Dienstag, 30. September 2008

BB vom 30.09.2008

Datum 30.September 2008
Zeit 0:30 bis 1:15 Uhr
Ort Taunusstein Balkon
Wetter dunstig
Seeing -
Grenzgröße - ca. 5  
Geräte -

Nach den schönen visuellen Nächten des Wochenendes kam mir der Gedanke mal wieder ein bischen zu knipsen, zunächst mal ganz unspektakulär mit der EOS auf den Balkontisch liegend eine Strichspuraufnahme der Region um den Schwan mit 18mm. Nach der Bearbeitung fand ich das schon gar nicht mal so übel und suchte mir die Einzelteile der EQ3 zusammen, die Batterien scheinen sich in den letzten 5 Monaten etwas regeneriert zu haben denn die Nachführung lief wieder für einige Zeit. Ausgerichtet wurde nur grob, da kein Polarstern sichtbar, wäre wohl auch halbwegs gegangen wenn ich nicht den Fokus verpasst hätte, nunja das war eben nur eine Schnellschuss Fotorunde (wie immer). Ich schoss auch nur vier Aufnahmen mit 30s 60s 180s und 240s und zum Abschluss spendierte ich dem Foto noch ein Dark von 240s... Wäre sicher ganz nett geworden wenn: a.) Der Fokus gestimmt hätte und b.) Die Strassenlaterne nicht so verdammt nah gewesen wäre ;) Immerhin ist Collinder 399 zu sehen und in Originalgrösse auch schon NGC 7000 Gestackt wurde mit dem Deepskystacker.

cygnus1
cygnus strichspur

Samstag, 27. September 2008

BB vom 27.09.2008

Datum 27.September 2008
Zeit 21:00 bis 2:15 Uhr
Ort Taunus
Wetter klar, Horizontdunst
Seeing brauchbar
Grenzgröße ca. 5,8m
Geräte 8" f/6 und div. andere

Zwar noch etwas angeschlagen von der vorangegangenen Nacht wollte aber auch heute nochmal der klare Himmel genutzt werden, zumal die Wettervorhersage für die nächste Zeit wieder sehr wechselhaftes Wetter angesagt hat. Am Platz angekommen waren Dietmar und Dietmar die ich zum ersten Mal kennenlernen durfte bereits beim Aufbau, Oliver auch schon dann wurde es so voll wie selten :) Andreas, Armin, Thomas, Katrin und Patrick stiessen kurz darauf dazu, so dass eine ganze Phalanx von Teleskopen von 4,5 bis 16" aufgereiht wurde.

Die Nacht war schön, der Himmel aber blieb doch etwas zugeknöpft, eine enorme Luftfeuchtigkeit, relativ hoher Horizontdunst und nicht optimale Transparenz, ließen die 6mag Grenze wenn dann nur ab und an in Zenitnähe durchbrechen, die letzte Nacht im Hunsrück war merklich besser. Dass in so einer grossen Gruppe der Spass trotzdem nicht auf der Strecke bleibt ist klar, zumal es durchaus viele gute Objekte gab die faszinieren konnten. Etwas Antitauarbeit war auch in der zweiten Nachthälfte gefragt, vor allem mein OIII verabschiedete sich einige Male, der FS blieb frei und dank Andreas' Wärmepads waren Okulare und Filter nach wenigen Sekunden wieder einsatzbereit. Der hartnäckige Tau war auch schuld dass sich einige schon um 1 Uhr verabschiedeten. Highlight des Abends war mit Sicherheit das Aufsuchen und mehr noch das Augenverbiegen an Stephan's Quintett - vorab: Jetzt hab ich die Teilchen auch mal gesehen... Kurz nach 2 Uhr warfen wir noch einen Blick auf den aufgegangenen M42 der ab jetzt ja nicht mehr fehlen darf und begannen das tautriefende Equipment zusammenzupacken, nach 5 stunden bei Temperaturen von 4° wurde mir zugegebener Massen auch langsam etwas frisch ;)

