Dienstag, 15. September 2015

BB vom 14.09.2015

Ort: Idsteiner Land
Zeit: 21:45 - 0:15 Uhr
Wetter: Klar, windig bis stürmisch
GG: ~6m

So langsam nimmt der Beobachtungsherbst Fahrt auf ;) Einmal mehr war es Rainer, der den Vorschlag machte, die mutmaßlich klare Nacht nochmals zu nutzen. Beide waren wir aber vernünftig genug sie diesmal nicht ganz so ausufern zu lassen, mussten wir doch beide am nächsten Tag sehr früh aufstehen. 

Meine ursprüngliche Planung sah deshalb vor: Liegestuhl + 10x50 Fernglas. Und so startete ich auch, aber schon nach kurzer Zeit sah ich, dass der Himmel den Aufbau von mehr Öffnung mehr als rechtfertigen würde, war es doch heute sichtbar besser als noch am vergangenen Freitag. Das machte sich beispielsweise durch einen gar nicht mal so schlecht sichtbaren Nordamerikanebel im Fernglas sichtbar und auch M33 war gleich zu Beginn ein einfachereres Objekt im Fernglas also noch ein paar Tage zuvor im 5"er. Zwar ist der Standort nicht so optimal wie Silent Hill, aber eigentlich beschränkt sich das auf den südlichen Himmel.


Als ich nun so gemütlich im Liegestuhl saß war ich doch nach einiger Zeit erheblich durchgefroren, es war nicht wirklich eiskalt, nur wenig unter 10° C aber der Wind war derart stramm, dass es auch Rainers Dobson einige Male zur Seite gefegt hat und er die Socke dann irgendwann abnahm. Ein Feuerwerk im Nordwesten nervte die erste Zeit mit ständigem Geblitze :D

Objekttechnisch war ich in der Zeit mit dem Fernglas hauptsächlich entlang der Milchstraße unterwegs und dort waren Objekte wie M 71, 27, 52 sowie großflächige wie Nordamerika, Kleiderbügelhaufen und der Bereich um Cassiopeia. Hier zeigte besonders der schwach konzentrierte alte Haufen NGC 7789 den besseren Himmel, blieb er Freitag noch recht schwach war er heute im Fernglas toll auszumachen und zeigte im Heritage zahlreiche Sterne. Herrlich entspannend war auch das Schweifen unterhalb von Cassiopeia über h+x bis zum Alpha Persei Cluster und entlang von Kemble's Kasacade...

Schon in der letzten Nacht war mein großer Wunsch an Rainer, dass ich nach all den Jahren endlich einmal Pluto zu Gesicht bekomme, da ich ja momentan nicht mit ausreichend Öffnung ausgerüstet bin, bin ich da auf Hilfe angewiesen ;) Mit 14,2m ist der kleine Aussenseiter wahrlich keine Leuchte und auch wenn der Süden heute endlich frei war, stellte das Beobachten schon hohe Anforderungen an die Konzentration. Das Auffinden selber - auch alles andere als einfach im Sterngewimmel des Schützen - oblag Rainer, der die korrekte Stelle in kurzer Zeit im Okular hatte. Dank seiner gut ausgewählten Aufsuchkarte waren die ersten Sternanordnungen schnell im Okular identifiziert und das eigentlich anspruchsvolle begann: Das schwache Glimmen oder Blitzen des fernen Planetoiden aufzufangen. Ich habe relativ lange gebraucht und war mir recht lange unsicher ob ich das nun wirklich unter "erfolgreich beobachtet" ablegen kann. Die schwachen Sterne um ihn herum waren recht schnell zu halten, der "Planet" selber aber liess sich extrem bitten, das Problem hierbei war, dass man neben dem üblichen Finden des richtigen Einblickwinkels für indirekt beobachtbare Objekte auch noch einen an diesem Abend leider sehr sehr raren Moment halbwegs brauchbarer Luftruhe erwischen - und bitte beides gleichzeitig! Dann blitzte aber doch wiederholt an eben jener Stelle ein furchtbar schwaches Lichtlein auf. Zweimal im Abstand von einigen Minuten bei 220-fach. Rainer welchselte auf eine Vergrößerung um die 400-fach, jetzt war ich mir sicher: Das ist er. Auch hier war es mir nicht möglich indirekt zu halten oder auch nur willentlich das Aufblitzen zu provozieren, dafür war man zu seeingabhängig, aber die Abstände der Auftauchens waren kürzer und doch etwas einfacher :) Sehr schön und vielen Dank an Rainer! Da bekommen die Ergebnisse der New Horizons für mich nochmal eine andere Dimension.


