Mittwoch, 22. September 2010

BB vom 22.09.2010

Datum: 22. September 2010
Ort: Taunus

20:30-1:30 Uhr

14° - trocken

  

What a difference a day made, twentyfour little hours..." Wie Recht hatte Dinah Washington doch 

Von der vorherigen Nacht noch begeistert, sind wir nochmals rausgefahren - - - Beobachtungstechnisch war es ein starker Abstieg, ich hätte nicht gedacht, dass dieses Fitzelchen mehr Mond den Himmel so viel schlechter macht ^^ Deepsky war nur noch in Ansätzen möglich (paar OHs, M57, keine Galaxien). 



  

Trotzdem war es kein Reinfall, waren doch mit Horia, Tina, Nils und Tim genug Gesprächspartner vor Ort, die das ganze zu einem sehr interessanten Plausch machten 

Was beobachtungstechnisch ganz gut war, war Jupiter. Der GSF (Grosse Schwache Fleck) war recht gut zu sehen, die gestrige Mondanordnung erinnerte uns an das Sternbild Pfeil. 


 
Man sieht es schon an den Bildern wie taghell es war, das sind lediglich 10 Sekunden Aufnahmen. Nichts desto trotz waren die dann doch 5h auf dem Acker eine Freude und nun hab ich meine jährliche Dosis Mondnacht auch hinter mir

Dienstag, 21. September 2010

BB vom 21.09.2010

Datum: 21. September 2010
Ort: Taunus
20:45 - 0:15 Uhr
Laufenselden
fst. knappe (!)5m in Umi, fast Vollmond
11° Luftfeuchtigkeit zwischen 80 und 91%


als mich gestern Mittag die Mail von Horia erreichte mit dem (für mich) wenig erheiternden Titel "Kurze Planetennacht", war ob der Durststrecke von mir doch klar: Ich fahre raus 

Mir war von vorneherein klar, dass die "Planetennacht" für mich schnell vorbei sein wird und ich mich trotz Praktisch-noch-Vollmond meinen Lieblingen im tiefen Raum widmen werde, und wieder einmal wurde ich positiv überrascht was ein transparenter Himmel auch bei diesen eigentlich widersinnigen Bedingungen leisten kann! 



Mein Laser lag sinnigerweise noch daheim, Horia half mit seinem Cheshire aus, das erste Mal, dass ich komplett nur damit justierte, aber das Ergebnis konnte sich mehr als sehen lassen. Alsdann ging es in dieser besonderen Oppositionsnach zu Jupiter, der gestern seine hellste und nächste Opposition während seines 11,8 jährigen Sonnenumrundung erlebte, lustigerweise als "zweifacher Hexensabbat" auch noch fast auf die Stunde zeitgleich mit der Uranus Opposition, der sich nur 2° oberhalb befand. Jetzt fällt mir als nur sporadischem Planetenbeoabchter da kein grosser Unterschied zu anderen Oppositionen auf, Details waren trotzdem allerleckerst und erst im Laufe der Nacht erschien Ganymed wieder hinter Jupiter, scheee - Uranus war leicht zu finden... tjo der berühmte kleine Klecks halt 

Bei der Gelegenheit durfte mein noch nahezu jungfräuliches 8-10mm ZoomSpeers zum Einsatz kommen, sehr freudvoll, gerne hätte ich jetzt schon mehr gehabt, denn das Seeing zeigte sich ausserordentlich gnädig!

Doch genug der Steinbrockenguckerei, jetzt wollte ich doch mal sehen was mir so alles bei dem hellen Himmel vor den Spiegel rutschen will. 


 
Start bei M27, dem Hantelnebel, schon im 22er gut sichtbar trotz der Mondnähe, mit [OIII] Filter mit logischerweise stark abgedunkeltem Himmelshintergrund: Begeisternd! Wie in einer leicht unterdurchschnittlichen Nacht ohne Mond. Cirrus zier(r)te sich leider, nunja kann man ihm bei der Mondpest auch wirklich nicht verdenken. Horia hatte den "Rocking Horse" NGC 6910 auf der Liste, also wurde auch diesem ein Besuch abgestattet, der sonst so recht eindeutige gelbe Farbeindruck der beiden dominanten Sterne war heute nicht so gut. Ein kleiner Schwenk auf Epsilon Lyrae, das Verlegenheitsobjekt bei schlechtem Himmel - ja lässt sich noch trennen mit 12" 

