Mittwoch, 19. Februar 2014

AstroUmfrage 2013/2014 - Die Auswertung

Astroumfrage 2013/2014 von Taunus-Astronomie

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Im Spätherbst 2013 blätterte ich routinemässig durch meine Artikel um nach Aktualisierungsbedarf und Fehlern zu schauen, da stolperte ich in einem alten Artikel über eine kleine Umfrage zum Thema Fotografie, die ich vor etlichen Jahren mal in einem Astronomieforum durchgeführt hatte. Nun gibt es bekanntlich (durchaus berechtigte) Vorurteile gegenüber Umfragen im Allgemeinen, da ist erstmal die Frechheit überhaupt Interesse an anderen Leuten zu zeigen, dann der Aufwand des Ausfüllens/Beantwortens und zu guter Letzt natürlich auch der alte (und mitunter wahre) Spruch: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast..

Trotzdem hat meine Neugier gesiegt und ich habe einen kleinen Fragekatalog erarbeitet um bestimmte Aspekte unseres Hobbies abzufragen, die in dieser Form noch nicht erhoben wurden. In den großen kommerziellen Umfragen wird meist auf die Gerätepräferenzen und vor allem den Geldbeutel geschielt (wie teuer war dein letztes Teleskop, hast du vor in den nächsten Monaten zu investieren?). Das wollte ich in jedem Fall vermeiden, deshalb waren mir sowohl die Hersteller als auch die Kosten oder Ausgaben völlig egal, mir ging es eher um die praktischen Fragen: Womit hat man am Anfang die meisten Probleme? Welches Teleskop (welcher Teleskoptyp) wird am häufigsten genutzt, wie weit fahren wir um unser Hobby auszuüben und ist es eher der einsame Beobachter oder die Gruppe die das Universum erkundet?

Innerhalb von etwa sechs Wochen kamen so immerhin 53 ausgefüllte Fragebögen wieder zu mir zurück, natürlich eine recht kleine Grundlage bei mehreren Tausend aktiven Amateurastronomen in Deutschland, aber wenn man sich die relativen Zahlen anschaut und mit anderen Umfragen vergleicht ein gar nicht mal so geringer Umfang (so wird die wohl allen bekannte „Sonntagsfrage“ bei 0,0002% der wahlberechtigten Bevölkerung durchgeführt, auf die großzügig auf 20.000 angesetzte Astrofangemeinde käme meine Umfrage dann immerhin auf satte 0,26%). Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus, ist die Auswahl an Befragten natürlich nur bedingt repräsentativ, denn es wurden nur Besucher meiner Internetseite sowie mehrerer Astronomieforen in denen ich dafür „geworben“ habe erreicht.

Ich hoffe, die Ergebnisse sind für den ein oder anderen trotzdem interessant, ein paar Überraschungen gab es dabei auch für mich, mit denen ich eher nicht gerechnet hatte und die nicht meinen eigenen Vorlieben entsprechen. Sollte (und das ist nicht ganz unwahrscheinlich) im Winter 2014/2015 erneut eine solche Umfrage durchführen werde ich einige augenscheinliche Schwächen versuchen auszumerzen, einige problematische Punkte kamen erst bei der Auswertung zu Tage.

Meine Schlüsse und Meinungen zu den Ergebnissen kann man lesen, muss man aber nicht, Ihr sollt Euch am Ende am besten ein eigenes Bild von den Zahlen machen ;)

An dieser Stelle möchte ich natürlich allen ganz herzlich danken, die sich die Zeit genommen haben meine Fragen zu beantworten, super Leute, ohne Euch wäre das von vorneherein zum Scheitern verurteilt gewesen.

Februar 2014 – Benny Hartmann – www.taunus-Astronomie.blogspot.de


Die Altersstruktur

Diese Frage war die einzige „persönlicher Art“, ich finde sie dennoch interessant.



Frage 1

Altersgruppe


Absolut Prozentual
14-18 2 3,77%
18-25 4 7,55%
25-39 13 24,53%
40-55 27 50,94%
55-65 5 9,43%
Älter als 65 2 3,77%

Hobbydauer


Frage 2

Hobbydauer

Dauer
Anteil
weniger als 1 Jahr 3 5,66%
1-5 Jahre 20 37,74%
5-10 Jahre 10 18,87%
mehr als 10 Jahre 20 37,74%


Das erste Teleskop

Frage 3

Größe erstes Teleskop

Öffnung
Anteil
50-70mm 14 26,42%
71-102mm 8 15,09%
103-150mm 17 32,08%
200-300mm 13 24,53%
kein Teleskop 1 1,89%

 Themenbereiche

Hier waren Mehrfachnennungen natürlich möglich, ist es doch sehr selten, dass sich ein Teilnehmer ausschliesslich für einen Teilbereich entscheidet.

Frage 4

Themenbereiche




Planeten visuell 38 71,70%
Deepsky visuell 44 83,02%
Mond visuell 33 62,26%
Sonne visuell 19 35,85%
Planetenfotografie 13 24,53%
Deepskyfotografie 19 35,85%
Mondfotografie 15 28,30%
Sonnenfotografie 8 15,09%



Was mich nun aber interessierte: ob sich Abhängigkeiten zwischen der Zeit die man das Hobby betreibt und den Interessen zeigen. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass man zu Beginn mit bestimmten Vorstellungen und vor allem einem eher breiten Interesse an die Sache herangeht und sich dann im Laufe der Zeit mehr und mehr spezialisiert. Deshalb folgte die Verknüpfung der Fragen nach der Hobbydauer mit den Interessengebieten.