Der schneidende Wind liess mich irgendwann erkennen: Ab demnächst muss wieder mit etwas dickerer Kleidung an den Start gegangen werden, zwar ist meine Daunenjacke hochtauglich aber die dünne Jeans war definitiv zu wenig, ganz abgesehen von den klammen Fingern und den fehlenden Handschuhen :D

Zum Abschluss gab es noch einen interessanten planetarischen Nebel aufs Auge: NGC 7094. Mit dem [OIII] Filter war der Nebel nicht überragend hell aber doch sehr einfach zu sehen. Gänzlich ohne Filter war der Zentralstern ebenfalls eine Leichtigkeit und immer noch zeigte sich eine schwache Nebulosität um ihn herum. Mit UHC konnte Rainer später auch noch den Ansatz einer ringförmigen Struktur erkennen, ich hatte mir da leider bereits die Adaption beim Verstauen meines Krams im Kofferraum versaut...

Inzwischen schlug eine benachbarte Kirchuhr zur Mitternacht, ich blieb meinem Vorsatz treu ob des frühen Weckers dann auch wirklich heimzufahren ;)






Montag, 14. September 2015

BB vom 11.09.2015

Ort: Silent Hill
Zeit: 22:00 Uhr bis 2:15 Uhr
Wetter: teils klar, teils aufziehende Bewölkung
GG: nicht bestimmt, <6m

Nun war es doch wieder eine ganze Weile her, dass wir gemeinsam auf dem heiligen Rasen beisammen standen. Der Wetterbericht deutete auf eine durchaus brauchbare erste Nachhälfte hin, am Ende hielt der Himmel sogar noch merklich länger als angenommen.


Andreas, Rainer und Ralf waren mit ihren 12ern am Start, ich selbst war mit fast kleinstmöglicher Öffnung in Form des Heritage dabei ;) Nachdem für mich wirklich unerträglich warmen Sommer komme ich erst so langsam wieder Beobachtungslust und -stimmung auf. Primär beschäftigte ich mich mit dem Auffrischen des "Benny-Goto" eine dankbare Aufgabe am Tisch mit dem kleinen Dobson, eine Fülle an Objekten kam so meiner Wege... alle noch gefunden :-D Besonders beeindruckend zeigte sich keines - zum einen war der Himmel etwas unterdurchschnittlich und zum anderen - wesentlich schwerwiegender! - ich habe immer noch die unglaublichen Bilder aus den Alpen im Kopf, die ich einfach nicht mehr loswerde ;(

Nichtsdestotrotz war es mehr als simples Abhaken, Der Cirrusnebel war mit in den Strahlengang gehaltenen [OIII] Filter eine feine Sache, M31 zeigte zu später Stunde seine schwachen Staubbänder, der Hantelnebel seine charakteristische Form und M81/82 als altbekanntes Pärchen gemeinsam im Gesichtsfeld. Etwas zu spät hielt ich auf M13 als Evergreen, konnte aber trotzdem noch mit 4,7mm (138-fach) einiges an Einzelsternen herauskitzeln.

Ganz andere Kaliber waren erwartungsgemäß bei den anderen beobachterisch angesagt. Sowohl in Ralfs als auch Andreas Gerät sah ich den planetarischen Nebel NGC 6905, ein helles Kerlchen das sehr schön in einer Sternenkette eingegliedert ist. 

Von den nahen Sternleichen zu den fernsten Sterninseln... Rainer hatte da mit NGC 6331 in UMi die Nase wieder ganz vorne. Mit einer Entfernung von knackigen 0,75 Milliarden (!) Lichtjahren und einer Helligkeit von ca. 15m ganz eindeutig als faintfuzzie einzuordnen ;) Einmal mehr war seine Livekarte in E&T hier der Garant für die korrekte Orientierung und ich fand sie wenn ich sie auch direkt nicht knacken konnte gar nicht so schwer wie erwartet, eine nahegelegene nochmals merklich kleineren/schwächeren Galaxie war von mir leider nicht mehr auszumachen.