Ich verbrachte die nächste Zeit mit den vielfältigen offenen Sternhaufen in Cassiopeia, der Alien NGC 457 funkelte mich mit seinen Augen unvermindert brilliant an, auch das Häufchen M103 (mit seiner typischen dreieckigen Form) hat sich dem Mond tapfer widersetzt und nur wenig von seiner Strahlkraft eingebüsst. H+x sind natürlich Pflichtobjekte, die auch nur wenig mit den Umgebungsbedingungen zu kämpfen hatten, zum Schluss waren sie auch freiäugig machbar. Der alte grosse Sternhaufen NGC7789 war da schon schwieriger, zwar war er ohne weiteres zu sehen, aber da er aus einer grossen Menge recht schwacher Sterne besteht, fehlte hier heute eindeutig der Kontrast, interessant - wenn auch nicht verwunderlich - war der Unterschied zwischen dem Anblick bei mir und Horia, der um seinen 12"er eine feine Socke hat, fällt bei Mond doppelt auf.


Der Tau ist unterwegs, habe schon schlimmere Nächte erlebt, die Okulare bleiben bis auf zwei Ausnahme frei (die sich in der Tasche schnell wieder erholen), die Telradscheibe wird aber sicher 25x geputzt...

Nun werd ich ja doch wagemutig, zu den Paradeobjekten die man bei Vollmond nicht beobachtet: den Galaxien.
Im Perseus peile ich auf NGC 1023 aka Arp 135, natürlich wesentlich schwerer als sonst (sie ist mit 9m5 12m7/arcmin² ja eine Leuchte) aber tatsächlich gut auszumachen wie sie da an ihrere Sternkette liegt. Davon begeistert, ein kurzer Schwenk auf unseren kosmischen Nachbarn M31... gleich wieder in die andere Richtung schwenken, das muss ich mir ja nun nicht antun, Mindestabstand von etwa 50° zum Mond ist strikt einzuhalten 

Der Himmel hält ja noch genug weitere Objekte bereit, ich orientiere mich im meist ungeliebten (weil unaufäliigen) Draco, hier gibt es eine vermeintlich sehr interessante Edge-on Galaxie mit dem klingenden Namen NGC 5903, mit etwa 10m ist sie nicht sonderlich dunkel, könnte also gehen, Sorgen macht mir aber ihre Edge-on Ausrichtung, das macht die Sache nicht einfacher. Es dauert eine ganze Weile bis ich durch Fieldsweeping nahe eines hellen Sterns eien Aufhellung bemerke. Hier nehme ich mir eine Menge Zeit und nach etwa 20-25min lässt sich die wirklich beeindruckend dünne Spindel ganz nah bei diesem Stern dauerhaft halten und gar nicht mal so schlecht sehen, Horia bestätigt mir die Sichtung. Eine Zeichnung ist hier fällig (sowie ein intensiver zweiter Besuch bei Neumond!). Ähm ja, es ist eine Skizze, Reinzeichnung ist noch nicht fertig 

 
Der Mond kriecht derweil immer weiter nach Süden, wir haben vieleicht noch 4m5 im Norden, wenn's hoch kommt... Horia hat M13 und M92 angepeilt, ich folge ihm und hier zeigt sich mal wieder wie resistent Kugelsternhaufen von widrigen Bedingungen sind. Selbstverständlich keine Vom-Hocker-Reisser mehr aber eine Fülle an Einzelsternen lässt sich trotzdem ohne weiteres beobachten.

Um viertel nach zwölf beginnen wir mit dem Abbau und ziehen unserer Wege.

Und die Moral von der Geschicht'? Bei Mond sitzt man zu Hause... oder auch nicht 

Freitag, 20. August 2010

ATDSTT 2010 in Rhena

DAS ATDSTT 2010 IN RHENA/NORDHESSEN

nun ist es vorbei - unser erstes gemeinsames Forentreffen  



Ich sage wohl nichts falsches wenn ich es als sehr gelungen bezeichne, logistisch war alles super zu handeln, der Platz hat mit seiner Abgeschiedenheit und trotzdem hervorragender Infrastruktur kaum Wünsche offen gelassen und der Himmel hat uns schlussendlich in keiner Nacht verlassen.

