunden nicht mehr ausziehen.


Der Nachmittag wurde sehr entspannt, dem Sturm geschuldet, über weite Strecken im Wohnwagen verbracht. Objektrecherche für die kommende Nacht stand an. Ich beobachtete schon mal mit dem Finger auf der Karte den Kasten des Großen Bären durch und schrieb mir Helligkeiten aus der Liste - auch mit nur 8" sollte hier unter entsprechendem Himmel einiges zu sehen sein. Nach dem Abendessen (lecker Wurst in netter Gesellschaft), steht die Organisation des "Arbeitsplatzes" an und dann... tja das inzwischen schon wieder laaange Warten auf Dunkelheit. Sowohl Venus als auch Jupiter lassen sich aber schon vor Sonnenuntergang am Himmel entdecken.



Doch bevor es richtig los geht, kann ich mich endlich von den glühenden Kohlen in Form von Jans neuem Dobson befreien! Bisher sah ich nur Bilder und nur das direkte Begrabbeln kann hier Abhilfe schaffen. Mein erster Gedanke beim Ansehen: Sehr sehr hübsch aber viel zu filigran und nackig... Oh wie ich mich täuschte :D Die Konstruktion ist wirklich materialminimalistisch, die erste Berührung belehrt mich eines Besseren - eine stocksteife Konstruktion :O !! Die Bewegungen smooth und völlig ruckelfrei, Ausschwingzeit praktisch inexistent! Allein die Az-Achse ist mir zunächst einen Tick zu leichtgängig, interessanter Weise finde ich aber heraus, dass beim Drehen der Druck dann doch zunimmt, geniale Sache. Diese Art von Spiegel sehe ich nun auch zum ersten Mal Live - eine Sandwichkonstruktion, die schon vom Angucken verspricht erheblich kürzere Auskühlzeiten zu ermöglichen. Zunächst etwas verwirrend aber im Nachgang doch als tauglich und sogar wünschenswert empfunden: Die oberhalb des Hutrings angebrachte Spinne, ebenfalls nur auf den ersten Blick filigran und real ultrastabil. Was die optische Leistungsfähigkeit angeht wird mich die Nacht vielfach (!) zu verzücktem Jauchzen bringen - zwar habe ich schon vielfach durch diverse 16"er mitbeobachtet, aber ohne den Besitzern zu nahe zu treten: Das waren über weite Strecken eher Gürkchen...


Ich wende mich nun doch meiner Karte zu. Leider zeigt sich sehr schnell, dass ich nicht wirklich mitgedachte habe. Meine Ziele stehen nahezu exakt im Zenit, der sich leider mit dem GSO nur sehr hakelig bearbeiten lässt. Trotzdem starte ich zumindest mit den ersten Objekten. Auf der Linie Gamma und Beta UMa findet sich auf 1/3 ein Stern um den die ersten Galaxien aufblitzen. NGC 3738 und NGC 3756 liegen nah beieinander. Beide sind mit 11,2 und 11,5m eher hell aber nun keine strahlenden Gestalten, erstere ist eine interessante kleine Zwerggalaxie und die zweite eine Balkenspirale - Details lassen sich mit 8" erwartungsgemäß nicht ausmachen.

Durch den Stand bedingt, verschiebe ich weiteres Eindringen in den Bärenkorpus und schwenke zu M 109, von dort erkunde ich die naheliegenden Gesichtsfelder und sehe  NGC 3953, die mit 10,8m ein prominentes Objekt ist. In die andere Richtung liegte NGC 4102 die nicht weit zurückbleibt was die Helligkeit angeht, im selben Gesichtsfeld schön gelegen findet sich auch noch NGC 4068, diese irreguläre Galaxie ist dann schon ein anderes Kaliber 12,5m ist natürlich tadellos in Reichweite aber sie war schon sehr oberflächenschwach und vor allem nicht sichtbar konzentriert.

Einige Standards wie M 51, 101, 108, 81, 82, 63 seien der Vollständigkeit halber noch erwähnt, vor allem 51 war für 8" Verhältnisse mal wieder prächtig, kein Raten in Sachen Spiralarmen von Nöten! Weggehauen hat sie mich allerdings dann an Jans 16er: Arme wohin man blickt und von Knoten durchzogen. Ganz ehrlich - wir reden hier von Anblicken, die man mit einfachen Kurzzeitbelichtungen durch ein Teleskop schon nicht mehr fotografisch erfassen kann - herrlich. M 101, da war ich dann richtig baff - hell, groß... und doch immer wieder für eine Enttäuschung gut, hier steht und fällt alles mit dem Himmel, dann noch gepaart mit dem Teleskop war es ein Genuss die Spiralarme nachzuvollziehen, Verdickungen und H-II Regionen zu entdecken... jaaa doch, kann was :D

Hernach versuchte ich mich noch an zwei (bereits bekannten) Päärchen in den Jagdhunden. NGC 4485/4490 alias Arp 269, diese wechselwirkenden Galaxien sind mir immer wieder eine Freude, die große und merklich hellere hat einen Gezeitenschweif der im Ansatz sogar schon im 8"er zu sehen ist, in Richtung dieses Schweifs steht der kleine irreguläre Partner. Etwas weiter in Richtung Cor Caroli findet sich die Paarung NGC 4618/4625. Obwohl beide selben Typs sind und tatsächlich auch räumliche Nachbarn sind, ist 4318 sofort unübersehbar, selbst wenn man per Zufall in das Feld stolpern sollte (10,6), während man 4625 doch etwas Ruhe geben muss, dann ist sie aber ebenfalls kein Problem (12,3), sie ist in jedem Fall merklich kleiner (im infraroten übrigens nicht, da zeigen sich sehr schwache Arme).

