Freitag, 18. Mai 2012

Die richtige Kleidung zum Beobachten



Nachts ist es kälter als draussen... ein vermeintlich blöder Spruch, den sicher jeder schon mal gehört hat. Doch diejenigen, die bisher weniger im Outdoorbereich gemacht haben und zu unserem schönen Hobby gestossen sind werden schnell merken, dass die richtige Kleidung, natürlich insbesondere zur kalten Jahreszeit, über Wohl und Wehe einer Beobachtungsnacht entscheiden kann! Auf sommerliche Beobachtungen will ich gar nicht eingehen aber nur so viel sei gesagt: Es gibt durchaus Nächte wo man kurzärmlig und -hosig seinen Spass hat, aber für alle Fälle sollte man ein leichtes Jäckchen im Auto liegen haben...

In unseren Breiten kann es auch schon früh im Herbst und noch relativ spät im Frühjahr Nachts empfindlich kalt werden, dabei muss es beileibe nicht bis zum Gefrierpunkt absinken, bis sich die Temperatur erheblich auf das Durchhaltevermögen aber auch auf die Konzentration auswirken kann. Merke: Ein frierender Astronom sieht weniger und liegt schneller wieder im Bett.

Einige Hobbyastronomen die ich kennengelernt habe, meiden lange Beobachtungsnächte im Winter, doch gerade der Winterhimmel hat extrem viel zu bieten und die Nächte sind lang und oftmals erstaunlich gut, schade wenn man sich selbst lediglich wegen der falschen Kleidung um diesen Spass bringt.

Man mag einwenden, warum sollten wir uns das antun? Aber je nach Breitengrad haben wir zwischen Mai und August gar keinen vollständig dunklen Himmel und wenn nicht sonderlich lange, wer einmal mit ausreichend Zeit und Muse eine wirklich komplette Nacht unter dem Sternhimmel verbracht hat wird mir zustimmen, dass so etwas zwar nicht ständig geht aber doch ein einmaliges Erlebnis wird. Im Winter ist das mitunter nicht nur schwer sich aufzuraffen bei eisigen Temperaturen am Teleskop zu stehen, sondern es kann auch durchaus gesundheitliche Risiken bergen.

Grundlegendes

Aktive Wintersportler haben schonmal den Vorteil, dass sie das Grundprinzip von warmer Kleidung kennen (sollten): Zieh dich in möglichst vielen Schichten an. Drei oder vier verschiedene Kleidungsschichten übereinander isolieren besser als weniger, welche die gleiche Dicke aufweisen. Man sollte nach genau diesem Prinzip verfahren, moderne Funktionskleidung wie man sie in allen Preislagen (sogar recht brauchbar beim Discounter) bekommt, hat die interessante Eigenschaft nach Aussen zu isolieren aber Feuchtigkeit nach Aussen abzutransportieren, beides sehr wichtig um sich warm zu halten. Wenn ihr die Möglichkeit habt, versucht genau solche Kleidungsstücke mit diesen Eigenschaften zu bekommen. Damit hören die Ähnlichkeiten mit den Skifahrern aber auch schon auf, denn wir Astronomen haben ein gehöriges Problem, dass Skifahrer, Snowboarder und Schneeschuhwanderer nicht kennen: wir stehen über lange Zeit nahezu bewegungslos in der Kälte und produzieren dadurch kaum Wärme!
Dem kann man nur durch eben noch dickere Kleidung und natürlich genug Bewegungspausen entgegenwirken, einfach mal eine kleinere Runde laufen zwischen den Beobachtungen wirkt bereits Wunder. Ansonsten müssen wir uns einfach möglichst gut gegen die Temperaturen abschotten, also fangen wir mal ganz unten an...

Schuhe

Mir persönlich sind frierende Füsse ein Graus und der untrüglichste Weg nach anderthalb oder zwei Stunden keinen Spass mehr am Beobachten zu haben, da muss es auch keine -15° C sein, das kann mir schon bei leichten Plusgraden passieren... Die Füsse haben dann auch noch den ständigsten Kontakt mit dem eiskalten (manchmal auch auf Schnee oder Eis) Boden.

Ich schwöre bei wirklich kalten Temperaturen auf Wollsocken, am besten noch leichtere Socken darunter, das ist auch schon der Hauptgrund warum man sich seine Schuhe für das Beobachten etwas grösser kaufen sollte (ich kaufe 45 statt 44), die zusätzliche Luftschicht isoliert hier ebenfalls. Ein Mitbeobachter von mir schwört zusätzlich noch auf Melkfett auf die Füsse um eine weitere Isolierschicht zu bekommen, das habe ich selber allerdings noch nichts ausprobiert, nur feucht sollten die Füsse auch zu Beginn der Nacht keinesfalls sein! Die Frage nach DEM Schuh lässt sich sicher genauso schlecht beantworten wie nach dem "perfekten Teleskop". Ich habe mich für so genannte "Canadian Boots" entschieden, die gibt es wie alles in den unterschiedlichsten Preislagen, auch für den schmalen Geldbeutel werden sie einmal im Jahr bei den beiden großen Discountern angeboten. Neben einer dicken Gummisohle und einer Isolationsinnensohle sind sie mit Schaffell gefüttert. Ebenfalls hervorragend für solche Temperaturen sind die allseits bekannten "Moonboots", nun besitze ich leider keine und kann von daher auch nicht aus erster Hand berichten, aber die Vielzahl der zufriedenen Kollegen werden nicht irren...


Eine weitere Möglichkeit seine Füße warmzuhalten sind Heizeinlagen, mit diesen habe ich keine eigenen Erfahrungen gemacht aber die meisten mit denen ich gesprochen habe sind der Meinung, dass die noch halbwegs erschwinglichen Exemplare einen eher kleinen Wärmeeffekt haben. Was aber schon rein physikalisch Sinn macht, ist es zusätzliches Material zwischen sich und den Boden zu bringen, entweder in Form von dicker Pappe, einer Fussmatte oder auch einem Stück Styropor.

Kopfbedeckung

Huch jetzt sind wir aber weit nach oben gewandert! Wir sind nun aber auch bei einem verteufelt wichtigen Körperteil angekommen: Dem Kopf. Der Fakt, dass unser Kopf wegen seiner vielfältigen Aufgaben sehr stark durchblutet ist sorgt dafür, dass wir über ihn auch unverhältnismässig viel Wärme an unsere Umwelt abgeben, das sollten wir bei Minusgraden tunlichst verhindern. 