Interessen Hobbydauer




weniger als 1 1 bis 5 5 bis 10 mehr als 10
Planeten visuell 100,00% 60,00% 70,00% 80,00%
Deepsky visuell 100,00% 75,00% 100,00% 85,00%
Mond visuell 33,33% 55,00% 80,00% 55,00%
Sonne visuell 0,00% 35,00% 70,00% 35,00%
Planetenfotografie 33,33% 25,00% 10,00% 30,00%
Deepskyfotografie 66,67% 45,00% 30,00% 35,00%
Mondfotografie 33,33% 25,00% 30,00% 35,00%
Sonnenfotografie 0,00% 10,00% 10,00% 25,00%


Tatsächlich zeigen sich recht offensichtliche Unterschiede bei den einzelnen Teilaspekten der Amateurastronomie, einige Interessengebiete wie Deepsky visuell und die Mondfotografie scheinen durchweg eher kleineren Schwankungen unterworfen zu sein, während die Beobachter der Sonne erst im Laufe der fortschreitenden Hobbydauer ihre Aufmerksamkeit schenken. Während die Mond- und Planetenfotografie (mit einem Ausreisser bei den Planten zwischen 5 und 10 Jahren) auch eher gleichbleibend interessant zu sein scheinen, fällt die Deepskyfotografie, die zu Beginn immerhin 2/3 der Befragten im Laufe der Zeit merklich ab. Allerdings war die Beteiligung derjenigen, die noch ganz neu im Hobby sind, erwartungsgemäss relativ niedrig.

Andererseits erkenne ich mich an den Kurven selber recht gut wieder, ich scheine also kein Ausnahmefall zu sein, auch ich war zu Beginn besonders breit interessiert und wollte natürlich fotografieren, unser Zentralgestirn hatte ich als Beobachtungsobjekt ebenfalls nicht auf der Liste. Der Deepsky blieb bei mir besonders hängen, aber nach einigen Jahren mit viel unterdurchschnittlichem Wetter war ich auch Mondbeobachtungen und einem Blick auf die Sonne nicht abgeneigt, während ich meine Fotoambitionen nach und nach nach unten gefahren habe.



Um die Anschaulichkeit der Bewegungen zu verbessern sind diese Kurven geglättet.


Wieviele Instrumente besitzt ihr aktuell?

Ein Ergebnis, was mich durchaus überrascht hat, ein ganzer Fuhrpark ist definitiv nicht die Ausnahme sondern der Regelfall, mehr als ¾ der Befragten haben mehr als ein Teleskop, 1/3 sogar mehr als drei!


Frage 5

Wieviele Instrumente




gar kein Teleskop 2 3,77%
1 Teleskop 9 16,98%
2 bis 3 Teleskope 24 45,28%
mehr als 3 Teleskope 18 33,96%

Das meistgenutzte Teleskop – Öffnung und Bauart


Die Zahlen überraschen nicht, sind doch große Geräte in den vergangenen 15 Jahren sehr erschwinglich geworden, die damit einhergehende Bauart überrascht demnach ebenso wenig, hier hat der Newton mit überwältigendem Abstand die Nase vorn. Man kann so vom „Arbeitspferd“ des Astronomen sprechen, kleine Öffnungen und andere Systeme werden zwar wie von den großen Umfragen zweifelsfrei festgestellt häufig verkauft und sicher auch häufig genutzt, doch interpretiere ich die Zahlen dahingehend, dass sie trotzdem für bestimmte Anwendungen vorbehalten sind, die nicht zwangsläufig am häufigsten/liebsten betrieben werden.

Frage 6

Optikdurchmesser

Öffnung
Anteil
50-70mm 1 1,89%
71-102mm 4 7,55%
103-150mm 7 13,21%
200-300mm 30 56,60%
Größer als 300mm 10 18,87%
kein Teleskop 1 1,89%



(nicht in obiger Grafik miteinrechnet ist ein Teilnehmer ohne Teleskop)

In meiner Auswertung habe ich auch den Zusammenhang zwischen Öffnung und Typ hergestellt, allerdings verzichte ich hier aus Platzgründen auf die Grafik, zu vorhersehbar sind die Ergebnisse, die großen Öffnungen lassen sich 1:1 Newton und SC/Maksutov zuordnen, während die kleinen Öffnungen den Achromaten und Apochromaten zuzuordnen sind.

Frage 6a

Instrumententyp

Typ
Anteil
Achromat 2 3,77%
Apochromat 4 7,55%
Newton 39 73,58%
SC/Mak 7 13,21%
anderes 0 0,00%
nichts/anderes 1 1,89%


Welche Montierung wird mit dem meistgenutzten Teleskop verwendet?


Auch hier haben sich für mich eher keine neuen Erkenntnisse ergeben, es ist mehr oder weniger eine Bestätigung der Geräte in meinem näheren Umfeld, so oder ähnlich sieht man es auch auf Teleskoptreffen jeder Art.


Frage 7

Welche Montierung




Parallaktisch 20 37,74%
Azimutal 2 3,77%
Dobson 30 56,60%
kein Teleskop 1 1,89%

Was mich aber interessierte: Hat die Art der Montierung einen Einfluss auf die Häufigkeit der Beobachtungen? Kann eine umständliche Aufstellung bzw der Aufbau den inneren Schweinehund befeuern? Das Ergebnis sagt: Nein, das trifft in keiner Weise zu – Im Umkehrschluss kann man sagen: Wer „seine“ Montierung gefunden hat, der hat dies wohl mit Bedacht getan und kommt gut damit klar, eher könnte das Gewicht eine Rolle spielen wie oft man das Teleskop mit in die Nacht nimmt. Ich bleibe dran, das ist eine Fragestellung die ich bei einer mutmasslich nächsten Umfrage gerne näher beleuchten möchte.

Anzahl der genutzten Nächte in Abhängigkeit von der Montierung.



Benutzt ihr zusätzlich ein Fernglas?


Für viele ist ein Fernglas ein unverzichtbarer Bestandteil, auch wenn es wohlmöglich nicht immer und nicht so ausdauernd zum Einsatz kommt, hat doch die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer ein Fernglas und benutzt es auch hin und wieder.


Frage 8

Fernglasbesitz




ja 45 84,91%
nein 8 15,09%

Visuell oder Fotografie?