Ich würde mir wünschen, dass jeder hier seine Eindrücke und Fotos zum Besten gibt um ein Gesamtbild zu zeigen, alles und jedem kann man an den wenigen Tagen leider beim besten Willen nicht gerecht werden, deshalb fange ich einfach mal mit meinen bescheidenen Eindrücken von Donnerstag bis Sonntag an 
 
Erster Plausch nach meinem Eintreffen am Donnerstag Abend

 


 
Tom (Coradog) und ich tanken nochmal Wärme für die bevorstehende Nacht - in bester Bronxmanier 

 



 
Überraschungsbesuch von Kai (Skolgi) an Michaels (Astroengel) frisch getaufter "Wall-E" Binomonti

 






 
Mein kleiner Flohmarkttisch, nur ein Beweisfoto für meine Frau, dass ich es versucht habe 





 
Nach einer Vielzahl von Knochenbrüchen und Flüchen (sorry!  ) endlich Sicherheit am Benny-Zelt...

 


 
Hier waren noch nicht alle angereist aber ein erster Überblick unserer Runde





Nach dem kurzen nachmittäglichen Schauer, bricht der Himmel endlich wieder auf

 


 
Familliärer Plausch beim gemeinsamen Warten auf die Nacht

 


 
Am Samstag war bei 27° C Siesta (in diesem Fall Mettagspause) im Schatten angesagt 

 


 
Michael (Astroengel) startet seinen Teleskoptuningworkshop, wieder einige Geräte die ihre Leistung nun endlich ausleben dürfen!

 


 
Im Mootz'schen "Zoomzelt" waren leckerste Okulartunings zu sehen und vor allem des Nachts auch zu Testen

 



 
Tom schwingt selbst in der Freizeit den Pinsel 

 

 
Jörn bei seinem Vortrag zum Leben der Sterne

 





 
Bei meinem Zeichenworkshop wurde auch kollektiv der Stift geschwungen

 








Des Nächtens ruhte meine Kamera dann tatsächlich durchgehend, deshalb hoffe ich auf Stimmungsfotos von anderen, das Beobachten war nicht zu verachten, auch wenn das Zusammensein und Schwätzchenhalten bei mir im Vordergrund stand. Sehr leckere Anblick gab es am Cirrus und vollends überzeugt bin ich von den Zoomhülsen, eine fand nun auch in meinen Okularkoffer  Jupiter war im 6" f/6 von Günther ein Augenschmauss, ein erneuter Beweis was konsequentes Tuning alles anrichten kann 

Die Perseiden schwächelten etwas, aber zwei parallel mit nur Sekundenbruchteilen Abstand zischenden Boliden in Zenitnähe waren einmalig!

Ich hoffe Euch gefällt der erste Eindruck denn ich ihr einstelle und hoffe vor allem auf rege Beteiligung in Wort und Bild von meinen Mitcampern  





Danksagung hatten wir ja schon an anderer Stelle aber auch wirklich allen Grund dazu, ich nenne keine Einzelpersonen, weil ich mit praktischem jedem ein gutes Gespräch (wenn auch manchmal leider sehr kurz) hatte - Stimmung und Zusammenhalt waren einfach einmalig, 





Gruppenfoto © Stephan Brüning 

>>Kleines Stimmungsvideo ATDSTT 2010<<
 
Sonntag Mittag 12 Uhr... Als wären wir nie hier gewesen  ... aber nächstes Jahr...


Donnerstag, 8. Juli 2010

BB vom 08.07.2010

Datum: 08. Juli 2010
Ort: Taunus
22:40 bis 3:20
GG: 6m+
Wetter: klar
21 ° C
12" f/5 - 4" Bino 

Ohne das Stündchen Schlaf, dass ich mir am frühen Abend nochmal ganz dreist gegönnt habe, hätte ich diese zweite Nacht wohl nicht durchgehalten und während ich diese Zeilen schreibe sehne ich mich auch schon nach einer waagerechten Position :D