Eine dicke Wollmütze, die über die Ohren geht ist schon mal das Richtige um sich warm zu halten, manche schwören auf die "Russenmütze" (korrekt eigentlich Tchapka), manchmal ist mir auch eine dicke Wollmütze nicht genug, das Gesicht ist einfach noch zu sehr der Kälte ausgesetzt. Gesichtsmasken (Balaclava) gibt es in unterschiedlichen Formen, im Motorradfahrerbedarf wird man oft fündig, sie sollte aber auch nicht zu dünn sein. Ich selbst nutze zwei verschiedene, eine relativ einfache aus einem Goretex-ähnlichem Material und eine aus Fleece, die zusätzlich noch einen Zug oben am Kopf hat, dadurch kann man sie auch öffnen und als Halstuch nutzen. Einen weiteren positiven Nebeneffekt, den ich beim Tragen solcher Gesichtsmasken beobachtet habe ist, dass man viel weniger in Gefahr gerät, das Okular dauernd anzuhauchen (was bei Minustemperaturen gleichbedeutend ist mit dem Totalausfall des Okulars bis es wieder aufgewärmt ist...)

Selbst in halbwegs milden Nächten bis 10° Plus ziehe ich mir da wenigstens gerne eine Kappe auf um einen warmen und funktionstüchtigen Kopf zu behalten ;)


Balaclava + Wollmütze

Das Beinkleid

Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Schichten! Ich selbst trage in wirklich kalten Nächten unter einer dicken Skihose noch eine normale Jeans, das hat mir bisher immer gereicht um an den Beinen nicht zu frieren, aber das persönliche Kälteempfinden ist von Person zu Person sehr unterschiedlich, mit langer Thermounterwäsche ist man sicher auf der sicheren Seite, mein Mitbeobachter schwört auf eine Thermohose aus (nein kein Witz) NVA Beständen, solche Kleidungs ist auch sehr günstig zu bekommen. Ganz im Gegensatz zu der Bekleidung die ich nun der Vollständigkeit halber erwähnen möchte. Kühlhauskleidung ist speziell auf niedrigste Temperaturen ausgelegt und sogar zertifiziert, manche Versionen sogar für arktische Temperaturen, die wir hier gar nicht haben. Sie ist nicht gerade billig, aber das ist gute Skikleidung auch nicht, komme ich eines Tages mal wieder in die Versuchung mir etwas in diese Richtung zu kaufen, werde ich diesen "heiligen Gral" der Winterbekleidung mal ins Auge fassen - andererseits bin ich bisher auch noch niemanden unter meinen zahlreichen Mitbeoabchtern begegnet, der solche Kombis gekauft hätte...

 NVA Thermohose (danke an Jan für dieses Foto)

Oberbekleidung

Hier gibt es nicht viel neues zu sagen, es gilt das gleiche wie für den Rest der Kleidung, Schichten sind angesagt, isolierende Materialien ect. Neben einem dicken Pullover (Fleece, Baumwolle u.ä.) trage ich diverse Jacken, je nach Temperatur - das beste was ich hier je getragen habe ist meine alte Skijacke mit echter Daunenfüllung, für den Fall der Fälle habe ich auch im dicksten Winter gerne noch einen zusätzlichen Backup Pullover im Auto, der eine Nummer grösser ausfällt. Auch der Oberkörper ist so ein Körperteil an dem ich eigentlich nie friere (genug natürliche Isolierung ist wohl vorhanden ;) ).

Was mir aber immer wieder Sorgen bereitet und da bin ich sicher nicht gänzlich allein: Der Rücken. Wenn man dort in irgendeiner Weise vorbelastet ist, sollte man sich hier zusätzlich schützen, denn nie bekommt man einen Hexenschuss schneller als bei -10° wenn man sich zum Okularkoffer bückt - Ein Nierengurt wie man ihn für kleines Geld im Motorradfachhandel bekommt hat sich hier als optimal für mich erwiesen.

Handschuhe

Heikles Thema, hier machen wir einen Eiertanz, zum Einen müssen die Hände warm bleiben (das ist so eine Schwachstelle bei mir, da friere ich schnell und stark) andererseits brauchen wir hin und wieder eine Menge Feingefühl in den Fingern, beim Zeichnen wird es sogar richtig feinmotorisch! Man kommt hier mit einem einzigen Paar Handschuhe eigentlich nicht aus. Ich habe im Laufe der Zeit sicher ein Dutzend verschiedene Versionen ausprobiert, aber ein einziges Handschuhpaar, dass mir alles geboten hätte habe ich nicht gefunden. Zwar gibt es warme Fäustlinge, die man zurückklappen kann, aber die waren mir zu teuer. Also bin ich auf eine Kombination von zwei (eigentlich sogar 3) Techniken gekommen. Zuunterst und das dauerhaft trage ich relativ dünne Wollfäustlinge die man zurückklappen kann, darunter sind die vier Finger komplett frei. Wenn sie gerade länger nicht gebraucht werden wandern die Hände nochmal zusätzlich komplett in warme Skihandschuhe. Zusätzlich kann man aber auch für Wärme, gerade der Finger sorgen.

 Fingerling vs. Fäustling (danke an Jan für dieses Foto)

Im Prinzip gibt es drei verschiedene Arten von Taschenwärmern. Version 1 ist eine Einmal-Version, macht relativ lange warm aber kann man danach wegschmeissen, was sie für mich nicht gerade attraktiv macht. Wer allerdings wirklich selten bei solchen Temperaturen unterwegs ist, für den könnten sie Sinn machen, zumal man sie sogar in die Schuhe stecken kann. Version 2 sind wiederaufladbare Taschenwärmer. Sie sind mit Natriumacetat gefüllt, dass bei hohen Temperaturen (kochendes Wasser) flüssig wird und beim Knicken eines Metallplättchens seine gespeicherte Energie durch Auskristallisieren wieder abgibt. Sie sind bei niedrigen Temperaturen schnell wieder kalt (die angegeben 15min sind bei -10° obsolet), dafür sind sie sehr billig, man kann sich also problemlos 10 oder mehr in die Tasche stecken und ist für die Nacht gewappnet. Ein weiteres tolles Einsatzgebiet: Mit diesen Wärmern bekommt man auch zugetaute Okulare wieder flott! Zum ersten Mal sah ich diese Technik bei meinem Mitbeobachter Jan, eine am besten isolierte Tasche wird mit diesen Pads geheizt und die Okulare hineingelegt, am besten noch ein Päckchen Salz dazu damit die Feuchtigkeit auch wirklich von den Okularen abgezogen wird und fertig ist der Okuwärmer.