Eine Frage, die mir nachträglich als besonders interessant erscheint. Natürlich war bei den Interessen vielfach sowohl die Fotografie (egal ob Deepsky oder Planeten/Mond) als auch visuelle Beobachtungen angegeben, logisch, die wenigsten sind rein fotografisch unterwegs. Spannend war nun aber die Frage wo die Leute selber ihr Hauptinteresse sehen. Hier war ich dann auch durchaus überrascht, dass der Prozentsatz der Fotografen die das ganze auch als Hauptaspekt des Hobbies ansehen, vergleichsweise niedrig ist. Zunächst aber die absoluten Zahlen aller Befragten:

Frage 9

Interessen Präferenz




keine 7 13,21%
visuell 35 66,04%
fotografisch 11 20,75%



Insgesamt haben sich 45,28% der Befragten zu einer Art der Fotografie bekannt. Nun das (für mich) erstaunliche:
Lediglich 41,67% der Fotografen sehen die Fotografie als den wichtigsten Aspekt ihres Hobbies an, jeweils 29,17% sind stattdessen entweder am liebsten visuell unterwegs oder sehen beide Aspekte als gleichberechtigt an.

Beliebteste Objekttypen im Bereich Deepsky

Eine Frage, die mich ganz besonders im Vorfeld interessiert hat – welche Objekttypen werden wohl von den meisten Leuten gemocht und beobachtet? Gibt es „hässliche Entlein“ im Universum?

Mit dieser Frage im Hinterkopf habe ich die wichtigsten Deepskyobjekte aufgelistet und nach den Präferenzen gefragt, selbstverständlich waren auch hier Mehrfachnennungen möglich.


Frage 10

Deepskyobjekte

Objekttyp
Häufigkeit
Offene Sternhaufen 25 47,17%
Kugelsternhaufen 39 73,58%
Planetarische Nebel 43 81,13%
Galaktische Nebel 35 66,04%
Galaxien 40 75,47%

Damit können wir (überraschend? Für mich etwas..) die planetarischen Nebel auf Platz 1 der beliebtesten Deepskyobjekte platzieren. Dicht gefolgt von den Galaxien und den Kugelsternhaufen, die beide fast gleichauf liegen. Mit etwas Abstand folgen die galaktischen Nebel wie Messier 42 oder auch der Nordamerikanebel um zwei Beispiele zu nennen. Stark abgeschlagen mit unter 50% Nennungen fristen die offenen Sternhaufen ihr Dasein, nicht einmal jeder zweite sieht sie als regelmässige Beobachtungsziele.


Nun habe ich versucht einen Zusammenhang zwischen Objektklasse und Teleskopöffnung zu ziehen.



Objektklasse / Öffnung





50 bis 70 71 bis 102 103 bis 150 200 bis 300 mehr als 300
Offene Sternhaufen 100,00% 50,00% 42,86% 40,00% 60,00%
Kugelsternhaufen 100,00% 100,00% 85,71% 66,67% 70,00%
Planetarische Nebel 100,00% 100,00% 57,14% 80,00% 90,00%
Galaktische Nebel 100,00% 100,00% 57,14% 50,00% 90,00%
Galaxien 100,00% 50,00% 71,43% 73,33% 90,00%

Bei der kleinsten Öffnungsklasse bin ich geneigt sie einfach auszublenden, warum? Es gab insgesamt nur einen einzigen Teilnehmer, der ein Gerät dieser Größe als sein Hauptinstrument angab, so dass die Angaben nicht repräsentativ sein können, auch bei der zweiten gab es insgesamt nur wenige Teilnehmer. Wenig verwundert es, dass die meist eher schwächeren Galaxien mit steigender Öffnung an Zuspruch gewinnen. Die fast durchweg guten Wertte für die planetarischen Nebel (und in geringerem Umfang auch für die Kugelsternhaufen) erkläre ich mir aus den Eigenschaften dieser Objektklasse selber: Planetarische Nebel lassen sich oftmals auch unter suboptimalen Bedingungen und mit Einsatz von Nebelfiltern mit fast jeder Öffnung gut beobachten, in wirklich schlechten (sprich hellen) Gegenden, sind sie oftmals sogar die einzigen Deepskyobjekte die beobachtbar sind.

Welcher Aspekt macht/machte dir zu Beginn der „Amateurkarriere“ die meisten Probleme?

Die Frage erklärt sich selber, ich habe einige Antwortmöglichkeiten gesammelt, die so oder ähnlich bei mir zu Beginn meiner Beobachtungen im Raum standen, und wie sich zeigte, waren sie so gewählt, dass sich auch fast alle darin wiederfanden. War es das Auffinden von Objekten, das Justieren des Gerätes, das teleskopische Sehen oder die Diskrepanz zwischen den Erwartungen und dem was man schlussendlich wirklich im Okular sah?


Frage 11

Probleme




Auffinden 32 60,38%
Justieren 16 30,19%
Sehen 6 11,32%
Erwartungen 8 15,09%
keine 7 13,21%





Welche Aufsuchhilfe/methode wendet Ihr an?

Eine Frage, die weder einer besonderen Erklärung bedarf, noch deren Ergebnis mich überrascht hätte – vor zwanzig Jahren sah das sicher auch noch ganz anders aus.


Frage 11a

Aufsuchmethode




Optischer Sucher 9 16,98%
Peilsucher 31 58,49%
Goto 13 24,53%

Die Anzahl der genutzten Nächte

Wiederum eine in meinen Augen sehr spannende Frage, vor allem wenn man versucht sie mit den folgenden Fragen in Zusammenhang zu bringen, aber beginnen wir mit der Ausgangsfrage:


Frage 12

Anzahl genutzter Nächte




0 bis 10 7 13,21%
10 bis 20 22 41,51%
20 bis 30 15 28,30%
mehr als 30 9 16,98%

Wo ist dein Hauptbeobachtungsort

Fährt man raus oder bleibt man daheim? Die Fragen stellen sich wohl Viele, ein Großteil nimmt die Fahrt in Kauf um unter besseren Bedingungen zu beobachten als dies daheim gegeben ist. Interessant wird die Verknüpfung des Standorts mit den Bedinungen aber dazu später mehr.