Der Himmel blank gefegt, die letzte Nacht noch gut im Kopf, so ging es gen Beobachtungsplatz - Der sollte heute aus allen Nähten platzen, wobei es sukszessiv leerer wurde. Andreas nebst Gattin, Horia, ich, Jan, Manfred, Sascha und Thomas belegten jede Menge Platz, zumal wir uns wegen der Wucherhecke auf einem recht kleinen Fleck scharten ;) So versammelten sich sage und schreibe 62" optische Fläche um altes Sternlicht zu sammeln.
Der Abend war zum grössten Teil von "Genusspechteln" geprägt. Natürlich waren zunächst die Highlights der Sommermilchstrasse an der Reihe, ich begann in Schwan und Leier mit den "üblichen Verdächtigen" ;) Seit längerem besuchte ich mal wieder M56, sehr schön aufgelöst bei 150x. Ein direkter Vergleich zwischen meinem und Andreas 12"er (jeweils 22mm LVW + Baader [OIII] brachte keine grossartigen Unterschiede, wobei ich den Kontrast bei Andreas etwas überzeugender empfand, der spitze Teil des Sturmvogels kam mir und auch ihm heller vor - Streuung bei Baader [OIII]s? Der Sturmvogel aber auch Triangular Wisp erschlug einen heute wieder mit seiner Detailfülle. Durch Saschas 12er gab es einen für seine Höhe erstaunlich schönen M51 auf die Augen, Spiralarme waren bei 15mm bereits sichtbar.

Sascha stellte auch sein neues 8mm SWA 70° Skywatcher zum Test zur Verfügung, die Sternabbildung empfand ich als nicht schlecht, die Schärfe war durchweg brauchbar, nur der lange Augenabstand machte mir beim Einblick an M13 Schwierigkeiten, auch mit ganz herausgedrehter Augenmuschel konnte ich mein Auge nicht auflegen und jedes Schwanken brachte Abschattungen. Zum Vergleich ging dann noch Jans WO Zoomwan in der 8mm Einstellung in den OAZ, hier war das Bild merklich brillianter (ich zoomte dann auch noch fleissig bis in die höchsten Vergrösserungen (um die 350x). Für den günstigen Preis ist das SWA aber in Ordnung, gerade Brillenträger haben hier wohl ein gutes Preisleistungsverhältnis. 



Um beim Testen zu bleiben ging Horias Ronchiokular durch die Runde, Jans Spiegel war schnell als hervorragend eingestuft, ich musste mich noch etwas gedulden, denn mein dicker Spiegel warf Blasen wie ein Wasserkocher :D Ich hatte ihn dummerweise am Nachmittag schon im Kofferraum und damit sicher auf über 35° augeheizt, erst nach zwei Stunden war die Abbildung dann brauchbar und auch mein Spiegel konnte seine Ehre retten ;)
Zu späterer Stunde machte ich noch die Runde durch den Schützen, leider war die Transparenz ganz klar nicht mehr so gut wie am Vorabend, so dass die Objekte zwar toll aber nicht überragend waren. Von M16 dem ich nur einen kurzen Blick gönnte ging es zu M17, hier war wie gesagt weniger zu Sehen als am Vorabend aber es ist und bleibt ein beeindruckendes Objekt. Von dort ein Schwenk nach Südwesten und schon stand der Trifidnebel mit seiner wunderschönen Staubteilung im Okular, weiter nach Süden dann zu M8 dem Lagunennebel, fantastische Strukturen und der eingebettete Sternhaufen ist ein besonderer Leckerbissen.

Ich ging mit Sascha auf h+x Jagd, die er bisher noch nicht im Okular hatte, die aber freiäugig schon auffällig waren, auch auf Andromeda wurde ein fixer Blick geworfen, aber es ist nunmal noch nicht Herbst für die ganz grossen Aha Erlebnisse.

Gegen 1:30 Uhr verblieb nur noch der harte Kern von Jan, Horia, Thomas und mir. Ich wagte mich nun in ein Sternbild, dass ich bisher schändlicherweise links liegen lies, den Wassermann. Meine Tour begann ich beim Kugelsternhaufen M2, der überraschte mit einer Vielzhal an brillianten Sternen, ich beschrieb ihn als kleinere Version von M13 - einen Blick wert! Eigentlich sollte nun auch noch der Helixnebel ein gutes Stück südlich fallen, aber dort war es mir dann zu siffig und auch aufgehellt, so dass ich den Filter gleich im Koffer lies. Dafür ging es in die westlichen Bereiche des Sternbild zu NGC 7009, dem Saturnnebel. Der PN war auf Anhieb im Übersichtsokular, sehr hell mit einem Hauch von türkiser Farbe, das will bei meinem sehr unterentwickelten Farbsehen bei Nacht schon was heissen...  Bei 150x waren auch die "Henkel" die aber mehr kleine Strichförmige Auswüchse sind zu sehen. Die nicht allzu üppig vorhandenen Feldsterne ermunterten mich zu einer Zeichnung (die Müdigkeit war nach 2 Uhr schon merklich).