Ein wahrscheinlich überflüssiges Wort der Warnung (aber der Teufel ist bekanntlich ein Eichhörnchen...): Beim "Aufkochen" der Wärmepads ist auf ausreichend Wasser im Topf zu achten und bitte nicht unbeaufsichtigt lassen. Mir ist genau das passiert mit der tollen Show, drei solcher Teile in der Küche explodieren zu lassen, das roch nicht wirklich toll (extremer Essiggeruch und Brennen in Augen und Atemwegen) und das Acetatsalz rieselte noch gut zwei Wochen von der Küchendecke...


Version 3 ist die altmodische Variante. Habe ich mir auch mal zugelegt und für die Jackentasche finde ich es fast am ökonomischsten. Ein klassischer Taschenofen, der mit Feuerzeugbenzin betrieben wird sorgt für sehr lange Zeit für gleichbleibende Wärme. Wenn man anständig mit ihnen umgeht sind sie auch eigentlich ungefährlich, aber natürlich sollte man sich vorsehen! Zu den Okularen würde ich sie ungern packen, schon alleine wegen eventuellem Ruß oder sonstigen Benzinausdünstungen.


Fazit

Wie kann man sich noch motivieren auch mal etwas frischere Nächte anzugehen und dabei noch Spass zu haben? Zum Einen sollte man solche Nächte am besten in Gesellschaft verbringen, das gemeinsame Erlebnis unter dem klirrenden Sternenhimmel motiviert doch enorm. Dazu sollte man die warmen Getränke und auch mal etwas zum Knabbern auf keinen Fall vergessen!

Bei allem Spass sollte man aber auch ganz realistisch seine Grenzen sehen und ziehen. Wer dem Beobachten unter zugegebenen Extrembedingungen jenseits der -10° C einfach nichts abgewinnen kann, der sollte es auch nicht auf Teufel komm raus tun nur um sich zu beweisen, am Ende ist niemandem gedient wenn man dafür dann tagelang mit einer Bronchitis daniederliegt und ein Bekannter von mir hat sich im Eifer des Gefechts tatsächlich schon bei einer Beobachtung im heimischen Garten leichte Erfrierungen an den Fingern eingefangen ;) Dann lieber nur ein Stündchen, hauptsache der Winterhimmel wird mit seinen vielen Perlen und Schmuckstückchen genossen.

Zum Abschluss noch ein paar Stimmungsbildchen von wirklich kalten, wenngleich genialen Winternächten...










Mittwoch, 16. Mai 2012

Neue Wege - Taunus-Astronomie als Blog

Hallo liebe Sternfreunde und Freunde meiner Seite.

Nachdem meine Internetpräsenz nun einige Zeit nicht mehr verfügbar war, habe ich mich dazu entschlossen eine neue Art der Präsentation zu wählen. Diese Art der Veröffentlichung gibt mir und meinen Besuchern doch einige zusätzliche Freiheiten.

Beobachtungsberichte (BBs) sind leicht über das Blogarchiv nach Jahr und Monat sortiert auffindbar. Artikel, Zeichnungen ect. sind entweder über das Archiv oder wesentlich übersichtlicher zusammengefasst über die Leiste rechts erreichbar.

Der umfangreiche Umzug aller Inhalte wird sicher noch einige Tage dauern (vor allem die BBs von 2006-2009), dafür wird dann der Zugriff meines Erachtens leichter und übersichtlicher, ebenso das Aktualisieren für mich.

Ich hoffe, dass meine Besucher mir auch weiterhin die Treue halten und die Seite auch weiterhin vor allem dem Einsteiger einen schönen Einblick in unser wunderbares Hobby bieten kann.

Viele Grüße Benny

Sonntag, 13. Mai 2012

BB vom 13.05.2012

Laufenselden 13.05.2012

21:30 bis 1:20 Uhr

SQM: 21,20

Aus den mannigfaltigsten Gründen war ich in diesem schon weit fortgeschrittenen Jahr erst ein einziges Mal unter den Sternenhimmel gekommen – eigentlich unhaltbar! Aber gut, es gab schon Gründe, als mich Jan schon am Samstag zu motivieren versuchte es endlich mal wieder in Angriff zu nehmen, waren mir doch noch etwas viele Wolken unterwegs, auch wenn es wohl wie ich später sah tief in der zweiten Nachthälfte doch noch brauchbar wurde.



Sonntagnachmittag war mir aber schnell klar: Wenn du heute nicht gehst grenzt das an Blasphemie. Also ein kurzer Anruf an die andere Seite des Taunus bei Jan und dann ging es auch schon ans Packen, lange lag jetzt alles im Keller aber mit dem 8“er waren das zwei Griffe und die Fahrt konnte losgehen. Mir war ob des Himmels schon klar, dass ich in Laufi heute mit Gesellschaft rechnen konnte, am Ende waren es dann in der Tat acht Photonenjünger die sich die Nacht um die Ohren schlugen. Aufbau... gut nix verlernt, der 8er ist ja fast ein „Popup Teleskop“ aus dem Kofferraum purzeln lassen – fertig.

Kalt wars! Hier haben wir um diese Jahreszeit schon mit kurzen Hosen gestanden, das war heute mit um die 2°C nicht zu empfehlen ^^


Interessanter Ansatz zum Telradtauschutz 

Mit dem Auffinden war es dann doch nach so langer Telradabstinenz doch erstmal etwas eingerostet, im Endeffekt müsste ich mich echt mal wieder hinsetzen und die Karten nochmal überfliegen :P



Objektmässig war ich arg zurückhaltend, einige Standards zum Wiederreinfinden, wie z.B. Leotriplett, M13, M57 und Co. Venus war zu Beginn des Abends mit der stark ausgeprägten Sichel auf jeden Fall ein Hingucker in allen Geräten. Saturn war in Horias Binoansatz am 12“er ebenfalls fantastisch. In Jans Großbino war die "The Hidden Galaxy" heute gar nicht so hidden, auch wenn mich der Himmel trotz guter Werte nicht ganz so vom Hocker riss.