Ein absolutes Highlight: Das Draco Trio NGC  5985, 5982, 5981... einfach mal WOW! Im 16er zeigen sich aufgereiht drei Galaxien wie sie unterschiedlicher nicht sein können, dabei keine Funzeln (mit 16") und somit schauen sie eigentlich interessanter aus als beispielsweise das Leotriplet. In der kommenden Nacht werde ich sie auch mit 8" suchen... aber dazu später mehr.

Während des Abends lief übrigens die Kamera dezent platziert und schoss eine Serie des Venus Untergangs.


Nach Mitternacht, war es 1 oder 2 Uhr (?) zog der Himmel plötzlich von Norden her zu, der Wind war bis auf einen leichten Zug hin und wieder zum Sonnenuntergang abgeflaut. Zeit für ein kurzes Aufwärmen in der Sternwarte. Hier hatte ich die Möglichkeit die Spindelgalaxie NGC 4240 durch den 20" Cassegrain zu sehen, durchaus beeindruckend! Ganz ehrlich fand ich sie allerdings später im 16"er nicht wirklich schlechter... Der Himmel zog nach einer viertel Stunde auch wieder frei, lustigerweise waren wir während des Aufziehens gerade mit dem Großen bei Messier 82... die überaus präsenten und detaillierten Dunkelwolken verloren etwas an Kontrast und als wir aufblickten mussten wir doch mal lachen: Ein immer noch detaillierter M 82 durch eine geschlossene Wolkendecke :D

Wir waren bereits vom windigen Tag durchgefroren in die Nacht gestartet - Ausrüstung und (laminierte) Karten bereits mit Reif bedeckt, das Anziehen der Maximalausrüstung - eigentlich für Winternächte konzipiert - retteten uns durch die vielen Stunden aber so mollig warm war uns dann doch nicht mehr ;) Umso schlimmer das Aufwärmen! Ich wurde fast augenblicklich RICHTIG müde... Trotzdem bequemten wir uns noch ein Stündchen an die Geräte bevor wir beschlossen uns für die zweite, mutmaßlich bessere Nacht, etwas schonen und in die Betten kriechen wollten.



Samstag... Ich krieche gegen halb acht aus dem Schlafsack. Die Morgenstimmung auf Teleskoptreffen ist immer wieder schön und einzigartig. Meist halte ich es trotz Müdigkeit und spätem Schlaf nie so wirklich lange aus. Es ist immer noch kalt, der Wind hat wieder aufgefrischt. Alles ist ruhig und die tiefe Sonne wärmt das taugeplagte Teleskop. Erstmal alles Nasse in Richtung Sonne drehen, dann fix unter die Dusche hüpfen und Teile der Menschlichkeit wieder herstellen. Eisreste finden sich immer noch auf den Karten, auch diese werden aber schnell trocken. Ich weiss nicht ob es nur MIR so geht, immer wenn ich auf Treffen bin fällt der durchorganisierte und getaktete Alltag ab - manchmal ist das auch verwirrend... Uhrzeit? Egal... Was mach ich wann? Wird sich zeigen :D Mitunter kann die Ziellosigkeit aber auch anstrengend sein - Das Zeitgefühl geht jedenfalls schnell verloren. Ein rudimentäres Frühstück angereichert durch einen sehr wilkommenen Kaffee von Jan (danke!), normal trinke ich gar keinen aber allein die Wärme hilft doch immens. 


Der Tag verfliegt mit anregenden Gesprächen, Seele baumeln lassen und immer mal wieder Windschutz aufsuchen. Des Nachmittags lasse ich die EOS nochmal rattern und die ziehenden Wolken aufnehmen. Mit dabei auch die beiden Sequenzen von Freitag (nach Westen) und Samstag (nach Süden) Nacht.


Frühjahrstreffen Vogelsberg 2015 from Benny Hartmann on Vimeo.

Vor dem Sonnenuntergang unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang zu einem verboten idyllisch gelegenen Teich/Tümpel in Schlagdistanz. Ein Ort, der im Abendlicht eine herrliche ruhige Stimmung verbreitet. Besonders hier wird mir wieder der Unterschied zu heimischen Gefilden bewusst - das ist auch Land - aber hier wird das Plätschern, Rauschen und Zwitschern doch merklich weniger durch die Geräusche von Bundesstraßen und Flugzeugen überlagert! Herrlich...



Nachdem ich meine Ravioli verdrückt hatte und man sich eigentlich wieder der Objektvorbereitung widmen wollte eine sehr freudige Überraschung: Andreas ist angekommen! Das hat mich wirklich gefreut, dass er es möglich gemacht hat, die Nacht mit uns zu verbringen. Einmal mehr stelle ich die Kamera am Rand des Geländes auf und wir erwarten das Ende der Dämmerung.

Nach subjektiver Ewigkeit lohnt es dann auch in den Deepsky vorzudringen. Ich finde endlich auch mit dem 8"er das Draco Trio, natürlich nicht wirklich mit dem Anblick im 16er zu vergleichen und nicht alle sind gleich einfach, falsch: Einfach ist keine aber einige sind eben knackiger. Interessanter Weise ist die Edgeon NGC 6981 mit unter 13m gar nicht mal die schwerste, NGC 5985 ist die hellste mit ca. 11m8 aber nur auf dem Papier, denn NGC 5981 ist konzentrierter.