So zog sich die Nacht dahin, von Südwesten zogen dann und wann mal kurze Wolkenbänke durch, der Süden war insgesamt so versifft, dass an ernsthafte Beobachtungen in diese Richtung nicht zu denken war. Einen sehr entspannenden, fast meditativen Moment hatte ich, eingekuschelt in meine dicken Daunenjacke lag ich eine Viertelstunde auf der Bank und machte nichts anderes als nach oben schauen und nichts mehr wahrnehmen ausser dem Nachthimmel - herrlich!



Nach zwei Uhr war der Himmel dann dahin.. die Wolken vom Südwesten kommend hatten ihr Leichentuch über unsere Sterne gebreitet :( Aaaaber, die Nacht war lang genug...

Dienstag, 25. August 2015

BB vom 20./21.08.2015

Ort: Gargellen - Vergaldental/Schwefeltobel
Zeit: 21:00 - 22:15 sowie 22:00 - 23:00 Uhr
fst: Nicht festgestellt aber MÄCHTIG viel :D
Wetter: Donnerstags leichte Schleierbewölkung, Freitags vollständig klar

Da war sie nun also, meine langherbeigesehnte Rückkehr in die Alpen. Seit meinem 5. Lebensjahr war ich praktisch durchgehend zweimal im Jahr dort in den Ferien, aber vor mehr als zehn Jahren gab es dann einfach eine familiäre Zwangspause... :( Das ist nun vorbei! Ich bin und bleibe einfach verliebt, in die Alpen im Allgemeinen und in dieses Tal im Speziellen.

Natürlich war bei der Planung der Reise die Mondphase diesmal von eklatanter Wichtigkeit! Ergo wurde sie auf kurz nach den Augustneumond gelegt. Die kleine Ernüchterung war schon eine Woche vor Reiseantritt da: Die Wetterprognosen verhießen nichts Gutes und so sollte es auch kommen. Durch die mir mitunter unerträglichen Temperaturen der letzten Wochen (bin ein Frühlungs/Herbstmensch und über 30° halte ich auf Dauer für widernatürlich) war mir das aber alles andere als Unrecht, denn die Reise stand klar unter dem Stern des Wanderns und Naturgenießens und das geht selbstverständlich auch (wenn nicht sogar besser) bei Wolken und niedrigeren Temperaturen. Ergo blieb das Heritage im Kofferraum und das Fernglas die Tagbeobachtungen vorbehalten.

Weil es eben ein Wanderurlaub war, und die Gegend trotz fast durchgehendem Dauernebel wunderschön ist, möchte ich ein paar Eindrücke an den Anfang stellen - gleich vorweg, die letzten beiden Nächte waren dann tatsächlich Sterne zu sehen - in erdrückender Fülle ;)

Gandasee zwischen Schafberg (2100m) und Madrisa (2700m)

Blick ins Valzifenztal, der Weg führt zum Schlappiner Joch und damit in die Schweiz

Wasserfall bei Gortipol

Auf dem "berühmten Parkplatz" an der Bielerhöhe parkend wollte ich dem Heritage wenigstens kurz Höhenluft gönnen ;)

 
Unser Weg führte uns um den See und hinauf ins Ochsental in Richtung Wiesbadner Hütte, ein einmaliger Blick auf die dortigen Gletscher 

Blick ins Gauertal mit Sulzfluh und den Drei Türmen (in Wolken)

Nundenn, am Ende des vorletzten Tages zogen plötzlich die allgegenwärtigen Wolken ab! Einige Schleier zogen von Norden leider wieder heran bis es wirklich dunkel war aber das hielt mich jetzt nicht mehr. Mit dem Auto ging es in wenigen Minuten in den "Ortsteil" Vergalden. Im Sommer ist inzwischen recht wenig los hier, die meisten Hotels und auch Ferienwohnungen liegen verwaist, so parkte ich einfach beim letzten, Rucksack mit Okularen und Fernglas auf die Schultern, Kamera umhängen und dann das Heritage in die Hand... Ich stieg noch ein Stückchen höher ins Vergaldental und positionierte mich und die Kamera an einem Grashang.