Highlight war (auf jeden Fall für mich) das von Rainer ausgesuchte und eingestellte Objekt. Der klingende Name lässt bereits auf einen Augenschmauss schliessen: GSOB1634+7037 in Draco

Wie immer sprechen wir hier natürlich von einem unscheinbaren Fünkchen, aber dieses hatte es in sich! Nachdem Armin eine gute Aufsuchmethode innerhalb des Gesichtsfelds gefunden hatte, war es überraschend leicht den 14,7mag „hellen“ Quasar zu sehen, auch direkt mit 12“ möglich. Die Faszination macht in diesem Fall die ENORME Rotverschiebung (z) aus, mein persönlicher Rekord, hätte nicht gedacht, dass über 10 Milliarden Lichtjahre so „einfach“ zu haben sind :) Ich bin nicht mehr so firm in der Umrechnung, Reiner sprach von ~11 Mrd, ein Umrechner gab mir bei z=1,337 ~9Mrd aus, in jedem Fall, v e r f l u c h t altes Licht!

Reiners Auffindeskills sprengten heute mal wieder alle Grenzen ,so bekam ich noch einige leider für mich erst einmal namenlose Mitglieder des Hercules Clusters (Abell 2151) zu sehen mit etwa einer halben Milliarde Lichtjahre Entfernung auch nicht mehr in der näheren Nachbarschaft Wink

Leider ging es dann für mich an den Abbau und war somit sogar der erste der heute aufbrechen musste, sehr schön hier heute wieder so viele Gleichgesinnte getroffen zu haben und wenigstens noch eine Nacht vor den „weissen Nächten“ genutzt zu haben.

"Spontanes Großtreffen im Taunus" 

Samstag, 14. Januar 2012

BB vom 14.01.2012

Datum: 14. Januar 2012

Ort: Laufenselden
19:30 bis 0:00
GG: 21,12mag/arcsec² ~6m Transparenz subjektiv fallend.
Wetter: Dunst in unterschiedlicher Höhe
-4 ° C

8" f/6
Ich hatte die Hoffnung auf eine zu nutzenden Winternacht ja fast schon aufgegeben, aber das Wetter erbarmte sich unser und so ging es schon am relativ frühen Abend aufs Feld. Bereits vor Ort war Hans, also Jan und ich eintrafen, später gesellte sich auch noch Ingo dazu.

Die lange Schreibtischastronomenphase hat beim Packen der Ausrüstung mal wieder ihren Tribut gefordert und so stand ich begeistert unter einem strahlenden Winterhimmel, allein meine Telradscheibe lag noch mollig warm zu Hause auf dem Schrank... Die Hülle vom [OIII] Filter musste somit die mehr schlechte als Rechte Hilfe sein, zum Glück gabs aber "nebenan" immer genug im Okular für mich.


Kennt man sich nach langen Wolkenwochen noch am Himmel aus? Bedingt. Gerade weil auch die vergangene Wintersaison ziemlich an mir vorbeiging wettertechnisch hatte ich doch erstmal ein paar Hänger, aber am Ende war dann doch alles im Okular was ich wollte. Besonders beeindruckend - muss ich das wirklich schreiben? - Natürlich M42 der mir wirklich lange abging! Wunderschön bereits im 4" Bino von Jan, im 8"er dann mit gesteigerten feinen Details die den Nebel zum nach wie vor zu einem der komplexesten Objekten überhaupt machen, dazu Details in M43 und ein sehr präsenter "Running Man". Ebenfalls im Bino war dann auch der Flammennebel ein leichtes wie beeindruckendes Objekt. Zunächst in Hans 4" Apo, dann auch im eigenen und Ingos 8"er war der Rosettennebel ein wunderbar detailreiches Objekt, hier zeigte sich mir allerdings mal wieder, dass mein [OIII] nicht unweigerlich an JEDEM Objekt optimal ist, in Ingos weicherem Astronomik kam der Nebel doch etwas besser, schon ohne Filter war der Nebel aber wahrzunehmen.

Besondere Zahlenspiele erlaubten uns NGC 2169 und der Asterismus Pakans 3, in jedem Gerät ein Genuss, wobei die "3" nur im Grossbino beobachtet wurde, fehlt aber noch bissl was zur 42...
Nie zu vergessen, schon gar nicht nach langer Abstinenz: Die Sternendusche in h+x, aber auch M35, NGC 7789 und Präseppe wurde ausgiebig "besurft".

Erstaunen löste dann bei mir auch noch der Blick auf M81/82 im Bino aus, einfach klasse, aber 2x4" sind eben schon eine Hausnummer! Das Gerät ist insgesamt eine super Sache, allein bei -4° fand ich die Eiseskälte auf der Nase etwas ablenkend, aber Jan ist das sicher schon am Nachbessern.


Der Löwe war bereits einige Grad über den Horizont geklettert, ebenso der tiefstehende Mars, gute Ausblicke auf die bald einsetzende Galaxiensaison, aber für heute stellte ich das nochmal zurück, vor allem natürlich wegen des gehandicapten Telrad.
Stattdessen stürzten wir uns nochmal tiefer in die Wintermilchstrasse und mit M46 + NGC 2438, nach wie vor einer meiner Lieblingsobjekte wegen der genialen Kombination aus feiner Sternendusche und dem fetten PN.

Die Kälte war noch gut zu ertragen, allein die Zehen meldeten sich gegen Ende, hatte aber auch die Winterstiefel noch nicht angezogen, war es doch die erste wirklich kalte Nacht nach dem eklig warmen Winterauftakt. Hans, der bereits einige Zeit vor uns ankam, war bereits entschwunden und gegen Mitternacht brachen auch Jan und ich unsere Zelte ab und liesen den anscheinend noch nicht fröstelnden Nachzügler Ingo allein zurück. Sein 8"er ist wirklich sehenswert und ich hoffe, dass er sich demnächst mal entschliesst ihn richtig im Internet vorzustellen, die Hutkonstruktion ist nicht nur wegen der verwendeten Materialen (Kohlefaser) sondern vor allem vom Design her richtig sehenswert uns insgesamt ein richtig toll zu bedienendes Telesköpchen, da schaudert es einen wenn man daran denkt was er aktuell am Bauen ist aber... pssst

Als Fazit bleibt, man verlernt zwar vieles nicht aber leichte Einrostungserscheinungen haben sich doch gezeigt! Dramatisch... aber immerhin sind die Standardhandgriffe noch präsent und die Vorzüge eines f/6 Volltubus haben sich vor allem bei der Justage mal wieder gezeigt...