Richtig was los im Taunus... leider schlecht fokussiert

PER
  • h+x: Zum Warmwerden der Augenöffner
  • M34: kurz besucht
SCT
  • M11. Wildentenhaufen, sehe ich heut zum ersten Mal, ein sehr schöner und heller Sternhaufen
LYR
  • epsilon Lyrae: Zur Peilerjustage und Überprüfung der Justierung, Seeing gut, bei 240x dauerhaft ein merklicher Zwischenraum zwischen den Sternen.
CYG
  • NGC 7000: Weniger beeindruckend als am Vorabend, ging gerade so ohne Filter, mit OIII
  • NGC 6990:Wie NGC7000 war heute auch der Cirrus Komplex weniger eindrucksvoll wenngleich mit Filter gut sichtbar.
  • NGC 6960: dito, schöne Filiamente an der Knochenhand
  • NGC 6974, NGC 6979: Pickering's Triangular Wisp, heute auch mit Filter gerade so zu sehen, ohne ging es nicht.
AND
  • NGC 404: Hier bemerkte ich das erste zugetaute Okular, nach dem Wechseln zum noch offenen 10mm Speers Waler aber sichtbar ;)
TRI
  • M33: stellte ich für Oliver ein, der heute nur mit Fernglas bewaffnet war und der mal NGC 604 sehen wollte. Ging sehr gut bei 85x im 14mm Speers Waler.
TAU
  • M45: Ab halb eins eindrucksvoll mit blossem Auge, auch sehr schön wenngleich nur knapp passend in meinem Gerät mit dem 30mm 80° Okular, noch wesentlich besser in Andreas 8" f/5 + 31er Nagler. Bei uns beiden war ein Schimmer der Reflexionsnebel sichtbar.
AUR
  • M38,1907: der helle und der schwache Sternhaufen bilden einen schönen Kontrast.
PEG
  • NGC 7331: ja noch da, brauchen wir ja zum Auffinden...
  • Stephan's Quintett: Die Detailkarte des Deepsyreiseatlas diente als Hilfe. Nach einigem Suchen und Kartenvergleichen war relativ sicher dass wir im richtigen Gebiet lagen aber von den Gx keine Spur... Also grosse Geschütze und Thomas 16"er mit eingebunden der auch relativ schnell an der richtigen Stelle lag und da waren sie, ich zumindest konnte drei einzelne Fleckchen ausmachen, mutmasslich NGC 7318, NGC 7320 und NGC 7319. Die Position war nur sehr klar, zumal Armin in seinem 8"er bereits vorher genau die Stelle gefunden und beschrieben hat bevor wir sie dann exakt dort im 16"er sahen. Nur leider blieben sie in allen anderen Geräten, sprich 8" unsichtbar, im 12"er waren sie blickweise aber nicht dauerhaft zu halten, wäre auch schwer gewesen wenn wir sie nicht im 16"er gesehen hätten, die Transparenz war leider nicht überragend. Ich werde es weiter mit 8" versuchen und denke ich habe jetzt durch Armins Beschreibung eine recht sichere Art bekommen das Quintett eindeutig zu finden...

ORI
  • M42: Mit OIII bereits sehr schön die charakteristische Form und die ausgebreiteten Schwingen sichtbar, zu dem Zeitpunkt 6° über dem Horizont.

Freitag, 26. September 2008

BB vom 26.09.2008

Datum 26.September 2008
Zeit 22:30 bis 2:30 Uhr
Ort Hunsrück
Wetter klar, Horizontdunst
Seeing durchwachsen
Grenzgröße 6,2m (zu Beginn etwa 5,8)
Geräte 8" f/6 10" f/5

Nach wochenlanger Beschränkung auf das Beobachten von Regenwolken endlich wieder die Chance auf klaren Himmel! Dieser Umstand machte mich zum CO² Sünder und ich fuhr zu Nils in den Hunsrück, Sorgen machte ich mir um die Vorhersage, dass der Himmel zwar wolkenlos bleiben sollte, jedoch in Gewässernähe verstärkt mit Nebel und Bodennebel zu rechnen sei. Auf der Fahrt von Mainz Richtung Koblenz sah es auch tatsächlich so aus, sogar einige Nebelfetzen... Bei Nils angekommen zeigte sich meine Sorge aber als unbegründet, die Höhe (etwas über 500m am Beobachtungsort) hat es rausgerissen und im Verlauf der Nacht sogar sehr gute Bedingungen beschert als der aufgezogene Nebel den wir in der Ferne um einige Berge wabern sahen die tieferliegende Lichtglocken von tiefer liegenden Orten Richtung Rheintal aufsaugten. Zu Beginn war die Aufhellung noch immens, die Transparenz auch nicht die allerbeste und das Seeing schlecht :) Die Transparenz wurde aber zunehmend besser, das Seeing blieb durchwachsen aber auch leicht besser als zu Beginn und nach der Nachtabschaltung der umliegenden Gemeinden und dem Aufziehen von Nebel in niedrigeren Bereichen der Himmel wirklich beeindruckend. 