Zeit für etwas Coma - ich starte bei Beta-Com und sehe relativ unaufgeregt NGC 5032, einfach ist sie nicht, schon allein dadurch, dass Beta im Gesichtsfeld ist wird das ganze ein Geduldsspiel um die richtige Ausrichtung und die richtige Richtung fürs indirekte Sehen. Irgendetwas unterbricht meine Tour und ich will später wieder ansetzen, werde aber nicht mehr dazu kommen. Als ich wieder am Teleskop bin habe ich wieder die Karte von Draco und UMi vor mir liegen und will mich etwas dort treiben lassen. Ein paar Starhopping Übungen bringen mich schnell von Pherkad am Kasten im kleinen Bären zur Galaxie NGC 5832. Eine "Häkchen" Galaxie in 8" - will heißen: Gesucht, gesehen, identifiziert aber ohne, dass sich hier intensives Beobachten in Details niederschlagen würde ;)


Strichspuren in Richtung Süden - so sieht das also ohne Lichtglocke aus!

Ermutigt durch die gute Orientierung auf der Karte gehe ich zurück ins Feld mit Pherkad uns starte eine längere und etwa anstrengende Hangelpartie von Sternmuster zu Sternmuster, über etliche Gesichtsfelder bis ich ankomme - Ja wo denn? Zwei relativ helle Sterne stehen hier, bei einem ein weiterer schwächerer sowie natürlich viele schwächere Feldsterne. Ich schwenke das Teleskop vielfach hin und her, die einzige Chance die Burschen, die sich hier mutmaßlich verstecken aus ihrer Deckung zu locken. Da! Ein kleiner Fleck nahe des "linken" Sterns! Eine mehrfache Wiederholung und ein Wechsel auf 14mm schließt alles andere aus - sie blitze indirekt immer wieder kurz auf, sehr sehr grenzwertig, niemals dauerhaft haltbar, aber da ist etwas. ich habe die Galaxie IC 1110 vor mir, genaue Helligkeiten finde ich nicht aber sie liegt jenseit von 14m, noch innerhalb der Grenzen dessen was 8" unter Himmel oberhalb von 6mag leisten kann aber eben schon nah an der Grenze und auch anstrengend. Jetzt geht es aber erst an die RICHTIGE Herausforderung in diesem Feld, mit den beiden Sternen ein Dreieck bildend schaue ich mit 30mm auf eine leere Fläche. Nicht ganz leer, einige schwache Feldsterne sind schon da. Ich schwenke mit indirektem Sehen lange über das Feld, immer wieder hin und her. Der Himmelshintergrund scheint mir ungleichmässig, keinerlei konzentrierte Aufhellung wie man das von den üblichen Objekten kennt, bei 14mm wird das noch deutlicher, hier der Himmel dunkel, beim Schwenken wird er etwas (!!!!) heller, dann wieder dunkler. Ich bin doch arg überrascht und freudig erregt. Schnell geht es an den 16er um meine Beobachtung zu verifizieren bevor ich dann noch weitere Beobachter hinzuziehe. Die Stelle ist schnell wieder gefunden und auch hier das selbe Spiel mit 24mm und 14mm. IC 1110 ist hier schon bedeutend einfacher, das zweite Objekt nicht wirklich einfacher, aber völlig reproduzierbar, bei 14mm schon gesichtsfeldfüllend ändert sich die Helligkeit des Himmelshintergrundes. Nun ist es Zeit auch Jan und dann Andreas das Feld zu zeigen und erst einmal selber ihre Schlüsse ziehen zu lassen. Am Ende sind wir uns einige: Da ist eine völlig undefinierte aber ortsfeste Helligkeitsvariation. Dabei handelt es sich um UGC 9749 - Den Ursa Minor Dwarf - eine nahe Zwerggalaxie der lokalen Gruppe, ein Thema was bei mir immer mal wieder hochkommt und wohliges Schauern auslöst, ich erinnere mich da noch an IC 10 in Cassiopeia, die ich sogar mit 5" schon sehen konnte. Bei diesen ultralowsurfacebrightness Objekten kommt es denke ich auch nur zweitrangig auf die Öffnung und viel mehr auf die richtige AP gepaart mit optimaler Transparenz an. Es war für mich ganz klar das Highlight des Abends, des Wochenendes und des bisherigen Jahres! 

Ein solcher Knacki, der körperlich spürbare Erschöpfung (gepaart mit tiefer Befriedigung) hinterlässt muss einfach der Höhepunkt einer Nacht bleiben, deshalb geht zwar weder der Himmel flöten noch meine Motivation aber die verbleibenden zwei Stunden bis etwa viertel vor vier verbringe ich ohne Anspruch auf Heldentaten mit entspannten Gesprächen und Blicken meist durch andere Teleskope. Vollgepackt mit wunderschönen Eindrücken und endlich wieder rückhaltlos davon überzeugt, das schönste Hobby der Welt zu haben geht es dann irgendwann in den Schlafsack :)


Paradies im Nirgendwo

Fazit: Was soll ich da noch schreiben.. ich hoffe und denke es kam rüber, dass ich aufs Äusserte glücklich die Heimreise antrat :)) Die kurze Zeit voll ausgefüllt mir Nichtstun und dann wieder gespannter Betriebsamkeit des Nachts - einfach perfekt. Dazu beigetragen haben einmal mehr die Menschen um mich herum. Das fängt direkt mit Jan an, ohne dessen menschliche und sächliche Infrastruktur das ganze bei Weitem nicht so viel Spaß und Entspannung gebracht hätte, dann natürlich die netten Gesprächspartner des Wochenendes, die ich teils schon kannte teils aber auch neu kennenlernte wie Jan (2) oder Günther und last but not least natürlich der Verein selber, der diese immer wieder eindrücklichen Erlebnisse an ihrem Standort möglich macht.