Glücklich und mit klammen Fingern wurde der Rest der Ausrüstung ins Auto gebracht, mit etwas schlechtem Gewissen weil sich wohl eine kleine Schönwetterkatastrophe anzubahnen scheint...

Diese Nacht aus Sicht meines treuen Padajans gibt es hier in seinem Blog zum Weiterlesen! 

Cosmic 37 + Pakans 3 = 42? 

Freitag, 30. Dezember 2011

Neue und alte Gedanken zum visuellen Einstieg


Im Gegensatz zu vielen Artikeln auf meiner Seite, in denen ich meist im Ungefähren bleibe um eine möglichst breite Masse an Einsteigern anzusprechen und Informationen zu vermitteln, möchte ich mit diesen Zeilen einmal wesentlich konkreter auf eine vermeintlich optimale Möglichkeit eingehen, wie man sein (neu? Wieder?) gewonnenes Interesse an der praktischen Astronomie mit dem Teleskop, starten kann. Ich setze an dieser Stelle einfach mal voraus, dass der geneigte Leser sich bereits etwas schlau gemacht hat was den Aufbau und die Unterschiede von Teleskopen und ihren Kennzahlen angeht – falls nicht und der ein oder andere Fachbegriff oder eine Aussage Staunen oder Ratlosigkeit hervorruft, einfach nochmal einen Abend oder zwei Zeit nehmen und die anderen Einsteigerartikel durchlesen ;)

Bevor es losgeht einige Grundannahmen die ich unterstelle um überhaupt so konkret werden zu können:

  • Starke Interessengewichtung auf rein visuelle Deepskybeobachtung, also galaktische und planetarische Nebel, Sternhaufen (offen wie auch Kugelsternhaufen) und natürlich Galaxien
  • Wille und Möglichkeit einen möglichst dunklen Himmel aufzusuchen, sei es durch einen guten Standort zu Hause im eigenen Garten oder eine kleine Autofahrt von sagen wir mal 15-30min.
  • Ein Einstiegsbudget von Minimum 300€ mit Wille und Möglichkeit im Laufe von etlichen Monaten bis wenige Jahre, nochmal den selben Betrag für den Ausbau der Ausrüstung einzuplanen.
  • Ein beschränktes Budget – Denn wer sich darüber keine Sorgen machen muss, der kann ja entweder gleich das beste nehmen oder nach Trial-and-Error alles mal antesten ;)

Warum diese Annahmen? Ganz einfach, um was die Ausrüstung angeht so ins Detail gehen zu können ohne auf deutsch Murks anzupreisen, die zu einem anderen Anforderungsprofil einfach nicht passen würde! Wer von vorneherein auf Fotografie aus ist, den innerstädtischen Balkon nicht verlassen kann oder will, der muss zwangsläufig andere Kompromisse eingehen und damit auch ein gänzlich anderes Equipment anschaffen. Hier geht es nun aber um eben diese Grundvoraussetzungen, die nicht rein zufällig mit meinem eigenen Werdegang übereinstimmen – worüber könnte ich sonst praxisnäher berichten...

Wichtig ist, trotz aller Konkretisierung, diese Gedanken keinesfalls als „einzig wahren Weg“ oder gar ehernes Gesetz zu halten, dafür sind die subjektiven Vorlieben und Wahrnehmungen einfach zu verschieden, nicht nur im Zweifel sondern in jedem Fall, sollte man jede sich bietende Möglichkeit wahrnehmen um Teleskope, Okulare und sonstiges Equipment im persönlichen Erleben, sei es auf einem oder mehreren Teleskoptreffen oder auch durch Kontaktaufnahme mit lokalen Beobachtern (die es wirklich, glaubt es mir einfach, überall gibt!) auszuprobieren und kennenzulernen.

Der erste Scheideweg der sich bei unseren Betrachtungen in den Weg stellt ist die Frage: Neukauf oder Gebrauchtkauf – einzig die Geduld und der Geldbeutel sind hier die ausschlaggebenden Faktoren. In den nun schon einigen Jahren in denen ich Teleskope jedweder Art gekauft und wieder verkauft habe, waren es im überwiegenden Teil der Fälle gebrauchte Teleskope und Okulare, die ich mir angeschafft habe, das lag einfach an meinem Budget und auch an den immer wieder guten Erfahrungen mit Gebrauchtkäufen bei anderen Sternfreunden. Natürlich waren viele persönlich bekannte dabei, aber auch über Internetforen bin ich bisher noch nie „reingefallen“, wichtig ist vorher nur abzuklären ob die optischen Komponenten einwandfrei sind, da muss man dann das Wagnis eingehen und dem Wort und den vorab zu übersendeten Fotos der Teile vertrauen. Bei insgesamt mehr als ein Dutzend Teleskopen und noch mehr Okularen hatte ich bisher nie das Gefühl ich wäre nicht korrekt über den (durchweg guten) Zustand des Ausrüstungsteils aufgeklärt worden. Wer das Glück hat sich keine größeren Sorgen um den preislichen Abstand zwischen Gebraucht- und Neugeräten zu machen, oder aber nicht den „Mut“ hat ohne Garantie zu kaufen, der kauft sich das Gewünschte eben neu bei einem Händler seiner Wahl (siehe Linkliste). Zu diesem Punkt kann man abschließend sagen, dass wenn man den Gebrauchtmarkt eine Weile beobachtet und die marktüblichen Preise kennenlernt und auch dementsprechend nicht ausufernd mehr für sein Gebrauchtteil bezahlt, dass man prinzipiell alles auch wieder ohne Verlust los wird wenn ein Upgrade ansteht.

Welches Gerät darf es denn nun sein?

Wir erinnern uns nochmal kurz unseres Anforderungsprofils: Deepsky, visuell, transportabel und nicht zu teuer. Man kann es drehen und wenden wie man will, oder die vielfachen Empfehlungen als einseitig abtun: Der 8" f/6 Dobson ist einfach das Teleskop in diesem Bereich mit dem unschlagbar besten Preis/Leistungsverhältnis. 200 mm Öffnung stossen im Bereich Deepsky eine naturgegebene Grenztür auf, ab der eine Unmenge an Objekten erste Details erkennen lassen und insgesamt bereits so viele Objekte prinzipiell beobachtbar werden lassen, dass es für ein ganzes Beobachterleben reichen könnte. Darüber hinaus habe ich nicht nur für mich entschieden, sondern es auch für Dutzende Einsteiger, die wir bei unseren Beobachtungsnächten mitgenommen haben, immer wieder bestätigt gesehen, dass die einfache Dobson Montierung für ~95% derjenigen die sie in die Hand nehmen die intuitivste und am einfachsten zu handhabendste Montierung ist, die es gibt. Dazu kommt natürlich der Fakt, dass eine andere (parallaktische) Montierung auf unser Budget- und Anforderungsprofil einfach nicht mehr zutrifft, das ganze wird bedeutend teurer ohne einen echten Mehrwert zu bringen.