Frage 13

Hauptbeobachtungsort




Balkon/Terrasse 8 15,09%
Garten 12 22,64%
Feld 29 54,72%
Sternwarte 4 7,55%

Merklich mehr als die Hälfte fährt also in der überwiegenden Anzahl der Nächte lieber in die freie Natur, fern von störenden Lichtquellen.


Wie weit ist dein Haupbeobachtungsplatz entfernt?

Der eigene Garten und die heimische Terrasse sind natürlich immer am nächsten, auch der Feldweg hinterm Ortsschild ist nicht weit, aber wie viele Beobachter nehmen weitere Fahrten in Kauf und lohnt es sich? Letzteres wird nach den Grundfragen zu Beobachtungsort und Bedingungen geklärt werden.


Frage 14

Entfernung Beobachtung.




0 bis 5km 30 56,60%
5 bis 15km 9 16,98%
15 bis 30km 5 9,43%
mehr als 30km 9 16,98%

Wie ist die Himmelsqualität an deinem bevorzugten Standort?

Das wohl wichtigste Kriterium bei der Wahl (neben „weichen“ Faktoren wie Erreichbarkeit/Bequemlichkeit) des Beobachtungsortes ist natürlich die Himmelsqualität. Leider hat nicht jede Region Deutschlands gute Bedingungen in akzepabler Reichweite, aber man versucht sie – insbesondere bei der Deepskybeobachtung – weitestmöglich zu optimieren.


Frage 15

Himmelsqualität




Unter 4m 3 5,66%
4,5 bis 5m 2 3,77%
5 bis 5,5m 11 20,75%
5,5 bis 6m 13 24,53%
6 bis 6,5m 13 24,53%
Mehr als 6,5m 5 9,43%
weiss es nicht 6 11,32%




Beobachtest du alleine oder in einer Gruppe?


Als ich selbst mit dem Hobby startete, war das für mich ganz eindeutig eine Solobeschäftigung, ich konnte mir kaum vorstellen wie man das Beobachten überhaupt in einer Gruppe betrteiben könnte. Schon der erste Sternwartenbesuch hat mich überzeugt, dass der Plausch mit Gleichgesinnten schon etwas tolles ist. Heute bin ich wider Erwarten und sogar wider meine sonstige Natur zum echten Gruppenbeobachter mutiert und geniesse es sehr am liebsten mit einer kleineren Gruppe „zusammen“ zu beoabchten. Am Ende schaut jeder für sich, aber der fachliche Austausch, die Begeisterung und auch das gegenseitige Überprüfen von gesehenen Details sind inzwischen ein wichtiger Bestandteil meiner Freude am Beobachten. Anscheinend sind wir damit aber durchaus als Minderheit zu bezeichnen. Hätte ich nicht „bei Zeiten“ Anschluss gefunden wäre es mir sicher ähnlich ergangen, ich möchte aber jeden ermutigen es zu versuchen, kann viel zusätzliche Freude bringen.


Frage 16

Gruppenbeobachtung




Alleine 35 66,04%
1-2 Mitbeobachter 10 18,87%
mehr als 2 Mitbeobachter 5 9,43%
im Verein 3 5,66%


Zusammenhang zwischen Beobachtungsort und Grenzgröße


Wie zu erwarten sind die Bedingungen an einem Standort ausserhalb von Ortschaften durchweg besser, auch wenn es einige wenige Glückliche Teilnehmer gibt, die schon sehr gute Grenzgrößen im heimischen Garten erreichen können. Beobachter die von Balkon oder Terrasse beoabchten wissen in einer erschreckend hohen Anzahl nicht genau welche Grenzgröße zu erreichen ist.


Eine weiteren positiven Zusammenhang fand ich zwischen der Entfernung und den Mitbeobachtern. Wer daheim und/oder nah beobachtet, der tut dies meist alleine, je weiter man rausfährt, desto wichtiger erscheint es das nicht alleine, sondern in der Gruppe zu tun, völlig nachvollziehbar in meinen Augen.




Grenzgröße im Zusammenhang mit der Entfernung des Beobachtungsplatzes

Auch wenn sich diese Verknüpfung ganz ähnlich liest wie auch die Beziehunng zwischen GG und Ort, zeigt sie aber doch noch deutlicher, dass die Teilnehmer, die weitere Fahrten auf sich nehmen auch dafür in Form von besseren Himmelsqualitäten belohnt werden.



Sternkarten und Atlanten

Als vorletzte Frage wollte ich von den Teilnehmern wissen, welche Art von Atlas sie zur Orientierung am Himmel nutzen. Inzwischen gibt es neben den altbekannten, kompakten Himmelsführern, wie beispielsweise dem immer noch weitverbreiteten „Atlas für Himmelsbeobachter“ von Erich Karkoschka und der modernere und umfangreichere „Deepsky Reiseatlas“ von Michael Feiler und Philip Noack und den „großen“ Atlanten wie der Uranometria oder auch dem neuen Interstellarum Deepsky-Atlas, auch eine Vielzahl an kostenlosen Werken, die man im Internet herunterladen und teilweise oder komplett ausdrucken kann. Dabei reichen die Detaillierungen von einfachen Kleinatlanten auf weniger als 30 Seiten bis zu Mammutwerken wie dem C-Set des Triatlas von José Torres, der über 500 Seiten zzgl. Objektbeschreibungen umfasst. Mehr der Vollständigkeit halber habe ich die Option „Smartphone-Apps und Software auf Notebooks“ mit in die Liste aufgenommen und wurde jäh überrascht wie stark sich das in den letzten Jahren verbreitet hat – ich lasse das an dieser Stelle unkommentiert, bin aber ob der unweigerlichen Herabsetzung der Dunkeladaption bei diesen Lösungen skeptisch.