Sonntag, 11. August 2013

Bericht vom 6. HUTT in Perscheid 08.-11.08.2013


Datum: 09-11.08.2013
Ort: Perscheid im Hunsrück

Bericht vom Hunsrücker Teleskoptreffen 2013

Die ersten Zeilen dieses Berichts schreibe ich noch gemütlich vor meinem Zelt sitzend in der Nachmittagssonne, sonst sind die Erinnerung an den fantastischen Abend und die lange Nacht dahin bis ich wieder zu Hause bin. Gegen 16 Uhr traf ich im beschaulichen Perscheid ein, vor der großen Begrüßungsrunde war natürlich erst das Zelt und das Equipment aufzubauen, dank Wurfzelt kein großer Akt. Für die Hinfahrt brauchte ich um die anderthalb Stunden, aber wir fuhren auch die romantische Strecke am Rhein entlang und schraubten uns dann ab Bacharach in die Höhe in Richtung Perscheid.


Der Hauptaspekt eines Teleskoptreffens, insbesondere eines kleineren im familiären Rahmen ist natürlich das Kennenlernen von Sternfreunden und das Treffen von alten Bekannten, die ich stellenweise schon seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hatte, allein für die vielen netten Kontakte und Gespräche hätte sich die Anreise schon gelohnt! Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die dort waren und dazu beigetragen haben, das Treffen wirklich zu einem einmaligen Erlebnis zu machen.



Und hier noch zwei schöne Bilder von Claudia und Bernd, danke fürs Schicken!


Benny & Bernd - endlich ein persönliches Treffen






Während mein Sohnemann die Lust am Zelten schnell verging und doch lieber die Nacht beim zum Glück heraneilenden Opa zu verbringen war meine Kleine Feuer und Flamme, sicher auch weil sie sich schnell mit den Töchtern von Jörn und Markus angefreundet hat, ein tolles Erlebnis auch für sie... Nach einem mehr oder minder schmackhaften Abendessen (Dosenfraß) und vielen guten Gesprächen widmeten wir uns dann geschlossen dem langsam aufreissenden Sternhimmel. Zunächst galt es einige Geräte zu justieren (vor allem Armin und Andreas waren am Dauerkollimieren), dann ging an diesem Abend auch noch Jans ETX an seinen neuen Besitzer und wir verbrachten einige Zeit mit dem Aufstellen und Einstellen, ist auch bei mir schon etliche Jahre her, aber langsam kamen mir die Arbeitsschritte wieder und nach einiger Zeit schnurrte das ETX in bekannter Lautstärke sauber über den Himmel.




Einem Fast-Einsteiger führten Armin und ich in aller Ruhe die Vorzüge eines (in diesem Fall meines) 12“ Dobsons vor, die Begeisterung die da langsam heranreifte stieg im Prinzip parallel zur Grenzgröße an, der Himmel war in der ersten Nachthälfte sehr wechselnd bewölkt, stellenweise ging GAR nichts, dann war die Hälfte des Himmels wieder knackenklar. Bis dato hatte ich nur einige Standardobjekte angefahren, wir mussten eben das beobachten was gerade frei war ;)


Und wo wir gerade bei den beiden sind, hier ein schönes Foto, dass mir die Beiden noch für den Bericht zur Verfügung gestellt haben.



Eindrücklich war auch die Beobachtung von Neptun im 10“ Schiefspiegler! Kurioserweise war es vor etlichen Jahren genau DIESES Gerät in dem ich den Planten auf dem ATB das erste Mal gesehen habe :)

Während wir uns gerade unterhielten, passierte möglicherweise DAS Highlight schlechthin, aus dem Augenwinkel wurde es plötzlich gleissend hell – Gewitter? - schoss mir in einer Millisekunde durch Kopf, zum Glück ging mein Kopf auch direkt nach oben, in die richtige Richtung (Cas/Per) sah ich glücklicherweise schon und so sah ich den wohl beeindruckendsten Boliden, den ich jemals gesehen habe! Er wurde dann auch erst RICHTIG hell, giftgrün und tauchte den Platz, den Wald und mehr als den halben Himmel in ein gespenstisches Licht, so schnell wie er kam verglühte er auch, ein Zerbröckeln konnten wir nicht ausmachen, trotz seiner gleissenden Helligkeit, die ich gar nicht in Magnituden ausdrücken kann (eher Vollmond denn irgendein helles Gestirn!), war seine Spur nicht lange, nur langsam. Ein vielstimmiger Aufschrei begleitete dieses beeindruckende Schauspiel. Ein weiterer Glücksfall war die Tatsache, dass ich bereits seit über einer Stunde meine EOS mit Ulis Fischeyeobjektiv auf Dauerfeuer 30 Sekunden Aufnahmen machte, so war der Bolide dann auch wirklich perfekt eingefangen!

NACHTRAG: Dank Micha (Winnie) konnte der Bolide jetzt als Kappa-Cygnide eingeordnet werden, vor allem Radiant und die niedrige Geschwindigkeit wären typisch, wobei die Helligkeit schon ein starker Ausreisser nach oben ist.