Warum nicht 6“? Warum nicht 10“ oder 12“?

Ein 6“er ist ein tolles Gerät, unbenommen zeigt es ebenfalls erstaunlich viel, an vielen sehr hellen Objekten mag der Einsteiger nicht einmal auf den ersten Blick einen großen Unterschied zu einem 8“er sehen. Es gibt nur mehrere Dinge zu bedenken. Zum ersten gibt es 6“ Geräte in unserem Preisbereich nur in drei gängigen Brennweiten: 150/750 (f/5) und 150/1200 (f/8) sowie noch vergleichsweise neu in 900mm (f/6). Der 150/900 ist zwar vom Grundgedanken her ideal, vereinigt er doch ein gemäßigtes aber nicht zu langsames Öffnungsverhältnis mit einer erschwinglichen und leicht transportablen Öffnung, ich kann sogar ohne Scheu sagen: Das Gerät wurde erst auf vielfachen Wunsch und Anregung von einigen Sternfreunden denen genau diese Nische fehlte entwickelt! Leider wurden bei der Umsetzung einige entscheidende Fehler seitens des Herstellers begangen:
  • Das Teleskop ist als OTA (also ohne jedwede Montierung oder gar der gewünschten Dobsonmontierung (Rockerbox)) mit fast 250€ schon etwas teuer geraten
  • Die Auslegung von Fangspiegel und OAZ sind stark auf die Fotografie ausgerichtet!
  • Bedingt dadurch bringt es ab Werk im visuellen Bereich nicht ganz die Leistung die es eigentlich bringen könnte und sollte.

Das Problem des 6“ f/5 (also mit 750mm Brennweite) ist zum einen der Fakt, dass ein Teleskop mit dem Öffnungsverhältnis von f/5 bereits wesentlich teurere Okulare bedingt um eine optimale Abbildung zu erhalten, dazu auch merklich anfälliger für Dejustage ist, was gerade den noch ungeübten Einsteiger einen relativ hohen Prozentsatz an Abbildungsleistung kosten kann. Zu guter Letzt ist der Einblick selbst wenn es ein 150/750 Teleskop in Dobsonbauweise gäbe, zu niedrig am Boden. In Sachen Einblick liegt der f/8 6 Zöller mit dem 8" f/6 Dobson natürlich gleichauf, ebenso ist er entspannter zu justieren und stellt keine großen Anforderungen an die Okulare, jedoch ist er im Bereich Deepsky durch sein langsames Öffnungsverhältnis etwas gehandicapt, zeigt er doch gerade bei schwachen grossflächigeren Objekten einfach nicht mehr das hellste Bild bei gängigen Okulare/Vergrösserungskombinationen.
Bleiben noch die 10 und 12 zölligen Varianten, beide sind gebraucht schon vergleichsweise günstig zu erwerben, wenn auch etwas teurer als unser 8“ f/6, sie zeigen unbestreitbar mehr (wobei der Unterschied zu 10“ bereits einige Erfahrung voraussetzt um den sicher wahrzunehmen), gerade der 12“er verzeiht aber in Sachen Okulare und Dejustage noch weniger als der 6“er mit gleichem Öffnungsverhältnis, dazu ist das Gewicht und der Transport dann schon sportlich zu sehen – was nicht heißen soll, dass diese Teleskope nicht ihren Preis und ihr Gewicht wert sind ;) Doch bleiben wir bei unseren Grundannahmen, dann bietet uns der 8“ f/6 Dobson vor allem eine ausreichende Öffnung für detaillierte Deepskybeobachtungen sowie ein gemäßigtes Öffnungsverhältnis, dass weder extrem dejustageanfällig ist noch allzu teure Okulare erfordert (was nicht heißen soll, dass sehr gute Okulare nicht dankbar in den OAZ gesteckt werden dürfen um hervorragende Bilder zu zeigen!)

Und welche Marke jetzt?

Die Wahl der Marke ist in meinen Augen eine der untergeordnetsten Entscheidungen überhaupt – Wir reden hier durch die Bank weg von günstigen Einsteigergeräten aus Fernost, ob unter dem Namen GSO, Galaxy (baugleich) oder Skywatcher, hier mag man höchstens noch aus geopolitischen Gründen entscheiden ob das Gerät aus China oder Taiwan kommen soll ;) Jeder Typ hat seine kleinen Eigenheiten, Schwächen aber auch Stärken und sie halten sich eigentlich durchweg die Waage, so dass man keinen echten Fehler begehen kann wenn man sich in der Frage des Herstellers treiben lässt. Gerade beim Gebrauchtkauf kann einem dieses Wissen mehr Möglichkeiten eröffnen. Um es einmal gesagt zu haben: Ich habe/hatte einen GSO und war immer zufrieden damit, wie die anderen Marken auch, gibt es einiges was mit mit wenig Aufwand und Geschick verbessern kann, andere Sternfreunde haben das ebenso erfolgreich mit anderen Herstellern getan.


Was brauche ich noch?

Kein Teleskop funktioniert ohne Okulare, das dürfte jedem Leser an dieser Stelle bereits klar sein. Bei einem Neukauf ist meist nur ein oder auch mal zwei einfache Okulare in 25 oder 20 sowie 10mm Brennweite dabei. Das ist schon einmal was um sich auf das Gerät einzustimmen, aber es reicht leider bei Weitem nicht um auch nur annähernd die Leistung des Teleskops auszuschöpfen und alle gewünschten Objekte optimal zu beobachten. Die Staffelung von Okularen/Brennweiten/Austrittspupillen (Verständnisschwierigkeiten? Schaut noch mal in die jeweiligen Einstiegsartikel) ist ein Thema für sich und mitunter auch von den eigenen Vorlieben abhängig, es hat sich aber herauskristallisiert, dass ein Minimum von vier Brennweiten bewährt hat um zumindest einmal die wichtigsten Vergrößerungen zu erreichen um eine Vielzahl von Objekten in verschiedenen Detailstufen beobachten zu können.