Zum ersten Mal konnte ich das 5mm Planetary testen, viel will ich noch nicht dazu sagen, da ich weder einen Planeten noch den Mond sehen konnte (Jupi war schon hinterm Wald verschwunden), weil ich ja hauptsächlich auf die Randaufhellung achten wollte. Stattdessen musste die Vega herhalten: Ja der helle Ring ist da, ich erachte ihn im Moment als nicht sondernlich störend, die Speers Waler zeigen da weitaus weniger sind aber auch nicht perfekt schwarz. Bei Deepskygucken hat es mich nun kaum gestört, wie das bei Mond- und Planetenbeobachtungen aussieht muss sich noch zeigen, mit Schärfe und Transmission war ich zufrieden, es gab keine sichtbaren Unterschiede zwischen meinem und Nils Planetary (beide 5mm). Ansonsten wurde es eine tolle Nacht mit vielen schönen und vor allem auch neuen Objekten. Dank Nils der unbedingt die Sculptorgalaxie (NGC 253) beobachten wollte obwohl in dieses Richtung zu dem Zeitpunkt einiger Dunst lag (stand nur etwa 10° über dem Horizont), sah ich diese Gx auch das erste Mal, schon in dieser geringen Höhe im Dunst war sie ernsthaft beeindruckend was Helligkeit und Grösse angeht! Ein weiteres Highlight war (wen wundert es) der Cirruskomplex mit dem wir uns in dieser Nacht sehr lange und ausgiebig beschäftigten, zwischen Knochenhand und Sturmvogel traten mit OIII aber auch im UHC überdeutlich weitere Strukturen hervor, ich würde eindeutig 3 einzelne Objekte verschiedener Grösse erkennen in unterschiedlicher Form und Grösse, einer dreieckig, mit CdC konnte ich nur zwei zusätzliche NGC Nummern identifizieren habe aber irgendwo noch einen Artikel über Cirrus in dem möglicherweise noch mehr steht. Aber nun zu den beobachteten Objekten:
PER
  • h+x: Grandios... wie immer
  • M34: schöner konzentrierter Sternhaufen
  • NGC 1023: Gx in Kantenlage, liegt mitten in einer Sternkette
LYR
  • M57: kurz besucht um Peiler zu justiern... noch da noch hell noch ringelig
CYG
  • NGC 7000: Ausgesprochen ausgedehnt und beeindruckend, viel besser als auf dem ATB in meinem Gerät
  • IC 5067: ebenfalls leicht zu sehen, Form schwieriger zu erfassen
  • NGC 6990:auch ohne Filter sichtbar, besser im TS UHC, am besten im Baader OIII
  • NGC 6960: auch hier wieder ohne Filter sichtbar aber immenser Gewinn im Filter, feinste Details, sogar bei hoher Vergrösserung viele fein Filiamente sichtbar
  • NGC 6974, NGC 6979: Nebelfetzen zwischen Knochenhand und Sturmvogel, sprangen mich im OIII förmlich an, natürlich einiges schwächer aber klar mehrere Objekte unterschiedlicher Grösse und Form.
AND
  • M31/32/110: Auch hier bewies sich der wirklich gute Himmel, beide Staubbänder waren relativ problemlos sichtbar und sehr beeindruckend, mit blossem Auge hatte Andromeda eine subjektiv sehr grosse Ausdehnung bei indirektem Sehen.
  • NGC 404: Kurz besucht, Mirach's Geist
  • NGC 752: Interessanter, schwach konzentrierter aber sternreicher Haufen
  • NGC 891: sehr länglich, Andromeda's Spindel
TRI
  • M33: Sehr gut zu erkennen bereits im 50mm Sucher von Nils und im Ferngls, Ansatz von Struktur, H2 Region NGC 604 schon bei 40x sichtbar, besser bei 100x.
TAU
  • M45: Nur mit blossem Auge, die schönste "Dekoration" des Osthimmels
  • M1: ovaler Nebel ohne Strukturen
AUR
  • M36,37,38,1907,1931: Die Parade der offenen Sternhaufen im Fuhrmann, hier sollte ich demnächst auch nochmal den Bleistift zücken
UMA
  • M81/82: ein kurzer Besuch, beide noch nicht sehr hoch stehend aber bereits erste Strukturen in M82.
SCL
  • NGC 253: Die Sculptorgalaxie, trotz niedrigem Stand und Dunst eine beeindruckende Galaxie, sie gibt bereits eine Ahnung was hier bei bester Transparenz bzw. höherem Stand geht.
PSC
  • M74: eher unbeeindruckende Galaxie mit Kern, fast rund
VUL
  • M27: Heute sehr beeindruckender Hantelnebel im OIII, die Hantelform geht fast im Halo unter soviel ist heute davon zu sehen.
PEG
  • NGC 7331: Kurz besucht, schöne Gx in Kantenlage
  • M15: ein interessanter Kugelsternhaufen, er ist ausgesprochen hell und hat Vergrösserungen bis 240x problemlos mitgemacht, dann zeigt er sehr viele Einzelsterne aber das wirklich sehr dichte Zentrum bleibt diffus.
AQR
  • NGC 7293: Sehr grosser PN (15'), wunderbar in der Übersichtsvergrösserunge mit OIII, hier zeigt sich sogar in dem grossen Ring bereits eine unruhige Obefläche.
ORI
  • M42: Ganz am Ende noch niedrig im Dunst, aber im OIII bereits recht gut, etwa so wie in einer eher durchschnittlichen Nacht ohne Filter ;)
Was bleibt ist eine sehr schöne Nacht, die verflucht kalt wurde (etwa 4°C) aber auch einen beeindruckenden Himmel mit tollen Objekten... Auf der Heimfahrt bewahrheitete sich meine Vermutung, dass die Höhe schon eine enorme Wirkung hatte, in den Rheinniederungen war es relativ dunstig. Und so konnte ich dann gegen Viertel vor Vier glücklich zum Matratzenhorchdienst antreten ;)