Frage 17

Sternkarten




Kompakter Atlas 32 60,38%
Großer Atlas 15 28,30%
Internet Atlas 18 33,96%
Software 19 35,85%
nichts/anderes 7 13,21%



Mitgliedschaft in Internetforen

Als letzte Frage des Umfragebogens wollte ich von den Teilnehmern wissen, ob sie in Internetforen aktiv sind und wenn ja, ob sie einem einzigen Forum treu sind oder ob sie in mehreren aktiv lesen oder schreiben. Da ich die Umfrage nicht nur auf meiner Seite, sondern auch und vor allem in solchen Foren „beworben“ habe, ist die erschlagenden Mehrheit der Internetnutzer nicht überraschend und sicher nicht repräsentativ für die Gesamtheit der Amateurastronomen.


Frage 18

Internetnutzung




ja in einem 20 37,74%
ja in mehreren 28 52,83%
nein 5 9,43%



Fazit

Gäbe es „den Amateurastronom“, den Max Mustermann des Nachthimmels, wäre er über 40, würde mit seinem 8-10“ Dobson etwa zwanzig Mal im Jahr auf ein nahegelegens Feld fahren und dort unter einem ungefähr 6mag Himmel bevorzugt planetarische Nebel, Galaxien und Kugelsternhaufen beobachten, sein Fernglas wäre ebenso fester Bestandteil seiner Ausrüstung wie ein kompakter Atlas und ein Peilsucher, zu Beginn hätte er die meisten Schwierigkeiten mit dem Auffinden der Objekte gehabt und er beobachtet vornehmlich alleine.

Ich hoffe, die Auswertung war für den geneigten Leser interessant und vielleicht sogar erhellend, Wie eingangs schon zugegeben, gab es doch einige Fallstricke in den Formulierungen, der nächste Fragenkatalog wird nicht an zwei Abenden zusammengeschrieben sondern wenn auch hoffentlich nicht wesentlich umfangreicher, so doch konkreter in bestimmte Teilbereiche vordringen, die ich diesmal nur angeschnitten habe.

Mir hat die (händische) Auswertung in jedem Fall viel Freude gemacht und interessante Einblicke in die Gewohnheiten und Vorlieben vieler Sternfreunde gegeben. Zum Abschluss noch eine völlig unwichtige Statistik, die sich aber bei der Auswertung ergab ;) Ich bot den Fragebogen als Word- und Openofficedokument zum Download an, knapp 57% wählten das Microsoftformat, immerhin knapp 34% das OpenOffice Format und 9% der Teilnehmer waren ganz schlau und haben mir den Fragebogen direkt als PDF zurückgeschickt ;)

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Mittwoch, 5. Februar 2014

BB vom 04.02.2014

Ort: Idsteiner Land
Uhrzeit: 22:00 bis 1:30 Uhr
Wetter: Hoher Horizontdunst, feucht, starker Wind, 0°C
 GG: ca. 5m7

 Es ist immer ein schlechtes Zeichen wenn man in den Aufzeichnungen nachblättern muss, wann man das letzte Mal drausse war - so auch heute, man kann inzwischen wirklich von der alljährlichen Winterpause sprechen :(

Auch wenn es schon bei der Abfahrt sehr feucht war, ließen sich Rainer und ich nicht davon schrecken, denn ETWAS Sternenlicht ist immer besser als keines. Da ich derzeit "nur" mit 8" unterwegs bin war das Auto schnell beladen und noch schneller auf dem Feld entladen, so dass ich schon erste Blicke auf Jupiter werfen konnte noch bevor Rainer eintraf. Der Spiegel lagerte bereits länger auf dem Balkon (abgedeckt) so dass ich keine Auskühlzeit hatte und sofort gute Bilder zu erwarten waren. Leider machte uns an diesem Abend fast durchgehend ein böiger Ostwind einen Strich durch die Rechnung, schon bei mittleren Vergrößerungen wackelte das Bild wie ein Lämmerschwanz. Dazu können sich 0° C bei diesem Wind wesentlich eisiger anfühlen.

Nichts desto trotz habe ich in den Momenten wo ich nicht mit dem Auftauen von Okularen beschäftigt war einige schöne Standards beobachten, Highlight war erwartungsgemäß die Supernova in M82, sehr feines Fünkchen ich bin gespannt, ob sie noch an Helligkeit zunehmen kann. Da gerade in der Gegend habe ich einige der schwächeren Begleitgalaxien in dieser Gegend besucht.

Orion sah ich wohl im August das letzte Mal durchs Teleskope, weswegen natürlich auch in dessen Jagdgründen noch etwas gewildert wurde, M42/43 stand zu Beginn noch gut ausserhalb der Siffgrenze, auch der Runningman, der Flammennebel und nach Jahren (!) mal wieder ein Abstecher zu M 78 waren gut drin. Als kleiner Must-Have kam noch mein Lieblings Asterismus "Cosmic 37" dazu. Rainer widmete sich derweil tapfer trotz eigentlich viel zu tiefem Stand dem Galaxiencluster im Perseus, zumindest den hellsten Vertreter und zwei schwache nahe Begleiter konnte ich durch seinen 12"er auch noch bewundern. 

Dann wandte ich mich wieder Richtung Osten und schwenkte etwas durch den Löwen, das Triplet kam noch sehr schwach daher, kein Wunder bei dieser Durchsicht, aber immerhin konnte ich die hellsten Vertreter von Hickson 44 im Hals des Löwen noch ausmachen. Der Mars wurde als solcher eindeutig identifiziert, blieb aber das was er im Moment ist: Ein tiefstehendes, waberndes Rosé-Bällchen, aber das wird ja noch im Frühjahr.

Ernüchternd aber es blieb dabei, keine weiteren Exoten, keine effektheischenden Zeichnungen, nicht mal meine Kamera hatte ich mit ^^ Trotzdem war der Abend erfrischend und belebend, kann ja eigentlich auch nicht anders sein wenn man nach einer Durststrecke wieder gemeinsam unterm Himmel steht.