Ein weiterer Kugelsternhaufen in unmittelbarer Nähe zum Saturnnebel ist M72 auf den mich Horia aufmerksam machte, der schwächste des ganzen Messierkatalogs und mit 60.000 Lichtjahren auch nicht gerade in der Nähe, war er zwar gut zu sehen aber es bleibt bei einem galaxiehaften, runden Eindruck ohne starke Konzentrierung und bar jeglicher Einzelsterne.
Zur Entspannung lag ich dann auch einfach mal 10min auf der Strasse und bewunderte diese wundervolle Milchstrasse, die sich fast durch den Zenit von Horizont zu Horizont spannte - das könnte ich auch die ganze Nacht machen :)

Jan weilte derweil schon eine ganze Zeit mit Thomas entrückt im Binohimmel, generös wurde mir als Binobaunausen ein fantastischer Blick auf den Wildentenhaufen M11 vergönnt, das 4" Bino von Thomas ist für solche Objekte echt prädestiniert! 

Parallel mit Horia versuchte ich mich nun an einem recht schweren Objekt, einer nahen irregullären Zwerggalaxie - Barnards Galaxy... Das Zielgebiet ist sehr charakteristisch durch eine helle L-förmige Sternengruppe aber der Erfolg blieb aus, zwar war an besagter Stelle eine Aufhellung zu sehen, die besonders beim Schwenken auffiel und die auch Jan bestätigte, aber sie war schlicht zu gross um die Galaxie zu sein, wir sind hier mit Sicherheit Opfer der Aufhellung in diesem Bereich geworden. Aber um bei Galaxien mit schwacher Oberflächenhelligkeit zu bleiben schwenkte ich zum Abschied noch auf M33, sie war noch nicht sehr hoch aber bereits nebst der hellen HII Region gut aber detailarm zu sehen.

Ein Pling der Uhr riss uns aus der nun nicht mehr wegzudiskutierenden Müdigkeit - 3 Uhr... Die Dämmerung war bereits gut im Gange und so beschlossen wir diese schöne Nacht mit einem Blick auf die Plejaden, die sich bereits über den Baumwipfeln erhoben. Auf der Heimfahrt merkte ich erst die beiden Nächte hartnäckig und bin fast dankbar, dass es in der folgenden Nacht mal bewölkt sein soll ;)

Mittwoch, 7. Juli 2010

BB vom 07.07.2010

Datum: 07. Juli 2010
Ort: Taunus
23:00 bis 2:30
GG: fst 6m2
Wetter: weitestgehend klar
21 ° C
12" f/5 - 4" Bino

Nach ein paar Nächten mit "angezogener Handbremse" versprach die heutige Nacht der erste echt Knülller dieses Sommers zu werden, als einer der ersten Tage nach der Sommersonnenwende wird es wenn auch nur kurz auch wieder richtig dunkel.
Am Platz angekommen war Christina bereits am Schwenken, kurz darauf trafen auch Horia und Thomas ein und bauten auf. Als Nachzügler erschien vor Mitternacht noch unser SC-Freund aus Wiesbaden. Der Himmel war nach Norden leicht und fluffig bewölkt, ansonsten frei und von stellenweiese atemberaubender Transparenz wie ich sie dort noch nicht sehr oft gesehen habem vor allem nach Süden war die Sicht genial. 



Der Beginn markierten einige Standardobjekte wie M57, M27 und M13. In M13 begeisterten feinste Sternketten im Zentrum (vor allem nachdem ich nochmals die Justage wiederholt hatte), die Begleitgalaxie NGC 6207 war auffällig und sprang ins Auge. Erster Knacki des Abends sollte NGC 6118, die "Blinking Galaxy" in Serpens sein. Zusammen mit Thomas und Horia verbrachten wir relativ viel Zeit diese 13,x mag Galaxie aufzuspüren, aber obwohl wir zum Schluss jedes markante Merkmal des Zielgebiets identifiziert hatten gelang leider keine Sichtung. Bei Christina warf ich noch einen letzten Blick auf Saturn nebst Monden, der sich aber immer weiter in den tiefen Westen verzog.
Als nächstes Ziel hatte ich mir schon am Nachmittag die zentrale Galaxie des Galaxienhaufens Abell 2199 auserkoren: NGC 6166. Nur wenige Grad westlich von M13 entfernt, war das Auffinden recht problemlos, auch machte die ausgedruckte Detailkarte mit Sternen bis 14mag das Identifizieren der richtigen Stelle einfach. Tatsächlich war die 11m8 helle Galaxie auch problemlos zu sehen. Eine leichte Elongation war auszumachen, jedoch nicht sehr prägnant, ganz im Gegensatz zum sehr auffälligen, halbkreisförmigen Sternmuster um die Galaxie herum. Dank Thomas Leihgabe seines Beobachtungsstuhls konnte ich sogar eine Zeichnung anfertigen :)