Montag, 1. September 2008

Erfahrungsbericht: Bresser Skylux 70/700 Achromat "Lidl"

Öffnung: 70 mm
Brennweite: 700 mm

Bauart: Refraktor (FH Achromat)

Okularauszug: 1,25"

Neupreis: ca. 100€ Nicht mehr unter dem Namen "Skylux" erhältlich sondern azimutal montiert als Bresser "MarsExplorer"
Noch in Besitz: Ja

Das allseits bekannte "Lidl" Bresser Skylux Teleskop 70/700, das wohl in keiner Sammlung fehlen darf, auch um Einsteigern das oft empfohlene Gerät einmal vorführen zu können. 

Alljährlich verlauft der Discounter Lidl ein sehr interessantes Teleskoppaket in der Vorweihnachtszeit. Für nur 69€ gibt es einen 70/700 Refraktor auf einer parallakischen Montierung die es tatsächlich einigermassen stabil trägt. Es ist kein Wundergerät aber ob des Preises alternativlos im Bereich bis etwa 100€.  Mit dabei sind 3 Okulare (Kellner und ein fast unbrauchbares SR4mm Okular).
Im Rahmen seiner Möglichkeiten bzw. seiner Öffnung kann er sowohl an Planeten und Mond aber auch an einigen hellen Deepsky Objekten schon schöne Ausblicke bieten. Wer also partout keine Möglichkeit hat etwas zu sparen um mit einem grösseren Gerät einzusteigen der ist nicht schlecht mit diesem Instrument beraten, natürlich gibt es auch hier eine Serienstreuung so dass man mit etwas Pech ein weniger gutes Gerät kaufen kann, vieles lässt sich aber mit wenig Aufwand verbessern, im Internet gibt es dutzende Anleitungen (stellvertretend mal genannt: www.binoviewer.at).Durch den günstigen Verkaufspreis bei Lidl hat man beim Wiederverkauf einen sehr geringen Wertverlust, wird das Paket doch unter des Jahres i.d.R. für über 100€ verkauft
Leider hat Lidl den Verkauf vor einigen Jahren zugunsten des teureren und viel weniger geeigneten ETX 70 von Meade eingestellt. Man ist also auf Gebrauchtkäufe angewiesen oder erwirbt den "Nachfolger" Bresser MarsExplorer, der zwar die selbe Optik bietet aber eine recht schwach anmutenden azimutale Montierung.
Insgesamt habe ich zwei verschiedene Versionen dieses Teleskops besessen, eine ältere Version <2006, die auf einer grauen Astro3 Montierung verkauft wurde und eine blaue Taukappe hatte, und der "neuen" Version mit schwarzer Taukappe und einer optisch aufgehübschten Astro3 mit Stahlrohr- anstelle des Aluminiumstativs. Die Montierung war aber auch wenn sie netter anzusehen war deutlich wackeliger!

Fazit:
Jahrelang war das "Lidl" ein echter Klassiker, gerade auch für Einsteiger. 69,-€ ein echter Kampfpreis für den man kaum ein auch nur halbwegs gescheites Okular bekommt! Natürlich darf man bei aller Nostalgie nicht vergessen, dass es ein recht kleines Gerät ist, dass dadurch auch nur eingeschränkt Details zeigt - jedoch war es eben jeden einzelnen Cent Wert. Ich möchte es nicht missen kennengelernt zu haben auch wenn ich heute ob der anderen Teleskop in Gebrauch keinen Einsatzzweck mehr finden würde.