Rainer taute am Ende nochmal seinen Fangspiegel auf und machte sich daran einen (O-Ton) "nahen Quasar" aufs Korn zu nehmen, meinen Swimmingpool hatte ich aber wieder verstaut und machte mich auf den Heimweg :)


Dienstag, 31. Dezember 2013

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Zeit mal zurückzublicken: Was "ging" dieses Jahr? Was waren die Highlights? Hat sich das Equipment oft genug aus dem Haus gewagt?

Ich fand das Jahr überdurchschnittlich reichhaltig, sowohl was Ereignisse angeht, als auch was die nutzbaren Nächte anging. Allerdings war der Jahresanfang mehr schlecht als recht, erst gegen Frühjahr startete eine Periode guten Wetters und insbesondere der Sommer hatte mal 8 Wochen Himmel am Stück zu bieten. Aber auch danach gab es pünktlich zu Neumond fast immer mehr als nur eine Nacht die man unterm Sternenhimmel verbringen konnte.

Kommen wir erstmal zu den schnöden Zahlen:

Wieviele Nächte war ich (länger, siehe unten) mit diversen Optiken am Nachthimmel unterwegs: 27 Nächte -> 98 Stunden

Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Beobachtungsnacht mit etwas mehr als 3,5h. Das täuscht allerdings, denn es gibt bei mir eine starke Unterscheidung, entweder die Nacht dauerte merklich mehr als 4 Stunden oder merklich weniger als 2, so dass die durchschnittliche Länge eigentlich gar nicht vorkam. Noch ein paar Zahlen:

Längste Nacht: 8 Stunden (09. auf 10. August beim Hunsrücker Teleskop Treffen)

Beste Nacht: fst 6m2 (29. September und 01. August)

Der Himmel zeigte sich zwar oft frei aber nicht nur subjektiv sondern auch objektiv waren die Nächte qualitativ eher unterdurchschnittlich, viel zu viele Nächte lagen 2013 unterhalb von einer Grenzgröße von 6m.

Explizit nicht in der "Statistik" sind Abende, an denen ich entweder unter einer Stunde zu Gange war (mal für 20min auf den nächsten Berg für einen Kometen oder ein kurzer Test des Fernglases ect.) oder solche die vom heimischen Balkon aus begangen wurden (egal wie lange) - das waren nochmal zusätzliche 9 Gelegenheiten.

Was bleibt für mich persönlich an Highlights des Jahres? Ich versuche es mal chronologisch aufzulisten, vorab aber: Vor allem waren es natürlich die schönen Augenblicke am Okular mit meinen geschätzten Mitbeoabchtern - ein paar herausstechende Dinge gab es aber schon:

Februar: Der gigantische Meteor über Russland... das war schon was, so schlimm für die Menschen vor Ort (zum Glück gab es ja "nur" Verletzte), so spannend war es doch ein solches Jahrhundertereignis fast live verfolgen zu können.

März: Das Warten auf den Kometen C/2011 L4 Panstarrs war nervenaufreibend, vier Mal war ich umsonst draussen, teils bei unangenehmen Temperaturen bis ich ihn dann endlich Anfang April in der Nähe von M31 endlich beobachten (und sogar fotografieren) konnte.

Die Barndoor die ich Weihnachten 2012 bekam hat mir dieses Jahr gute Dienste geleistet und auch wenn noch nicht alles optimiert ist gab es schon eine paar ansprechende Bildchen in Sachen Widefield, ansonsten war wie eigentlich immer hohe Fluktuation in meiner Ausrüstung, das Heritage würde ich jetzt mal rückbklickend als "Kauf des Jahres" bezeichnen Laugh

August: Da war doch was... Genau! Die Nova Delphini, die innerhalb weniger Tage auf fast 4m Helligkeit stieg, das hat mich doch einige Tage wirklich beschäftigt und fast am Stück zumindest mal mit dem Fernglas vor die Tür getrieben. Das eigentliche Highlight des Monats (und eigentlich auch des Jahres) war das Hunsrücker Teleskop Treffen, der Himmel war für die dortigen Verhältnisse zwar unterdurchschnittlich, aber die Leute umso netter und es herrschte einfach eine sehr angenehme Atmosphäre. Für den Kracher des Jahres sorgte ein Kappa-Cygnide mit hoher (!) negativer Magnitude, der es dann sogar am Ende noch in die Interstellarum geschafft hat Drool

Oktober: Es wäre etwas zu viel, das als Highlight zu bezeichnen, aber lange war ich nicht mehr richtig südlich in Europa und der interessante Vorgeschmack auf den Südhimmel vom 38. Breitengrad will wenigstens erwähnt sein.

November: Der Monat stand natürlich im Zeichen der Kometen ISON und Lovejoy. Dass ISON so grandios floppte... seis drum, der Abend des Perihels wird mir trotzdem in Erinnerung bleiben, selten hatte man das Gefühl in den astronomischen Netzwerken so gebannt gleichzeitig und live dabei zu sein - Mondlandung für Arme Flapper - Lovejoy war somit aber der spannendere mit dem eigenen Auge und fertig hat der ja auch noch nicht Wink

Zum Ende noch ein paar Fotos/Stimmungsaufnahmen/Zeichnungen des nun fast vergangenen Jahres - auf dass das nächste nur noch besser wird















Sonntag, 8. Dezember 2013

Die Stunde der Wahrheit - Hypatia im Interferometer

Wie fange ich diesen Bericht an...

WICHTIGES UPDATE (gleich vorweg):

Horia wird sich des Spiegels annehmen und ihn neu parabolisieren!

Am besten von vorne. Im Jahre 2009 bekam ich meinen Galaxy 12" f/5 aus zweiter Hand. Er sollte mir den Sprung von meinem bisherigen 8" f/6 ermöglichen und tat es auch. Aussagen des Vorbesitzers liessen auf einen guten Spiegel hoffen: Vom Meister handselektiert! Okay. Ich bekam den Spiegel fing an zu beobachten. Toll! Der Sprung von 8" zeigte sich in fast jeder Disziplin. Mein Metier ist der Deepsky, hier brachten mich die 12" ernsthaft weiter, schwache Galaxien waren zu sehen die mir sonst verwehrt blieben, Objekte ich schon gut kannte zeigten mehr Details - wunderbar. 