Dämmerung an der Madrisa

Durch die doch einige Grad weiter südlich dauerte die Dämmerung angenehm kurz, gut - ist ja auch schon wieder Ende August ;) Was sich nun aus dem leicht verzirrten Himmel schälte raubte mir durchaus den Atem, die Milchstraße war schon während der Dämmerung präsenter und strukturierter als in den meisten Nächte daheim, später dann von einzigartiger Schönheit und Brillianz. Bevor ich mich viel mit weiteren Fotos aufhielt stelle ich das Heritage auf und begann einen näheren Blick auf die Qualität des Himmels zu werfen... Was soll ich schreiben ohne in überschwängliche Euphemismen zu verfallen? :P Der kleine 5"er ließ mannigfaltig den 8"er beim Heimspiel stehen! Allen voran bei Objekten die besonders von guter Transparenz leben, M31 nur knapp über der aufragenden Bergkette im Osten eine Wucht und von genialer Ausdehung! Im 32mm schon fast auf Fernglasniveau von der Vergrößerung und 14mm mit einfach zu sehenden StaubbänderN. Am nachhaltigsten haben mich wohl die Nebel im hochstehenden Schwan beeindruckt, bekanntermaßen sind sowohl Nordamerika als auch Cirruskomplex typische Filterobjekte... für den 1,25" OAZ besitze ich leider keine aber das war hier und heute auch nicht notwendig! Beide Objekte waren trotzdem problemlos und sogar klar detailliert und vor allem kontrastreich zu beobachten! Der Nordamerikanebel war selbst im 10x50 ein auffallendes Objekt. Ich begab mich noch zu einigen anderen Messiers wie 57/27/71.. auch hier eine Wucht für das kleine Gerät, wenngleich hier natürlich die kleinen mehr Vergrößerung gebraucht hätten als ich zu bieten hatte ;) Trotzdem... herrlich, ich war ernsthaft ergriffen von der Ruhe, der Schönheit und der Majestät dieses Himmels - schon während des Beobachtens ergriff mich leichte Wehmut.. warum erst heute? Und noch wichtiger: Kann ich nach dieser Erfahrung daheim noch befriedigt schauen? Nunja, zum Glück hatte ich kein größeres Gerät sonst wäre diese Frage KLAR mit Nein zu beantworten gewesen :o)

Nun zog leider recht zügig Gewölk von Norden auf, die Madriasspitze verhüllte sich und zeigte damit auch den mir vorher gar nicht bewussten Mond an!

Mond hinter der Madrisaspitze

Auch wenn die Chance nur kurz währte will ich mich nicht beschweren: Missionsziel 1 erfüllt - Alpenhimmel "angetestet" :D Der darauffolgende Abend sollte nochmal eine Schippe drauflegen was die Transparenz angeht. Problem bei dieser Art von Kombiurlaub: Während ich zu Hause durchaus kein Problem habe auch während der Arbeitswoche mal bis 2-3 Uhr draußen zu sein sieht das nach einem Wandertag in den Alpen schon anders aus, da WILL man eigentlich früh ins Bett, aber das verbat sich einfach nach dem klaren Sonnenuntergang. Zusätzlich erschwerte aber natürlich die 500km Heimfahrt am nächsten Tag eine wirklich lange Beobachtung! Nichtsdestotrotz wartete ich auf das Ende der Dämmerung (diesmal vom Chalet aus), dabei kam mir eine schöne Konstellation vor die Linse, der zunehmende Mond kratzte fast am Gipfel der dominierenden Madrisa...

 
Irgendwann gegen zehn trat ich auf den Balkon. Ein verrücktes Schauspiel, dass ich natürlich SO nicht von zu Hause kenne. Man tritt aus der Wohnung, schirmt mit dem Arm mal eben die Nachbarhäuser ab und BAMM eine Milchstraße wie sie sich bei uns auch nicht immer sehen lässt! Unadaptiert...

Ergo musste es nun rausgehen! Diesmal blieb das Teleskop leider leider leider zurück... die Zeit rann mit durch die Finger :S Trotzdem... Fernglas um den Hals, Kamerastativ geschultert und in die Nacht hinaus. Ich experimentiert kurz hinter den Ferienhäusern aber das Licht im Nacken störte mich durchaus noch. Wenngleich selbst der Blick zurück ins Tal über das kleine Dorf einen prachtvollen Sternenhimmel zeigte :)


Über einen schmalen Weg, den wir schon einige Male zu unseren Touren gelaufen waren kam ich nach kurzem Aufstieg in den sogenannten "Schwefeltobel" (im Winter eine beliebte Abfahrt), hier war lichtmässig zappeduster ausser ein paar vom Ort aufgehellten Baumspitzen. W O W !!!!