Samstag, 30. August 2008

ATB 2008



Nachdem ich im letzten Jahr das ATB kurzfristig kippen musste ging es diese Jahr endlich hin, wenn auch nur für zwei Nächte von Donnertag bis Samstag. Mit im Gepäck Nils aus dem Hunsrück und natürlich unseren Newtons. Die Hinfahrt gestaltete sich ziemlich problemlos, auch wenn uns die Dauerbewölkung schon nichts gutes für die erste Nacht verhies. Kaum angekommen trafen wir auch gleich auf Günther und kurz darauf Franz und Armin die ihre Zelte schon direkt gegenüber unseres Platzes aufgeschlagen hatten. Das Gelände liegt wirklich genial und bei entsprechenden Bedingungen ist dort ein super Himmel möglich, ein grosses Lob an dir Organisatoren des ATB, die Stimmung ist völlig unabhängig vom Wetter prima gewesen, für den Magen und eventuellen Wetterfrust war dank guter Futterauswahl und reichlich Getränkelager zu günstigen Preisen gesorgt. Den Donnerstag Abend verbrachten wir so beim Erkunden des Geländes und dem Kennenlernen vieler Gesichter hinter den Namen die ich aus den Internetkontakten kenne. Die Hoffnung auf ein Aufreissen war vor allem bei Nils bis spät in die Nacht nicht klein zu bekommen :p Das wurde zwar leider nichts, aber wir verbrachten bis spät in die Nacht vor Franz Rechner um wenigstens virtuell einige interessante Objekte rauszusuchen und zu besprechen (zumindest die schon gesehenen) ... 


Unser Zelt, am ersten Tag noch im Grauen Dunst 

Freitags gings schon zeitig aus dem Zelt, Frühstück und nachdem am Vorabend die Instrumente bei leichtem Nieselregen alle abgedeckt oder eingepackt blieben den ersten richtigen Check. Günther nahm sich viel Zeit und organisierte zwei Concenter Kollimatoren um unsere beiden Newtons mal auf Herz und Nieren zu prüfen, bei mir war nicht viel zu tun, ich bin aber äusserst begeistert von dem Kollimator von Spheretec, man ist viel weniger auf die Genauigkeit des Lasers angewiesen und sieht wirklich sofort was nicht stimmt, bei Nils wurde noch ordentlich geschraubt únd das wurde dann auch durch eine nahezu perfekte Justage belohnt, das sah man auch später am Himmel. Endlich fand ich auch mal die Zeit einige einfache aber wichtige Basteleien zu erledigen, erst baute ich den OAZ aus um das Restshifting endlich wegzubekommen was auch fix ging. Die Skysurferbasis wurde zurecht geschliffen weil er bisher arg fest im Schuh sass und kaum rauszubekommen war... Blöderweise musse ich beim Abziehen so viel Gewalt anweden, dass die Justage danach wieder für die Katz war wie ich später feststellte. 


Günther, Nils und Franz an unseren Geräten

Auf gar keinen Fall hab ich es verpasst mich mal intensiv über das Totaltuning von Günther's 8"er zu informieren, inzwischen ist sogar noch einiges hinzugekommen und das Teil ist wirklich verdammt durchdacht optimiert worden, laut Günther mögen manche Einzelmassnahmen keinen grossen Unterschied ausmachen, alles zusammengenommen bringen aber einen sehr stark sichtbaren Vorsprung vor Geräten von der Stange, davon konnte ich mich in der folgenden Nacht direkt überzeugen! Einiges werde ich sicher auch versuchen bei mir umzusetzen, total begeistert (das war ich zwar auch schon vorher aber seit dieser Nacht endgültig überzeugt) war und bin ich von der Kombination aus grossem Newton und richfieldiger Linse, ein kleiner Schwenk mit dem Kopf und schon wechselt man von der Übersichtsvergrösserung mit massig Feld in den Bereich in dem der Dobson klar dominiert. Nach dem mir Günther sein Gerät und die Umbaumassnahmen ganz genau erklärt und gezeigt hatte, wäre ich am liebsten gleich losgezogen um Material zu besorgen ;) 

Dobtuning Total, nicht nur viel Bastelarbeit sondern auch ein hammerharter Unterschied am Himmel!

Gleich bei der Ankunft machten wir die Bekanntschaft mit Peter der uns ausgiebig von seinen Sonnenbeobachtungen erzählte, ich habe bis dato noch niemanden getroffen der so viele Sonnenfinsternissen live erlebt hat (17!!). Einfach nur fantastisch fand ich auch die schier unglaubliche Ausdauer die er bei der Sonnenbeobachtung im Weisslicht mit inzwischen 44 Jahren ununerbrochener täglicher Sonnenfleckerelativzahlen Zählung beweist, hier kann man schon wirklich nicht mehr von reinem Hobby sprechen, denn seine Daten und Diagramme zur Sonnenfleckenzahl über fast fünf Jahrzehnte sind schon von echtem wissenschaftlichen Wert. Als im Laufe des Freitags der Himmel aufbrach konnten wir auch einen Blick durch sein C5 auf die (leider immer noch fleckenlose) Sonne riskieren, ein schönes Gerät das er seit den Anfängen benutzt.