Aber mir fehlte am Planeten mitunter schon mal die Knackigkeit - Egal, das ist das Seeing, das ist die Justage (Wechsel von f/6 auf f/5) und Planeten gucke ich ja ohnehin nicht so häufig. In den ersten Wochen konnte ich sogar zwei Mitbeobachter animieren mit dem Ronchi Okular auf den Spiegel schauen, okay das Seeing war nicht prädestiniert für solch einen Test, aber eklatante Fehler zeigten sich meiner Erinnerung nach nicht. Die altbekannte Streulichtproblematik mit dem versauten Spiegel war von Anfang an vorhanden. Zu Beginn lies ich mich davon aber wenig beeindrucken, zu sichtbar war einfach der Unterschied in Helligkeit und Details im Vergleich zum 8"er - eine Socke wurde mir jahrelang angeraten, damit der Kontrast endlich mal aus dem Keller kommt!

Ein großes Problem habe ich: Um mich herum stehen meist erstklassige Selbstschliff Spiegel von Horia, Ingo, Roland Hermann (und zuletzt noch der 12"er von Christian Busch) - dass sich hier Unterschiede in der Abbildungsleistung ergeben: Geschenkt! Ich habe einen Spiegel von der Stange.

In der letzten Zeit (Leute die meine Berichte regelmässig verfolgen wissen das) machte mich aber vor allem der Blick durch Jans Standard-GSO 10"er sehr missmutig, ich zweifelte oft an meiner Justage, unterstellte dem pollenvernarbten Spiegel heftige Defizite - er bildete einfach immer besser ab, nicht heller, nein das Licht sammelt der 12er ja schon, aber der Kontrast... !

Vor einigen Wochen war der Leidensdruck dann endlich groß genug, Wahrheiten ins Auge zu blicken - ein Abend in dem nicht das Beobachten sondern endlich einmal das direkte Vergleichen im Vordergrund stand - Ich zitere mich einmal selber:

Nein, dieser Spiegel (gemeint ist Hans 12"er von Spacewalk Telecopes) ist kein GSO! ^^ Wunderschöne Sterne und starker Kontrast, und da ist denke ich mit einer Socke noch Platz nach oben! Mein 12er kam da in keiner Disziplin mit, aber dazu später mehr.

Sehr auffällig und für mich mitunter sehr schmerzhaft war aber die Erkenntnis des Abends: Mein Teleskop hat nach wie vor ein herbes Kontrastproblem. Jans 10"er ist hier ganz weit vorne und auch Hans neues Gerät war natürlich besser. Im 10" GSO kann man noch mit Volltubus und perfekter Innenschwärzung argumentieren, beim Spacewalk nicht und sowohl Spiegelbox als auch Hut sind ja ausgekleidet. Es wäre träumerisch zu hoffen, dass das Schwärzen von eins zwei Details und einer Socke mein Problem aus der Welt schaffen wird (wobei ich das nun zeitnah endlich fertig machen werde!), ich muss der Wahrheit ins Auge blicken: es ist mein versiffter Spiegel - wie ich ja schon oft gejammert habe ist der Spiegel angegriffen und nicht zu reinigen
Leute, jeder liebt sein Teleskop, aber manchmal tut man sich doch einen Gefallen wenn man sich intensiver mit den Teleskopen um einen herum beschäftigt...

Die Streulichtunterdrückungsmaßnahmen wurden angegangen um endlich Abhilfe zu schaffen, der Spiegel blieb aber weiter im Fokus - ich erhoffte mir nur minimale Verbesserungen solange die Spiegeloberfläche so mies war. Mein Plan: Eine Neuverspiegelung und endlich Kontrast geniessen! Nun hörte ich bei mir aber hartnäckig  eine Stimme im Hinterkopf "Lass ihn vorher testen, du haust sonst 200€ raus und am Ende ist der Spiegel selber nix!" - Ach, kann doch kaum sein, ich habe doch schon viele schöne Beobachtungen damit machen können, jau die Selbstbauten um mich herum machen bessere Bilder, aber es sind eben Selbstschliffe und die Standardspiegel? Ach, die haben ja nicht das Problem mit der vernarbten Oberfläche.



Vor einigen Wochen fasste ich mir nun aber doch ein Herz und meldete mich bei Horia und schilderte ihm mein Problem und meinen Wunsch nach einer richtigen Spiegelvermessung. Ein Termin Anfang Dezember wurde vereinbart und die Stunde der Wahrheit rückte näher. Was mache ich nun? Ich wartete zunächst auf einen Möglichkeit meine Streulichtschuztmaßnahmen zu testen. Die Nacht die dann dafür herhalten musste war extrem kurz und siffig, ich war mir aber durchaus sicher einen Effekt von der Socke wahrzunehmen. Was mache ich wenn nun herauskommt, dass der Spiegel in seinem jetzigen Zustand nicht der Neuverspiegelung würdig ist? Einen neuen kaufen (respektive auf einen neuen sparen) oder den Alten retuschieren lassen? Ich träumte in den letzten Wochen sogar schon davon :D

Heute Vormitag ging es dann mit dem Spiegel im Kofferraum nach Canossa. Ich kann mich an dieser Stelle bei Horia gar nicht genug bedanken, dass er sich die Zeit und Muse genommen hat auch noch sonntags (!) in der Vorweihnachtszeit den halben Tag für meinen Spiegel und dessen Vermessung zu opfern! Danke!