Und noch ein ca. 90% Ausschnitt des Boliden

Je weiter die Nacht voranschritt, desto weniger wurde die Bewölkung und nach ein Uhr war der Himmel dann komplett frei und ordentlich dunkel, Nils maß einen Mittelwert von 21,33 mag/arcsec² und wir lagen ein gutes Stück jenseits der 6m3! So waren denn auch etliche Objekte genial zu sehen. Mit Nils besuchte ich nochmals das Galaxienpäärchen in der Leier. Doch damit nicht genug, zum ersten Mal habe ich mich getraut durch einen 18“er zu schauen, das habe ich bisher wohlweislich vermieden – zu Recht! Dieser Anblick macht einen erst sehr aufgeregt und dann seeeehr nachdenklich :D Auch an dieser stelle ein herzliches Dankeschön an Uta und Wolfgang, denen ich an diesem Abend noch viele unglaublich Anblicke bekannter Objekte mit diesem beneidenswertene Teleskop verdanke! So wünschte ich mir Stephans Quintett, dass einen mit 18“ recht einfach anspringen, aber schon NGC 7331 mit ihren etlichen Begleitern war ein wahrer Genuß. Später wurde auch noch die aktuelle Supernova und M74 beobachtete (die ich auch im 12er noch gut sehen konnte) und ein echter foto-like M33 mit allen Spiralarmen und auffälligen Knoten war noch eines der Highlights. Auch die Lyragalaxien sahen wir in diesem Gerät.

Strichspuren des Rohmaterials für das Zeitraffervideo



Einen Zwischenstopp legte ich auch noch bei Christian und seiner neuen „Liegestuhl-Bino-Montierung“ ein. Die lässt sich wirklich leicht verstelllen, bleibt eigentlich nur noch ein Drehteller unter dem Stuhl zu montieren und mann kann völlig entspannt ohne aufzustehen über den Himmel sausen.

Etwas später konnte ich bei Toni im 16“er sogar noch eine zweite Supernova beobachten SN2013dy in NGC 7250 – zwei Supernovae in einer Nacht ist auch eher ungewöhnlich, einfach klasse :D Irgendwann nach einer Nacht die zwar wirklich lang war aber andererseits auch wie im Flug verging kroch ich dann doch ziemlich müde gegen 4 Uhr ins Zelt. Es hatte zwar etwas gedauert aber in der zweiten Nachthälfte konnte man die Bedingungen durchaus als genial bezeichnen, dazu ging fast durchgehend ein leichter Wind, der später zwar etwas frösteln lies, aber auch jeden Tau verhinderte.

 

6. HUTT Perscheid/Hunsrück 09.-11.08.2013 from Benny Hartmann on Vimeo.

Der nächste Morgen kam zwar um 7:30 Uhr unbarmherzig früh, dafür aber warm und sonnig. Die friedliche Stimmung über dem zum allergrößten Teil noch schlummernden Platz nutze ich um ein paar Video-Eindrücke zu sammeln.

Obwoh ich eigentlich nur einen „One-night-stand“ geplant hatte, hat es dann doch noch geklappt eine zweite Nacht dranzuhängen! Meine Frau und mein Sohn wurden also „kurzerhand“ (es waren schon ein paar stressige Stunden bis ich wieder in Perscheid war) abgeholt, nebst größerem Zelt. Zwar war Sohnemann wie immer arg unentschlosen ob er jetzt Spaß haben sollte oder lieber dauermaulen angesagt war, spätestens als die Mädels ihn zum Küchendienst und Kaffekochen eingespannt haben fand er es dann aber doch ganz nett ;)

Das abendliche Grillen war wieder eine schöne gesellige Runde und auch die nichtübernachtenden Besucher vom Vortag (Armin, Markus und Björn mit Familie und Anhang) waren wieder zu uns gestossen. Das Wetter war ein paar Grad kühler als am Vortag und auch der Wind hatte ganz schln aufgefrischt, trocken blieb es aber dennoch und der klaren Himmel zeigte sich heute schon bedeutend früher und lies erste Beobachtungen zu. Zwar zogen im Laufe der Nacht auch immer wieder größere Wolken durch, aber lange mussten wir eigentlich nie warten bis es weitergehen konnte. Ehrlich gesagt war ich aber auch noch ziemlich platt von der vorherigen wirklich langen Nacht und so war das eigentliche Beobachten eher zweitrangig und der nächtliche Stuhlkreis mit lustigen und interessanten Gesprächen das Highlight der Nacht. Die Kälte war sicher auch müdigkeitsbedingt etwas nagend und umgekehrt die Müdigkeit der Kühle geschuldet aber um viertel vor zwo zog es mich dann doch unumkehrbar in meinen Schlafsack, aber nicht ohne vorher noch mit meiner Frau einen kleinen Himmelsspaziergang mit dem 12er gemacht zu haben, ein mehr als seltenes Vergnügen bei zwei kleinen Kindern!








Der typische TT-Morgen: Verstopfte Nase, leicht gemarterte Knochen und natürlich viel zu kurze Nacht :D Egal, wir haben noch eine nette Fahrt nach Rheinböllen zum Brötchenmann gemacht und dabei die wirklich tolle Landschaft im morgendlichen Licht genossen. Nach dem gemütlichen Frühstück im Vereinsheim (ich fands doch noch bissl zu frisch fürs Outdoor-Futtern), machten wir uns dann auch schon an den Abbau und nach einer größeren Verabschiedungsrunde über den Platz ging es nach Hause, nicht ohne noch eine Fährfahrt über den Rhein und ein Besuch der Germania mit der Gondelbahn bei Rüdesheim mitzunehmen ;)