Die Milchstraße war nochmals präsenter und knalliger als tags zuvor! Insbesonder der sichtbare südliche Teil war einfach der Wahnsinn, mit bloßem Auge glaubte (?) man in der reichstrukturierten hellen Wolke einzelne Nebel auszumachen, südlich des Adlers immer heller werdend. Mit dem Fernglas hielt ich kurz gen UMa hier war M 101 plötzlich ein überaus leichtes Objekt und M81/82 die zwar durchaus auch im Taunus mit der Fernglas auszumachen sind winkten förmlich... trotz frischen 5° war ich nicht loszureissen, aber ein paar Erinnerungsfotos wollte ich diesmal doch machen, leider bin ich nach wie vor ein miserabler Fotograf was den Nachthimmel angeht, in so fern bin ich selbst enttäuscht wie wenig sie die wahre Qualität des Himmels transportieren aber im Ansatz sieht man schon was hier Sache war.

Die südliche Milchstraße
 
Cassiopeia und Umgebung

Was bleibt hier noch zu schreiben...zwiespältige Gefühle! Einerseits schade, dass der Astroteil des Urlaubs so klein war, andererseits: a.) war es ein Wanderurlaub mit der Familie, Astro nur die Kür und b.) ich bin jetzt bereits von heftigem Fernweh geplant wannimmer ich mir die Erinnerung an diese Nächte zurückrufe, um wieviel schlimmer wäre es nach einer richtigen ausgewachsenen Beobachtungssession am Ende mit noch mehr Öffnung gewesen?

Tatsache bleibt: Der Himmel lässt alles hinter sich, egal was man sich in Deutschland an dunklen Orten bisher zusammengerechnet und gemessen hat, weder Hunsrück noch Vogelsberg noch Schwarzwald und Konsorten (und leider leider schon gar nicht der Taunus) bieten das was hier geboten wird: Transparenz die zu einem Gutteil ganz einfach den vierstelligen Höhenmetern geschuldet ist und perfekte Abschirmung von Lichtglocken die in diesem Gebiet ohnehin nur spärlich vorhanden sind. Dazu doch noch ein bisserl näher an der Natur... wenn die Strapazen der Fahrt nicht wären... Aufhören zu denken! :D

Mittwoch, 15. Juli 2015

Was lange währt... New Horizons erreicht das Pluto System

9 Jahre Flug, Milliarden von Kilometern hat sie hinter sich gebracht...

Die NASA Sonde New Horizons war seit 2006 auf dem Weg zum letzten ... mmmh ich schreibe mal ganz frech "Planeten" unseres Sonnensystems, der noch nie von einer Sonde besucht wurde. Als ich auf der alten Seite den ersten Eintrag zu dieser Mission schrieb WAR Pluto sogar noch ein Planet ;)

Ich erinnere mich noch gut an den Start, den ich live auf NASA TV verfolgte, ebenso in den einschlägigen Astrozeitschriften... meine Güte..damals war ich gerade mal 26, frischgebackener Vater, erst seit zwo Jahren Teleskopbesitzer, es gab noch die Astronomie-Heute und überhaupt... die Ankunft schien mir in unendlich weiter Ferne. Über die Jahre hatte ich die Missionsseite immer in meiner Linkliste und zu "Meilensteinen" schaute ich auch mal wieder genauer hin, wie zum Beispiel als die Sonde Jupiter passierte, damals (2008) hatte ich sogar noch zur Feier des Tages eine Grafik zusammengefrickelt ;)


Und nun ist das fliegende Klavier also endlich angekommen, bzw vorbeigeflogen und bescherte uns schier unglaubliche Bilder! Die heutige Presskonferenz war damit eine tolle Erfahrung. Vor allem hat mich die fast kindliche ausgelassene Freude der Teammitglieder bei der Pressekonferenz beeindruckt und berührt :)

Zu den nackten Daten und Fakten wird in den nächsten Tagen und Wochen sicher tonnenweise Material auf uns hereinprasseln. Tatsache ist aber, dass der vermeintlich langweilige Brocken am Rande des Sonnensystems wesentlich spannender und komplexer ist als angenommen! Allein die Tatsache, dass bisher KEINE Einschlagkrater trotz fehlender (nennenswerter) Atmosphäre gesichtet wurden, darf als Sensation gewertet werden und auch das erste hochauflösende Bild seines Begleiters Charon wirft viele Fragen auf, am unterhaltsamsten fand ich dabei die Benennung der großen dunklen Formation als "Mordor" :D Die Form stimmt auffallend! 