Nach diesem eher ungewöhnlichen aber unspektakulären Objekt, durfte ich einen Blick durch Thomas' 4" Bino werfen. Der Cirruskomplex war fantastisch und sogar detailreich zu sehen, und das ohne Filter! Davon begeistert machte ich mich gleich daran den Nebelkomplex im 12"er mit [OIII] Filter aufzusuchen - es verschlug mir glatt die Sprache - sprichwörtlich knallehell und so detailreich, dass so manches Foto vor Neid verrauschen würde zeigte sich der fette Sturmvogel und die feingesponnene Knochenhand bei 6,3mm AP. Triangular Wisp - ungerechterweise von mit oft "das Gefussel in der Mitte" bezeichnet - habe ich derart detailiert noch nicht gesehen! Von diesem Nebelerlebnis berauscht, schwenkte ich einige Grad weiter zu Nordamerika - erneutes Staunen! Ich wusste vor lauter Nebel auf den ersten Blick erstmal gar nicht wo genau ich mich befinde. Schnell war ich aber am kleinen Orion orientiert und konnte den gigantischen Nebelkomplex abfahren. Die Form war so überdeutlich wie selten und sogar helle "Schockfronten" an der Kante des Nebels waren leicht auszumachen. Sogar der Nachbar - der Pelikannebel - wäre heute ob der Detailfülle ein dankbares Zeichenobjekt gewesen! Christina brach nach eins als erste auf, nachdem sie noch tapfer die Nacht genutzt hatte, trotz des in wenigen Stunden beginnenden 24h Dienstes...



Die südliche Milchstrasse war an diesem Abend besonders beeindrucken für das blosse Auge, sehr selten hat man an unserem Platz so gute Transparenz in diese Richtung, so war die Milchstrasse sogar zu später Stunde. der Mond war schon aufgegangen bis zur Baumgrenze in ca. 4-5° Höhe visuell wahrzunehmen und reich strukturiert. Das Foto entstand gegen viertel nach zwei, also nach Mondaufgang in Richtung Süden, 30s Einzelbild...
Der Schütze war schon sehr niedrig und trotzdem noch alle seine Stern gut zu sehen, der rote Antares strahlte noch fein wenige Minuten vor seinem Verschwinden hinter dem Baumhorizont!

Das zeigte sich natürlich auch an den Objekten, die ich allesamt in Horias 12"er bewundern durfte (mein Gerät stand einige Meter zu weit hinter der Hecke für den Süden). Ein hochgradig beeindruckender M17 bildete den Auftakt, so hell und strukturreich habe ich ihn vom letzten Jahr definitiv nicht in Erinnerung, allerdings war ich da auch mit [OIII] zu Gange während Horia einen UHC einsetzte. Der Trifidnebel war von feinen Dunkelnebeln geteilt und der Lagunennebel war nochmals weitaus besser zu sehen als in meiner Zeichnung vom vergangenen Jahr. Mit Thomas 8x42 Fernglas war das Surfen durch die südliche Milchstrasse ein unglaublicher Genuss und zum ersten Mal sah ich bewusst den Dunkelnebel Barnard 142/143 im Adler der sich deutlich vom hellen Milchstrassenband abhob.



Zum Abschluss der Nacht gönnte ich mir schon einen Vorgeschmack auf den Herbst, mit einem noch tiefen aber nicht minder schönen h+x, der Galaxie NGC 7331 im Pegasus und zu guter Letzt noch ein intensiver Blick auf den sich emporarbeitenden Jupiter, der aber noch mit atmosphärischen Details geizte.
Wenn irgendeine Nacht seit dem letzten Jahr das Prädikat wertvoll und aufputschend verdient hat, dann war es diese wunderbare Sommernacht - und um das ganze noch rund zu machen verabredeten wir uns gleich für die morgige Nacht erneut bevor wir um halb drei unserer Wege zogen ;)