Puuuh Zeit für ein Fazit – Das HUTT in Perscheid war nicht nur das Highlight des Jahres was Treffen angeht, es wird mit auch lange als eines der schönsten Treffen überhaupt in Erinnerung bleiben, nicht nur wegen einiger fantastischer astronomischen Ereignisse wie dem Megaboliden, den beiden Supernovae und den unglaublichen Details im 18“er, das war unerwartetes und tolle Beiwerk, aber die eigentlich Freude haben wie immer die Leute vor Ort bereitet. Alte Gesichter die ich mitunter viel zu lange nicht mehr gesehen und gesprochen habe (exemplarisch nenne ich hier mal Franz, Armin, Jörn, Andreas, Uli und natürlich die „Hunsrücker“ selber) sondern auch die vielen neuen Bekanntschaften die oft endlich ein Gesicht hinter dem Avatar im Internet aber IMMER sehr liebe Menschen offenbarten, wie Markus, meine neuen „Lieblingskisten“ (mit süchtigmachender „Medizin“ ;) ), Toni, Marie, Stefanie,  Uta und Wolfgang sowie die mitgereisten Familen und allen deren Namen mein löchriges Gedächtnis auf Schlafentzug gerade LEIDER nicht hergibt, die mir aber sicher im Laufe der nächsten Tage wieder einfallen :D

Die Organisation war toll wie unauffällig und das Treffen ein voller Erfolg. Sogar meine wenig astronomisch ambitionierte Frau hat auf der Rückfahrt gesagt:“Nächstes Jahr nehm ich mir dann aber schon ab Freitag Urlaub.“ - DAS will was heissen, glaubt mir ;) Der Platz ist Bäume hin, Bäume her durchaus als ideal zu bezeichnen und die Infrastruktur lässt eigentlich keine Wünsche offen, die Lage auf einer Kuppe und fernab der echten Lichtglocken tut sein Übriges...





Danke für die unvergesslichen Tage.


>>Bennys Bericht vom 6.HUTT 2013 - auf ATDS<<
>>Bericht im Astrotreff<<

Montag, 20. August 2012

Das 3. ATDS TT 2012

... wo fange ich an?

Das Wochenende hatte es einfach in sich, von allem mehr als sonst, Wetter wie wir es uns manchmal wochen- oder monatelang wünschen, Sterne in ausreichender Zahl vor Auge und Optik, nette Gleichgesinnte und Gesprächspartner, lecker Würstchen vom indigenen Metzger, astronomisches Gerät jeglicher Couleur und VIEL Spaß.

Aber fangen wir von vorne an. Freitag mittag - alles gepackt und abfahrbereit aaaber mein Töchterchen (mit der ich auch schon drüber geredet hatte sie eventuell mal mitzunehmen) mochte mein Bein einfach nicht mehr loslassen, also kurzentschlossen ein paar Sachen von ihr in den Kofferraum geschmissen und dem armen Kind ein kleines Eckchen im vollgepackten Auto freigeräumt. Die Fahrt war bis auf ein bisschen Stau problemlos, gegen 18 Uhr rollten wir vor, gleich begrüßt von Seemichel mit den Worten: Aah der Benny, wir haben das Krankenhaus Korbach schon informiert." ^^ Da wollte und sollte ich dieses Jahr aber definitiv nicht aufschlagen.




Nach der ersten kurzen Begrüßungsrunde machte ich mich zügig an den Zeltaufbau (Danke an Jan fürs Organisieren und den Gummihammer, an Jonas für den Erst-Hammer), sollte ja schon vor Einbruch der Dämmerung stehen, zumal ich es erst einmal testweise aufgebaut hatte.

Lara war zu diesem Zeitpunkt schon hochgradig in den freien Fussballplatz verliebt, schon was anderes als an die Hauswand oder einen staubigen Bolzplatz kicken... Bei und nach der Fleischzufuhr gabs schon die ersten längeren und wirklich schönen Palaver mit unseren Leutchen, dieses Jahr (letztes Jahr war ich ja leider nicht dabei) waren es doch nochmal merklich mehr Besucher (hab da was von 44 im Kopf...), tolle Größe aber da sollten wir auch bleiben in der Größenordnung.


Lässig haben wir uns dann erstmal vor dem Tiggerschen Zelt im Kreise der Taunuiden hingefläzt und auf die Nacht gewartet. Lara war erstmal nicht kleinzukriegen, geschweige denn ins Zelt - also die schönste Art des Wegdämmerns: Auf einer Liege unter dem aufziehenden Sternenhimmel.



Zwar waren etliche Zirren unterwegs aber die 6m Grenze sollte im Laufe des Abends und der Nacht trotzdem noch problemlos geknackt werden. Ich ging am ersten Abend erst recht spät an mein Gerät und habe auch nicht viel mehr als ein paar der üblichen Standardkerzen beobachtet. Im Laufe der Nacht kamen auch noch ein paar Gäste aus dem Ort die von Jan fachmännisch in Sachen Astronomie auf den Minimalstand gebracht wurden und auch durch etliche Gerät schauten - in Hypatia entlockte ich ihnen sogar einige Wows an h+x Persei. Insgesamt war der Himmel vor allem im Zenit durchaus brauchbar allerdings sehr feucht, eltiche Male musste die Telradscheibe und auch die Okus in die Jackentasche wandern.

Die Nacht in Worte zu fassen ist schwer, denn die meiste Zeit wurde gefachsimpelt oder gesmalltalked und bei mir nur im Rahmen beobachtet, dafür habe ich endlich mal eine ganz erkleckliche Anzahl an Sternschnuppen gesehen, die ich sonst immer verpasse wenn ich am Okular klebe ;) Um etwa vier Uhr schleppte ich mich dann in mein Tipi.

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7 Uhr - Das Zelt ist schon lichtdurchflutet, das Töchterchen mit wesentlich mehr Schlaf als ich auch schon hellwach. Draussen ist es noch sehr ruhig, aber schon herrliches Wetter und viel ist auch schon wieder im Trocknen begriffen, die Spiegel und die Okulare werden gelüftet. Meine EOS hat leider immer noch einiges an Kondenswasser zu bieten, was allerdings zu sehr netten Fotos führt.