Peter am C5 bei der Weisslichtsonnenbeobachtung

Im Laufe des Tages wurden die sonnigen Lücken immer grösser und man merkte förmlich wie jeder immer mehr Hoffnung schöpfte, dass die Nacht gut wird und so wurden immer mehr Geräte aufgestellt und fertig gemacht.

Endlich die ersten Wolkenlücken

Franz mit einem speziellen Freund neben einem augenscheinlichen 8" f/8 Planetekiller

Mein erster Blick durch ein PST überhaupt wurde natürlich gleich durch die verwendeten Okulare etwas ausfallend. aber ich war in jedem Fall hellauf begeistert von der wenn auch kleinen Protuberanz und der Oberflächenstruktur der Sonne. 

Das sieht nicht nur schön und teuer aus, das sieht auch richtig geil beim Durchschauen aus ;)
Nils Samstag Morgen an einem anderen PST aber ebenfalls mit Binoansatz 

Nils hatte beim letzten ITV bereits Stefan mit seinem genialen 9" Binodobson kennengelernt und natürlich wollte er dort schnellst möglich hin da sich die beiden damals fürs ATB verabredet hatten, gleich gings ans Aufbauen und Nils packte ordentlich mit an. Das Teil ist unglaublich sauber verarbeitet und bis in die kleinste Ecke mit viel Liebe zum Detail perfektioniert worden, wie Stefan meinte, war das aber auch einen Heidenarbeit, wenn man das Gerät sieht kann es auch gar nicht anders sein :) Nils war die Nacht auch dort und hochgradig begeistert vom Blick durch 2x9", leider war er nach dem ersten Zuziehen des Himmels wieder abgebaut so dass ich selbst nicht durchschauen konnte. 

Da packt Nils auch gerne mal mit an ;)
Der 9" Bino OWL Doppeldobson von Stefan

Ein weiteres sehr interessantes Teleskop am Platz war dieser 10" f/20 (also 5m Brennweite!) Schiefspiegler, in der kommenden Nacht sollten wir dort nocheinmal vorbeikommen und ich durch eben diesen Exoten das erste Mal den Planeten Uranus beobachten.
250/5000 Schiefspiegler auf CGE

Der Himmel war inzwischen gegen Spätnachmittag Abend, fast vollkommen wolkenlos, lediglich sehr hartnäckiger und auch hochreichender Dunst am Horizont störte. Man merkte förmlich die Spannung, unsere Teleskope trugen wir alle recht nah auf einen Haufen am südlichen Rand des Platzes wo sich dann doch mehr als ein Dutzend Dobsonanhänger mit ein paar eingestreuten Paralaktikern und Franz' SCT drängten. Mit eben diesem gab es noch einige Probleme, die Justage war wohl durch den Transport vollends hinüber und es dauerte eine ganze Weile bis es wieder halbwegs gute Bilder zeigte, zu Beginn der Beobachtungen wurde nochmal am Stern justiert was ein ansehnliches Bild brachte, leider taute die Schmidtplatte relativ schnell zu. 

Unser Zelt mit dem 8" und 10" GSO dahinter (HDRI)
Vor der Dämmerung die letzten Vorbereitungen, ich schraube noch immer an meinem OAZ :)

Gegen 20:30 wird es ernst und Jupiter ist natürlich das erste sichtbare Objekt das beobachtet wird.

Durch den immensen Horizontdunst war der Himmel zunächst sehr unterdurchschnittlich aber im Laufe der Dämmerung gewannen doch die ein oder anderen Objekte mehr an Brillianz und wir waren alle froh nach der letzten bewölkten Nacht überhaupt beobachten zu können. Natürlich wurde zwischendurch auch viel von Gerät zu Gerät gewandert, geplaudert, Okulare getauscht und verglichen. Interessant war der ausgiebige direkte Vergleich des 10mm Speers mit dem 11mm Nagler von Nils, die meisten Objekte bekam ich durch beide zu sehen, das Nagler war keine Welten aber doch bemerkbar besser was die Schärfe und den Kontrast anging. Den Anfang machte Jupiter der zwar schon recht tief stand aber doch schon einiges zeigte, natürlich war er das erste Gestirn was mit der hereinbrechenden Dämmerung mit blossem Auge gesehen werden konnte. Die Mondstellung war sehr interessant, dazu eine kleine Skizze.