Der Testaufbau, das Messen und die Auswertung live zu verfolgen war ein Erlebnis für sich, wirklich spannend, die Sorge um das Ergebnis trat hier eindeutig durch die Begeisterung für den akribischen Aufbau und der Durchführung in den Hintergrund. Nach zwei Serien durch das Interferometer tauschte Horia den Messaufbau gegen den Focaulttester aus. Ha, das hat mich gefreut nach so viel Theoriestudium in diese Richtung endlich Live einer Messung beiwohnen zu können. Bis hier hin war die Hoffnung noch nicht geschwunden, dass der Spiegel durchaus noch im Rahmen des Erträglichen liegen würde. Dies verflog leider sehr schnell bei der Sichtung der ersten Fotos am Rechner, noch bevor Horia sie mit OpenFringe verrechnete.

Um an dieser Stelle etwas abzukürzen und den Bogen nicht zu überspannen: Der Spiegel ist abgrundtief schlecht! 0,245 Strehl ... das musste ersteinmal sacken. Es gab minimale Probleme mit der Kameraeinstellung, die zwei Reflexe produzierte (auch die Macken in der Verspiegelung sind hier sicher nicht unschuldig), aber an der grundsätzlichen Form des Spiegels ändert das am Ende nichts mehr. Er ist nach Horias Aussage hoffnungslos unterkorrigiert. Ich mutmaße mal: Heutzutage - dank der tatkräftigen öffentlichen Unterstützung der Spiegelschleif Szene - würde selbst ein Erstschleifer so etwas nicht als beendetes Projekt hinbekommen.

Folgend nun einige Auszüge aus dem I-Gramm (Hier der Download des kompletten Protokolls):
















Und nun?

Klar sind zwei Dinge: Ja, dieser Spiegel muss handselektiert sein, da muss man mal mindestens zwei Jahre Zeit investieren und jeden Spiegel prüfen bevor man so ein schlechtes Exemplar findet! Sorry, aber mir bleibt jetzt nur noch der schwarze Humor! Zweitens: Ich bin froh, dass Horia den Spiegel unter die Lupe genommen hat, nochmals Danke dafür! Und mach dir keine Sorgen, es ist besser die bittere Wahrheit zu kennen als in "vergnüglicher" Unwissenheit über die Abbildung zu jammern und nicht zu wissen woran es nun liegt, in jedem Fall hätte ich ohne die Vermessung vielleicht eine völlig unsinnige Neubelegung vorgenommen und mich hinterher maßlos geärgert!

Was nun mit Hypatia, bzw. ihrem Spiegel weiter geschieht ist noch nicht raus. Definitiv werde ich nicht noch einmal ins "Gurkenlotto" einsteigen und mir einen neuen Spiegel dieser Preisklasse (oder eine darüber) kaufen. Selberschleifen ist noch ein weitentferntes, unrealistisches Ziel. Da auch ein Highend Spiegel derart weit von meinen Möglichkeiten entfernt liegt, fällt dies mittelfristig auch flach. Leider ist es aber auch so, dass ich nicht einfach weitermachen kann - der Spiegel wird bis zur Klärung kein Licht mehr sehen :( Zum Glück habe ich noch meinen 8er der natürlich auch kein bestätigter Superspiegel ist, aber dessen Abbildung mir in all den Jahren niemals solche Fragezeichen auf die Stirn zauberte wie der 12"er... Er wird mir die Zeit bis ich weiss was geschieht problemlos versüssen und kommt endlich mal wieder zu Ehren.

Der spannendste Sonntag seit Erfindung der Wochenenden :D Kein Witz, so niederschmetternd das Ergebnis, so viel habe ich heute gelernt! Nochmals ein großes Danke an Horia.

Zum Ende noch ein paar Eindrücke die ich bei den Testaufbauten fotografieren durfte.






Donnerstag, 5. Dezember 2013

AstroUmfrage 2013/2014 - Mit Gewinnspiel!

Hallo liebe Astronomie-Interessierten,

ich möchte heute alle Sternfreunde und auch solche, die es gerade erst werden, dazu einladen an einer kleinen Umfrage zum Thema Amateurastronomie teilzunehmen.

Dazu habe ich einen kleinen Fragenkatalog zusammengestellt, der hier in verschiedenen Formaten heruntergeladen werden kann. Es werden keinerlei persönliche Daten erhoben, die Umfrage soll nur in Form einer (natürlich anonymisierten) Statistik einen Einblick geben wie die Szene "tickt", was ist der verbreiteste Gerätetyp? Wieviele Nächte schlagen sich die meisten von uns um die Ohren oder auch wie groß war unser erstes Teleskop?

Die Umfrage ist einfach mit einem Office Programm mit simplen "x"en auszufüllen, keine darüberhinausgehenden Angaben sind nötig. Das ganze kann man locker in 5-10min bearbeiten. Die Ergebnisse schickt bitte an die mehrfach in der Umfrage angebene E-Mail Adresse (identisch mit der im Impressum hinterlegten). Den Einsendeschluss habe ich einstweilen auf den 31. Januar 2014 datiert, je nach Beteiligung wird dieser eventuell noch um 2-4 Wochen verlängert.

Das ganze soll dann aber nicht nur in Form einer ausführlichen Statistik hier auf der Seite vorgestellt werden, als kleines Dankeschön für die Teilnahme verlose ich unter allen Teilnehmern ein Exemplar des Buches "Der Ausserirdische ist auch nur ein Mensch - Unerhörte wissenschaftliche Erklärungen" vom allseits bekannten und beliebten Professor Harald Lesch.

Das Vorwort im Dokument sollte alle Fragen beantworten, falls nicht zögert nicht und meldet Euch über die angegebene E-Mail Adresse oder auch über das Kontaktfomular. Schon im Vorfeld möchte ich mich für die rege Teilnahme bedanken und wünschen Allen viel Spaß beim Ausfüllen und viel Glück beim Gewinnspiel.

Benny


04. Februar 2014

Die Anmeldung ist nun geschlossen, ich bedanke mich ganz herzlich für Eure rege Teilnahme! Im Laufe der nächsten Wochen wird die Auswertung und die Verlosung bearbeitet, der Gewinner wird per E-Mail benachrichtigt, die Ergebnisse werden hier und im Astrotreff-Deep-Sky veröffentlich werden.