  • Die Übersichts- bzw. Aufsuchvergrößerung: Ob es nun 30, 31, 32 oder 33mm sein sollen/müssen hängt vom Himmel und den eigenen Vorlieben ab, bei f/6 halte ich 32mm für einen guten Wert. Diese Brennweite bietet auch gleich das größte Stolperfallenpotential, denn wirklich gute Okulare in diesem Bereich sind rar gesät und – man verzeihe mir den Ausdruck – schweineteuer!
  • Die „Zwischenvergrösserung“ - 20-25mm ist meist mitgeliefert, kann durchaus bei vielen Objekten schon Details herausarbeiten ohne die Bildhelligkeit drastisch zu reduzieren, würde ich aber zur Aufrüstung mit besseren Okularen relativ weit ans Ende stellen – deshalb hier auch nicht Teil der vier wichtigsten Vergrößerungen.
  • Die Detailvergrösserung: 13-15mm - Hier haben wir eine „magische“ Vergrößerung/Austrittspupillenkombination, viele auch schwächere Objekte zeigen hier richtig viele Details (immer einige nötige Übung im teleskopischen Sehen vorausgesetzt, das dauert einfach etwas!). Auf kaum eine Vergrößerung könnte ich weniger verzichten. Hier sind brauchbare Okulare bereits erschwinglich und auch die wirklich guten kosten kein Monatsgehalt.
  • Die „Auflösungs“vergrößerung: 9-11mm – Ist das Objekt hell genug und/oder bereits relativ klein (planetarische Nebel, Kugelsternhaufen, aber auch Planeten) ist diese Brennweite Pflicht um wichtige, ja elementare Details herauszuarbeiten, viele der helleren Kugelsternhaufen werden hier bereits sehr ordentlich in Einzelsterne aufgelöst.
  • Die „Hoch“vergößerung 5-6mm – Viele Details in Deepskyobjekten verlangen nach solchen Vergrößerungen um Details im Kernbereich darzustellen, natürlich wird das Bild ingesamt hier je nach Objekt schon recht düster und dejustiert sollte das Teleskop auch nicht sein, aber wer nur oberhalb dieser Brennweite arbeitet, wird definitiv einiges verpassen.

Konkret heißt das für unseren 8“ f/6:

  • 35x – 40x
  • 80x – 90x
  • 110x – 130x
  • 200x – 240x

Unterstellen wir an dieser Stelle weiterhin unser nach wie vor beschränktes Budget scheiden die hoch- aber auch die mittelpreisigen Okulare zwischen 100 und 300€ das Stück leider aus, jedoch lohnt es sich im Laufe seines „Astrolebens“ durchaus auch für einen 8“ f/6 auf solche Okulare hinzuarbeiten (Sparwutz lässt grüssen). Also schauen wir uns im unteren Preissegment um, was wir hier für Alternativen finden.

Wie schon angeklungen ist das im Bereich über 30mm schwer oder leicht, je nach dem wie man es betrachtet, in jedem Fall wird es das teuerste unserer beispielhaften Okulare werden, denn 2“ Steckmaß sind hier auf jeden Fall angebracht! Es lohnt hier kaum wesentlich mehr auszugeben als die günstigsten kosten, denn bis sich ein wirklich merklicher Unterschied in der Abbildungsqualität abzeichnet vergehen hunderte Euro...
Hier gibt es eine manchmal etwas verwirrende Menge an Okularen, die sich preislich alle zwischen 70 und 120 Euro bewegen, von den Gesichtsfeldern zwischen 65 und 70°. Viele sind mit dem Zusatz WA für Wideangle versehen. Gebrauchtpreise bewegen sich hier zwischen 40 und 80 Euro. Die Qual der Wahl umgeht man am besten in dem man auf den eingangs erwähnten Treffen oder persönlichen Kontakten zu gut ausgerüsteten Sternfreunden, dies und jenes Okular einfach mal live an- und vor allem durchschaut. Bei Neukauf kann eine freundliche Mail an den Händler seines Vertrauens auch die Möglichkeit ergeben, mehrere solcher Okulare zur Ansicht zu bekommen um dann den persönlichen Favoriten zu behalten – hier sollte aber gerade bei jemandem der noch nie ein Teleskop besessen hat, ein Sternfreund mit Erfahrung hinzugezogen werden.

Für die restlichen drei Okulare könnte man sich für den Einstieg ruhig auf drei Okulare identischer Bauart festlegen. Ich werfe nun einmal Markennamen in den Raum, die alle ähnlicher Machart sind: TSWA, Hyperion, William Optic SWAN, Omegon, Orion Expanse... sie alle sind ähnlich gestrickt wobei es durchaus merkliche Unterschiede vor allem in der Fertigungsqualität gibt, die sich auch im Preis niederschlagen – sie alle sind keine schlechten Okulare für einen 200/1200 – ein Gebrauchtkauf wird gerade bei den etwas besseren dieser Aufzählung dem Neukauf vorzuziehen sein, schon allein wegen der mitunter saftigen Preise. Doch gibt es bei den drei unteren Brennweiten noch eine sehr interessante Alternative: Die so genannten Planetary Okulare – es gibt sie inzwischen auch von verschiedenen Herstellern mit den bereits angesprochenen unterschiedlichen Fertigungsqualitäten und Preisen, jedoch sind sie alle etwas günstiger als die leicht weitwinkligen (65-70°) Verwandten, bringen es aber immer noch auf praxistaugliche 60° Gesichtsfeld. Mit 50-80€ sind auch die Neupreise erschwinglich, gebraucht kann man hier aber durchaus nochmal sparen! Dazu sollte man nie die Möglichkeit eines Messebesuchs außer Acht lassen, auch wenn die Anfahrt zu den großen Astrobörsen mitunter recht lang ist: Ein neues Planetary Okular für 30 Euro das Stück könnte das lohnend erscheinen lassen ;) Das scheinbare Gesichtsfeld ist natürlich eine kleine Einbuße, jedoch hat sich mir und Mitbeobachtern gezeigt, dass diese Okulare trotz ihres geringen Preises eine sehr erstaunliche Schärfe und Transmission haben, die den teureren Weitwinklern überlegen ist. Für mich wären sie (hätte ich nicht im Laufe der Jahre aufgerüstet) nach wie vor das Einstiegsokular schlechthin, mit dem man ohne weiteres auf lange Zeit gut leben kann. Ein spezielles Okular will ich noch erwähnen, zwar liegt es preislich etwas über den Einzelokularen, jedoch handelt es sich um ein Zoomokular der Firma Astrozoom mit durchweg gleichbleibender Abbildungsleistung (was bei Zoomokularen nicht selbsverständlich ist!). Auf Basis eines 7mm Planetaryokulars wird durch einen Zoommechanismus die Brennweite auf den Bereich von 6,9 bis 3,5mm gestreckt – ohne Einbußen der Abbildungsqualität. Dadurch erübrigt sich auf lange Sicht (ich nutze es heute noch, auch an größerem und schnelleren Gerät) alles was unter 10mm Brennweite liegt.