Computerskizze

Nun wurde es schrittweise dunkler und die ersten DS Objekte wurden aufs Korn genommen, natürlich noch weiter unter ihren Möglichkeiten, bei der Gelegenheit wurde noch ein Asti an Nils Spiegel festgestellt den er aber wohl inzwischen schon durch Lockern der Spiegelklemmung wegbekommen hat. Wir waren zwar alle froh endlich zum Beobachten zu kommen aber auch nach Dämmerungsende blieb der Himmel eher unterdurchschnittlich bei etwa 5,6mag und enormen Horizontdunst. Gegen 23:30 zog sich dieser immer höher und innerhalb weniger Minuten war der Himmel plötzlich wieder komplett dicht, zwar schienen einige sehr helle Sterne noch durch die Suppe aber ans Beobachten war erstmal nicht mehr zu denken. Leider nahmen das viele zum Anlass die Geräte wieder einzupacken oder gar schlafen zu gehen, denn nach nur einer Stunde riss der Schleier wieder auf und darunter kam ein weitaus besserer Himmel zum Vorschein als zu Beginn der Nacht. Ich habe (bisher) nur die Einschätzung der Leute um mich herum, demokratisch gesehen kamen wir auch 6,1mag in UMi, einige sahen mehr, einige weniger, den 6,1mag Stern im kleinen Wagen konnte ich indirekt aber persönlich sicher halten. Natürlich wurde viel beobachtet und verglichen und nochmehr fachgesimpelt, nun aber zu den Objekten im üblichen Stil aufgelistet:

HER
  • M13 und NGC 6207: M13 war wohl das erste Objekt bei den meisten, im 16"er war es noch in der Dämmerung äusserst mau, in meinem 8"er später bedeutend besser mit Auflösung bis ins Zentrum und feinen Sternketten, nochmals besser im 10"er und 12,5"er. Die nahestehende Galaxie NGC 6207 hab ich mir erstmal ganz frech im 16"er angeschaut und sie danach natürlich auch problemlos bei mir gesehen, immer wieder schön diese beiden so unterschiedlichen Objekte in einem Feld zu sehen (14mm Speers Waler). Auch in Franz' 10" SCT sah M13 wunderbar aus, ebenfalls einen Tacken besser als bei mir im 8"er.
  • M92: Nur mit 20" kurz beobachtet, fantastisch aufgelöst und hell
CYG
  • M29: Einer der eher langweiligen Sternhaufen mit kastiger Form, nurz kurz beobachtet, auch mit dem 10x50 Fernglas.
  • NGC 6960 und NGC 6992: Der Cirruskomplex sah mit 8" sehr beeindruckend aus, um 51 Cygni schlängelt sich der Sturmvogel mit einigen schwachen Filiamenten durch das Gesichtsfeld des 30mm Reese + Baader OIII, noch wesentlich beeindruckender und sehr strukturiert die Knochenhand. Unschlagbar war Cirrus an Günthers Doppelgerät, im 4" f/5 mit Baader OIII und 28mm UWAN beide Nebelteile fantastisch in einem Feld, genau das will ich auch :o) Ein kurzer Schwenk zum OAZ des 8"ers und es kann mit höherer Vergrösserung weitergehen, eine geniale Kombination.
  • NGC 7000 / IC 5067: Ebenfalls in Günthers Spiegel/Linse Kombination beobachtet, besonders beeindruckend im Richfielder denn mit dem kleinen Orion in der Mitte positioniert war der Pelikannebel IC 5067 ebenfalls im Gesichtsfeld zu erkennen und Nordamerika komplett ist unschlagbar.
PER
  • NGC 869/NGC 884: h+x dürfen natürlich in keiner Nacht fehlen, an ihnen bemerkte ich gegen 2:30 Uhr dann auch dass mein Fangspiegel beschlug als sie trotz klarsten Himmel plötzlich auf 2" Niveau einbrachen, zehnminütiges Wärmen mit der Hand brachten wieder eine Stunde Ruhe in Sachen Tau, ein Hoch auf FS-Heizung wie sie einige bei uns hatten ;)
  • M34: Netter konzentrierter Sternhaufen, in der Nähe suchte ich die 10m Gx NGC 1023 auf, dummerweise ohne Erfolg... ein kurzer Schwenk zur genauso hellen NGC 404 sagte mir dass ich wohl einfach daneben lag, denn die war natürlich problemlos zu beobachten.
CAS
  • NGC 457: Ein wunderschöner Sternhaufen, entdeckt von Caroline Herschel und auch als Eulenhaufen und sogar als ET-Haufen bekannt ist, warum soll die grobe Skizze zeigen die ich in mein Notizheft gezeichnet und am Rechner abgepaust habe:
  • M52: Der wirklich schöne offene Sternhaufen M52 wollte ich als Aufsuchhilfe für NGC7635, den Bubblenebel nutzen, den knackte ich aber nicht, wohl auch weil ich ihn kurz vor dem ersten Zuziehen versuchte und so keine Zeit mehr hatte den OIII zum Einsatz zu bringen. Besonders interessant war M52 aber auch wegen des benachbarten:
  • Czernik 43 dieser bedeutend schwächere offene Sternhaufen grenzt fast direkt an M52 an und besitzt eine ähnliche Form und auch Grösse wie M52, nur aus merklich schwächeren Sternen die sich nicht ganz so leicht vom Hintergrund abheben.
AQR
  • Uranus: Zum ersten Mal überhaupt sah ich den entfernten Gasplaneten und das auch eher durch Zufall als Nils, Heiko und ich über den Platz schlenderten und beim 10" Schiefspiegler stehen blieben, der Besitzer lies uns gerne mal einen Blick durch dieses Gerät riskieren, der kämpfte wie wir auch ob der extremen Luftfeuchtigkeit bereits mit Tau, nicht nur am Okular, der Planet zeigte sich aber trotzdem problemlos als leicht grünliche Scheibe, die Vergrösserung habe ich mir leider nicht gemerkt.
AND
  • M31/32/110: In dieser Nacht war nur ein Staubband klar sichtbar, mit dem zweiten tat ich mich zu der Zeit als ich die Gx anschwenkte sehr schwer.
  • NGC 404: Mirachs Geist begeistert immer wieder durch den Kontrast zum hellen Mirach.
TRI
  • M33: Die Dreiecks Galaxie war mitunter sehr gut zu beobachten und zeigte auch schon Ansätze von Struktur, in jedem Fall war die helle HII Region NGX 604 problemlos mit verschiedenen Öffnungen zu beobachten.
TAU
  • M45: Die Plejaden begleiteten uns durch die halbe Nacht, mit blossem Auge und Fernglas immer wieder am schönsten, später bei hohem Stand immer wieder ein toller Blickfang am Himmel und Vorbote des Winters.
  • M1: Der Krebsnebel war detaillos bereits frühzeitig zu beobachten.
GEM
  • M35: schwach und wenig beeindruckend ob des tiefen Standes.
AUR
  • M36/37/38: Auch an diesen Objekten bemerkte ich dass mein Fangspiegel zugetaut war und etwas Handwärme brauchte, später dann bereits wunderschön anzusehen
PEG
  • NGC 7331: Zu späterer Stunde versuchte sich eine Gruppe um Armin an Stephans Quintett im Pegasus, ein arg dunkler Galaxienhaufen, als Aufsuchhilfe dient die wirklich schöne Spindel NGC 7331, mit 8" problemlos und in 12,5" schon richtig beeindruckend, blieb den meisten Stephans Quintett unter ca 6,1mag Himmel verborgen, im 12"er sah jeder Dritte ein schwaches Etwas aufblitzen aber wirklich gut zu halten war auch das nicht, ich selbst sah nichts an der Stelle.
ORI
  • M42: Weniger um etwas zu sehen sondern eher um den Orionnebel auch mal im August beobachtet zu haben schwenkte ich in den Orion, ausser dem Trapez war bei etwa 8° überm Horizont im tiefsten Nebel nur ein schwacher Bereich des Zentrums zu sehen.
Nach dem mein Fangspiegel das zweite Mal zutaute, stellte ich mein Equipment gegen 4 Uhr in Schlafposition und blieb mit den anderen noch an den nichtzugetauten Geräten, der Himmel war nach wie vor gut, nur der Nebel kroch wieder höher, zum Ende hin war der Bodennebel derart stark, dass die nächste Zeltreihe schon kaum noch zu sehen war, trotzdem wurde es 5 Uhr früh, der Orion stand bereits komplett über dem Horizont, ins nasse Zelt.
Da wir leider am nächsten Vormittag bereits frühzeitig die Zelte abbrechen mussten, ging es nach 3 Stunden Schlaf schon wieder aus den Federn und uns blieb noch einige Zeit um noch einmal über den Platz zu schlendern, uns von Bekannten zu verabschieden und noch einige Geräte zu fotografieren. Schick fand ich noch den Tchiboselbstbau von Heiko, einem Bekannten von Nils, da ich ja selbst schon einen Dobson aus dem kleinen Spiegel gebaut hatte fand ich seine Konstruktion schon wesentlich feinfühliger und stabiler in der Bewegung.


Nils am Tchibodobson von Heiko
Ein weiterer schöner 12" Selbstbau
Fred hat keine Stromsorgen :o)

Das Treffen war auch wenn wir es nicht von Anfang bis Ende geniessen konnten einfach fantastisch und hat einen Heidenspass gemacht, im nächsten Jahr bin ich in jedem Fall wieder dabei. Vielen Dank!