Nach der Dusche regt sich immer mehr Leben im Camp und das Frühstück naht, echte Champions hauen sich da gleich nochmal ein paar Würstchen mit Bacon auf den Kocher (Danke an Manny für selbige Leihgabe!). Danach fahren wir beide erstmal nach Korbach, immerhin hatte ich mit der Verpflegung bis 5min vor Abfahrt nur für eine Person gerechnet und das Trinken ist ob der Hitze schon fast weg...



Auf unserem Platz ist es bei der Rückkehr bereits sehr wimmelig und noch sehr viel heisser, heute sollen ja bereits die 35° geknackt werden - Jan hat da natürlich mal was vorbereitet um uns dieser Bullenhitze zu entreissen: Ein kleiner Wanderausflug - Das Uppland bietet ja wie jeder sehen konnte eine tolle Landschaft und vor allem bei solcher Hitze auch genug kühle Wälder. Zu uns gesellt sich noch Seemichel und Sebastian (Danke fürs Durchhalten, war nicht immer so spannend für dich).

Wer uns kennt, der weiss, dass wir selten nur "für Spaß" durch den Wald tapsen (obwohl die meisten Wälder das durchaus auch verdienen) sondern auf der Suche nach dem ein oder anderen Geocache sind - so auch hier. Jan lotst uns auf den Eisenberg, oben angekommen bereits die ersten Ohs und Ahs meinerseits wegen einer toll restaurierten Ruine und dem beeindruckenden Aussichtsturm.



Eben jener hat mir dann nach ungezählten Stüfchen auch einen der, wen nicht DEN besten, Rundumfernblick meines Lebens beschert! Man mags von unten kaum glauben aber von oben hat man 360° (nicht 359,9) v ö l l i g obstruktionsfreien Fernblick in alle Himmelsrichtungen, und beim heutigen Wetter auch wirklich weit! Die Fotoschilder machen mir weiss, dass ich von hier den Taunus sehe - japp definitiv zu sehen dabei locker über 100km Luftlinie entfernt!



Lara hingegen hatte mehr Spaß in der Burgruine (nebst einem tiiiiefen ehemaligen Bergwerksschacht - natürlich gesichert). Von hier aus darf uns nun Sebastian mit dem GPS in der Hand lotsen und schon nach ein paar Metern gibts den ersten "Schatzfund" - im Wald ist es merklich kühler und so ist der Abstieg zu unserer nächsten Station auch mehr Labsal als Anstrengung. Ums kurz zu machen, wir haben dann noch einen sehenswerten (und richtig KALTEN) ehemaligen Goldstollen gesehen, von den Temperaturen her hätte ich da gerne noch bis zur Dämmerung gestanden... (8 Sekunden ISO 800, man konnte natürlich nur so 5m weiter gucken oculus nudis...)



Auf der Heimfahrt noch ein kurzer Stopp am "Korbach International Airport", da gabs heuer ein kleines Flughafenfest, aber irgenwie wars uns dann doch zu warm um es dort länger auszuhalten, also zurück ins kühle Auto und ab nach Rhena.



Am Platz holte ich mir dann auch mal einen heilsamen Schock an den beiden genialen Sonnenteleskopen (Kalzium und H-Alpha) von Hubertus - WOW!! Ich sah bisher nur durch kleinere H-Alpha Röhrchen von Lunt und dem PST... das hier ist eine komplett andere Welt und lässt mich direkt an die Veräusserung meines zukünftigen Erbes denken :D:D:D



In für mich ungewöhnlichen Kalziumlicht war die Sonne richtig cool und feine Gespinnste waren zu entdecken - im H-Alpha Teleskop hingegen sah die Sonne einfach wie ein gut gemachtes Foto in eben jener Wellenlänge zu beobachten mit feinst detaillierten und auch großen Protuberanzen (der "Bohrturm"!), ein Dank fürs Durchschauen lassen :)

Das Foto dazu war natürlich dilletantisch aber mit dem realen Eindruck im Hinterkopf wird es mir als Gedächtnisstütze dienen.



Dort fing dann auch zeitnah der Vortrag von Christian zum Thema Kometen an - ich bin nun kein ausgewiesener Kometenfan wenngleich ich sie mir immer mal gern anschaue wenn wieder ein hellerer in der Nähe ist - aber der Vortrag war spannend und umfassend, man konnte in jedem Fall auf den Geschmack kommen! Vor allem die Aussicht auf C/2011 L4 PANSTARRS im Frühjahr 2013 hat wohl allen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen - und dank Christians Ausführungen weiss ich jetzt sogar (endlich!) was C/2011 L4 auch wirklich bedeutet :D



Heute Abend wollte ich endlich mal wieder eine gescheite Grundjustage herstellen - etwas was ich gestern leider versäumt hatte - dank Meister Mannys Werkzeugkiste war das auch zügig erledigt und wir konnten wieder zum geselligen Teil des Abends übergehen, dem gemeinsamen Grillen - schon am Vormittag konnten wir uns beim örtlichen Metzger ausreichend Tierchen vorbestellen, die dann sogar frei Haus geliefert wurden (froh ist er sicher gewesen, immerhin hatte Rhena an dem Wochenende mal eben die doppelte Einwohnerzahl :D ). Die Uppländer Würstchen (mit Rosmarin) waren dann auch wirklich eine Offenbarung - ebenso die für alle kostenlose Kräuterbutter...mmmmmmmh aber ich nehme vom schreiben schon wieder zu ^^



Schon beim Grillen waren wir baff von den Veränderungen des Himmels im Vergleich zum Vortag aber auch zum Mittag - KEIN Wölkchen und KEIN Schleier - einfach tiefstes blau höchstens mal von einem Flieger mit kurzem Kondensstreifen angekratzt - Diese Nacht sollte uns nochmal merklich bessere Bedingungen bieten und zeigen was der nordhessische Himmel so auf der Pfanne hat. Um das auch zu würdigen habe ich mir vor dieser Nacht zumindest mal ein paar Karten angeschaut um auch was zum Gucken zu haben.