Image Credit: NASA-JHUAPL-SwRI

Natürlich ebenso faszinierend, das große helle Areal auf Pluto selber, der durch seine Herzform bereits breite Aufmerksamkeit in den sozialen Medien gefunden hat ;) Auch eine schöner Zug: Zumindest vorläufig inoffiziell wurde das Gebiet "Tombaugh Regio" genannt, natürlich nach dem Pluto Entdecker Clyde Tombaugh.


Credit: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute

Auch wenn mir Planeten im Teleskop nicht den "Kick" geben, den ich bei der Deepsky Beobachtung genieße... vom wissenschaftlichen Standpunkt aus bin ich doch immer wieder Feuer und Flamme wenn es um die aktuelle Forschung geht - umso spannender werden wohl die nächsten Wochen und Monate werden.

Samstag, 11. Juli 2015

BB vom 10.07.2015

Ort: Silent Hill
Zeit: 22:00 Uhr - 3:00 Uhr
fst: 6m+
Wetter: klar

Wenn nicht heute wann dann.. Die ersten von der Mondphase wieder nutzbaren Nächte und dann auch noch mit sehr ansprechender Prognose und dazu nach der Hitzewelle wieder bennykonforme Temperaturen die mit 8° durchaus eine Jacke rechtfertigten ;)

Durch unseren frühen Start ließen wir den Abend mehr als gemütlich anbranden, die Sonne war bereits auf der Hinfahrt untergegangen aber die Farbspiele des Westhorizonts waren eine wahre Augenweide, abgerundet durch Venus und Jupiter die sich tief an den Horizont schmiegten und durch die Transparenz wunderbar bis durch die Baumwipfel zu beobachten waren.


Um es gleich vorwegzunehmen: Es blieb eine sehr entspannte Nacht, die durch erheblich Transparenz, vor allem bis ungefähr 1:30 geprägt war. Wir hatten überraschenden Besuch von zwei hochegangierten Hobbyisten gänzlich anderen Gepräges mit denen wir schnell im Gespräch waren und gegenseitiges Fachsimpeln und Staunen war garantiert - wirklich super hat mich sehr gefreut nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder ein paar "Zufallsgäste" unser Hobby zeigen zu können :) Entsprechend waren auch die Objekte durch die Bank weg "alte Bekannte" verschiedener Objektklassen (M13, 57, 31, 51, Cirruskomplex usw), die sich aber durch den schmackhaften Himmel auch sehr fein präsentierten. So hatten wir wohl alle wechselseitig sehr beeindruckende "Einblicke", vielen Dank nochmals dafür :)


Rainer versuchte sich zu fortgeschrittener Stunde noch einmal am Ursa Minor Dwarf, aber da war leider nichts zu holen, da fehlten doch noch einige Zehntel Magnituden um den nötigen Kontrast herzustellen. Durch den Kollegen aus der lokalen Gruppe animiert begab ich mich aber nochmal zu IC 10 in Cassiopeia, nach kurzem konzentrierten Schauen und kramen im Gedächtnis war die kleine, schwache und irreguläre Galaxie bei einer feinen Sternansammlung von drei gleichhellen Sternen ausgemacht.



Auf diese Art verging die Zeit natürlich wie im Fluge und bevor man sich versah (unsere Gäste waren inzwischen nach einigen Stunden wieder auf dem Heimweg) ploppte auf einmal ein grelles Licht über den Baumkronen im Osten auf, der Mond beendete unsere Deepsky Session :) einige Grad daneben erhoben sich bereits die sieben Schwestern über die Baumkronen und sofort bekomme ich einen Spekulatiusgeschmack in den Mund ;D

Summasummarum eine völlig "unproduktive" aber nicht minder schöne Nacht, für mich sehr entspannend - das einzig nervige blieb die Invasion der
Amphimallon solstitiale, anhängliche Biester in der gefühlten Größe eines Blackhawk Helikopters :D Allerdings scheinen sie wenig astronomisch motiviert zu sein, nach Ende der blauen Stunde fielen sie wohl wie tot vom Himmel...