Aber Okulare sind ja nicht alles oder?

Das wichtigste hätten wir nun beisammen aber eines noch fehlt uns für den guten Start ins Beobachterleben. Ein Sucher und gutes Kartenwerk. Vielfach hat sich gezeigt und in der Praxis bewiesen, dass Peilsucher den optischen Suchern durchaus überlegen sind, vor allem dem Einsteiger will das oftmals nicht nur seitenverkehrte sondern auch gleich auf dem Kopf stehende Bild eines optischen/vergrößernden Suchers, nicht recht einleuchten bei der Such nach einem Objekt. Besser sind dafür Peilsucher, die kein Bild des Himmels vergrößern sondern beim Durchblicken lediglich einen Punkt oder Zielkreise an den Himmel projizieren. Gar optimale möchte ich die Kombination aus dem etwas teureren Telrad (mit drei Suchkreisen) und dem Deep Sky Reiseatlas nennen, in diesem sind nämlich eben jene Kreise für jedes Objekt eingezeichnet was das Aufsuchen zu echtem Spaß werden lässt. Wer aber richtig schottisch denken muss, der greift stattdessen zu einem einfachereren Peilsucher wie dem Baader Skysurfer III , der zwar nur einen Punkt an den Himmel projiziert, dafür aber statt 50 nur 30€ kostet... an Stelle des gekauften Kartenwerks können prinzipiell auch gedruckte Karten aus kostenlosen Planetariumsprogrammen (z.B. Cartes du Ciel) dienen oder aber fertige ausgedruckte Karten wie der bekannte TriAtlas, der in verschiedenen Detaillierungen kostenlos zum Download angeboten wird.
Worum niemand, der das Hobby dauerhaft und ernsthaft betreiben will herum kommen wird, ist die Justage am Newtonteleskop – von vielen zu Unrecht gefürchtet, gerade ein f/6 Teleskop lässt sich nach einigen Übungen in weniger als einer Minute fertig für die schönsten Himmelserlebnisse machen. Auch wenn nicht alle Grundjustageschritte (siehe mein Artikel zur Newtonjustage) mit einem Laser vollzogen werden können, würde ich doch nicht auf den Justierlaser verzichten wollen – beim Laser kann Geiz an der falschen Stelle den ganzen Kauf überflüssig machen, zwar gibt es Laser neu schon ab 40€ aber für nur 10€ extra gibt es mechanisch hervorragende Laser von Horst Becker (www.drehen-und-mehr.de) oder Albert Göbel (www.katrin-goebel.de). (Leider hat Göbel die Laserproduktion eingestellt)

Last but not least fehlt es uns noch an einer kleinen aber durchaus beachtenswerten Investition, die so mancher der den Unterschied noch nicht kennt belächeln mag: Eine Rolle (oder auch zwei) schwarze Veloursklebefolie von DC-Fix oder Alkor, gibt es in fast jedem Baumarkt für um die 10€ und bringt sauber in den Tubus verklebt, die nötige Streulichtunterdrückung ins Teleskop. Der Unterschied mit/ohne diese einfache „Tuningmaßnahme“ ist mitunter erstaunlich aber natürlich auch mit vom Standort abhängig, ich würde sie, da es keinen großen finanziellen oder handwerklichen Aufwand bedeutet, jedem wärmstens ans Herz legen! Viele gebrauchte Teleskope wird man bereits mit dieser durchgeführten Tuningmaßnahme angeboten finden.

Alsdann steht nur noch etwas freie Zeit und vor allem ein klarer Himmel zwischen uns und einer wunderschönen Nacht unter den Sternen. Diese solide Grundaustattung kann man (und wird man) natürlich im Laufe der Zeit erweitern und verbessern wollen, hier noch ein schönes Stühlchen zum Beobachten, eine rote Taschenlampe (ob gekauft oder mit Nagellack selbst hergestellt) werden sich bald dazu gesellen und alles weitere ergibt sich einfach, am besten natürlich wenn man das ganze nicht gänzlich auf eigene Faust macht, sondern für Fachsimpeleien, warmen Tee und zusätzliche Motivation noch einen Sternfreund aus der Region findet.

Lass mal schnell rechnen, was da nun am Ende rauskommt!

Gebraucht:
Dobson ca. 200€
Okulare ca. 50€ + ca. 100€ für den Satz Planetarys
Peilsucher: 20-40€
Laser ca. 40€
Kleinkram wie Veloursfolie, Taschenlampe, Stuhl, wasauchimmer... 30€

Summe: 450€ - das muss auch alles nicht auf einen Schlag erworben werden sondern im ersten halben Jahr nach und nach erlegt werden.

Neu:
Dobson: ca. 300€
Okulare ca. 230€
Peilsucher: 30-50€
Laser: 50€
Kleinkram – siehe oben

Summe: 650€ - und hier gilt natürlich das selbe wie beim Gebrauchtkauf – peu a peu ist durchaus möglich...

Fazit: Auch wenn wir uns hier von den oftmals gelesenen „200-300€“ schon etwas entfernt haben, ist das noch erschwinglich, auch für den geschundenen kleinen Geldbeutel, vor allem wenn man bedenkt, dass die Rechnung nicht auf einen Schlag fällig wird! Und im Gegensatz zu so ziemlich jedem „Billigeinsteigerpaket“ haben wir mit dieser Kombination ein Gerät, dass wenn das Astrofieber erhalten bleibt (und die Chancen sind mit diesem Gerät weitaus höher als mit anderen Angeboten!), nicht nur einen mehr als soliden Einstieg ermöglicht sondern durchaus das Potential auf lange Sicht – für mach einen sogar endgültig – den Himmel zu erkunden und trotzdem immer wieder neues zu entdecken und mit steigender Erfahrung wahre Wunder des Deepsky zu bewundern.