Nach der Dämmerung der Start ins All - erstmal wieder ein paar Standardobjekte wie den "Rocking Horse Cluster", den tollen alten Haufen NGC 7789 "Herschels Spiralhaufen" und auch den Cirrus Komplex (dank des bereits zu Beginn sehr guten Himmels auch mit Triangular Wisp und viiiel Nebelgespinst).



Nun will ich nach langer Zeit mal wieder einen alten Bekannten in Perseus besuchen, die Arp Galaxie 135 - NGC 1023 Aufgefunden ist sie relativ zügig und zeigt sich wie immer schön in Mitten einer Sternkette liegend. Auch die Andromeda Galaxie mit ihren Begleitern lässt sich bei locker 6m3 sehr schön beobachten, mit etwas Geduld und an der richtigen Stelle auch mit BEIDEN Staubbändern, allerdings hat sie noch nciht ihren höchsten Stand erreicht und leider sollte die Transparenz in Richtung Mitternacht einbrechen.

Zwei weitere Objekte die ich mir rausgesucht hatte, waren die beiden Kugelsternhaufen NGC 7006 und NGC 6934, beide im Sternbild Delphin beheimatet. 7006 ist wie auch 6934 schnell aufzusuchen und zeigt sich recht schwach und egal ob bei 107x oder bei 187x nur unaufgelöst wenngleich gemottelt und mit unruhiger Oberfläche. 6934 hingegen ist merklich heller und größer und zeigt schon bei mittleren Vergrösserungen Einzelsterne, bleibt aber auch bei höheren Vergrösserungen noch zu einem guten Teil unaufgelöst und nebulös.

Ein Abstecher in die Andromeda brachte Besuche bei "Mirachs Geist" (NGC 404 - aber man findet sie ganz einfach ;) ) und der Edgeon 891.

Wie schon erwähnt brach der Himmel leider in Richtung Mitternacht ein, aber vorher gönnte ich mir noch längere Zeit einen Flug ins All auf Jans Liegestuhl, wow! Ohne jegliche Obstruktion durch Bäume und ähnliches im Gesichtsfeld hatte ich ernsthaft die Bodenhaftung verloren wenn ich den Zenit bewunderte, auf diese Weise konnte ich auch meinen persönlichen Rekord von 11 Sternschnuppen in einer Nach aufstellen, normal bin ich nämlich immer DER, der zu gegebener Zeit in die falsche Richtung schaut ;)

Da die vorige Nacht recht lang war, diese am Ende schlechter wurde als Freitag und natürlich am nächsten Tag auch noch die Heimreise anstand war um 1:30 Uhr "schon" Schluss - aber sie hat mich nichtsdestotrotz einmal mehr hochgradig begeistert und tief befriedigt.

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8 Uhr - Wieder brennende Sonne, soll ja heute auch durchaus nochmal ein paar Grad wärmer werden als gestern...

Das Frühstück fällt wegen der gelieferten Brötchen mal üppiger aus, sehr schade, dass so viel übrig blieb, da müssen wir nächstes Jahr entweder merklich wenige bestellen oder auf Selbstversorgung umstellen... Viele sind natürlich auch schon in Aufbruchstimmung, je nach Wegeslänge liegt ja ein heisser Tag im Auto vor uns.

So wuselt das Lager wieder in heftiger Betriebsamkeit bis alles Gerödel wieder in den Autos verstaut ist - trotzdem bleibt noch genug Zeit für ein paar schöne Gespräche und das Ausruhen im Schatten (ging auch nicht anders ohne einen Hitzschlag zu bekommen...)



Um halb eins ist es schon ruhig und leer geworden, ein paar Wenige wie Michael, Jan, Stefan, Stephan und Jörn halten noch die Stellung, Reinigung ist bereits abgeschlossen und der erfreuten Mine unseres Platzwartes zu folgern sind wir auch im nächsten Jahr wieder gern gesehene Gäste in Rhena ;)

Nach der letzten Verabschiedung gehts es auf den Weg, Jan holt mich noch ein und wir bleiben bis kurz vor meinem Ziel in Formation ^^ Spätestens als ich 60km vor Wiesbaden die Skyline von Frankfurt sehe heisst es: Das war das ATDS TT 2012 - mit dem wohl besten Wetter der vergangenen Jahre, vielen vielen sehr netten Mitstreitern und Gesprächen und das astronomisch-gesellschaftlichen Highlight des Jahres!




Danke an ALLE die da waren, an alle mit denen ich ein bisschen länger klönen konnte, für etliche hilfreiche Hände, Werkzeuge, Nudelsalat (!) und Kinderbetreuer (Hier vor allem einen Gruß in den Hunsrück und den Hochtaunus!) und aussergewöhnliche musikalische Begleitung auf der Heimfahrt (was für eine Stimme!!)  :D Wir sind nächstes Jahr auf jeden Fall wieder mit dabei - dann hoffentlich in voller familiärer Besetzung und damit auch vieleicht auch eins, zwei Tage früher...

Zum Ende sollen einfach noch ein paar Stimmungsbilder für sich sprechen...

>>Videoslideshow<<

>>Bilderthread auf ATDS<<


















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